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Der Gewissensbegriff nach Hannah Arendt. Die Bedeutung für die Banalität des Bösen anhand des Beispiels Adolf Eichmann

Title: Der Gewissensbegriff nach Hannah Arendt. Die Bedeutung für die Banalität des Bösen anhand des Beispiels Adolf Eichmann

Term Paper , 2022 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Johannes Christen (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Wie kann ein Mensch wie Adolf Eichmann, der für die Deportation und den Mord an Millionen von Jüdinnen und Juden verantwortlich ist, ein Gewissen haben? Und sich auch noch auf dieses berufen? Diese Frage stellten sich nicht nur die Richter des vom Bezirksgericht Jerusalem geführten Prozess gegen den SS-Obersturmbannführer im Jahre 1961, sondern auch Hannah Arendt selbst - und viele weitere Menschen, die den Prozess verfolgten. Arendts Bericht hierzu, welcher 1963 erstmalig erschien, löste folglich bei den Leserinnen und Lesern heftige Kritik und langanhaltende Kontroversen aus.

Arendt schildert in ihrem Werk einen "Kollaps des Gewissens" und beweist, warum das Gewissen nicht als moralische Instanz des Menschen fungieren kann. Sie zeigt auf, nach welchen Mechanismen die Nazis den Begriff und "moralisches Handeln" an sich pervertiert haben, um ihre Gräueltaten zu rechtfertigen und sagen zu können, sie hätten dabei ein reines Gewissen gehabt.

Was als "Eichmann-Kontroverse" bekannt ist und damals zur Erscheinung des Werkes für viel Kritik gesorgt hat, birgt für den modernen Leser eine wichtige Lektion - nämlich dass das Gewissen nicht als sichere moralische Instanz im Denken und Handeln fungieren sollte, denn es ist anfällig für Manipulation und Irrtümer.

In der Arbeit gehen wir diesen Gedanken auf den Grund. Dabei geht es nicht nur um den Begriff des Gewissens und dessen Pervertierung, sondern auch um die Entwicklung des Begriffs anhand Arendts Denktagebüchern. Ihre gedanklichen Ursprünge hierzu reichen zurück bis zu Sokrates.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Suche nach dem Gewissen bei Eichmann in Jerusalem

3 Der Kollaps des Gewissens im 20. Jahrhundert

3.1 Die Eichmann-Kontroverse

3.2 Der Missbrauch der kantischen Moralphilosophie

3.3 Die Banalität des Bösen und das Gewissen

4 Entwicklung des Gewissensbegriffs im Werke Arendts

4.1 Sokrates und Arendts Gewissensposition

4.2 Der Begriff im Denktagebuch 1, 1950-1953

4.3 Eine Gewissensdefinition zu Eichmann in Jerusalem

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wandel des Gewissensbegriffs bei Hannah Arendt unter besonderer Berücksichtigung ihres Werkes "Eichmann in Jerusalem". Dabei wird analysiert, wie Arendt das Phänomen der "Banalität des Bösen" auf die Pervertierung des Gewissens in totalitären Strukturen zurückführt, welche es Tätern ermöglichte, ihre mörderischen Handlungen legitimiert innerhalb eines vermeintlichen moralischen Rahmens auszuüben.

  • Analyse des Gewissensbegriffs im historischen Kontext des 20. Jahrhunderts
  • Untersuchung der "Eichmann-Kontroverse" als Kollaps des klassischen Gewissens
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Missbrauch der kantischen Moralphilosophie durch den Nationalsozialismus
  • Erarbeitung der von Arendt vorgenommenen Neudefinition des Gewissens (Stimme der Menschheit vs. Konformität)
  • Verbindung von Denktagebuch-Notizen und Spätwerk zur Systematisierung des Begriffs

Auszug aus dem Buch

3.2 Der Missbrauch der kantischen Moralphilosophie

Eichmann beteuerte sein Festhalten an der „Endlösung“ dadurch, dass „Führerworte Gesetzeskraft hatten“ und nach der Ethik Hans Franks, welche Eichmann gekannt haben muss, folgte er der pervertierten Neuinterpretation des kategorischen Imperativs: „Heute können wir [...] in unserem nationalsozialistischen Staat als das Fundament auch der Technik des Staates ansehen die Bezogenheit jedes amtlichen Handelns zum Führerwillen. Weit über den juristischen Bereich des von dem Gesetzgeber Adolf Hitler aufgestellten legislativen Staatswillens ist ja die Persönlichkeit des Führers ganz allgemein auch die sittlich und moralisch jedes öffentliche Handeln bestimmende vorbildliche Persönlichkeit. Der kategorische Imperativ des Handelns im Dritten Reich lautet: ‚Handle so, daß der Führer, wenn er von Deinem Handeln Kenntnis hätte, dieses Handeln billigen würde.’“

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Eichmanns Beteuerung, „mit großem Nachdruck [...], sein Leben lang den Moralvorstellungen Kants gefolgt zu sein“, welche zunächst absurd wirkt, ernst genommen werden muss in Hinblick auf sein Gewissen. Es ist die Erklärung für das Festhalten an der Juden-Vernichtung und der Sabotage der Anweisungen Himmlers. Diese Erklärung ist zurecht die Erschütterung der abendländischen Gewissensvorstellung, und diese Erschütterung wäre bei einem aus niederen oder sadistischen Motiven handelndem Täter nicht vorhanden, denn dies würde das Gewissensverständnis ja nur bestätigen. Eichmann aber war kein Sadist, er hat sich ganz penibel an die Einhaltung des Führerwillens, an die Durchsetzung der „Endlösung“, gehalten. Nach der Definition ist der Führerwille nicht nur ein bloßer Befehl, er ist Gesetz.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Vieldeutigkeit des Gewissensbegriffs ein und begründet die Relevanz von Arendts Auseinandersetzung mit dem Fall Eichmann für das Verständnis des modernen moralischen Zusammenbruchs.

2 Die Suche nach dem Gewissen bei Eichmann in Jerusalem: Dieses Kapitel erläutert, wie Arendt im Fall Eichmann das Phänomen der "Gedankenlosigkeit" identifiziert, welches Eichmann befähigte, Verantwortung als Verbrecher zu übernehmen, ohne dabei aus klassisch bösen Motiven zu handeln.

3 Der Kollaps des Gewissens im 20. Jahrhundert: Es wird die Eichmann-Kontroverse analysiert, wobei besonders der pervertierte Einsatz des Gewissens als Rechtfertigung für industrielle Massenermordung im Dritten Reich im Mittelpunkt steht.

4 Entwicklung des Gewissensbegriffs im Werke Arendts: Das Kapitel dokumentiert Arendts philosophische Herleitung des Gewissens, insbesondere durch den Bezug zu Sokrates und die Definition des Gewissens als inneren Dialog in der Einsamkeit sowie als notwendige Bedingung für politisches Handeln.

5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Arendts Analyse zeitlos ist, indem sie die Gefahren aufzeigt, die entstehen, wenn das Gewissen nicht mehr als moralische Instanz, sondern als Instrument staatlicher Konformität fungiert.

Schlüsselwörter

Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem, Gewissen, Banalität des Bösen, Nationalsozialismus, Kant, Kategorischer Imperativ, Gedankenlosigkeit, Moral, Totalitarismus, Subjektivität, Verantwortung, Sokratischer Dialog, Führerwille, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es primär in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Wandel des Gewissensbegriffs im Denken von Hannah Arendt, insbesondere im Hinblick auf ihre Analyse des Holocaust und die Person Adolf Eichmann.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?

Zentrale Themen sind die Pervertierung moralischer Instanzen im Totalitarismus, das Phänomen der Gedankenlosigkeit und die philosophische Neubestimmung des Gewissens nach der Erfahrung des nationalsozialistischen Genozids.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Arendt das Gewissen nicht als Garant für Gutes, sondern in bestimmten Kontexten als gefährliche, sich nach Konformität richtende Instanz identifiziert, die den moralischen Zusammenbruch ermöglichte.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Es handelt sich um eine systematische philosophische Literaturanalyse basierend auf Arendts "Eichmann in Jerusalem", ihren Denktagebüchern sowie ergänzender Sekundärliteratur.

Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Eichmann-Kontroverse, den Missbrauch kantischer Prinzipien im Dritten Reich sowie die sokratischen Wurzeln von Arendts späterer Gewissensdefinition.

Welche Schlüsselbegriffe sind entscheidend für das Verständnis?

Wichtige Begriffe sind "Banalität des Bösen", "Gedankenlosigkeit", "Führerwille" sowie das sokratische "Zwei-in-eins" im Bewusstsein.

Warum spielt der Begriff der "Gedankenlosigkeit" bei Arendt eine so zentrale Rolle?

Arendt nutzt diesen Begriff, um zu verdeutlichen, dass Eichmanns Verbrechen nicht auf einer explizit bösen Absicht basierten, sondern auf einer Unfähigkeit, die eigene Handlung im reflektierten Dialog mit sich selbst zu hinterfragen.

Inwiefern hat sich das Verständnis des Gewissens durch Arendts Analyse verändert?

Arendt bricht mit der Tradition, das Gewissen als rein moralischen Kompass zum Guten zu betrachten, indem sie zeigt, dass es im Dritten Reich als Instrument zur Erfüllung von Unrecht fungierte.

Was versteht Arendt unter dem "Zwischen" in ihren Denktagebüchern?

Das "Zwischen" bezeichnet den historisch-politischen Raum des sozialen Miteinanders, in dem Übereinkünfte und Gesetze gelten, die das Handeln legitimieren.

Wie bewertet der Autor das Fazit bezüglich heutiger Relevanz?

Der Autor ordnet Arendts Erkenntnisse als zeitlos ein und verweist darauf, dass die Mechanismen der moralischen Pervertierung auch gegenüber aktuellen globalen Herausforderungen eine Warnung darstellen.

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Details

Title
Der Gewissensbegriff nach Hannah Arendt. Die Bedeutung für die Banalität des Bösen anhand des Beispiels Adolf Eichmann
College
University of Leipzig  (Institut für Philosophie)
Course
Es gibt nichts Gewisses außer dem Gewissen. Thomas von Aquin und Hegel über einen Grundbegriff der Moralphilosophie
Grade
1,0
Author
Johannes Christen (Author)
Publication Year
2022
Pages
21
Catalog Number
V1458227
ISBN (PDF)
9783389000175
ISBN (Book)
9783389000182
Language
German
Tags
Hannah Arendt Adolf Eichmann Gewissen Die Banalität des Bösen Das Böse Der Fall des Gewissens Der Fall des Gewissens im 20. Jahrhundert Holocaust Nazideutschland Philosophie Gewissensphilosophie Israel Moralphilosophie Der Kollaps des Gewissens Der Kollaps des Gewissens im 20. Jahrhundert Gewissensbegriff Sokrates Denktagebuch Arendt Eichmann und das Gewissen Gewissensdefinition Eichmann-Kontroverse Eichmann Kontroverse Kant Kantische Moralphilosophie Missbrauch Der Missbrauch der kantischen Moralphilosophie
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Quote paper
Johannes Christen (Author), 2022, Der Gewissensbegriff nach Hannah Arendt. Die Bedeutung für die Banalität des Bösen anhand des Beispiels Adolf Eichmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1458227
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