In dieser Unterrichtseinheit wird exemplarisch anhand mehrerer Psalmen (u. a. Psalm 104, 23 und ein Klagepsalm) gezeigt, wie der Psalter als Modell für das Vorbringen eigener Erfahrungen vor Gott zu verstehen ist. Neben einem vollständigen Unterrichtsentwurf für sechs Doppelstunden sind sämtliche Unterrichtsmaterialien sowie der didaktische Kommentar dazu enthalten.
Die Behandlung der Psalmen in der fünften/sechsten Klasse erfordert eine Reduktion der theologischen Komplexität des Psalters auf die anthropologischen Grundelemente der Klage, des Vertrauens, der Bitte, des Danks und des Lobs. Dabei handelt es sich um menschliche Grundempfindungen, die nach Mitteilung streben und in Gott ein ansprechbares Gegenüber finden, das Hoffnung stiftet. Bei der Behandlung der Psalmen ist demnach Gott als lebendiges und Vertrauen stiftendes Gegenüber herauszuarbeiten, um so den Psalter als Modell für das Vorbringen eigener Erfahrungen vor Gott zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
Theologische Bedeutung der Psalmen
Elementarisierung der Unterrichtseinheit
Bibliografie
Übersicht der Einzelstunden
1. Mit Gott reden?!
2. Meine Kehle ist ausgedörrt – ich habe Angst!
3. Wie lange willst du mich vergessen? - Psalm 22
4. Auf dich traue ich! - Psalm 23
5. Ich danke dir in Ewigkeit!
6. Ich lobe den Herrn! - Psalm 104
Unterrichtsmaterial
Zielsetzung & Themen
Die Unterrichtseinheit zielt darauf ab, Schülern der Klassen 5/6 die Psalmen als lebensnahe Gebets- und Meditationsform zu erschließen. Durch die methodische Reduktion auf anthropologische Grunderfahrungen wie Klage, Bitte, Dank und Lob wird eine Brücke von den biblischen Texten zur eigenen Lebenswelt geschlagen, um Gott als ansprechbares Gegenüber erfahrbar zu machen.
- Psalmen als Ausdruck menschlicher Grenzsituationen und Grunderfahrungen.
- Vermittlung der Grundgattungen Klage, Bitte, Dank und Lob.
- Deutung biblischer Metaphorik und Gottesbilder.
- Anknüpfung an die Lebenswelt der Schüler durch existenzielle Fallbeispiele.
- Performativer Zugang durch das Verfassen eigener Psalmverse.
Auszug aus dem Buch
Gedanken machen schwer!
Oskar, ein zehnjähriger Junge, leidet plötzlich unter starken Kopfschmerzen. Sein Hausarzt ist zunächst ratlos, aber nach zwei Wochen intensiver Untersuchungen in einer Kinderklinik steht fest: Oskar hat Krebs. Im Krankenhaus begegnet er Oma Rosa, einer älteren Dame, die sich liebevoll um die Kinder auf der Station kümmert.
„Oma Rosa, ist es unsicher, ob ich wieder gesund werde?“
Oma Rosa schweigt.
„Oma Rosa, ich habe dich etwas gefragt! Alle hier sehen mich so mitleidig an – der Arzt, die Schwestern und meine Eltern. Letztere besuchen mich nur einmal pro Woche und wirken bedrückt. Sie lachen nicht mehr mit mir wie früher, sondern zwingen sich dazu. Ich habe das Gefühl, dass ich sie traurig mache, und das belastet mich. Außerdem redet niemand mit mir über meine Krankheit – zumindest sagt mir niemand die Wahrheit. Aber du, Oma Rosa, du bist anders, oder?“
Oma Rosa nickt.
„Werde ich vielleicht sterben?“
Erneut nickt Oma Rosa, den Blick leicht gesenkt. Als sie sicher ist, dass Oskar verstanden hat, kommt sie näher. Einen Moment lang schweigen sie, um die vielen neuen Gedanken zu verarbeiten.
„Und wenn du einen Brief an den lieben Gott schreiben würdest?“
„Nicht Sie! Ich dachte, Sie würden nicht schwindeln.“
„Aber ich schwindele nicht.“
„Warum sprichst du dann vom lieben Gott? Man hat mich schon einmal reingelegt, mit dem Weihnachtsmann. Einmal reicht mir völlig.“
„Oskar, der liebe Gott und der Weihnachtsmann haben nichts miteinander zu tun.“
„Doch, das ist doch alles dasselbe – Lügengeschichten und so.“
„Glaubst du, dass ich an den Weihnachtsmann glaube?“
„Nein.“
„Na also, ich glaube nicht an den Weihnachtsmann, aber ich glaube an Gott. Bitte schön.“
Ja, aus dieser Perspektive betrachtet, ist das etwas anderes.
„Und warum sollte ich an den lieben Gott schreiben?“
„Du würdest dich nicht so einsam fühlen. Du könntest mit ihm sprechen, so wie mit einem Freund.“
Zusammenfassung der Kapitel
Theologische Bedeutung der Psalmen: Erläutert den Ursprung und die Bedeutung des Psalters im Judentum und Christentum als Gebets- und Meditationsbuch.
Elementarisierung der Unterrichtseinheit: Beschreibt das didaktische Konzept der Reduktion auf anthropologische Grundelemente und die Verknüpfung mit der Lebenswelt der Schüler.
Bibliografie: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen und didaktischen Primär- und Sekundärliteratur.
Übersicht der Einzelstunden: Detaillierte Planung von sechs Unterrichtseinheiten mit Inhalten, Zielen und Kompetenzbereichen.
Unterrichtsmaterial: Enthält Arbeitsblätter, Sachtexte und methodische Anleitungen zur Erarbeitung der Psalmen in der Schule.
Schlüsselwörter
Psalmen, Psalm 23, Gebet, Klage, Lob, Dank, Vertrauen, Gottesbilder, Symboldidaktik, Religionsunterricht, David, Biblische Didaktik, Grundformen religiöser Sprache, Grenzsituationen, Glaube.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Das Dokument bietet ein umfassendes didaktisches Konzept für den Religionsunterricht in der Klasse 5/6 zum Thema Psalmen und deren Bedeutung als Lebenshilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die menschlichen Grunderfahrungen wie Angst, Leid, Freude und Dankbarkeit, die in den Psalmen als Gebet vor Gott artikuliert werden.
Was ist das primäre Ziel der Einheit?
Das Ziel ist es, den Schülern zu vermitteln, wie sie eigene Lebensereignisse in einer religiösen Sprache vor Gott bringen und im Gebet ein vertrauensvolles Gegenüber finden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein religionspädagogischer Ansatz gewählt, der die "Symbol- und Bibeldidaktik" integriert und durch performative Zugänge (eigenes Verfassen von Psalmen) ergänzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in sechs unterrichtspraktische Einheiten zu unterschiedlichen Psalmen (u.a. Ps 22, 23, 104) und behandelt exemplarische Situationen wie die Angst vor einer Prüfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert besonders auf Begriffe wie Klage, Lob, Vertrauen, Gottesbilder und die performative Einübung des Gebets.
Welche Rolle spielt die Person David in dieser Einheit?
David dient als zentrale Identifikationsfigur, dessen Lebensgeschichte als "Mensch wie du und ich" die Brücke zur Psalmeneinheit baut und exemplarisch menschliche Krisen und Freude verdeutlicht.
Warum wird in dieser Einheit das Buch "Oskar und die Dame in Rosa" verwendet?
Es dient als konkretes Beispiel für einen kindgerechten Zugang zur Thematik des Gebets und Gottesbildes, um Schülern die Existenz Gottes als Gesprächspartner in Notsituationen nahezubringen.
- Arbeit zitieren
- Anita Glunz (Autor:in), 2024, Psalmen. Mein Weg zu Gott (5./6. Klasse Religion), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1458217