Welche Ziele verfolgt Netflix mithilfe von Making-of-Inhalten auf Netflix sowie darüber hinaus auf YouTube? Dabei wird die Relevanz für den Streaming-Anbieter selbst und für die Zuschauerschaft untersucht.
In dieser Hausarbeit werden Netflix-Originale Making-of-Inhalte auf Netflix und auf YouTube untersucht und eingeordnet. Der Diskurs konzentriert sich dabei auf die Relevanz dieser zusätzlichen Inhalte für Netflix selbst und für die Zuschauerschaft. Damit wird untersucht, welche Ziele Netflix mithilfe dieser Inhalte verfolgt und welche Strategien dabei angewandt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen, Theorien und Konzepte
3. Methodisches Vorgehen
4. Hauptteil
4.1.Übersicht von Making-Of-Inhalten zu Netflix-Originals
4.2.Fallbeispiel I: The Power of the Dog (2021)
4.2.1.Die Relevanz der Oscars 2022
4.2.2.Paratextualität rund um The Power of the Dog
4.2.3.Zusammenfassung
4.3.Fallbeispiel II: The Witcher (2022)
4.3.1.Die Relevanz von Fans
4.3.2.Transmedialität und The Witcher
4.3.3.Zusammenfassung
5. Fazit
6. Literatur- & Medienverzeichnis
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und strategische Relevanz von dokumentarischen Making-of-Inhalten für Netflix. Im Fokus steht dabei die Analyse der Zielsetzungen, die der Streaming-Anbieter durch die Verbreitung dieser Begleitmaterialien auf der eigenen Plattform sowie externen Kanälen wie YouTube für unterschiedliche Film- und Serienproduktionen verfolgt.
- Unterscheidung zwischen dokumentarischen und werblichen Making-of-Formaten
- Analyse der paratextuellen Strategien von Netflix zur Imagebildung
- Bedeutung der Transmedialität für die Fan-Bindung und Markenstärkung
- Vergleich der Marketingstrategien anhand der Fallbeispiele "The Power of the Dog" und "The Witcher"
Auszug aus dem Buch
4.2.2. Paratextualität rund um The Power of the Dog
Paratextuelle Informationen bieten zusätzliche Informationen zu einem Medienartefakt. Sie umschließen und verlängern dieses und sorgen für einen erweiterten Kontext, der über das eigentliche Werk hinausgeht. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern der Paratext die Rezeptionserfahrung beeinflusst. Philippe Lejeune bezeichnete das, was Genette später den Paratext nannte als „the fringe of the printed text which […] controls the whole reading“ (Genette 1991, 261, zit. nach Lejeune 1975, 45). Es handelt sich dabei also um einen Kontext, der die Leseerfahrung beeinflusst, indem eine bessere Rezeption sowie ein sachbezogeneres Verständnis des Artefakts ermöglicht wird. Dabei gibt es eine Unterscheidung zwischen dem Epi- und dem Peritext. Der Epitext bezeichnet die äußere Präsentation eines Medienartefakts, also unter anderem Titel, Autor und Datum. Der Peritext hingegen hat eine gewisse Distanz zum gemeinten Artefakt, bezieht sich aber darauf. Dabei handelt es sich beispielsweise um Interviews, Artikel, Dokumentationen etc. (Genette 1991, 262 f.) .
Making-of-Dokumentationen zu Filmen sind nach diesem Verständnis peritextuelle Artefakte. Dabei zeigen sie neue Perspektiven und erklären Hintergründe, die beim Schauen eines Films nicht direkt klar werden.
Das lässt sich am Beispiel von The Power of the Dog erklären. Netflix nutzt peritextuelle Inhalte, um rezipierenden eine konkretere Auseinandersetzung mit dem Hauptmaterial zu ermöglichen, und epitextuelle Informationen, um damit zu werben. Klar ist jedenfalls, dass vor allem Netflix als Unternehmen für die Paratextuellen-Inhalte verantwortlich ist und das für seine Strategien zu nutzen weiß. Man spricht in dem Kontext von einem „editorial paratext“ (Genette 1991, 266).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Making-of-Inhalte als strategisches Marketinginstrument auf Netflix und Social-Media-Plattformen sowie Definition der zentralen Forschungsfrage.
2. Begriffsdefinitionen, Theorien und Konzepte: Theoretische Herleitung zentraler Konzepte wie dem dokumentarischen vs. werblichen Making-of, Paratextualität nach Gérard Genette und der Begriff der Transmedialität.
3. Methodisches Vorgehen: Beschreibung des forschunspräktischen Ansatzes, der einen Überblick über die Verbreitungsformen von Bonusinhalten bietet und die Auswahl der zwei Fallbeispiele begründet.
4. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung der Making-of-Strategien von Netflix anhand verschiedener Produktionen sowie spezifische Analyse der Fallbeispiele The Power of the Dog und The Witcher.
4.1. Übersicht von Making-Of-Inhalten zu Netflix-Originals: Überblicksartige Darstellung, wie Netflix je nach Popularität und Zielgruppe unterschiedliche Strategien für Bonusinhalte auf der Plattform und YouTube anwendet.
4.2. Fallbeispiel I: The Power of the Dog (2021): Analyse der Making-of-Strategie des Films, die stark auf Prestigegewinn, die Oscars 2022 und ein anspruchsvolles Publikum ausgerichtet ist.
4.2.1. Die Relevanz der Oscars 2022: Untersuchung der Zielsetzung von Netflix, durch den gezielten Einsatz von Making-of-Material die Oscar-Kampagne für diesen speziellen Film zu unterstützen.
4.2.2. Paratextualität rund um The Power of the Dog: Anwendung der paratextuellen Theorie zur Erläuterung, wie Netflix durch Begleitmedien die Rezeption des Films steuert.
4.2.3. Zusammenfassung: Fazit zum ersten Fallbeispiel, das die Strategie als eine Win-Win-Situation für Netflix und das intellektuelle Publikum beschreibt.
4.3. Fallbeispiel II: The Witcher (2022): Untersuchung des zweiten Fallbeispiels, das maßgeblich durch Fan-Kultur, hohe Content-Quantität und transmediale Vernetzung geprägt ist.
4.3.1. Die Relevanz von Fans: Analyse der Strategie, durch eine Vielzahl kurzer, spezifischer Inhalte die bestehende Fangemeinde an die Marke The Witcher zu binden.
4.3.2. Transmedialität und The Witcher: Diskussion der medienübergreifenden Vermarktung, die auf der Bildung von transmedialen Supersystemen basiert.
4.3.3. Zusammenfassung: Zusammenfassung der Strategie beim zweiten Fallbeispiel, die eher die Quantität der Inhalte zur Community-Bildung in den Vordergrund stellt.
5. Fazit: Synthese der Ergebnisse, die zeigt, dass Netflix das Dokumentarische gezielt als marketingorientiertes Werkzeug einsetzt, um verschiedene Zielgruppen über ein breites Spektrum an Strategien zu erreichen.
6. Literatur- & Medienverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen, theoretischen Bezugswerke und untersuchten Netflix-Produktionen.
Schlüsselwörter
Netflix, Making-of, Dokumentation, Paratextualität, Transmedialität, Streaming, Marketing, The Power of the Dog, The Witcher, Filmtheorie, Fandom, Medialisierung, digitale Content-Strategie, Filmästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie der Streaming-Dienst Netflix zusätzliche, dokumentarische Bonusinhalte (sog. Making-ofs) gezielt als strategisches Instrument einsetzt, um seine Eigenproduktionen zu bewerben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die medientheoretische Einordnung von Paratexten, das Konzept der Transmedialität sowie die verschiedenen Vermarktungsstrategien von Netflix auf der eigenen Plattform und Social-Media-Kanälen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Die Arbeit untersucht, welche Ziele Netflix mit der Verbreitung von Making-of-Inhalten verfolgt und inwiefern sich die Strategien je nach Zielgruppe und geplanter Rezeptionsweise des Hauptwerks unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine methodische Analyse, die mit einem Überblick über verschiedene Bonusinhalte beginnt und anschließend zwei konkrete Fallbeispiele (The Power of the Dog und The Witcher) mittels der Begriffe Paratextualität und Transmedialität vergleichend untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Übersicht der Netflix-Strategien und eine detaillierte Fallanalyse, in der die Unterschiede zwischen einer eher künstlerisch-prestigeorientierten Kommunikation und einer auf Quantität und Markenbindung fokussierten Strategie herausgearbeitet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Netflix, Making-of, Paratextualität, Transmedialität, Marketing, Fandom und digitale Strategien.
Warum unterscheidet Netflix zwischen den Strategien für "The Power of the Dog" und "The Witcher"?
Der Autor argumentiert, dass Netflix die Strategie an das jeweilige Publikum anpasst: Während bei "The Power of the Dog" die Qualität für eine Oscar-Kampagne betont werden soll, geht es bei "The Witcher" darum, die Masse an Inhalten zur Bindung der Fan-Community zu nutzen.
Wie spielt das Thema Transmedialität eine Rolle bei Netflix?
Transmedialität wird von Netflix genutzt, um die Marke über die Streaming-Plattform hinaus auf YouTube und anderen Kanälen zu verbreiten, wodurch ein medienübergreifendes System entsteht, das zum verstärkten Konsum animiert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor über die Abgrenzung von Inhalten?
Das Fazit lautet, dass die Grenze zwischendokumentarischen und werblichen Inhalten in der Praxis nahezu vollständig verschwimmt und beide Bereiche in einem gemeinsamen Spektrum agieren, um möglichst große Zielgruppen zu erreichen.
- Arbeit zitieren
- Marc Horvath Cardenas (Autor:in), 2022, Making-of-Inhalte als Marketingtool für Netflix. Die Relevanz von Originalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1457947