Da es vor allem in den 80er Jahren zum Aufstieg der ersten Drogenkartelle in Mexiko gekommen ist, wird sich diese Arbeit im ersten Teil mit der Historie des Guadalajara-Kartells im Bundesstaat Jalisco beschäftigen. Hierfür wird der Aufstieg des Kartells ab 1978 unter Miguel Ángel Félix Gallardo bis hin zu seiner Zerschlagung thematisiert werden. In meinem Hauptteil Kapitel wird die Einflussnahme auf die staatlichen Strukturen durch das Guadalajara-Kartell im mexikanischen Bundesstaat Jalisco genauer herausgestellt werden. Hierfür soll am Mord des DEA-Agenten Enrique Camarena 1985 untersucht werden, in welcher Weise das organisierte Verbrechen den Bundesstaat Jalisco in den 1980er Jahren durch Korruption unterwandert und infiltriert hat. Um die Verstrickung von staatlichen Beamten im Fall „Camarena“ zu beleuchten, werde ich diverse Zeitungsartikel der 80er und 90er Jahre aus Mexiko und den USA als deskriptive Überrestquellen auswerten. Hierbei war es möglich online auf die Zeitungen zuzugreifen, die ich dann zum Thema korrupter Beamter um den Mord an Enrique Camarena ausgewählt habe. Gerade für Korruptionsskandale waren die Zeitungen ergiebig.
Vor allem die sehr linksgerichtete und regimekritische Tageszeitung La Jornada, die linke Wochenzeitschrift El Proceso und die Zeitung Excélsior aus dem gemäßigtem politisch linken Lager sind überregional verbreitet und beleuchten durch deren umfassenden Berichte zum alltäglichen Tagesgeschehen die mexikanische Sichtweise. Auch habe ich die Zeitung El Universal, herangezogen, die ebenfalls eine linkspolitische Zeitschrift ist, jedoch weitaus gemäßigter, als die vorherigen. Allerdings gilt hier zu beachten, dass die Berichterstattung unter der autoritären PRI hinsichtlich Pressefreiheit und bezüglich Korruptionsskandalen stark litt und Folgen hatte. Gleichzeitig dienen die Ausgaben der New York Times und der Washington Post für eine amerikanische Sichtweise auf die Ereignisse um Enrique Camarena. Die Ausgaben der mexikanischen Zeitschrift Excelsior sollen die aktuellsten Entwicklungen aufzeigen. Für eine deutsche Sichtweise auf die Ereignisse dient ein Bericht vom Spiegel aus dem Jahr 1985.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hinführung zur Thematik
1.2 Fragestellung, Aufbau und Methodik
1.3 Forschungsstand
2 Staatliche Strukturen und die historische Betrachtung der Drogenökonomie
2.1 Funktionsweise und Akteure im Drogenkrieg
2.2 Staatliche Strukturen im Zusammenhang mit der Drogenökonomie
2.3 Soziale, gesellschaftliche und ökonomische Ursachen für die Drogenökonomie
2.4 Auswirkungen der repressiven Drogenpolitik
2.5 Entstehung des Kartellwesens und seine historische Entwicklung (1978-1989)
2.6 Reorganisation des Kartellwesens unter Miguel Ángel Félix Gallardo
2.7 Struktur, Organisation und Hierarchien im Guadalajara-Kartell
3 Die Einflussnahme auf die staatlichen Strukturen durch das Guadalajara-Kartell im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Der Mord am DEA-Agenten Enrique Camarena
3.1 Kartelle als Herrscher über die Munizipien und das soziale Leben
3.2 Der Mord am DEA-Agenten Enrique Camarena und seine Folgen
3.3 Verstrickung der staatlichen Beamten und politischen Akteure in den Fall Camarena
4 Wie weit hat das Guadalajara-Kartell den mexikanischen Staat Jalisco infiltriert und korrumpiert? Zusammenfassung der Ergebnisse des Mordes am DEA-Agenten Enrique Camarena
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Guadalajara-Kartells auf die staatlichen Strukturen im mexikanischen Bundesstaat Jalisco während der 1980er Jahre, mit einem besonderen Fokus auf den Mord am DEA-Agenten Enrique Camarena als Fallbeispiel für staatliche Infiltration und Korruption.
- Historische Entwicklung des Drogenhandels in Mexiko
- Staatliche Infiltration durch das Guadalajara-Kartell
- Die Rolle der Korruption beim Aufbau narco-politischer Strukturen
- Analyse des Mordfalls Enrique Camarena als Indikator für Machtverschiebungen
- Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Krise und Kartellwachstum
Auszug aus dem Buch
3.1 Kartelle als Herrscher über die Munizipien und das soziale Leben
„Organisiertes Verbrechen ist beides, ein soziales System und eine soziale Welt. Das System setzt sich aus Beziehungen zusammen, in die professionelle Kriminelle, Politiker, Juristen und diverse Unternehmer verflochten sind.“ -Alan Block, USA, Anwalt für Bürgerrechte, 1983-
In diesem Kapitel wird es darum gehen, wie die Drogenkartelle eine Einflussnahme auf die staatlichen Institutionen und vor allem auf die Munizipien des Landes ausübten und diese infiltrierten. Um diesen Einfluss auf die kleinsten politischen Einheiten auszuüben, hat sich parallel eine eigene Kultur im sozialen Leben durch die narcos herausgebildet, was den Einfluss in den Munizipien verstärkte. Dieser Einfluss ist bis heute präsent und bildet die Basis des Drogenhandels.
Der Begriff „narco“ beschreibt in Lateinamerika ein gesellschaftliches Phänomen, sodass sich narcotraficantes in allen Gesellschaftsschichten wiederfinden. Dieses Phänomen soll mit dem Zitat von Alan Block ausgedrückt werden, denn es sind Unternehmer, Juristen, Prostituierte, Kleinbauern, Taxifahrer, Besitzer von Lagerhäusern und Lebensmittelgeschäften und Automechaniker, die im Dienste der Kartelle stehen. Es handelt sich um ein Verhältnis zur Gesellschaft, in dem der narco sehr nah mit der kapitalistischen Marktstruktur verwickelt ist, aber gleichzeitig eine zweite Realität geschaffen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Drogenhandels in Mexiko ein und definiert das Ziel sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2 Staatliche Strukturen und die historische Betrachtung der Drogenökonomie: Hier werden die theoretischen Grundlagen sowie die historische Entwicklung und die Funktionsweise von Drogenkartellen beleuchtet.
3 Die Einflussnahme auf die staatlichen Strukturen durch das Guadalajara-Kartell im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Der Mord am DEA-Agenten Enrique Camarena: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Erkenntnisse mit dem realen Fall von Enrique Camarena, um die Infiltration staatlicher Organe in Jalisco zu demonstrieren.
4 Wie weit hat das Guadalajara-Kartell den mexikanischen Staat Jalisco infiltriert und korrumpiert? Zusammenfassung der Ergebnisse des Mordes am DEA-Agenten Enrique Camarena: Dieses abschließende Kapitel synthetisiert die Befunde und beantwortet die Kernfrage der Arbeit hinsichtlich der Ausmaße der staatlichen Unterwanderung.
Schlüsselwörter
Guadalajara-Kartell, Drogenhandel, Mexiko, Jalisco, Enrique Camarena, Korruption, Infiltration, narcos, staatliche Strukturen, Drogenökonomie, DEA, organisierte Kriminalität, Patronage, Mexiko-Staat, Machtvakuum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das Guadalajara-Kartell in den 1980er Jahren staatliche Strukturen in Jalisco unterwanderte und wie der Mord an Enrique Camarena diese Korruption und Infiltration exemplarisch verdeutlicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung des mexikanischen Kartellwesens, die Verflechtung von Politik und organisiertem Verbrechen sowie der Einfluss ökonomischer Krisen auf die Stabilität staatlicher Institutionen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach dem Ausmaß der Infiltration und Korruption durch das Guadalajara-Kartell im Bundesstaat Jalisco und wie diese Strukturen durch den Mordfall Camarena sichtbar wurden.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse, Auswertung von Zeitungsarchiven (wie El Proceso oder Excelsior) und US-Gerichtsdokumenten, um die kriminellen Strukturen und Korruptionswege zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Analyse der Drogenökonomie, die Entstehung des Kartellwesens unter Félix Gallardo und die detaillierte Darstellung der Ereignisse rund um den Mord an Enrique Camarena.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Argumentation?
Kernbegriffe sind "narco-Kultur", "staatliche Infiltration", "Institutionelle Schwäche" und "Pax Mafiosa", die den Prozess der Unterwanderung des mexikanischen Staates durch das organisierte Verbrechen beschreiben.
Wie organisierte Gallardo das Kartell, um Infiltration zu ermöglichen?
Gallardo teilte das Kartell in Regionen (plazas) auf, um den Wettbewerb zu minimieren, die Effizienz zu steigern und durch dezentrale Organisation die Entdeckung durch staatliche Stellen zu erschweren.
Welche Rolle spielte die CIA in diesem Kontext?
Die Arbeit diskutiert Verbindungen zwischen geheimdienstlichen Interessen (im Zuge des Antikommunismus/Contra-Unterstützung) und der Drogenökonomie, wobei CIA-Verbindungen als Schattenaspekt der Ermittlungen beleuchtet werden.
- Quote paper
- Miguel Steinig (Author), 2019, Die Einflussnahme auf die staatlichen Strukturen durch das Guadalajara-Kartell im mexikanischen Bundesstaat Jalisco, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1457234