Der Mount St. Helens im Südwesten des Staates Washington liegt zirka 80 Kilometer
nordöstlich von Portland und ist mit seinen knapp 40.000 Jahren einer der jüngsten
und aktivsten Vulkane in der Cascade Range, dem Kaskadengebirge, welches sich
von Kanada 1.100 Kilometer südwärts bis nach Kalifornien erstreckt. Die Cascade
Range ist ein Teil des sogenannten „Feuerringes“1, in dem seit Ende des Pleistozäns
vor rund 10.000 Jahren durchschnittlich in jedem Jahrhundert eine größere
vulkanische Eruption erfolgte. Geologisch gesehen ist die Cascade Range eine sehr
junge Gebirgsformation, die vor etwa 7 Millionen Jahren über jener Subduktionszone
entstanden ist, wo sich die Juan-de-Fuca-Platte unaufhaltsam unter die
höhergelegene Nordamerikanische Platte schiebt. Diese Plattenbewegung schob
Berge auf und hat große Magmakammern unter der Erde geschaffen. Vor etwa 3
Millionen Jahren begann Magma durch Kanäle an die Oberfläche zu steigen und die
heutige Cascade Range mit insgesamt 15 Vulkanen zu bilden (MULLINEAUX &
CRANDELL 1981, PREUSSER 1985, TILLING et al. 1990, SCHMINCKE 1994).
Die Gefahr, welche von den Vulkanen der Cascade Range ausgehen konnte, war
schon den Ureinwohnern weitgehend bekannt; die dort ansässigen Indianer nannten
beispielsweise den Mt. St. Helens „smoking mountain“. Seinen heutigen Namen
erhielt der Vulkan jedoch 1792 von dem englischen Schiffskapitän und Entdecker
George Vancouver, der ihn nach seinem Landsmann Alleyne Fitzherbert benannte,
welcher zu dieser Zeit britischer Botschafter in Spanien war und den Titel Baron St.
Helens trug (TILLING et al. 1990).
Die symmetrische Form des Vulkans sowie der sehr steile Gipfel erlauben eine
Einordnung des Mt. St. Helens in die Klasse der Strato- oder Schichtvulkane, welche
durch eine Mischung aus Eruptions- und Ergussvorgängen entstehen und explosiv
und sehr zerstörerisch ausbrechen (TILLING et al. 1990, LESER 1997).
In dieser Arbeit soll nun zunächst geschildert werden, wie es zum Ausbruch des Mt.
St. Helens im Frühjahr 1980 kam, welche Auswirkungen die heftige Eruption auf die
Umgebung hatte und schließlich wie sich in den darauffolgenden Jahrzehnten die
Umgebung erholte bzw. veränderte, die Vegetation in den zerstörten Gebieten
schrittweise zurückkehrte und letztlich in dem heutigen Zustand führte.
1 Der „Ring of Fire“ ist eine den Pazifik umgebende Zone, in der es zu häufigen, oft sehr
zerstörerischen Erdbeben und Vulkanaktivitäten kommt (TILLING et al. 1990).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausbruch des Mt. St. Helens 1980
2.1. Vorgeschichte des Mt. St. Helens
2.2. Vorboten des Ausbruchs
2.3. 18. Mai 1980
3. Geoökologischer Wandel direkt nach dem Ausbruch des Mount St. Helens
3.1. Auswirkungen der Eruption auf die Gletscher
3.2. Auswirkungen der Murgänge
3.3. Auswirkungen der pyroklastischen Ströme
3.4. Auswirkungen des Bergrutsches
3.5. Direkte Auswirkungen der lateralen Explosion
3.6. Direkte Auswirkungen des Ascheausstoßes
3.7. Direkte Auswirkungen des Ausbruches auf ausgewählte umliegende Seen
3.7.1. Spirit Lake
3.7.2. St. Helens Lake
3.7.3. Fawn Lake und Venus Lake
3.7.4 Zusammenfassung
3.8. Direkte Auswirkungen auf den Menschen
4. Sukzession und geoökologischer Wandel im Umfeld des Mount St. Helens nach 1980
4.1. Pflanzen
4.1.1. Wiederbesiedlung der inneren Zone (direct-blast zone)
4.1.2. Wiederbesiedlung in der Äußeren Zone
4.1.3 Wiederbesiedlung der Fläche des Bergrutsches
4.1.4. Exkurs: Die Wiederbesiedlung von mit Tephra bedeckten Flächen
4.1.5. Wie sieht die zukünftige Vegetationsentwicklung aus?
4.2. Tiere
4.3. Spirit Lake
4.4. Shoestring-Gletscher
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den geoökologischen Wandel und die anschließenden Sukzessionsprozesse im Umfeld des Mount St. Helens nach dem massiven Vulkanausbruch von 1980, mit dem primären Ziel, die unmittelbaren Umweltschäden sowie die langfristige Regeneration von Flora und Fauna darzustellen.
- Vorgeschichte und Eruptionsereignisse von 1980
- Direkte geoökologische Auswirkungen auf Gletscher, Gewässer und das Ökosystem
- Mechanismen der primären Sukzession und Wiederbesiedlung zerstörter Flächen
- Langfristige Prognosen zur Vegetationsentwicklung und Habitatwiederherstellung
Auszug aus dem Buch
3.5. Direkte Auswirkungen der lateralen Explosion
Die Ausdehnung der von der lateralen Explosion zerstörten Gebiete ist in Abbildung 1 auf Seite 5 zu erkennen. Die durch die Glutlawine zerstörten Gebiete waren vor dem Ausbruch hauptsächlich mit „...old-growth Pacific silver fir and mountain hemlock forests“ (FRENZEN 2000, S. 3) bewachsen. Diese Wälder verloren durch die Glutlawine zunächst ihre Äste und Rinden und brachen dann dicht über dem Boden ab oder wurden entwurzelt. Die Fallrichtungen der Bäume sind auf Abbildung 2 (Seite 6) dargestellt und lassen bei einer zusätzlichen Betrachtung von Abbildung 1 (Seite 5) die Stromlinien der Druckwelle erkennen. Insgesamt wurden ca. „...275 Quadratkilometer Waldfläche...“ (JAKOBS 1998, S. 2) vernichtet, aus denen so BRANTLEY & MYERS (2000, S. 4) “…300.000 two-bedroom homes“ hätten gebaut werden können.
Die große Reichweite der Explosion vernichtete neben der Flora auch die Fauna im Umfeld des Mount St. Helens. So wurden nach TILLING (2000, S. 14) „... nearly 7,000 big game animals (deer, elk, and bear)” getötet. Darüber hinaus starben aufgrund der großen Hitzeentwicklung auch alle Vögel und der größte Teil der kleinen Säugetiere. So konnten nach dem Ausbruch von gerade einmal 14 der vormals 32 in diesem Gebiet vorkommenden kleinen Säugetierarten Artgenossen gefunden werden (FRENZEN 2000).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die geologische Entstehung des Vulkans und Beschreibung der Zielsetzung der vorliegenden Arbeit.
2. Ausbruch des Mt. St. Helens 1980: Dokumentation der vulkanischen Geschichte, der Vorboten des Ausbruchs und detaillierte Schilderung des Hauptereignisses am 18. Mai 1980.
3. Geoökologischer Wandel direkt nach dem Ausbruch des Mount St. Helens: Analyse der unmittelbaren physikalischen und ökologischen Zerstörungen an Gletschern, Gewässern und der umliegenden Landschaft.
4. Sukzession und geoökologischer Wandel im Umfeld des Mount St. Helens nach 1980: Untersuchung der Regenerationsprozesse von Flora und Fauna sowie der langfristigen Sukzessionsstufen in verschiedenen Zerstörungszonen.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über das Wechselspiel von Zerstörung und Wiederbesiedlung sowie Ausblick auf zukünftige vulkanische Gefahrenpotenziale.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text zitierten wissenschaftlichen Quellen und Dokumentationen.
Schlüsselwörter
Mount St. Helens, Vulkanausbruch, Geoökologie, Sukzession, Wiederbesiedlung, Glutlawine, Bergrutsch, Spirit Lake, Flora, Fauna, Tephra, Cascade Range, Eruption, ökologische Regeneration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verheerenden Folgen des Ausbruchs des Mount St. Helens im Jahr 1980 und den daraus resultierenden Prozess der natürlichen Wiederbesiedlung der betroffenen Region.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die vulkanischen Eruptionsmechanismen, die unmittelbaren Zerstörungen von Ökosystemen sowie die zeitliche Abfolge der sukzessiven biologischen Wiederherstellung.
Welches ist das primäre Ziel dieser Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein durch Vulkantätigkeit zerstörtes Gebiet auf natürliche Weise reagiert und durch welche Faktoren die Rückkehr von Flora und Fauna beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde für die Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine auf der Auswertung bestehender geologischer und biologischer Langzeitstudien sowie wissenschaftlicher Publikationen basierende Untersuchung.
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die direkte Beschreibung der Zerstörungseffekte durch Explosionen, Bergrutsche und Ascheregen sowie die detaillierte Darstellung der Sukzession in den verschiedenen Zonen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Vulkangeologie, Sukzession, ökologische Resilienz, Geoökologie und die Auswirkungen vulkanischer Katastrophen definieren.
Warum war der Spirit Lake für die Forscher von besonderem Interesse?
Der Spirit Lake war durch den Bergrutsch und die Eruption so massiv verändert worden, dass er als Modell für die Erforschung der biologischen und chemischen Erholung eines Gewässers nach einer Katastrophe diente.
Welche Rolle spielten Lupinen bei der Wiederbesiedlung der zerstörten Gebiete?
Lupinen fungierten als Pionierpflanzen, da sie in der Lage sind, Stickstoff im Boden zu binden und so die Nährstoffgrundlage für nachfolgende Pflanzenarten zu schaffen.
- Quote paper
- S. Dörfer (Author), 2000, Geoökologischer Wandel und Sukzession im Umfeld des Mt. St. Helens (NW-Washington U.S.) nach dem Ausbruch von 1980, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14598