Die thematisierte Frage, ob es ethisch relevant sei, eine Person zu sein, lässt sich auf den ersten Blick sowohl mit einem klaren Nein als auch mit einem affirmativen Ja beantworten. Doch dem ersten Blick ist nicht immer zu trauen und wenn man der Oberflächlichkeit mit etwas Spürsinn entgegenkommt, so wird sich dem Auge ein weites Feld öffnen. Auf den sogenannten gesunden Menschenverstand ist in dieser Hinsicht eher selten Verlass und selbst im Alltag kommt man nur begrenzt ohne eine gewisse Theoretisierung des je eigenen Handelns, in bezug auf andere und auf sich, aus. Die Perspektiven reichen von einer sehr egozentrischen bis hin zu einer relativ altruistischen Betrachtung. Dazwischen, so mutet es an, gibt es nur das eine Prinzip, nämlich dass „(...) jeder (...) sich selbst der Nächste (ist)“ – vor allem dann, wenn es nützlicher scheint, gemeinsames Handeln hintan zu stellen. Wobei, was ist das, „sich selbst der Nächste“? Was bin ich als Person, was ich als Mensch nicht bin? Ist das Menschsein vor dem Personsein? Wer oder was ist Person? Und überhaupt: Was hat all dies mit Ethik zu tun?
Will man also seinen Lebensvollzug (auch) durch „(...) Rechtfertigung der eigenen Moral und zwar durch Argumentation“ verstanden wissen, so benötigt man Hilfsmittel theoretischer Natur. Es kommt einem dabei das Bild der „(...) Rückkehr des Philosophen nach der Schau des Guten in die Höhle (...)“ in den Sinn. Doch soll unser Erdendasein nicht ähnlich dem platonischen Höhlenmythos „(...) in einer praktischen Aporie“ enden, müssen wir uns in einer „(...) in hinreichendem Maße von Vernunft geprägt(en)“ Verfassung der Gesellschaft befinden. Die angenommene Vernunft wiederum ist eine relative Basis, die gerne auch als absolut und ideal zur Disposition gestellt wird. Die Basis wird demnach zwangsläufig mal mehr in diese Richtung, mal mehr in jene tendieren, je nach Interesse und Interpretation. Was aber Kant schon als allgemein gültig formuliert hat, nämlich „(...) daß es einen einzigen, letzten, allgemeinen Grundsatz für schlechthin alle Wahrheiten nicht geben kann“ , das gilt für den komplexen Bereich der Ethik seit den Vorsokratikern und bis heute um so mehr.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Personenbegriff
2.1 bei John Locke
2.2 bei Immanuel Kant
2.3 bei Peter Singer
3. Ethikverständnis Peter Singers
3.1 Konsequenzen, keine Person zu sein
3.2 Abtreibung, Euthanasie und Töten von Tieren
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Relevanz des Personenstatus im historischen Wandel philosophischer Konzepte. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die Zugehörigkeit zum Speziesbegriff Mensch ausreicht, um einen besonderen moralischen Schutzstatus zu begründen, oder ob dieser Status an spezifische personale Merkmale geknüpft ist, wie sie insbesondere im Werk von Peter Singer diskutiert werden.
- Historische Entwicklung des Personenbegriffs (Locke, Kant, Singer)
- Verhältnis von biologischem Menschsein und personalem Status
- Kritische Analyse des präferenz-utilitaristischen Ethikverständnisses
- Implikationen für Lebensschutz, Abtreibung und Euthanasie
Auszug aus dem Buch
2. Personenbegriff:
Der Begriff der Person ist in jeder Hinsicht ein sehr gebräuchlicher. Etymologisch ist der Begriff wohl bei den Etruskern anzusiedeln. Im klassischen Latein gab es verschiedene Verwendungen, sowohl metonomisch und metaphorisch, als auch philosophisch. So bedeutet persona im Schauspiel die Rolle, die gespielt wird, als Amtsperson zielt persona auf den Charakter, die Würde des Menschen ab. In beiden Fällen handelt es sich gewissermaßen um die Funktion der persona als Maske, die lateinische persona ist „(...) gewissermaßen metaphysisch unberührt.“ Die Maske dient dem Menschen, um zu veräußerlichen, was der Mensch in der jeweiligen Situation ist. Der Mensch wird also hinsichtlich seiner handelnden Funktion kategorisiert, als der „(...) Geizige(n), die Alte, den Banditen usw.“ Er ist nie nur Mensch (an sich), sondern als dieser auch etwas. Dieses etwas manifestiert sich allgemein als die jeweilige Person, wobei auch anstelle der Person namentlich „(...) Selbst oder Ich (...)“ stehen könnte, jenes aber auf keinen Fall als gegenständlich zu interpretieren wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer klaren ethischen Definition des Personenbegriffs und führt in die Relevanz der Thematik sowie die philosophische Fragestellung der Arbeit ein.
2. Personenbegriff: Dieses Kapitel erläutert die etymologische und philosophische Entwicklung des Personenbegriffs bei John Locke, Immanuel Kant und Peter Singer und stellt deren unterschiedliche Herangehensweisen dar.
3. Ethikverständnis Peter Singers: Hier wird der utilitaristische Ansatz Peter Singers analysiert, insbesondere seine Auffassung von Interessenabwägung sowie die daraus abgeleiteten Konsequenzen für den moralischen Status nicht-personaler Wesen.
4. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die zunehmende Auflösung strikter moralischer Grenzen zugunsten einer ökonomisch-utilitaristischen Perspektive auf das Leben.
Schlüsselwörter
Personenbegriff, Ethik, Utilitarismus, Peter Singer, John Locke, Immanuel Kant, Menschenwürde, Lebensrecht, Selbstbewusstsein, Euthanasie, Abtreibung, Speziesismus, Interessensabwägung, Autonomie, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische und ethische Bedeutung des Begriffs "Person" und analysiert, inwieweit dieser Begriff moralische Rechte wie das Recht auf Leben begründet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung des Personenbegriffs, das Verhältnis von biologischer Spezies und Personsein sowie die ethische Bewertung von Lebensschutz und Tötungsverboten in der modernen Medizinethik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Konsequenzen aufzuzeigen, die entstehen, wenn der moralische Schutz nicht mehr an die menschliche Biologie, sondern an personale Eigenschaften wie Selbstbewusstsein und Rationalität geknüpft wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Analyse- und Vergleichsmethode, um die Konzepte von Locke, Kant und Singer kritisch gegenüberzustellen und ihre normativen Schlussfolgerungen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Exegese des Personenbegriffs bei Locke, Kant und Singer sowie der Anwendung von Singers Ethikverständnis auf kontroverse Themen wie Abtreibung, Euthanasie und Tierschutz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlüsselwörter sind Personenbegriff, Utilitarismus, Menschenwürde, Autonomie, Lebensrecht und Peter Singer.
Wie unterscheidet sich Singers Personenbegriff von dem Kants?
Während Kant den Menschen als Zweck an sich selbst definiert und eine unbedingte Würde postuliert, bewertet Singer den moralischen Status anhand von kognitiven Fähigkeiten wie Selbstbewusstsein, was für ihn den Spielraum für eine utilitaristische Abwägung von Leben eröffnet.
Warum kritisiert der Autor Singers Position im Fazit?
Der Autor kritisiert die Annahme einer rein objektiven Beobachterposition bei Singer und warnt davor, dass die Kommerzialisierung und die utilitaristische Instrumentalisierung des Lebens den Schutz des Menschen, insbesondere in verwundbaren Lebensphasen, gefährden könnten.
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- Anton Distler (Autor), 2003, Ist es ethisch relevant, eine Person zu sein?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14581