In dieser Untersuchung wird das Phänomen des Stimmenhörens aus einer originellen Perspektive untersucht: als Gegenstand der Konstruktion sozialer Wirklichkeiten. Der Autor hat sich sehr gezielt drei Interviewpartnerinnen gesucht, die in sehr unterschiedliche Bezugsgruppen eingebettet sind. Er interessiert sich dafür, wie sie die subjektive Realität des Stimmenhörens vermitteln, wie sie das Phänomen verstehen, welche Begriffe sie dabei verwenden, und wie sie sich selbst im Verhältnis zu den Stimmen und den Personen und Institutionen in ihrem Umfeld positionieren. Kernstück der Arbeit sind drei Interviewauswertungen, in denen es dem Autor gelingt, übergeordnete Diskurse und abgrenzbare "Interpretationsrepertoires" herauszuarbeiten. Der Autor versucht zu belegen, daß der Anschluss an alternative Diskurse zu einem besseren Umgang mit dem Stimmenhören führen kann.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Inhaltsverzeichnis
- THEORIE
- Einführung in den Sozialen Konstruktivismus
- Das empirische Programm des Sozialkonstruktivismus in der Psychologie
- Diskussion des biomedizinischen Krankheitsmodells
- METHODE
- Prinzipien der Diskursanalyse
- Methodisches Vorgehen
- Forschungsfrage
- Auswahl der Intervierwpartner
- Interviews
- Transkriptions-Konventionen
- Auswertung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Diplomarbeit befasst sich mit der Beleuchtung verschiedener Perspektiven auf das Phänomen des Stimmenhörens. Die Arbeit zielt darauf ab, die Relativität und Implikationen der unterschiedlichen Deutungen dieses Phänomens darzustellen. Hierbei wird eine psychopathologische Kategorie dekonstruiert und die gesellschaftliche und kulturelle Konstruktion der psychischen Realität untersucht.
- Kontrastierende Alltagstheorien zum Phänomen des Stimmenhörens
- Dekonstruktion des psychiatrischen Krankheitsmodells im Kontext des Stimmenhörens
- Die Rolle von Diskursen in der Konstruktion psychischer Realität
- Der Einfluss von Interpretationsmodellen auf die Erfahrung und den Umgang mit dem Phänomen
- Der Einfluss des sozialen Konstruktivismus auf die psychologische Forschung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in den Sozialen Konstruktivismus und erläutert dessen empirisches Programm in der Psychologie. Das dominante Modell der klassischen Psychiatrie zur Erklärung 'anormaler' Phänomene wie des Stimmenhörens wird kritisch beleuchtet. Im zweiten Kapitel werden Konzepte der Diskursanalyse vorgestellt und das methodische Vorgehen bei der Erhebung und Auswertung des Untersuchungsmaterials beschrieben. Das dritte Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Untersuchung und diskutiert deren Implikationen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des Stimmenhörens, der Diskursanalyse, dem Sozialen Konstruktivismus, der Diskurs Psychologie, der klassischen Psychiatrie, dem Krankheitsmodell, der Relativität von psychischen Konstruktionen, der Bedeutung von Perspektiven und der gesellschaftlichen und kulturellen Konstruktion der psychischen Realität.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der soziale Konstruktivismus in der Psychologie?
Dieser Ansatz besagt, dass psychische Realitäten und Krankheitsbegriffe keine objektiven Fakten sind, sondern durch soziale Diskurse und Interaktionen konstruiert werden.
Wie wird das Phänomen des Stimmenhörens diskursanalytisch untersucht?
Es wird analysiert, welche Begriffe Betroffene verwenden, wie sie sich zu ihren Stimmen positionieren und welche alternativen Deutungsmodelle zum biomedizinischen Modell existieren.
Was ist die Kritik am biomedizinischen Krankheitsmodell?
Die Kritik besagt, dass die rein biologische Sichtweise das subjektive Erleben ignoriert und Betroffene oft stigmatisiert, anstatt ihren individuellen Umgang mit dem Phänomen zu fördern.
Können alternative Diskurse beim Stimmenhören helfen?
Ja, die Arbeit belegt, dass der Anschluss an nicht-psychiatrische Deutungsmuster (z. B. spirituelle oder psychosoziale Erklärungen) oft zu einem besseren Umgang mit den Stimmen führt.
Was sind „Interpretationsrepertoires“?
Es handelt sich um wiederkehrende sprachliche Bausteine und Argumentationsmuster, mit denen Menschen ihre soziale Wirklichkeit und ihre Erfahrungen (wie das Stimmenhören) erklären.
- Quote paper
- Philipp Stahl (Author), 1998, Diskursanalytische Darstellung verschiedener Realitätsentwürfe zum Phänomen des Stimmenhörens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145722