Henrik Ibsens Drama Nora oder Ein Puppenheim ist ein Meilenstein für die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert. Es geht um Nora, eine Hausfrau, die den Regeln der Gesellschaft ausgesetzt ist und nach einem Konflikt letztendlich aus ihrem Umfeld ausbricht.
Zwischen der Erscheinung des Dramas und heute sind fast 150 Jahre vergangen. Trotzdem ist die Emanzipation der Frau ein immer noch sehr bedeutendes Thema, welches auch in modernen Medienartefakten verarbeitet wird. Ein Beispiel ist der Film Swallow (USA 2019). In der vorliegenden Hausarbeit wird anhand dieses Beispiels untersucht, inwiefern sich die Rolle Noras in die Moderne übertragen lässt. Dazu werden die Protagonistinnen beider Werke und ihre Geschichten miteinander verglichen.
Der Film Swallow ist für den Vergleich deshalb so interessant, weil er eine eigenständige Geschichte rund um die Figur Hunter erzählt, die dennoch parallelen zu Nora aufweist. Obwohl der Konflikt der Frauen ein jeweils anderer ist, entscheiden sich beide Figuren letztendlich dazu ihre Familie samt Kinder hinter sich zu lassen. Dabei soll der Fokus nicht nur auf den Parallelen und Unterschieden der Protagonistinnen liegen. Auch wird die Verarbeitung der Frauenemanzipation beider Werke und die damit verbundene Rolle der Frau in deren jeweiligem Umfeld verglichen. Bedingt durch den zeitlichen Abstand ist die Gesellschaft und die Rolle der Frau eine ganz andere als etwa noch vor 150 Jahren. Daher ist es ebenso wichtig - bezogen auf die Frauenrolle - den jeweils unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontext der Artefakte klarzustellen, um eine essenzielle Grundlage für den Diskurs im Verlauf der Hausarbeit zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Abstract
2. Methodisches Vorgehen
3. Hauptteil
3.1 Nora oder ein Puppenheim
3.1.1 Handlung, Entstehung & historische Einordnung
3.1.2 Figurenanalyse: Nora
3.2 Swallow
3.2.1 Handlung, Entstehung & Einordnung
3.2.2 Figurenanalyse: Hunter
4. Vergleich
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand eines komparativen Ansatzes, wie sich die Darstellung der Rolle der Frau und das Streben nach Emanzipation von Henrik Ibsens klassischem Drama "Nora oder Ein Puppenheim" (1879) auf den modernen Film "Swallow" (2019) übertragen und vergleichen lassen.
- Historische Einordnung der Frauenrolle im 19. Jahrhundert und in der Moderne.
- Detaillierte Figurenanalyse der Protagonistinnen Nora Helmer und Hunter.
- Vergleich der Emanzipationsprozesse und der gesellschaftlichen Kontexte.
- Analyse der Relevanz und Aktualität der Ibsen’schen Thematik in modernen Medienartefakten.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Figurenanalyse Nora
Nora durchlebt eine starke Wandlung. Diese charakterliche Wandlung und ihre soziale Rolle soll im Folgenden analysiert werden, um der Frage nachzugehen, welches Rollenbild der Frau die Protagonistin repräsentiert.
Als Zuschauer:in lernt man Nora Helmer als Hausfrau, Ehefrau und Mutter in einem gutbürgerlichem Umfeld kennen. Dabei wirkt sie glücklich und unbeschwert. Während ihr Mann Torvald Helmer das Geld mit nach Hause bringt und kurz vor einer Beförderung steht, kümmert sich Nora primär um den Haushalt und die Erziehung der Kinder. Dabei wird klar, dass Torvald die Fäden in der Hand hat, denn er versucht Nora beizubringen, wie sie mit dem verfügbaren Geld umzugehen hat, als wäre sie ein unerfahrenes Kind. Diese kindliche Degradation Torvalds gegenüber seiner Ehefrau mit Bezeichnungen wie „meine liebe kleine Nora“, „meine süße kleine Singlerche“ oder „Das Leckermäulchen“ (Reclam, S. 11) lässt Nora ohne Zweifel durchgehen. Sie scheint glücklich und zufrieden, während ihr Mann sie als kindliches Subjekt betrachtet, dass es zu beschützen gilt. So wird das Rollenverhältnis im Haushalt deutlich. Nora ist ihrem Mann untergeordnet.
Dieses Bild von Nora bestätigt sich ebenso in den Augen der Figuren des Dramas. Frau Linde, die am Weihnachtstag zu Besuch bei den Helmers ist, sieht in Nora ein naives Wesen ohne jegliche Lebenserfahrung und bezeichnet sie in einem Dialog als Kind (vgl. Reclam, S. 19 Z. 27). Dabei offenbaren sich jedoch Noras wahre Gedanken, denn sie widerspricht ihrer Jugendfreundin vehement, indem sie sagt „Du bist genauso wie die anderen. Ihr glaubt alle, zu etwas wirklich Ernsthaften sei ich nicht fähig.“ (Reclam, S. 19. Z. 31f). Da wird klar, dass sie sich von ihrem Umfeld unterschätzt und beinahe ungerecht behandelt fühlt. Das äußert sie klar und überzeugt Frau Linde von ihren Fähigkeiten, indem sie ihr Geheimnis ausspricht: Entgegen der gesellschaftlichen Regeln und Gesetze nahm sie selbstständig und selbstbewusst einen Kredit auf und bezahlte diesen durch harte Arbeit ab, um die Kur ihres Mannes finanzieren zu können, der selbst nicht dazu in der Lage war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abstract: Kurze Vorstellung der Forschungsarbeit, die den Vergleich zwischen Ibsens Drama und dem Film Swallow hinsichtlich der Emanzipation der Frau skizziert.
2. Methodisches Vorgehen: Definition des Vorgehens, bei dem neben geschichtlichen Hintergründen eine detaillierte Figurenanalyse der Protagonistinnen durchgeführt wird.
3. Hauptteil: Gegenüberstellung der beiden Werke mit Analyse der jeweiligen Handlung, Entstehung und figurenspezifischen Entwicklung.
4. Vergleich: Synthese der Analyseergebnisse, die Gemeinsamkeiten und strukturelle Unterschiede in der gesellschaftlichen Darstellung der Frauenrolle hervorhebt.
5. Zusammenfassung: Konklusives Fazit, das die anhaltende Bedeutung von Ibsens Vorlage für moderne Diskurse bestätigt.
Schlüsselwörter
Nora oder Ein Puppenheim, Swallow, Emanzipation, Frauenrolle, Figurenanalyse, Henrik Ibsen, Carlo Mirabella-Davis, gesellschaftlicher Wandel, Filmwissenschaft, Medienkultur, Patriarchat, Selbstbestimmung, Rollenbilder, Gender Studies, psychische Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit vergleicht Henrik Ibsens klassisches Theaterstück "Nora oder Ein Puppenheim" von 1879 mit dem modernen Filmdrama "Swallow" aus dem Jahr 2019, um die Entwicklung der Frauenrolle und Emanzipation zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die soziale Rolle der Frau in unterschiedlichen Epochen, der Ausbruch aus gesellschaftlich diktierten Erwartungshaltungen sowie die Entwicklung weiblicher Protagonisten in toxischen Umfeldern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, inwiefern die Situation und das Rollenbild von Nora in die Moderne übertragbar sind und wie aktuelle Medien diesen historischen Konflikt neu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und filmwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch historische Kontextualisierungen und detaillierte Figurenanalysen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse beider Werke, wobei jeweils die Handlung, der Entstehungskontext sowie das psychologische und soziale Profil der Protagonistinnen (Nora und Hunter) im Fokus stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe Emanzipation, Patriarchat, Selbstbestimmung und der Vergleich zwischen klassischem Drama und modernen Filmerzeugnissen.
Inwiefern beeinflusst das Entstehungsdatum die Handlung von "Swallow"?
Obwohl der Film 2019 spielt, bezieht sich der Regisseur auf das Erbe der 1950er-Jahre und seine eigene Familiengeschichte, um das veraltete, aber immer noch präsente Rollenbild einer Hausfrau zu kritisieren.
Wie unterscheidet sich Noras Entwicklung von der von Hunter?
Während Nora eine schrittweise Erkenntnis ihrer Unterordnung über den Verlauf des Stücks erfährt, zeigt Hunter schon früh ein bewusstes Unbehagen, das sich jedoch in einer pathologischen Essstörung als Bewältigungsmechanismus manifestiert.
- Arbeit zitieren
- Marc Horvath Cardenas (Autor:in), 2021, "Nora oder Ein Puppenheim" (1879) und "Swallow" (2019). Feminismus in Literatur und Film. Vergleichsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1457959