Die Pressefreiheit ist ein Eckpfeiler demokratischer Gesellschaften, ein Grundrecht, das die freie Meinungsäußerung und den ungehinderten Zugang zu Informationen schützt. Doch wie gestaltete sich diese Freiheit während einer der dunkelsten Epochen der Geschichte, während des Nationalsozialismus in Deutschland? Diese Hausarbeit widmet sich der Reflexion über die Entwicklung der Pressefreiheit während des NS-Regimes. Sie stellt die Frage, ob in dieser Zeit überhaupt von einer Pressefreiheit gesprochen werden kann, ob sie lediglich eingeschränkt wurde oder ob kaum ein Unterschied zur heutigen Zeit besteht.
Die Ära des NS-Regimes war durch die Totalitarität einer Diktatur geprägt, in der demokratische Rechte außer Kraft gesetzt und die Macht über Staat und Volk von einer Einzelperson oder einer Gruppe uneingeschränkt ausgeübt wurde. In einem solchen Umfeld wurden die Medien und die Presse zu Instrumenten der Manipulation, um die Massen zu kontrollieren und zu lenken.
Dieses Thema wurde bereits im Rahmen des Seminars "Journalismus, Politik und Öffentlichkeit" kurz angesprochen und die wichtigsten Fakten durch ein Referat vermittelt. Doch das Interesse an einem detaillierteren Verständnis ist gewachsen. Diese Arbeit möchte daher den Übergang von der Weimarer Republik bis zum NS-Staat aufzeigen und wichtige Persönlichkeiten wie Dr. Joseph Goebbels und Otto Dietrich in dieser Zeit vorstellen. Anschließend soll die Presselenkung genauer betrachtet werden, indem die verschiedenen Mechanismen und Veränderungen für die Presse während der NS-Zeit beleuchtet werden. Darüber hinaus werden die Folgen dieser Lenkung für die Gesellschaft aufgezeigt.
Abschließend soll mittels eines Fazits noch einmal zusammengefasst werden, inwiefern in der Zeit des Nationalsozialismus von einer Pressefreiheit gesprochen werden kann. Es gilt, die Fragestellung kritisch zu hinterfragen und auf Basis historischer Fakten zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Von der Weimarer Republik bis zum NS-Staat
3 Zentrale Personen für die Presselenkung
3.1 Otto Dietrich
3.2 Dr. Joseph Goebbels
4 Presselenkung
4.1 Gleichschaltung
4.2 Schriftleitergesetz
4.3 Pressekonferenzen
4.4 Schriftliche Presseanweisungen
5 Folge der Presselenkung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der Pressefreiheit während der Zeit des Nationalsozialismus, um zu untersuchen, inwieweit während dieser Diktatur noch von einer freien Presse die Rede sein konnte. Der Fokus liegt dabei auf den Mechanismen der staatlichen Einflussnahme und Unterdrückung.
- Historischer Übergang von der Weimarer Republik zum NS-Staat
- Rolle zentraler Akteure wie Otto Dietrich und Joseph Goebbels
- Staatliche Instrumente der Presselenkung (z.B. Schriftleitergesetz, Gleichschaltung)
- Methoden der Nachrichtensteuerung durch Pressekonferenzen und Anweisungen
- Auswirkungen der medialen Kontrolle auf Gesellschaft und Journalismus
Auszug aus dem Buch
3.1 Otto Dietrich
Otto Dietrich war Reichspressechef, SS-Obergruppenführer, Reichstagsabgeordneter und Staatsekretär. Durch die Gleichschaltung im März wurde er auch zum Vorsitzenden des Reichsverbandes der Deutschen Presse (RPD). Da Dietrich viele Ämter zuzuschreiben sind, lässt sich vermuten, dass er eine zentrale Rolle im nationalsozialistischen Apparat gespielt hat.
Seine Karriere begann, als am 15.Dezember.1930 ein Studienkollege die Partei Zeitung National Zeitung (NZ) veröffentlichte. Dabei nahm Dietrich die Position des stellvertretenden Chefredakteurs ein (vgl. Krings 2010:99ff.). Die Inhalte beschränkten sich auf sehr rassistische und judenfeindliche Äußerungen und die Adressaten waren lediglich Parteimitglieder der NSDAP (vgl. Krings 2010:102). Nachdem die NZ über die Brandstiftung und die Zerstörung der Kunstwerke in Münchener Glaspalast berichtetet hatte, bot Hitler ihm eine Anstellung zum Reichspressechef für 800 Reichsmark an. Die Bedingung dabei war, dass Dietrich nur den Anweisungen von Hitler selbst befolge durfte (vgl. Krings 2010:103ff.).
Für Hitler war die Presse eine „Waffe des Gegners und letztendlich Ausdruck des (jüdischen) Liberalismus, welcher ihm mit all seinen Ausprägungen einschließlich Meinungs- und Pressefreiheit zuwider war“ (Krings 2010:106). Der Völkische Beobachter stellte die Ausnahme dar, welcher als ein wichtiges Sprachrohr des Vorsitzenden diente. Im Jahre 1920 wurde dieser von der NSDAP erworben und blieb 10 Jahre das einzige offizielle Organ Hitlers (vgl. Krings 2010:106). Nach einem rasanten Zuwachs der Zeitung, bestand die Hauptaufgabe von Dietrich, die gesamte Presse zu kontrollieren und zu lenken, da diese immer eigenmächtiger handelte. Darin zeigt sich schon das erste Anzeichen für die Verhinderung von Pressefreiheit bzw. das eigenmächtige Verfassen von kritischen Inhalten. Dietrich war der Überzeugung, dass das Medium der Zeitung erst dann als ein mächtiges Instrument dienen könne, wenn die NSDAP im Besitz der staatlichen Macht sei (vgl. Krings 2010:123).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Pressefreiheit und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die NS-Diktatur hinsichtlich ihrer medialen Kontrolle zu untersuchen.
2 Von der Weimarer Republik bis zum NS-Staat: Dieses Kapitel zeichnet den politischen Aufstieg der NSDAP nach und analysiert, wie wirtschaftliche Not und soziale Unsicherheit für die Machtergreifung genutzt wurden.
3 Zentrale Personen für die Presselenkung: Das Kapitel stellt die Hauptakteure Otto Dietrich und Dr. Joseph Goebbels sowie deren maßgebliche Rollen bei der Kontrolle der Medien vor.
4 Presselenkung: Hier werden die konkreten Instrumente und Gesetze, wie die Gleichschaltung und das Schriftleitergesetz, sowie die Praxis der Pressekonferenzen und Anweisungen detailliert analysiert.
5 Folge der Presselenkung: Es wird dargelegt, dass das Lenkungssystem zu einer uniformen, verzerrten Berichterstattung führte und die Pressefreiheit de facto abschaffte.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass während der NS-Zeit keine Pressefreiheit existierte, und zieht Parallelen für die kritische Betrachtung medialer Unabhängigkeit in der heutigen Zeit.
Schlüsselwörter
Pressefreiheit, Nationalsozialismus, NS-Staat, Otto Dietrich, Joseph Goebbels, Gleichschaltung, Schriftleitergesetz, Presselenkung, Diktatur, Propaganda, Meinungsfreiheit, Medienkontrolle, Tagesparolen, Journalismus, Machtergreifung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Wegfall der Pressefreiheit während des NS-Regimes in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf den politischen Rahmenbedingungen des NS-Staates, den einflussreichen Personen des Propagandaapparats und den spezifischen Instrumenten der staatlichen Medienlenkung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, durch eine historische Analyse zu beantworten, ob und in welchem Ausmaß man in der NS-Zeit überhaupt von einer existierenden Pressefreiheit sprechen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine fachwissenschaftliche Aufarbeitung, die auf einer Literatur- und Quellenanalyse basiert, um die historischen Abläufe der Presselenkung zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der zentralen Akteure, die Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und Instrumente der Lenkung sowie die Untersuchung der Folgen dieser Maßnahmen für das damalige Pressewesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Pressefreiheit, NS-Diktatur, Schriftleitergesetz, Gleichschaltung und Propaganda.
Welche Bedeutung hatte das Schriftleitergesetz konkret für Journalisten?
Das Gesetz führte zu einer strengen ideologischen Prüfung der Journalisten, bei der unter anderem eine arische Abstammung nachgewiesen werden musste; wer nicht konform ging oder die Kriterien nicht erfüllte, wurde vom Beruf ausgeschlossen.
Wie unterschied sich die Bedeutung der Tagesparolen von anderen Anweisungen?
Tagesparolen dienten ab 1940 dazu, mündliche Weisungen verbindlich und schriftlich zu fixieren, um eine einheitliche politische Ausrichtung der Presse unter der direkten Kontrolle von Otto Dietrich zu gewährleisten.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der heutigen Zeit?
Die Autorin betont, dass die Geschichte der Presseunterdrückung als Mahnung dienen muss, den staatlichen Einfluss auf Medien auch in modernen Gesellschaften kritisch zu hinterfragen und Nachrichten stets zu reflektieren.
- Arbeit zitieren
- Swantje Müller (Autor:in), 2015, Pressefreiheit im Nationalsozialismus? Eine Analyse der Presselenkung und ihrer Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1459373