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Schachzüge einer schwarzen Hand. Die Czentovic-Figur in Stefan Zweigs "Schachnovelle"

Eine Interpretation aus der Sicht der europäischen Peripherie

Titel: Schachzüge einer schwarzen Hand. Die Czentovic-Figur in Stefan Zweigs "Schachnovelle"

Studienarbeit , 2019 , 14 Seiten , Note: 1

Autor:in: Ilona Drivdal (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Inwiefern spiegeln die kontrahierenden Figuren des Czentovic und des Dr. B. die grundlegenden Konstellationen der damaligen historisch-politischen Geschehnisse: in Österreich und im Europa von damals? Welche zeitgenössischen Strömungen, welche Mythen und welche kulturellen Konstruktionen haben dazu beigetragen, die Machtpositionen auf dem „Schachbrett“ historischer Ereignisse zu platzieren?

Die Interpretation befasst sich mit der hell-dunkel-Metaphorik des Schachbretts. Es geht in diesem Schachspiel um mehr als ein Spiel: es geht um das Weltgeschehen - mit einem Dampfer als Dreh- und Angelpunkt, auf einer Reise von einem zerstörten Europa in die "neue Welt" Amerikas, wobei sich unterwegs dramatische Dinge ereignen - im Salon beim Schachspiel. Wir reflektieren über den Mythos der Habsburger (Magris), mit dem traumatisierten Doktor B als die Figur des treuen Staatsdieners, und die aufkommenden Konflikte mit dem österreichischen "Orient", den slawischen Völkern, zu denen die Czentivic-Figur gehört, mit einem Exkurs zur Frage der Ost- und Westjuden. Mit der Dichotomie am schwarz-weissen Schachbrett hat Stefan Zweig die Konflikte seiner "Welt von Gestern" thematisiert: den Untergang der Donaumonarchie und des alten Adels, und die an immer mehr Terrain gewinnenden "Parvenüs" aus dem Bürgertum. Aber wer ist diese Czetovic-Figur, die wie ein dunkler Schatten aus der europäischen Peripherie auftaucht, eine Hand, die in das Spiel des Zeitgeschehens eingreift. - Diese Interpretation ist ein Versuch, die Metaphorik eines komplizierten Schachspiels zu entschlüsseln [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Fragestellung

I Symbolik der Schachnovelle: Handlung, Kontext und Zeitgeist

1. Am Schachbrett: Die helle und die dunkle Figur

2. Auf dem Dampfer: Die alte und die neue Welt

3. Das Schachspiel: Weltgeschehen zur Zeit Stefan Zweigs

II Der Habsburger Mythos und der österreichische „Orient“

1. Ein kaisertreuer Staatsdiener

2. Ein Barbar aus dem Slawenvolk

3. Europäer und Halb-Asiaten

III Ost und West: Kontraste unter den Juden

1. Die Ostjuden: Massenflucht aus der Peripherie

2. Die Westjuden: Assimilation in den Zentren

IV Theoretische Horizonte: „Die Schatten über Europa“

1. „Patriotischer Wahnsinn“ oder vereintes Europa?

2. Paria oder Parvenü sein? – Die Frage der Anpassung

3. Das politische Schachspiel: Konstruktionen der Feindschaft

V Die Schwarz-Weiß-Dichotomie der Schachnovelle

1. Die Spieler am Schachbrett

2. Figuren im historischen Kontext

3. Das Spiel: Schachzüge eines Parvenüs

VI Zusammenfassung und Konklusion

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit interpretiert Stefan Zweigs „Schachnovelle“ vor dem Hintergrund historisch-politischer Spannungsfelder wie dem Zerfall des Habsburger Vielvölkerstaates, der Judenverfolgung und der Konstruktion von Feindbildern. Das primäre Ziel ist es, die kontrahierenden Figuren Dr. B. und Czentovic als Symbole für komplexe gesellschaftliche und zeitgenössische Strömungen zu entschlüsseln.

  • Analyse der Symbolik von „heller“ und „dunkler“ Spielfigur
  • Untersuchung des Habsburger Mythos und des Verhältnisses von Zentrum und Peripherie
  • Thematisierung der Assimilation und Identitätssuche unter den Juden
  • Deutung der Schachnovelle als Dokument europäischer Zersplitterung und Untergangsstimmung

Auszug aus dem Buch

3. Das politische Schachspiel: Konstruktionen der Feindschaft.

Den politischen Geschehnissen liegen Konstruktionen von Feindbildern zugrunde, die wir hier näher betrachten wollen: Die Abgrenzungen zwischen Europäern und Asiaten, Ost und West, Deutschen und Juden, und so weiter. Die Dichotomie zwischen „Orient und Okzident“ ist Edward Said zufolge eine in Europa konstruierte Theorie. Schon seit Homer (die Griechen im Krieg gegen Troja) wurden die unterschiedlichsten Völker Asiens ohne Unterscheidungen unter dem Begriff „Orientalen“ zusammenfasst. Über Jahrhunderte diente das Konzept des Orientalismus als Machtmittel um die Herrschaft des Abendlandes über den Orient zu legitimieren und im Namen des Fortschritts die „unterentwickelten“ Länder zu kolonisieren. Mit Hilfe "phantasievoller Geographien" trennte man Ost und West; man schuf Abgrenzungen, die den Hass zwischen den Völkern schürten, die den Anti-Semitismus wie auch den Anti-Islamismus hervorgebracht haben, mit fatalen Konsequenzen bis heute (vgl. Said, 261ff).

Die Ideen der Nation und der ethnischen Identität und die Emanzipation der Völker haben ihre natürliche Berechtigung. Die natürliche Vielfalt und Buntheit des Zusammenlebens lässt sich jedoch nicht auf abstrakte schwarze und weiße Felder wie in einem Schachmuster begrenzen. Nach solchen Mustern schaffen wir Grenzlinien zwischen „Uns“ von den „Anderen“, in immer engeren konzentrischen Zirkeln: Europa gegen Asien, Nation gegen Nation, bis zu Familienfehden nach dem Modell der Mafiosi und Bruderzwisten. (Wenn dann keiner mehr in Reichweite ist, spielt man gegen den eigenen Schatten wie Dr. B.)

Das psychologische Motiv der Abgrenzung ist die Angst vor dem Fremden, der Neid der Zukurzgekommenen, die Rachsucht der Beleidigten. Statt sich selbst zu entfalten, richtet man den Hass gegen die Anderen, wie Nietzsche sich über die Gefahr des „Ressentiments“ geäußert hat (Skorgen, 2018). Statt sich um das Wohlergehen des eigenen Volkes zu kümmern, gehen die Nationen aufeinander los, und wer einen Krieg gewonnen hat, schaut sich nach neuen Feinden um.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung der Forschungsintention, Stefan Zweigs letztes Werk als autobiografisch gefärbte Reflexion über den Untergang der „Welt von Gestern“ und die Tragödie Europas zu deuten.

Fragestellung: Untersuchung, inwiefern Dr. B. und Czentovic grundlegende historisch-politische Konstellationen und Mythen der damaligen Zeit widerspiegeln.

I Symbolik der Schachnovelle: Handlung, Kontext und Zeitgeist: Einführung in die Motive des Schachbretts und des Dampfers als Symbole für eine Gesellschaft im Transit zwischen alter und neuer Welt.

II Der Habsburger Mythos und der österreichische „Orient“: Analyse der paternalistischen Hierarchie des Habsburger Vielvölkerstaates und der Rolle der „Peripherie“ als Ausgangspunkt für gesellschaftliche Umwälzungen.

III Ost und West: Kontraste unter den Juden: Betrachtung der Spannungen zwischen assimilierten Westjuden und zuwandernden Ostjuden unter dem Druck des Antisemitismus.

IV Theoretische Horizonte: „Die Schatten über Europa“: Theoretische Auseinandersetzung mit Identitätskonzepten, der Rolle von „Paria“ oder „Parvenü“ sowie der Konstruktion von Feindbildern.

V Die Schwarz-Weiß-Dichotomie der Schachnovelle: Anwendung der erarbeiteten Hintergründe auf die spezifischen Rollen von Czentovic und Dr. B. im Spiel.

VI Zusammenfassung und Konklusion: Abschließende Synthese, dass das Schachspiel als Symbol für die destruktiven Kräfte des Hasses und die Unfähigkeit zur Aussöhnung in der Zeit Stefan Zweigs dient.

Schlüsselwörter

Stefan Zweig, Schachnovelle, Habsburger Mythos, Vielvölkerstaat, Antisemitismus, Ostjuden, Assimilation, Orientalismus, Feindbilder, Identität, Peripherie, Paradigmenwechsel, Nationalsozialismus, Paria, Parvenü.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Stefan Zweigs „Schachnovelle“ als ein hochsymbolisches Werk, das den Untergang der europäischen Kultur durch den Nationalsozialismus und die Wirren der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs reflektiert.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen den Habsburger Mythos, die soziale Dynamik in einem Vielvölkerstaat, die jüdische Assimilationsproblematik sowie die psychologische Konstruktion von Feindbildern.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Dokumentes?

Die Arbeit untersucht, wie die Schachspieler Dr. B. und Czentovic als gegensätzliche Figuren die politischen und kulturellen Spannungen ihrer Zeit sowie die historischen Mythen, die Machtpositionen auf dem „Schachbrett“ der Geschichte festigten, widerspiegeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erschließung der Novelle verwendet?

Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der literaturwissenschaftliche Analyse mit soziologischen Konzepten (wie Edward Saids Orientalismus oder Raymond Firths Ebenen sozialer Organisation) verbindet, um die Symbolik der Novelle in ihren historischen Kontext einzuordnen.

Was wird im Hauptteil des Textes behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Untersuchung der Symbolik, des Habsburger Kontexts, der jüdischen Identitätsfragen sowie der theoretischen Horizonte, die die Konstruktion von Feindschaft und das Verhalten der gegensätzlichen Spielfiguren erklären.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit maßgeblich?

Begriffe wie „Welt von Gestern“, „Peripherie“, „Schachzüge“, „Paria/Parvenü-Dilemma“, „Dichotomie“ und „historische Konstellationen“ stehen im Zentrum der begrifflichen Auseinandersetzung.

Welche Bedeutung kommt der Figur des Czentovic im Kontext der Arbeit zu?

Czentovic wird nicht allein als Individuum, sondern als Symbol für das „einfache Volk“ aus den Randgebieten der Monarchie interpretiert, das eine destruktive, mechanische Weltsicht verkörpert, die der „hellen“ Geistigkeit des Dr. B. entgegensteht.

Wie bewertet der Autor das Ende des „letzten Schachspiels“ bei Stefan Zweig?

Der Autor schließt die Arbeit mit dem Fazit ab, dass es in der Novelle keine Gewinner gibt; sowohl die Vertreter der „Alten Welt“ als auch der „Parvenü“ sind in einem destruktiven System des Hasses gefangen, was die Sinnlosigkeit des Konflikts und die moralische Gefahr jeder Art von Sieg unterstreicht.

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Details

Titel
Schachzüge einer schwarzen Hand. Die Czentovic-Figur in Stefan Zweigs "Schachnovelle"
Untertitel
Eine Interpretation aus der Sicht der europäischen Peripherie
Hochschule
Universitetet i Bergen  (Deutsche Literatur)
Veranstaltung
Seminar
Note
1
Autor
Ilona Drivdal (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V1456793
ISBN (PDF)
9783963567179
ISBN (Buch)
9783963567186
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stefan Zweig Schachnovelle Czentovic Österreich-Ungarn die europäische Peripherie Ost- und Westjuden Orientalismus Symbolik der Schachnovelle
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ilona Drivdal (Autor:in), 2019, Schachzüge einer schwarzen Hand. Die Czentovic-Figur in Stefan Zweigs "Schachnovelle", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1456793
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  14  Seiten
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