James Krüss (1926-1997) zählt zu den berühmtesten Kinderbuchautoren der Nachkriegszeit. Mit den Worten „Verschiedene Zugangswege und nur eine Person dahinter“ charakterisiert Winfred Kaminski in einer Festschrift zum 60. Geburtstag von James Krüss die Mannigfaltigkeit der literarischen Arbeitsgebiete des Dichters und Schriftstellers: „Erzählungen, Lyrik, Kinderbuch, Hörspiel, Fernsehspiel, Kindertheater und Linguistik“ – James Krüss befasste sich mit den unterschiedlichsten Genres. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, und auch er selbst betätigte sich als Übersetzer aus vielen Sprachen. Sein besonderes Interesse galt jedoch der Kinderlyrik. Neben den Anthologien veröffentlichte er mehrere Gedichtbände für Kinder mit eigenen Werken.
In der vorliegenden Arbeit wird versucht, die Motive der Kinderlyrik der Nachkriegs¬zeit von James Krüss zu untersuchen und zu diskutieren. Dabei geht es zunächst darum, typi¬sche Motive herauszuarbeiten und zu gruppieren. Besonders berücksichtigt werden soll in der Untersuchung die Frage nach der Handlung innerhalb der einzelnen Gedichte und die Vertei¬lung aktiver und passiver Rollen. Drei Themenfelder, die in der untersuchten Lyrik wiederholt auftreten, bieten sich für eine Einteilung besonders an: Tiergedichte, Gedichte über Kinder und Erwachsene und Festtagsgedichte. Da es den Rahmen dieser Hausarbeit übersteigt, alle Gedichtsammlungen von James Krüss zu analysieren, beschränkt sich die Untersuchung auf zwei ausgewählte, zeitlich aufeinander folgende Gedichtbände der sechziger Jahre „Der wohltemperierte Leierkasten“ und „Die kleinen Pferde heißen Fohlen“ . Mit einbezogen wird auch das bekannte Gedicht „Der Zauberer Korinthe“, das sich in der 1982 erschienenen Ge¬dichtsammlung „Der Zauberer Korinthe und andere Gedichte von James Krüss“ befindet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Tiergedichte
II. Die Gedichte über Kinder und Erwachsene
III. Festtagsgedichte
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Motive der Kinderlyrik von James Krüss, um typische Themenfelder zu identifizieren und die erzählerische Gestaltung sowie das Rollenverhältnis von Akteuren innerhalb der Gedichte zu analysieren.
- Analyse zentraler Motive in der Kinderlyrik von James Krüss.
- Untersuchung von Handlungsrollen und Interaktionen in Tiergedichten.
- Darstellung des Spannungsfeldes und der Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen.
- Betrachtung der Rolle der Natur und der Bedeutung von Festtagsgedichten.
- Parodistische Verfahren und pädagogische Ansätze in Krüss' Lyrik.
Auszug aus dem Buch
Die Tiergedichte
Tiergedichte stellen generell eine kinderlyrisch bedeutungsvolle Gruppe im Bestand der Naturlyrik dar, einer der charakteristischen Formen der 'neuen', nicht lehrhaften Kinderlyrik, die entstehungsgeschichtlich mit Spätromantik und Biedermeier verbunden ist. Als Klassiker dieser Gruppe werden zwei so genannte 'Fabel'-sammlungen von Wilhelm Hey, erschienen in den Jahren 1833 und 1837, angesehen. Dabei handelt es sich „natürlich nicht um Fabeln, sondern um nicht lehrhafte Natur- bzw. Tiergedichte“.
Moderne Tiergedichte nehmen auch im Werk von James Krüss einen breiten Raum ein. Allein seine bekannte Gedichtsammlung „James Tierleben“ (1965) besteht aus über hundert Tiergedichten. Auch in den hier untersuchten Gedichtsammlungen haben Tiergedichte ihren Platz: „Der wohltemperierte Leierkasten“ besteht zum Teil, „Die kleinen Pferde heißen Fohlen“ ausschließlich aus Tiergedichten.
„Krüss ist als Lyriker vornehmlich Parodist“, erläutert Hans-Heino Ewers in seinem Aufsatz „Kinderlyrik als Naturlyrik. Vom romantischen Kindergedicht zur westdeutschen Kinderlyrik der Nachkriegszeit“. Das parodistische Verfahren von James Krüss erstreckt sich auf die Tradition der althergebrachten moraldidaktischen Kinderlyrik. Seine Parodie ist keine böse Parodie, sie hat keine „scharfen Töne“ und „keinen vernichtenden Charakter“. Sie verleiht der Kinderlyrik einen neuen Stil und dient dazu, „das Überlebte […] aufzufrischen und am Leben zu halten“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von James Krüss ein, definiert das Ziel der Untersuchung und grenzt den Untersuchungsgegenstand auf ausgewählte Gedichtsammlungen ein.
I. Die Tiergedichte: Dieses Kapitel analysiert die Funktion von Tieren als Handlungsträger und parodistische Figuren, die menschliche Schwächen und soziale Verhältnisse widerspiegeln.
II. Die Gedichte über Kinder und Erwachsene: Hier werden die zwischenmenschlichen Beziehungen thematisiert, wobei sowohl die Dominanz der Erwachsenen als auch solidarische Koalitionen mit Kindern beleuchtet werden.
III. Festtagsgedichte: Das Kapitel untersucht die thematische Ausrichtung von Festtagsgedichten und die spezifische, oft in den Hintergrund gerückte Rolle der Natur in diesen Versen.
Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Analyseergebnisse und hebt den humorvollen, aber lehrreichen Charakter der Kinderlyrik von James Krüss hervor.
Schlüsselwörter
James Krüss, Kinderlyrik, Tiergedichte, Festtagsgedichte, Parodie, Kinderliteratur, Nachkriegszeit, Menschenbild, Rollenverteilung, Naturlyrik, Erziehung, Literaturanalyse, Gedichtsammlung, Humor, Motivik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung und Gruppierung zentraler Motive in der Kinderlyrik von James Krüss, basierend auf ausgewählten Gedichtbänden der sechziger Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf drei Hauptbereiche: Tiergedichte, Gedichte über das Verhältnis von Kindern und Erwachsenen sowie Festtagsgedichte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, typische Motive herauszuarbeiten, die Handlungsebene innerhalb der Gedichte zu untersuchen und die Verteilung aktiver sowie passiver Rollen der Charaktere zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Gedichtsammlungen und zieht fachwissenschaftliche Sekundärliteratur heran, um Krüss' parodistische Technik und thematische Schwerpunkte einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Tierfiguren als Spiegel menschlicher Eigenschaften, die komplexe Dynamik zwischen Kindern und Erwachsenen sowie die Rolle der Natur und Phantasie in den Festtagsgedichten detailliert betrachtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie James Krüss, Kinderlyrik, Parodie, Motivik, Rollenverteilung und Literaturanalyse charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Tiere in den beiden untersuchten Hauptsammlungen?
Während die Tiere in „Der wohltemperierte Leierkasten“ als aktive Handlungsträger fungieren, die menschliches Verhalten parodieren, nehmen sie in „Die kleinen Pferde heißen Fohlen“ eher passive Rollen als Beobachtungsobjekte ein.
Warum spielt die Natur in den Festtagsgedichten laut der Analyse eine untergeordnete Rolle?
Obwohl Krüss eine enge Verbindung zur Natur durch seine Biographie als Insulaner hatte, nutzt er die Natur in seinen Versen meist nur als Hintergrund, da seine Lyrik primär eine parodistische Funktion erfüllt, statt die Natur rein deskriptiv oder bewundernd darzustellen.
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- Anna Mikhaylova (Author), 2005, Motive der Kinderlyrik von James Krüss, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145592