Steven Spielbergs erster Spielfilm "Duell" aus dem Jahr 1971 erzählt eine einfache Story. Der Vertreter David Mann begegnet auf der Landstraße einem Truck. Aus harmlosen Überholmanövern entwickelt sich eine mörderische Jagd. Nachdem Mann anfangs diesem Kampf auszuweichen versucht, gelingt es ihm schließlich mittels einer List, den Tanker in eine Falle zu locken und zu bezwingen.
Spielberg konzentriert sich ganz auf diesen Zweikampf. Die wenigen Nebenhandlungen dienen der Verdeutlichung von Manns emotionaler Verfassung und verzögern gleichzeitig die Entscheidung. Trotz der überschaubaren Handlung weist der Film zu keinem Zeitpunkt Lücken in der Handlung oder in der Spannung auf. Dies wird erreicht, indem der Fahrer des Trucks sowie seine Motivation David zu jagen, sowohl dem Zuschauer als auch dem Fahrer des Pkws bis zum Ende verborgen bleibt. Die kompromisslose Einfachheit der Geschichte ermöglicht darüber hinaus verschiedene Lesarten des Films, da keinerlei Erklärungen angeboten werden.
Der Hauptteil der vorliegenden Arbeit beleuchtet, in welcher Weise die Elemente Figurenkonstellation, Aufbau der Handlung und Filmische Umsetzung zum Spannungsaufbau verwendet worden sind. Im Folgenden werden ausgesuchte Interpretationsansätze vorgestellt. Den Schluss bildet eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spannungserzeugende Elemente
2.1. Die Hauptcharaktere
2.1.1. David Mann
2.1.2. Der Truck
2.2. Handlungsaufbau
2.3. Filmische Umsetzung
3. Interpretationsansätze
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmischen Mechanismen und narrativen Strukturen, die in Steven Spielbergs Erstlingswerk "Duell" (1971) zur Erzeugung von Spannung eingesetzt werden. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie durch die Inszenierung der Figuren, den Aufbau der Verfolgungsjagd und die filmtechnische Umsetzung eine kontinuierliche Steigerung der Bedrohung erreicht wird.
- Analyse der Protagonisten als Mittel zur Identifikation
- Untersuchung der filmischen Darstellung des anonymen Truck-Antagonisten
- Strukturelle Analyse des Spannungsaufbaus durch retardierende Momente
- Betrachtung filmtechnischer Strategien wie Kameraeinstellungen und Schnittfrequenz
- Diskussion verschiedener Interpretationsansätze zur psychologischen Deutung des Films
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Der Truck
Mit der Konstruktion einer unmotivierten und übermächtigen Bedrohung verwendet Spielberg ein weiteres, thrillertypisches Spannungselement. Die Gefahr, die von dem riesigen Tankwagen ausgeht, ist nicht rational. Zu keiner Zeit erfährt das Publikum etwas über dessen Beweggründe. Nicht einmal die Identität des Fahrers wird preisgegeben. Er bleibt anonym, und es ist auch nicht so wichtig, wer David Mann zu töten versucht. Im Verlauf der Geschichte hat nur noch die unmittelbare Bedrohung Bedeutung, die immer gegenwärtig ist und nie an Intensität verliert.
Der Regisseur arbeitet den Charakter des Trucks ebenso gewissenhaft heraus, wie er das bei der Etablierung Manns getan hat. Durch viele Details gelingt es ihm, die Maschine lebendig erscheinen zu lassen, so dass sie im Laufe der Geschichte sämtliche Charakteristika des „Bedrohlichen“ annimmt.
Der Tanklastzug dringt in Manns Alltäglichkeit wie eine Provokation ein. Er ist gezwungen, seine Fahrt wegen dem scheinbar schwerfälligen Laster zu verlangsamen. Der Anblick des Trucks vermittelt sogleich ein Gefühl von Unbehagen. Von kolossalen Ausmaßen, verdreckt und ölverschmiert rollt er wie eine Festung über den Highway. Die mehrfache Aufschrift Flammable vermittelt prompt und unmissverständlich Gefahr. Seine Motorengeräusche sind ohrenbetäubend. Mit Insekten und Schmutz beschmierte Scheiben reflektieren die Sonne und lassen den Fahrer unsichtbar bleiben. Der LKW erinnert mit seinem vorstehenden Motorteil und seinem kompakten Auflieger an ein Krokodil. Scheinwerfer und Kühler wirken wie Augen und Maul. Einkerbungen auf der Stoßstange und zahlreiche Nummernschilder, die wie Trophäen früherer Verfolgungen anmuten, bestätigen den Eindruck eines kompromisslosen Jägers. Der Truck ist nicht nur aufgrund seiner Größe überlegen, er kann auch mühelos jedes Tempo mithalten. Somit wird der Kampf Manns gegen den Lastzug zur Auseinandersetzung auf Leben und Tod gegen eine teuflische, beseelte Maschine.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die einfache Ausgangslage des Films und benennt die zentralen Schwerpunkte der Analyse, insbesondere die Erzeugung von Spannung trotz minimalistischer Handlung.
2. Spannungserzeugende Elemente: In diesem Kapitel werden die Hauptfiguren, der strukturelle Aufbau der Verfolgung und die filmischen Mittel als Werkzeuge der Spannungssteigerung detailliert untersucht.
2.1. Die Hauptcharaktere: Die Analyse konzentriert sich hier auf David Mann als Identifikationsfigur und den Truck als bedrohlichen, anonymen Gegenspieler.
2.1.1. David Mann: Es wird erörtert, wie die Normalität und die Identifikationsmerkmale des Protagonisten zur emotionalen Einbindung des Zuschauers beitragen.
2.1.2. Der Truck: Dieses Unterkapitel widmet sich der filmischen Gestaltung des Lasters als unmotivierte, übermächtige Bedrohung.
2.2. Handlungsaufbau: Hier wird der geradlinige Handlungsstrang analysiert, wobei insbesondere die Funktion der retardierenden Episoden für den Spannungsverlauf hervorgehoben wird.
2.3. Filmische Umsetzung: Dieses Kapitel behandelt die spezifischen Kamerastrategien, den Schnitt und die Bedeutung der Distanzvariationen, die den Zuschauer intensiv am Geschehen teilhaben lassen.
3. Interpretationsansätze: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über verschiedene filmkritische und psychologische Deutungen des Films, wie sie von Experten wie Faulstich und Hickethier formuliert wurden.
4. Fazit: Die abschließende Betrachtung ordnet den Film in das Gesamtwerk Steven Spielbergs ein und würdigt ihn als herausragendes Beispiel des Thriller-Genres.
Schlüsselwörter
Steven Spielberg, Duell, Filmwissenschaft, Spannung, Thriller, Verfolgungsjagd, David Mann, Identifikation, Filmische Inszenierung, Kameraführung, Handlungsaufbau, Psychoanalyse, Filmkritik, Bedrohung, Genreanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser filmwissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Regisseur Steven Spielberg in seinem Film "Duell" durch spezifische erzählerische und filmtechnische Mittel eine hohe Spannung erzeugt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Figurencharakterisierung, der dramaturgische Aufbau der Handlung sowie der Einsatz von Kamera und Montage zur Steuerung der Zuschauerwahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es, das Spannungsgefüge des Films zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie einfache Mittel im Thriller-Genre eine nachhaltige Wirkung auf den Rezipienten erzielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Filmanalyse, die sowohl strukturelle als auch filmtechnische Aspekte beleuchtet und mit Interpretationen aus der Filmkritik kontrastiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Protagonisten, den Aufbau der Verfolgungsjagd und die detaillierte Analyse der filmischen Umsetzung mittels verschiedener Kamerastrategien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Spannung, Identifikation, Verfolgungsjagd, Inszenierung und Thriller-Struktur.
Welche Rolle spielt die Anonymität des LKW-Fahrers für die Spannung?
Die Anonymität dient dazu, das Motiv des Bösen irrational und somit bedrohlicher zu gestalten, da der Zuschauer keinen rationalen Grund für die Jagd erhält und sich auf das unmittelbare Überleben des Protagonisten konzentriert.
Wie bewertet der Autor den Interpretationsspielraum des Films?
Der Autor weist darauf hin, dass viele Interpretationen erst nachträglich von der Kritik in den Film hineingelesen wurden, während der Regisseur selbst primär eine spannende Verfolgungsgeschichte inszenieren wollte.
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- Markus Schardt (Author), 1998, Steven Spielbergs "Duell". Wie wird Spannung erzeugt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14555