Bewegungsanalyse des Schmetterschlages im Volleyballspiel


Hausarbeit, 1997

26 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Die Bedeutung der Bewegungsanalyse für das Bewegungslehren

2 Bewegungsbeschreibung
2.1 Anlauf/Absprung
2.2 Ausholen/Schlagen
2.3 Landung

3 Biomechanische Analyse des Bewegungsablaufs
3.1 Prinzip der Anfangskraft
3.2 Optimaler Beschleunigungsweg
3.3 Koordination der Teilimpulse
3.4 Aktion - Reaktion

4 Funktionelle Analyse des Bewegungsablaufes

5 Funktionsphasenanalyse nach GÖHNER
5.1 Rahmenbedingungen
5.2 Funktionsphasen
5.3 Transfer auf den Schmetterschlag
5.4 Kritik

6 Ermittlung der Bewegungsstruktur nach KASSAT
6.1 Theoretische Grundlagen
6.2 Transfer auf den Schmetterschlag
6.3 Anmerkungen

7 Beobachtungen an Teilnehmern des Schwerpunktfaches
7.1 Auswertung

8 Literatur

1 Die Bedeutung der Bewegungsanalyse für das Bewegungslehren

Beim Lernen einer neuen Bewegung macht man Fehler. Von diesen Fehlern „lebt“ der Trainer oder der Sportlehrer. Denn würden die Lernenden keine Fehler machen, was wäre dann seine Aufgabe?

Um Fehler zu erkennen muß man wissen, was richtig ist. Wie eine richtige Bewegung auszusehen hat, wird im allgemeinen beim Leistungssportler abgeguckt. Dies reicht aber noch nicht aus um einen Fehler auch zu korrigieren. Dafür bedarf es eines tieferen Verständnis für die inneren Abläufe einer Bewegung. Erst aus ihm kann sich der Lehrende eine Methodik erarbeiten.

Dabei sollte es beim Lernen und Lehren von Bewegung nicht darum gehen Bewegungsbilder nachahmen zu können, sondern es ist darauf hinzuarbeiten, mit den jeweiligen Möglichkeiten des Lernenden eine Bewegungsaufgabe optimal zu erfüllen.

Dafür ist es unerläßlich, daß der Lehrende genaue Kenntnis von der zu erfüllenden Aufgabe sowie der möglichen und der zulässigen Lösungswege hat. Um diese Kenntnis zu erwerben und anzuwenden ist eine möglichst genaue Bewegungsanalyse notwendig.

Welche unterschiedlichen Möglichkeiten der Bewegungsanalyse es gibt soll diese Arbeit am Beispiel des Schmetterschlags, der komplexesten Technik im Volleyball, zeigen.

2 Bewegungsbeschreibung

Im Folgenden wird der Bewegungsablauf des Schmetterschlags beschrieben, wie er bei hochklassigen Spielern zu beobachten ist und wie er in der Literatur dargestellt wird.

Dabei weisen die Autoren darauf hin, daß insbesondere im Anlauf- und Absprungverhalten unterschiedlicher Spieler und sogar einzelner Spieler große Variationen zu beobachten sind. Diese erklären sie mit taktischen Maßnahmen sowie den Anforderungen der jeweiligen Spielsituation. (ALEXANDER / SEARBORN 1987, CHRISTMANN / KRISPIN 1982, MÖSER / SAABOROWSKI 1974, OLIVIER 1981).

Um die Übersichtlichkeit bei der Darstellung der Bewegung zu wahren, wird die Bewegung in die Elemente Anlauf/Absprung, Ausholen/Schlagen sowie Landung unterteilt. Diese Trennung soll keine Aufteilung im analytischen Sinne darstellen.

2.1 Anlauf/Absprung

Der Anlauf erfolgt zumeist mit drei Schritten, deren Geschwindigkeit der Spieler der beobachteten Ballflugkurve anpaßt, um den Ball am höchsten Punkt seines Sprunges zu treffen.

Der Anlauf schließt mit einem Stemmschritt ab, bei dem verschiedene Formen des Aufsetzens der Füße und ihrer Stellung zueinander möglich sind. Als beste Kombination für eine maximale Sprunghöhe und die optimale Stellung des Spielers zum Ball hat OLIVIER (1981) den Zweitaktaufsatz in Schrittstellung mit rechts-links-Beinfolge für Rechtshändler bzw. links-rechts-Beinfolge für Linkshändler herausgestellt (diese Aussage folgt allerdings allein aus empirischen Beobachtungen und nicht aus biomechanischen Messungen). Dabei ist das Aufsetzen der Fersen vor den Zehen zu bevorzugen (ALEXANDER/SEARBORN 1982). Vor dem Absprung sollten die Gelenke von Hüfte, Knie und Fuß jeweils 90° gebeugt sein (ALEXANDER/SEARBORN 1982).

Bereits während des Anlaufes schwingen beide Arme gestreckt nach hinten-oben bis zur Überstreckung der Schultergelenke und unterstützen damit eine leichte Rücklage des Spielers. Mit dem Beginn des Stemmschritts schwingen sie nach unten-vorne. Wenn die Arme die Hüfte erreichen, beginnt die Absprungstreckung der Beine, die von den Armen in ihrer Bewegung nach vorne-oben unterstützt wird.

2.2 Ausholen/Schlagen

Der freie Arm beendet seine vorwärts-aufwärts Bewegung , wenn er vor dem Körper in Richtung des Balles zeigt. Der Schlagarm hingegen wird weiter hinter den Körper geführt und im Ellbogen abgewinkelt. Daraus resultiert eine Verwringung des Oberkörpers, die einher geht mit seinem Zurückbeugen und dem Anwinkeln der Knie (Bogenspannung).

Mit dem Absenken und Beugen des freien Arms beginnt die Auflösung der Verwringung - die in eine mediale Schulterrotation übergeht - und der Bogenspannung, durch die der Schlagarm passiv beschleunigt und gestreckt wird. Damit einher geht die Streckung der Knie und das Beugen der Hüfte, wobei diese Bewegungen bei dem dem Schlagarm diagonal gegenüberliegenden Bein stärker ausgeprägt sind als bei dem der Schlagarmseite.

Die Schlagbewegung wird abgeschlossen mit einer passiven Pronation der Schlaghand und dem Abklappen der Hand während des Ballkontaktes.

2.3 Landung

Nach dem Ballkontakt wird die Schlagschulter zurückgenommen, der Oberkörper aufgerichtet und die Knie werden zur Vorbereitung des Bodenkontakts gebeugt.

3 Biomechanische Analyse des Bewegungsablaufs

Die Biomechanik hat einige Prinzipien zur physikalischen Analyse von Bewegungen herausgearbeitet. Sie beschreiben den physikalischen Rahmen, in dem sich jegliche Bewegung abspielen muß. Die aufgeführten Prinzipien sind in dieser Form von HOCHMUTH (1982) formuliert worden.

Während die Prinzipien der Koordination von Teilimpulsen und der Gegenkraft auf mechanischen Gesetzen beruhen, sind das Prinzip der Anfangskraft und das des optimalen Beschleunigungsweges „teilweise empirisch unter Einbeziehung - aber nicht Erklärung - biologischer Realisierungsmöglichkeiten, teilweise wiederum rein mechanisch abgeleitet“ (BAUMANN 1989, 98).

„Die dargestellten Prinzipien sind bei kritischer Anwendung hilfreiche Leitlinien bei der Beurteilung sportlicher Techniken, Prinzipien im strengen Sinne allgemeingültiger Grundsätze sind es nicht. Die biologischen Charakteristiken fehlen vollständig.“ (BAUMANN 1989, 98)

Die für die Betrachtung des Schmetterschlags wichtigen Prinzipien sind im einzelnen:

3.1 Prinzip der Anfangskraft

Durch eine einleitende Gegenbewegung wird das nutzbare Kraftpotential vergrößert. Die Gegenbewegung findet vor der eigentlichen Bewegung statt, wobei der Übergang zwischen den beiden flüssig gestaltet werden muß. Die Muskulatur besitzt dadurch zum Bewegungsanfang, d. h. zum Zeitpunkt des Richtungswechsels, bereits eine Anfangskraft (auch Vorspannung genannt).

Hierunter fallen:

- Stemmschritt: Im Stemmschritt wird die Horizontalgeschwindigkeit des Anlaufes durch das Beugen von Hüft-, Knie- und Fußgelenken sowie der damit verbundenen exzentrischen Arbeit von Hüft-, Knie- und Fußgelenkstreckern gebremst. Diese Anfangskraft addiert sich zu der konzentrischen Arbeit des Absprungs.
- Zurücknehmen des Schlagarms: Als Vorbereitung für den Schlag wird der Schlagarm schwungvoll nach hinten genommen. Vor der eigentlichen Schlagbewegung muß der Arm wieder abgebremst werden, um dann unverzüglich in den Schlag überzugehen. Durch das Abbremsen arbeitet die beteiligte Muskulatur exzentrisch. Diese Anfangskraft addiert sich wieder zu der konzentrischen Arbeit des eigentlichen Schlages.

3.2 Optimaler Beschleunigungsweg

Beschleunigung = Kraft ´ Weg

Um eine optimale Beschleunigung zu erzielen ist es notwendig, die eingesetzte Kraft und den Beschleunigungsweg zu optimieren. Durch die Anatomie des Menschen beeinflussen diese beiden Größen sich gegenseitig. So kann die Muskulatur bei extremen Gelenkwinkeln nicht optimal kontrahieren und der maximale Beschleunigungsweg führt somit nicht zwangsläufig zu maximaler Beschleunigung.

Es gilt zum Erreichen einer maximalen Beschleunigung jene Bewegung zu finden, bei der Krafteinsatz und Beschleunigungsweg optimal aufeinander abgestimmt sind.

Hierunter fallen:

- Stemmschritt: Durch das Beugen von Hüft-, Knie- und Fußgelenken wird der Beschleunigungsweg für den nachfolgenden Sprung verlängert.
- Bogenspannung, Verwringung, Zurückführen des Schlagarms: Auch hier sollen die jeweiligen Ausholbewegungen den Beschleunigungsweg verlängern.

3.3 Koordination der Teilimpulse

Die Einzelbewegungen müssen so aufeinander abgestimmt werden, daß sich ihre Wirkungen addieren. Die Impulsübertragung erfolgt dabei in Form einer kinematischen Kette, in der die Geschwindigkeit des jeweils nächsten Körperteils bei gleichzeitiger Verzögerung des vorherigen Teils gesteigert wird. Der Vorteil der hintereinander geschalteten Kraftwirkungen besteht hierbei in der Verlängerung des Beschleunigungsweges.

Hierunter fallen:

- Armschwung beim Stemmschritt: Der nach oben gerichtete Armschwung unterstützt den Absprung. Der Impuls wirkt jedoch nur auf die Masse der Arme und nur gering auf den Körperschwerpunkt (KSP). Eine kinematische Kette liegt nicht vor. MÖSER / SABOROWSKI stellen jedoch fest, daß von ihren Probanden keiner die Geschwindigkeitsmaxima von Armschwung und Absprung zum selben Zeitpunkt erreicht. Sie kommentieren dazu: „ Auf Grund theoretischer Überlegungen ist zu erwarten, daß unter mechanischem Aspekt durch die zeitliche Differenz zwischen dem Geschwindigkeitsmaximum der Schwungbewegung und dem der Sprungbewegung infolge des reaktiven Einflusses eine zeitlich längere Kraftwirkung auf die Unterstützungsfläche und ein erhöhter Gesamtkraftstoß erreicht werden.“ (MÖSER / SABOROWSKI 1974, 644)
- Peitschenschlag: Diese kinematische Kette aus Auflösen der Bogenspannung à Auflösen der Verwringung à mediale Schulterrotation à Pronation der Schlaghand ist der entscheidende Einflußfaktor für die Ballgeschwindigkeit.

3.4 Aktion - Reaktion

Zu einer Wirkung besteht immer eine entgegengesetzt gerichtete und gleich große Gegenwirkung. So beschreibt der Körperschwerpunkt (KSP) beim Sprung immer eine Parabel. Bewegt man nun in der Luft einzelne Körperglieder, so wirkt diese Aktion auf den gesamten Körper und bringt diesen in Rotation um den KSP. Will man dies verhindern, muß man mit dem gegenüber liegenden Körperglied eine Ausgleichsbewegung (Reaktion) ausführen.

Hierunter fallen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4 Funktionelle Analyse des Bewegungsablaufes

Leistet die biomechanische Bewegungsanalyse wesentliche Erklärungen zu den physikalischen Grundlagen einer Bewegung, so läßt sie die Bedingungen des biologischen Systems Mensch meist außer Acht.

In der funktionellen Bewegungsanalyse sollen die biologischen Leistungsmerkmale des Spielers, wie Anatomie des Bewegungsapparates, muskuläre Bedingungen und konditionelle Voraussetzungen in die Betrachtung mit einfließen.

Leider sind funktionale Ergebnisse in der Literatur selten zu finden und Aussagen über Idealbewegungen stützen sich auf die Beobachtungen von Spitzenspielern und das Messen außerhalb des Körpers wirkender Kräfte.

So halten ALEXANDER / SEARBORN (1982) einen Gelenkwinkel von 90° In Hüfte, Knie und Ferse für die optimale Beugestellung im Tiefpunkt des Stemmschritts, während CHRISTMANN / KRISPIN (1987) einen Kniewinkel von 110° - 115° bei starker Beinmuskulatur und 120° - 130° bei weniger starker Beinmuskulatur für günstig halten. (Die letztgenannten Werte finden sich auch bei IWOILOW (1984).) Beide Angaben werden nicht durch medizinische Untersuchungen begründet sondern resultieren aus Beobachtungen von Spielern unterschiedlicher Leistungsklassen sowie anatomischen Plausibilitätsbetrachtungen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Bewegungsanalyse des Schmetterschlages im Volleyballspiel
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Schwerpunktfach Volleyball
Autor
Jahr
1997
Seiten
26
Katalognummer
V145867
ISBN (eBook)
9783640565900
ISBN (Buch)
9783640566396
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Volleyball, Schmetterschlag, Angriffsschlag, Bewegungsanalyse, Göhner, Kassat
Arbeit zitieren
Stefan Liehr (Autor), 1997, Bewegungsanalyse des Schmetterschlages im Volleyballspiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145867

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