Andreas Capellanus - de amore


Seminararbeit, 1999

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zur Minnelehre

3. Biographisches

4. Zu Struktur und Inhalt des Traktats

5. Minnegerichtshof

6. König Amor und die Begegnung mit dem Totenheer

7. Rezeptionsgeschichte

8. Literaturangaben

1. Einleitung

Wie bereits die Rekonstruktion der Herkunft des Autors sowie vor allem die Rezeptionsgeschichte zeigen werden, läßt sich dieser Traktat nicht ohne Schwierigkeiten einordnen. Bis heute gibt es keine einheitliche Meinung darüber, wie und als was das Werk einzuschätzen ist.

Ich werde in meiner Arbeit daher möglichst wertfrei vorgehen, das Werk in seiner Struktur und seinem Inhalt vorstellen, auf Besonderheiten - auch unter theatralem Aspekt - hinweisen sowie einzelne Beiträge und wichtige Argumente in der Diskussion um die Bedeutung des Traktats nennen.

Thema und Rahmen dieser Arbeit erlauben nur einen kleinen Einblick in die Vielschichtigkeit des Traktats. Im Wesentlichen stütze ich mich auf Untersuchungen von Alfred Karnein und Georges Duby (siehe Literaturangaben).

Auf die allgemeine Thematik der Minne bzw. einzelner Modelle höfischer Minne werde ich nur so weit eingehen, wie es für das Verständnis des Textes erforderlich ist, da dies bereits Gegen-stand eines anderen Referats ist.

2. Zur Minnelehre

Mit Aufkommen und Blütezeit des Minnegedankens im 12. und 13. Jahrhundert entwickelt sich neben dem höfischen Roman und dem Minnegesang auch eine weitere literarische Form - die Minnelehre. Diese theoretisch- didaktische Beschäftigung mit dem Thema Liebe bringt vor allem in Frankreich eine umfangreiche Literatur hervor, in welcher Regeln und Gesetze der Liebe formuliert, Fälle „richtigen“ und „falschen“ Liebesverhaltens diskutiert werden.

Treten diese Erörterungen über die Liebe im höfischen Roman und in der höfischen Erzählung als handlungsbedingte Unterweisung einer bestimmten Person auf - z.B. die Belehrung der Lavinia in „Eneit“ Heinrich von Veldekes - , so entstehen aber auch selbständige Werke der Minnedidaktik unterschiedlicher Form:

a) Minneallegorie[1]
b) gereimtes Streitgespräch - z.B. bei Hartmann von Aue
c) Prosatraktat

Letzterem ist der Traktat „de amore“ von Andreas Capellanus zuzuordnen.

3. Biographisches

Der Autor von „de amore“ -Andreas Capellanus- ist bis heute weitgehend unbekannt.

Einigen Handschriften erwähnen ihn als Andreas, Kaplan des französischen Königs in Paris, bei welchem es sich aufgrund zeitlicher Anhaltspunkte um Philippe Auguste II. handelt. Die Existenz einer solchen historisch-konkreten Person konnte jedoch im Umkreis des Königshofes nicht nachgewiesen werden. Bei weiteren Nachforschungen fand man einen Andreas Capellanus in den Urkunden von 1182 und 1186 in Troyes am Hofe der Marie de Champagne. Deren Rolle als Mäzenin höfischer Literatur, ihre häufige Erwähnung im Traktat selbst und nicht zuletzt Andreas’ im Traktat nachweisbaren guten Kenntnisse der höfischen Literatur lassen eine solche Verbindung als wahrscheinlich erscheinen. Demnach war Andreas eine Art Kultusminister und Berater in Liebesdingen der Marie de Champagne und ging erst in einer späteren Lebensphase nach Paris, was die konträre handschriftliche Überlieferung erklärt.

Dagegen spricht jedoch die Datierung des Traktats, die mit frühestens 1186, also gleichzeitig mit dem Verschwinden des urkundlichen Andreas, angenommen wird, der Traktat folglich erst in Paris und nicht in unmittelbarer Nähe der Marie de Champagne verfaßt wurde.

Für Paris spricht auch die gegenüber feodaler Literatur und Moden negative Einstellung des Traktats, welche für den französischen Königshof, welcher unter Philippe Auguste nicht eben literaturfreundlich war, typisch ist.[2]

Beide Auffassungen bestehen parallel bis heute, woraus sich - neben anderen Faktoren - die unterschiedlichen Interpretationen des Traktats als höfisch bzw. antihöfisch ergeben.

Einig ist man sich allein darin, daß Andreas Capellanus ein Intellektueller seiner Zeit war mit Kenntnissen aktueller lateinisch-theologischer Diskurse an den Pariser Hohen Schulen sowie der volkssprachlichen höfischen Literatur.

[...]


[1] Die Minneallegorie verbindet die Darstellung des Wesens der Minne mit der Erteilung konkreter Anweisungen und praktischer Ratschläge. Diese sind in eine Handlung oder ein Bild mit tieferer Bedeutung im Sinne einer Allegorie eingekleidet, in denen oft allegorische Figuren wie Frau Minne oder die Triuwe ihre Lehren erteilen. Beispiel einer solchen Minnelehre ist der „Roman de la rose“ von Guillaume de Lorris.

[2] Karnein: De amore in volkssprachlicher Literatur, S.20-28

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Andreas Capellanus - de amore
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Kultur- und Kunstwissenschaften - Seminar für Theaterwissenschaft und Kulturelle Kommunikation)
Veranstaltung
Theatergeschichte Mittelalter - Vom Leib zum Körper
Note
1,7
Autor
Jahr
1999
Seiten
18
Katalognummer
V14573
ISBN (eBook)
9783638199353
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Traktat über die Liebe(höfische Minne, Minnegesang 12.Jahrhundert)
Schlagworte
Andreas, Capellanus, Theatergeschichte, Mittelalter, Leib, Körper
Arbeit zitieren
Astrid Lukas (Autor), 1999, Andreas Capellanus - de amore, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14573

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