Patientenrelevante Endpunkte: Kommt es bei der Evaluation auf den Patienten an?


Seminararbeit, 2008
58 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Evaluation
2.1 Evaluation und Qualitätsberichterstattung
2.1.1 Vier mögliche Vorgehensweisen
2.2 Gesundheitsökonomische Evaluation

3 Patientenbefragungen
3.1 Warum sollen Patienten befragt werden?
3.2 Kunde, Klient oder Patient?
3.3 Begründung für Patientenorientierung
3.4 Nutzen von Patientenbefragungen
3.5 Grenzen und Probleme von Patientenbefragungen
3.6 Bedeutsamkeit der Sichtweise von Patienten
3.7 Patientenbefragung und patientenorientiertes Qualitätsmanagement
3.8 Patientenbefragung und Patientenkompetenz
3.8.1 Patientenkompetenz
3.8.2 Begriffsbestimmung Patientenkompetenz
3.8.3 Grenzen der Patientenkompetenz
3.8.4 Patientenkompetenz und nicht-medizinische Behandlungs- aspekte
3.8.5 Patientenkompetenz und Patientenpartizipation
3.8.6 Patientenkompetenz und medizinische Behandlungsaspekte
3.9 Validität und Verwertungsrelevanz von Patientenurteilen

4 Patientenzufriedenheit
4.1 Patientenzufriedenheit – Wie messen?
4.1.1 Methoden zur Messung der Patientenzufriedenheit
4.1.2 Kriterien zur Wahl eines Befragungsinstrumentes zur Messung der Patientenzufriedenheit
4.1.3 Entwicklungsmethodik des Befragungsinstrumentes
4.2 Patientenzufriedenheit und Strukturqualität
4.3 Patientenzufriedenheit und Prozessqualität
4.4 Patientenzufriedenheit und Ergebnisqualität
4.5 Modelle der Patientenzufriedenheit
4.5.1 Das Evaluationsmodell
4.5.2 Das Diskrepanzmodell

5 Praktisches Beispiel der patientenzentrierten Evaluation
5.1 Kurzfassung
5.2 Fragestellung
5.3 Ablauf
5.4 Methoden
5.5 Realisierte Stichprobe und Repräsentativität
5.6 Ergebnisse
5.7 Zusammenfassung und Interpretation

6 Schlusswort

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Abkürzungen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Patientenorientierte Qualitätssicherungszyklus,

Quelle: Gaucher 1993; John 1991; Selbmann 1995, zit. nach Satzinger, W.et al. 2001, S. 35

Abbildung 2: Modell der Versorgungsqualität aus Patientensicht nach Wilde,

Quelle: Wilde u.a. 1993, zit. nach Blum, K. 1995, S. 75

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ökonomische Evaluationsstudien,

Quelle: Troschke, J.v., Mühlbacher, A. 2004, S. 139

1 Einleitung

„Patientenbefragungen sind eine alte und häufig angewandte Methode.“[1]

Dem Thema der Patientenbefragungen kann man sich grundsätzlich aus unterschiedlichen Perspektiven annähern, wie:

- Ethische Perspektive
- Medizinische Perspektive
- Perspektive der Qualitätsdiskussion
- Organisationswissenschaftliche Perspektive
- Management- und Wettbewerbsperspektive
- Kontrollperspektive der Leitung

(Hildebrandt, H., Martini, O., zit. nach Schupeta, E., Hildebrandt, H. 1999, S. 13f.)

In der Literatur werden Patientenrelevante Endpunkte mit folgenden Indikatoren angegeb-en:

- Mortalität
- Morbidität (Beschwerden und Komplikationen)
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität
- Interventions- und erkrankungsbezogener Aufwand
- Patientenzufriedenheit

Klinische Studien werden in der Regel so konzipiert, dass krankheitsbezogene Effekte gemessen werden. Diese Effekte können für Patienten Bedeutung haben oder auch nicht. Darüber hinaus kann das Ausmaß des Nutzens oder des Risikos von Patienten individuell unterschiedlich eingeschätzt werden. Beispielsweise können Menschen, die eine Erkrank-ung oder Verletzung (erlebt) haben, und diejenigen, die dies nicht persönlich erlebt haben, Nutzen und Risiken unterschiedlich empfinden und bewerten. Viele Studien messen Surrogate als vermutete Indikatoren für ein patientenrelevantes Ergebnis. Der direkte Rückschluss von einer Veränderung einer Surrogatvariablen auf die Veränderung eines patientenrelevanten Ereignisses ist jedoch nicht ohne weiteres möglich.[2]

Über klinisch relevante Ereignisse wie Mortalität, Morbidität und unerwünschte Wirk-ungen der medizinischen Intervention hinaus können auch andere Effekte oder Ereignisse für Patienten Bedeutung haben, wie z.B.:

- Krankheitsbezogene Lebensqualität, einschließlich der Auswirkung auf die Alltagsaktivitäten und das Wohlbefinden,
- Annehmlichkeiten, Umstände und Aufwand der Behandlung,
- Behandlungszufriedenheit und –präferenzen,
- Auswirkungen auf Angehörige.

(IQWiG 2005b, S. 7f.)

Ergebnisse, die für die Patienten wichtig sind, sollten berücksichtigt werden, bevor be-wertende Schlussfolgerungen über Interventionen getroffen werden. Daten solcher Ergeb-nisse können die Aussagen einer systematischen Übersicht wesentlich ändern. Zusätzlich muss berücksichtigt werden, ob Ergebnisse auf Patienten-Untergruppen (z.B. Geschlechts-unterschiede, verschiedene Altersgruppen) übertragbar sind, und ob Ergebnisse aus lang-fristigen Untersuchungen vorliegen.[3] Sofern ableitbar, sollte dargestellt werden, ob die Größenordnung des Effekts einer Intervention für Patienten relevant ist. Diese Daten werden wenn möglich an Hand der Literaturrecherche inkl. der Auswertung der Ergebnisse qualitativer Forschung und Patienten- und Angehörigenbefragung (z.B. mittels Fokus-gruppenbefragung) erlangt. Die externe Validität von vielen patientenrelevanten Ziel-größen kann von kulturellen und sozialen Gegebenheiten beeinflusst werden und kann sich im Verlauf der Zeit ändern. Darüber hinaus kann die Einschätzung einer Intervention schon alleine dadurch beeinflusst werden, dass es sich um eine Neuentwicklung handelt.[4]

Im Fokus dieser Arbeit stehen die Patienten mit ihren Kontaktpunkten in unserem Gesundheitssystem.[5] Zu Beginn dieser Arbeit erfolgt eine kurze Klärung dessen, was Evaluation ist. Anschließend wird der Nutzen von Patientenbefragungen ausführlich diskutiert, bevor im nächsten Teil der Arbeit die Patientenzufriedenheit dargestellt wird. Zum Ausklang dieser Arbeit wird ein praktisches Beispiel aus der patientenzentrierten Evaluation vorgestellt. Resümierend werden meine Ausführungen in einem Schlusswort reflektiert.

2 Evaluation

„Evaluation ist die Bewertung von Programmen, Maßnahmen und Institutionen. Bewertet werden:

- die Wirkungen von Maßnahmen (Effektivitätsprüfung, Gegenüberstellung von Zielen und Erfolgen) oder
- das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Maßnahmen (Effizienzprüfung, Gegenüber-stellung von Erfolg und Aufwand).“

(vgl. BZgA 2003, S. 32)

Der Begriff Evaluation kommt aus dem Lateinischen valere und bedeutet soviel wie stark sein, kräftig sein, gesund sein, sich wohl befinden etc. Im Englischen value was soviel wie Wert, bewerten, schätzen bedeutet. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Evaluation die Auswertung von Erfahrungen und daran anschließend die Qualitätsbewertung von Verfahr-ensweisen in der wissenschaftlichen Forschung ist. Evaluation misst die Stärke von Programmen im Sinne ihrer Ziele. Die Evaluation bedient sich der Methoden der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Die häufig benutzten Methoden sind die Befragung und Beobachtung, darüber hinaus werden systematische Dokumentation mit Dokumentations-bögen und –rastern eingesetzt.[6] Es gibt zahlreiche Unterscheidungskriterien für ver-schiedene Evaluationsformen.

Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen[7] :

- formativer Prozessevaluation (die die Planung, Durchführung und Wirkung der einzelnen Elemente einer Maßnahme oder eines Programms in ihrem Verlauf („Prozess“) untersucht und durch die Rückkopplung von Zwischenergebnissen zu ihrer Optimierung beiträgt („formativ“, dies ist die Überprüfung der Prozessqualität im Rahmen von Qualitätssicherung)
- summativer Produktevaluation, die das Endergebnis einer Maßnahme oder eines Programms untersucht („Produkt“) und dabei den Gesamteffekt aller Teilmaß-nahmen bewertet („summativ“, Überprüfung der Ergebnisqualität).

Es gilt als anerkannt, dass eine Mischform von Prozess- und Produktevaluation den größten Nutzen entfaltet. Evaluation ist keine ausschließliche Expertensache, jeder Mensch überprüft im Alltag die Wirksamkeit seines Handelns (Arbeitsplatz, Kindererziehung etc.), jedoch mit der Gefahr der Voreingenommenheit und selektiven Wahrnehmung.[8] Aus dieser Sicht kann der Terminus Evaluation definiert werden als Versuch der stärkeren Objektivierung der Bewertung von Veränderungen durch[9]:

- den Einsatz systematischer Beobachtungsmethoden,
- die Erhöhung der Anzahl der Beobachter und
- die Erhöhung der Anzahl der Beobachtungen.

Evaluation sollte bereits während der Planungsphase von Projekten begonnen werden, weil sich so zahlreiche nützliche Bezüge ergeben könnten. Aus einem engen Verständnis heraus hat Evaluation hauptsächlich den Sinn, aus der Kenntnis von Erfolgen und Misserfolgen zu lernen, durch den Beleg von Erfolgen die eigene Arbeit zu legitimieren. Ein weiteres Verständnis betont den Nutzen, den Evaluation bereits bei der Programmplanung und –durchführung entfaltet. Evaluation sollte ein integraler Bestandteil jeder gesundheits-fördernden Maßnahme sein, weil sie grundlegende Funktionen erfüllt[10] :

- Kontrolle der Zielerreichung,
- Formulierung erreichbarer Ziele,
- Formulierung beobachtbarer Ziele,
- Definition von Zielgruppen,
- Prozess- und Zielkorrektur,
- Dokumentation und Legitimation,
- Anregung zur Publikation.

Für eine interne Evaluation spricht die Programmnähe, d.h. die Kenntnis der Einfluss-faktoren auf die Ergebnisse. Hier liegt aber auch die Gefahr der fehlenden Distanz zum eigenen Handeln, die für eine unbefangene Bewertung nötig ist. Mit der Vergabe von Evaluationsaufträgen an externe Personen/Institute wird im Idealfall Erfahrung und Know-how aus vergleichbaren Projekten zugekauft, was bereits in der Planungsphase genutzt werden kann. In jeden Fall ist Evaluation personalintensiv und erfordert freie Mittel bzw. freie eigene Personalkapazitäten.[11] Praxisnahe Evaluation muss im Gegensatz zu wissen-schaftlicher Evaluation nicht mit hohem methodischem Anspruch durchgeführt werden. Sie muss sich oft begrenzen auf Indikatoren, die indirekt au die Wirksamkeit oder Unwirk-samkeit gesundheitsfördernder Maßnahmen hindeuten.[12] Ein Problem von Evaluation in der Gesundheitsförderung liegt in der fehlenden Vergleichbarkeit von Ergebnissen. Neuere Bemühungen zielen daher auf Empfehlungen zur Standardisierung der eingesetzten Frage-stellungen.[13]

2.1 Evaluation und Qualitätsberichterstattung

„Mit steigendem Aufwand und zunehmender Intransparenz des Leistungsgeschehens wächst bei Entscheidungsträgern wie auch bei den zu immer höheren Beiträgen und Zuzahlungen gezwungenen Versicherten und Patienten das Interesse an verlässlichen Informationen über Qualität und Kosten im Gesundheitswesen.“[14]

Die Komplexität des Gegenstandes und der weltweit immer noch eher unterentwickelte Stand der evaluierten Wissenschaften im Gesundheitswesen legen nahe, zunächst einmal die bisher praktizierten Verfahren gegenüberzustellen, um dadurch eine Basis für die Formulierung des zukünftigen Forschungs- und Entwicklungsbedarfs zu gewinnen. Ein möglicher Erkenntnisgewinn: die recht unterschiedlichen Annahmen darüber zu verdeut-lichen erlaubt, was im Gesundheitswesen als qualitätsrelevant erachtet wird. Bemühungen um Transparenz im Gesundheitswesen beziehen sich auf zweierlei: auf die Beschreibung und Beurteilung des Leistungsgeschehens und auf die Offenlegung der dabei verwendeten Konzepte und Methoden. Evaluation und Qualitätsberichterstattung sind Instrumente zur rationalen Gestaltung von Strukturen, Prozessen und Ergebnissen im Gesundheitswesen. Ob und für welche Zwecke diese Instrumente eingesetzt werden, fällt primär in die auftraggebenden Instanzen. Die wissenschaftliche Evaluation verfolgt ganz bestimmte praktische Zwe name="_ftnref15" title="">[15] Evaluation und Qualitätsberichterstattung dienen der Dokumentation und Bewertung der Leistungsfähigkeit einzelner Akteure oder ganzer Versorgungssysteme unter Alltagsbedingungen.[16]

2.1.1 Vier mögliche Vorgehensweisen

Bewertung (Evaluation) ist ähnlich wie Beobachtung und Deutung ein unverzichtbares Element jedweden zielorientierten Handelns. Die Wissenschaftliche Evaluation unter-scheidet sich vom alltäglichen Handeln und Bewerten dadurch, dass bestimmte metho-dische und d.h. letztendlich rational rekonstruierbare bzw. nachvollziehbare Regeln und Vorgehensweisen beachtet werden müssen. Gegenstände wissenschaftlicher Evaluation unterscheiden sich in ihrer Komplexität und zeitlichen Ausdehnung. Im Gesundheitswesen lassen sich gegenwärtig zur fachlichen Bewertung vier verschiedene Vorgehensweisen identifizieren:

- Die Beurteilung einzelner Aktionsprogramme oder Projekte anhand gesetzlicher Ziele und angestrebter Ergebnisse.
- Die epidemiologische Beurteilung personenbezogener Interventionen, z.B. einzel-ner Wirkstoffe oder chirurgischer Eingriffe, durch kontrollierten Vergleich der Ergebnisse einer Interventions- und einer Kontrollgruppe.
- Die Beurteilung einzelner Handlungsweisen bzw. Handlungssysteme mit Hilfe vor-gegebener Standards bzw. Leitlinien.
- Die Beurteilung einzelner Arbeitsleistungen, Organisationen oder ganzer Gesund-heitssysteme durch empirischen Vergleich mittels standardisierter Kennziffern bzw. Indikatoren.

(Badura, B., zit. nach Badura, B., Siegrist, J. 2002, S. 19)

In der Literatur sind bisher insbesondere die ersten drei Vorgehensweisen diskutiert worden, besser bekannt unter der Bezeichnung: Programmevaluation, prozessorientierte und ergebnisorientierte Verfahren.[17]

2.2 Gesundheitsökonomische Evaluation

„Zur Prüfung der Kosten und Untersuchung der Wirtschaftlichkeit alternativer medizi-nischer Behandlungsformen wurden in der Gesundheitsökonomie spezifische Untersuch-ungsansätze und Methoden entwickelt.“[18]

Der Nutzen medizinischer Behandlungen kann bestehen in der Heilung von Krankheiten, der Verbesserung der Lebensqualität, der erfolgreichen Behandlung kritischer Zustände, der Wiederherstellung normaler Funktionen oder der Verhinderung zukünftiger Krank-heiten. Klinische Studien werden häufig an Universitätskliniken mit selektierten Patienten-populationen durchgeführt, während sich die Versorgungsforschung vor allem die Wirk-samkeit unter Alltagsbedingungen interessiert. Ein übergreifender Ansatz zur Bewertung von Technologien und Verfahren ist das Health Technology Assessment (HTA).[19] Zur Durchführung der gesundheitsökonomischen Evaluation stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung (vgl. folgende Tabelle 1).

Tabelle 1: Ökonomische Evaluationsstudien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Troschke, J.v., Mühlbacher, A. 2004, S. 139

3 Patientenbefragungen

Das Lateinische patiens heißt im Deutschen ertragend, erduldend, abgehärtet, geduldig, nicht nachgebend.[20] Es muss also schon lange her sein, als man begann, kranke Menschen mit Patienten zu bezeichnen. Man wollte wohl mit der Bezeichnung ausdrücken, dass ein kranker Mensch seine Krankheit zu ertragen bzw. zu erdulden hat.[21]

„ „Patientenbefragung“ – wie geläufig doch dieses ungelenke Wort inzwischen geworden ist! Jedenfalls wissen heute die meisten derer, die im Gesundheitswesen arbeiten oder „von außen“ sich mit ihm beruflich befassen, dass damit nicht schlicht die Erkundigungen ge-meint sind, die medizinisches Personal im alltäglichen Versorgungsgeschehen – beim anamnestischen Gespräch in der Arztpraxis etwa, bei einer Aufnahme ins Krankenhaus oder der Visite am Krankenbett – von den zu behandelnden Personen einholt, auch nicht die Auskünfte, um die Probanden im Zuge klinischer Studien gebeten werden.“[22]

Assoziiert wird mit Patientenbefragung vielmehr der Versuch, von den primären Nutzern ambulanter und stationärer Versorgungseinrichtungen, also den Patienten/Innen, persön-liche Aussagen über ihre Erwartungen und Erfahrungen, Anliegen und Ansichten systema-tisch zu ermitteln.

3.1 Warum sollen Patienten befragt werden?

Der theoretische Hintergrund und die Methode zur Patientenbefragung sind in Forschungs-projekten untersucht worden und werden auch weiterhin Untersuchungsgegenstand sein. Es gibt auch zahlreiche praktische Ansätze, aus denen Nutzen und Grenzen einer Patientenbeteiligung deutlich werden. Auf die Frage warum sollen Patienten befragt werden lautet die Antwort zunächst einfach und pauschal: Weil hieraus ein Nutzen im Sinne einer Prozessoptimierung erwartet wird.[23] Er kommt allen am Prozess Beteiligten zugute: z.B. durch Kosteneinsparung für Krankenkassen, Krankenhausträger und Ver-sicherte, bessere Zielerreichung und höhere Berufzufriedenheit für die im Gesundheits-wesen Tätigen, mehr Lebensqualität, Würde und Wohlbefinden für die Patienten. Nutzen ergibt sich, wenn Unzufriedenheit abgestellt wird.[24]

3.2 Kunde, Klient oder Patient?

„In Publikationen, die sich im weitesten Sinne auf Themen der Gesundheitsversorgung beziehen, werden die Empfänger dieser Leistungen unterschiedlich als Kunde, Klient oder Patient bezeichnet.“[25]

Zum größten Teil verzichten Autoren auf eine Begründung ihrer Begriffswahl. Bei Publikationen, die sich auf fachliche Aspekte von pflegerischer oder medizinischer Versor-gung beziehen taucht der Begriff des Patienten auf. Bei Themen, die eine mehr (psycho-) therapeutische Ausrichtung haben, wird vom Klienten gesprochen. Bei ökonomischen Fragestellungen werden die Empfänger/Nutzer von Versorgungsleistungen als Kunden tituliert.[26] In der Diskussion über die Qualität im Gesundheitssystem fällt auf, dass immer häufiger der Begriff des Kunden verwendet wird. Dieser begriffliche Wandel scheint Ausdruck für Veränderungen in der Bewertung der Nutzer von Gesundheitsversorgung zu sein. Die Verwendung des Kundenbegriffs macht auch deutlich, dass pflegerische Ver-sorgung zunehmend als eine personenbezogene Dienstleistung verstanden wird.[27]

Mit der Bezeichnung der Empfänger von Gesundheitsleistungen als Kunden, Klienten oder Patienten sind jeweils unterschiedliche Konnotationen beziehungsweise Rollenerwartung-en verbunden. Ein unterscheidendes Merkmal zwischen dem Status des Kunden, dem des Klienten und dem des Patienten ist das jeweilige Ausmaß an Selbstbestimmung und Souveränität in der Dienstleitungsbeziehung.

[...]


[1] Hildebrandt, H., Martini, O., zit. nach Schupeta, E., Hildebrandt, H. 1999, S. 13

[2] IQWiG 2005b, S. 7f.

[3] IQWiG 2005b, S. 7f.

[4] IQWiG 2005b, S. 7f.

[5] Insbesondere was den stationären Sektor betrifft, also vor allem in Bezug auf den Krankenhausbereich.

[6] Vgl. BZgA 2003, S. 32

[7] Vgl. BZgA 2003, S. 32f.

[8] Vgl. BZgA 2003, S. 33

[9] BZgA 2003, 33

[10] BZgA 2003, S. 33

[11] BZgA 2003, S. 33

[12] BZgA 2003, S. 33

[13] BZgA 2003, S. 34

[14] Badura, B., zit. nach Badura, B., Siegrist, J. 2002, S. 15

[15] Vgl. Badura, B., zit. nach Badura, B., Siegrist, J. 2002, S. 16f.

[16] Badura, B., zit. nach Badura, B., Siegrist, J. 2002, S. 18

[17] Vgl. Badura, B., zit. nach Badura, B., Siegrist, J. 2002, S. 19

[18] Troschke, J.v., Mühlbacher, A. 2004, S. 137

[19] Vgl. Troschke, J.v., Mühlbacher, A. 2004, S. 138

[20] Vgl. Satzinger, W. et al. 2001, S. 11; Vgl. Menge, H. 2001, S. 378

[21] Vgl. Satzinger, W. et al. 2001, S. 11

[22] Blum, K., Satzinger, W., Buck, R., zit. nach Satzinger W. et al. 2001, S. 25

[23] Estorff-Klee, A., zit. nach Ruprecht, Th. M. 1998, S. 11

[24] Estorff-Klee, A., zit. nach Ruprecht, Th. M. 1998, S. 11

[25] Müller, K., Thielhorn, U. 2000, S. 26

[26] Vgl. Müller, K., Thielhorn, U. 2000, S. 26

[27] Vgl. Müller, K., Thielhorn, U. 2000, S. 26

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Patientenrelevante Endpunkte: Kommt es bei der Evaluation auf den Patienten an?
Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
58
Katalognummer
V145764
ISBN (eBook)
9783640562787
ISBN (Buch)
9783640562473
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Patienten, Evaluation, Evaluationsmodelle, Patientenrelevante Endpunkte
Arbeit zitieren
B. Sc. Mandy Rudolphi (Autor), 2008, Patientenrelevante Endpunkte: Kommt es bei der Evaluation auf den Patienten an?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145764

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