Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Produkt der Wiedervereinigung oder Erblast der DDR?


Seminararbeit, 2002
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rechtsextremismus in der DDR
2.1. Grober Überblick
2.2. Entstehung einer rechtsextremistischen Skinheadszene in den 80ern
2.3. Reaktion des Staates

3. Ursachen des Rechtsextremismus in der DDR
3.1. Leugnung der faschistischen Vergangenheit
3.2. Das Problem der Ausländer in der DDR
3.3. Zusammenfassung

4. Entwicklung des Rchtsextremismus nach der Wende
4.1. Rechtsextremismus und Wiedervereinigung
4.2. Eskalation der Gewalt nach der Wende

5. Schlußbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Ausschreitungen von Hoyerswerda und Rostock, Anfang der neunziger Jahre, bei welchen rechtsradikale Jugendliche, auf brutalste Art und Weise gegen Asylbewerberheime vorgingen, sorgten deutschland- und weltweit für Aufsehen und Empörung. Die Angst ging um, daß sich im wieder vereinten Deutschland Nationalismus und Faschismus wieder ausbreiten könnten. Lichterketten im ganzen Land, an denen sich Hunderttausende beteiligten, sollten ein Zeichen setzen, daß Rechtsextremisten immer noch weit in der Minderheit waren.

Schnell stellte man sich in den Medien und in der Politik die Frage, warum vor allem die neuen Bundesländer Schauplatz dieser brutalen Übergriffe auf Ausländer waren. Es entstand bald der Eindruck das Ostdeutschland das Mekka des Rechtsextremismus in Deutschland wäre. Berichte über fremdenfeindliche oder rechtsradikale Übergriffe in Ostdeutschland waren an der Tagesordnung. Und das obwohl die DDR sich doch offiziell immer als „antifaschistischen Staat“ betrachtete und zur Untermauerung dieses Anspruches ja auch den „antifaschistischen Schutzwall“ errichtet hatte. Auch über rechtsextreme Straftaten in der Geschichte der DDR war nur sehr wenig bekannt.

In dieser Hausarbeit soll es nun darum gehen zu klären, ob diese Entwicklung nach der Wende wirklich so überraschend kam, oder ob die Wiedervereinigung in Wahrheit nicht nur der letzte Funke war, welcher das bereits trockene Stroh entflammte?

Um diese Frage beantworten zu können ist es von Nöten, daß man vor allem die Zeit vor der Wende, in Hinblick auf den Rechtsextremismus untersucht. Aber auch die Entwicklung nach der Wende muß kurz beleuchtet werden, um beurteilen zu können ob in der Entwicklung Ostdeutschlands, von der sozialistischen DDR zu einem Teil der Bundesrepublik, vielleicht eine gewisse Kontinuität des Rechtsextremismus erkennbar ist.

Daher wird sich in dieser Arbeit im ersten Teil damit beschäftigt, welche Formen der Rechtsextremismus in der DDR annahm und wie der Staat auf ihn reagierte. Im zweiten Teil wird der Frage nachgegangen welche Ursachen dieser Rechtsextremismus hatte. Und im dritten Teil der Arbeit wird es darum gehen, wie sich der Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung entwickelte.

Besonders hilfreich zur Beantwortung dieser Fragen waren die Arbeitspapiere des Pädagogischen Zentrums Berlin, das durch die Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebene Heft „Aus Politik und Zeitgeschichte“ sowie das Buch von Armin Pfahl-Traughber „Rechtsextremismus“.

2. Rechtsextremismus in der DDR

2.1. Grober Überblick

Über rechtsextemistische oder fremdenfeindliche Vorfälle in der ehemaligen DDR ist bis heute hin relativ wenig bekannt. Gleichwohl muß man sagen, daß solche Vorfälle durchaus nicht seltener waren, als in der BRD. Im Gegensatz zur BRD wurden diese jedoch nur in den seltensten Fällen öffentlich bekannt.

Schon seit den frühen 50’ger Jahren kam es immer wieder zu Schändungen jüdischer Friedhöfe oder sowjetischer Kriegsdenkmäler. Auch Ausländer (vornehmlich Gastarbeiter aus sozialistischen Brüderländern), waren immer wieder Opfer fremdenfeindlicher Übergriffe. So kam es zu Beginn der achtziger Jahre in Thüringen zu einem Überfall einheimischer Jugendlicher auf ein Vietnamesenwohnheim, die die Vertragsarbeiter von weiterer zu hoher Normerfüllung abhalten wollten.[1] Auch in den Betrieben waren die Gastarbeiter dem Mißtrauen und der Diskriminierung der deutschen Kollegen ausgesetzt. So wurden die Ausländer häufig zu gefährlichen oder minderwertigen Arbeiten eingeteilt.

Besonders die achtziger Jahre waren gekennzeichnet durch eine starke Zunahme rechtsextremistischer Vorfälle. Vor allem die Fußballstadien waren beliebte Treffpunkte der Rechtsextremisten. Hier konnten, sie ohne Repressionen fürchten zu müssen, viele Leute mit ihren antisemitischen und fremdenfeindlichen Parolen erreichen. Sprüche wie „Zyklon B für den BFC“ waren seit Mitte der 80er Jahre keine Seltenheit mehr.[2] Auch Übergriffe auf Punks und Ausländer häuften sich in den 80ern, aber erst der Angriff rechtsradikaler Skinheads auf die Teilnehmer eines Punkkonzertes in der Berliner Zionskirche, bei welchem die Rufe „Sieg Heil“ und „Juden raus“ zu hören waren, ließ das Thema des Rechtsextremismus in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken.

2.2. Entstehung einer rechtsextremistischen Skinheadszene in den 80ern

Ähnlich wie in der BRD entstand auch in der DDR, Ende der 70er Anfang der 80er, eine neue Jugendkultur, die Jugendkultur der Skinheads. Merkmale der Skinheads waren vor allem die kahlgeschorenen Köpfe und die spezifische „Skinheadmode“, wozu das Tragen von Bomberjacken sowie Springerstiefeln gehörte. Die zunächst noch völlig unpolitischen Skinheads machten vor allem durch ihre hohe Gewaltbereitschaft auf sich aufmerksam, was besonders bei Prügeleien nach Fußballspielen ersichtlich wurde.

Ab Mitte der 80er Jahre setzt ein verstärkter Organisationsprozeß in der Skinhead-Szene ein.[3] Mit diesem verstärken Organisationsprozeß setzte auch eine zunehmende Politisierung der Szene ein. Es bildeten sich Kleingruppen in denen es bestimmte Regeln und bestimmte Aufnahmebedingungen gab. Die von den „Skins“ ausgehende Gewalt richtete sich nun gezielt vor allem gegen jüdische Einrichtungen, Ausländer und Punks. Höhepunkt dieser Entwicklung war der bereits erwähnte Überfall auf ein Rockkonzert in der Berliner Zionskirche.

Es läßt sich also sagen, daß sich die Entwicklung der rechsextermistischen Szene in der DDR nicht automatisch Gleichzusetzen ist mit dem ersten Auftreten der Skinheads. Vielmehr muß man die Entwicklung der Skinhead-Szene in zwei Entwicklungsstadien unterteilen. Das erste Stadium, welches bis circa Mitte der 80er Jahre anhält und gekennzeichnet ist durch ein relativ unpolitisches Auftreten der Skinheads. Und das zweite Stadium, ab Mitte der

80er, in welchem es zu einer zunehmenden Politisierung der Szene kam.

Das öffentliche Meinungsbild über die Skinheads war sehr uneinheitlich. Zum einen stand man der hohen Gewaltbereitschaft eher ablehnend gegenüber. Zum anderen zeigte sich in einer „Studie über Erkenntnisse der Kriminalpolizei zu neofaschistischen Aktivitäten in der DDR“, daß die überwiegende Mehrheit der untersuchten Skinheads (rund 80 Prozent) in ihren Arbeitskollektiven als geachtete Mitglieder galten.[4] Der Grund dafür war wohl vor allem der, daß eine ausgesprochene Identifikation mit der Arbeit einer der elementarsten Werte der Skinheads ist.

Auch bei den ostdeutschen Jugendlichen zeigte sich eher ein uneinheitliches Meinungsbild den Skinheads gegenüber, dies war auch regional sehr uneinheitlich. Die nachfolgende Tabelle soll dies präzisieren.

Tab. 1: Einstellung zu Skinheads nach ausgewählten Territorien 1988 (in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Nach: Wilfried Schubarth, DDR-Jugend zwischen Anpassung und Aufbegehren, in: Pädagogischen Zentrums Berlin (Hrsg.), Arbeitspapiere, Heft 15 1992, S.20)

Trotz überwiegender Ablehnung durch die Jugendlichen, ist nicht zu übersehen, daß knapp ein Drittel von ihnen doch zumindest Verständnis für die Skinheads aufbringt. Das zeigt eindrucksvoll, daß auch schon vor der Wende, viele Jugendliche ein gewisses Bewußtsein für rechtsextreme Meinungen entwickelt hatten.

Obwohl sich die ideologischen Auffassungen der Skinheads mit Nachdruck gegen den sozialistischen Staat und seine Gesellschaftsordnung richteten,[5] kann man wohl davon ausgehen das die Skinhaedszene keine Oppusition dem Staat gegenüber darstellte, da sich ihre Aktionen vor allem gegen Ausländer und Punks richteten. Dennoch war das Entstehen einer solchen rechtsextremistischen Szene Ausdruck dafür, wie es um die DDR Ende der 80er Jahre stand.

[...]


[1] Patrice G. Poutrus/Jan C.Behrends/Dennis Kuck, Historische Ursachen der Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 39 (2000), S. 15-21 (21)

[2] Michael Roik /Marianne Knief, Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern, in: Pädagogischen Zentrums Berlin (Hrsg.), Arbeitspapiere, Heft 10 1992, S. 13

[3] Armin Pfahl-Traughber, Rechtsextremismus, Bouvier 1993, S.158

[4] Edb., S.161

[5] Wilfried Schubarth, DDR-Jugend zwischen Anpassung und Aufbegehren, in: Pädagogischen Zentrums Berlin (Hrsg.), Arbeitspapiere, Heft 15 1992, S. 21

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Produkt der Wiedervereinigung oder Erblast der DDR?
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften)
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V14578
ISBN (eBook)
9783638199377
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, Ostdeutschland, Produkt, Wiedervereinigung, Erblast
Arbeit zitieren
Carsten Socke (Autor), 2002, Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Produkt der Wiedervereinigung oder Erblast der DDR?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14578

Kommentare

  • Gast am 4.3.2008

    uninteressant.

    ...also für eine einfache seminararbeit auch noch geldwerte gegenleistung zu verlangen scheint mir realitätsfern, zumal dann auch schon anhand der zwischentitel wie "Das Problem der Ausländer..." erkennbar ist, dass der AUtor wohl nicht viel Anspruch an die Schreibe zu stellen scheint (was die wissenschaftlichkeit angeht, lassen sich ja nur vermutungen aufstellen)

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