Die vier Emotionen Angst, Wut, Freude und Traurigkeit und ihre Auswirkungen auf mimischer, kognitiver, physiologischer und Verhaltensebene


Seminararbeit, 2009
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

GLIEDERUNG

1 Einleitende Gedanken zum Thema „Emotionen“
1.1 „Was ist eine Emotion?“ und die Probleme der Emotionsforschung
1.2 Universalitätstheorie nach Darwin und Ekman

2 Freude, Angst, Wut und Traurigkeit und ihre Auswirkungen auf physiologischer, kognitiver, mimischer und Verhaltensebene
2.1 FREUDE: die positivste aller Emotionen
2.1.1 Definitionsversuch
2.1.2 Auswirkungen
2.2 ANGST: Die negativste aller Emotionen
2.2.1 Unterscheidung von Angst und Furcht
2.2.2 Auswirkungen
2.3 WUT: negative Emotion mit hohem Selbstbewusstsein
2.3.1 Wut als ambivalente Emotion im Alltag
2.3.2 b) Auswirkungen
2.4 TRAURIGKEIT: negative Emotion mit Motivationspotential
2.4.1 Bedeutung von und Auslöser für Traurigkeit
2.4.2 Auswirkungen

3 Fazit: Die Möglichkeiten und Probleme der Emotionsforschung im Bezug auf eine praktische Anwendung

4 Quellenverzeichnis

1 Einleitende Gedanken zum Thema „Emotionen“

1.1 „Was ist eine Emotion?“ und die Probleme der Emotionsforschung

Das breite Feld der Emotionsforschung ist nicht leicht zu untersuchen: unklare Definitionen, wage Validitäten in durchgeführten Studien und subjektive Einschätzungen machen es schwierig, einen einheitlichen Überblick über die Emotionspsychologie zu bekommen. Warum ist das so ? Zuallererst scheint die Schwierigkeit darin zu liegen, eine einheitliche und trotzdem treffende Definition von Emotionen zu finden. Historisch gesehen beginnt die Emotionsforschung mit ersten Fragestellungen von Horwicz (1878), in denen er das Verhältnis zwischen Gefühlen und Bewusstsein und den Zusammenhang von Gefühlen und Trieben untersucht und Versuche anstellt, um Ursachen, Einteilungsmöglichkeiten und Verlaufsformen von Gefühlen zu finden[1]. Horwicz bedient sich dabei der Methodik der Selbstbetrachtung und somit zeichnen sich hier bereits zwei typische Probleme der Emotionsforschung ab:

1.) erkennt Horwicz selbst, dass Emotionen mit Gefühlen allein nicht ausreichend definiert scheinen und
2.) ist das Mittel der Introspektive nicht objektivierbar.

Relativ zeitnah entsteht daraufhin die heut bekannte James-Lange-Theorie (1884) aufgrund der Ansicht, dass neben Gefühlen auch physiologische und kognitive Prozesse bei Emotionen eine Rolle spielen. William James und Carl Lange gehen dabei so weit anzunehmen, dass Emotionen überhaupt erst durch Körperreaktionen entstehen: man fühlt, nachdem der Körper reagiert hat und diese physiologische Reaktion wahrgenommen wurde. Diese Theorie ist bis heute von größter Bedeutung, da sie viele Gegentheorien ausgelöst hat und dennoch nicht widerlegt werden konnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhand dieser beiden Beispiele lässt sich also zeigen, dass Emotionen mehr Komponenten als nur unser subjektives Gefühlsempfinden enthalten, die genauen Zusammenhänge untereinander jedoch sehr komplex sind. Eine „aktuelle“Definition von Emotionen liefern Zimbardo & Gerrig in ihrem Standardwerk Psychologie (Stand 2004)[2]:

An dieser Definition orientiert sich auch mein folgender Analyse-Teil, wenn ich versuche, die vier Emotionen Freude, Angst, Wut und Traurigkeit zu beschreiben. Neben Auswirkungen auf physiologischer, kognitiver und Verhaltensebene gehe ich nachfolgend auch auf die mimischen Auswirkungen der oben genannten Emotionen ein. Ein Grund dafür ist die Hypothese, dass es kulturelle Gemeinsamkeiten im Gesichtsausdruck von Emotionen gibt.

1.2 Universalitätstheorie nach Darwin und Ekman

Dieser Gedankengang wurde als Erstes von Charles Darwin in seinem Buch Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren im Jahr 1872 aufgegriffen: er unterstellt Emotionen adaptive Funktionen, die uns z.T. angeboren sind und uns helfen sollen im Umgang mit bestimmten, immer wiederkehrenden Situationen in der Welt. Psychologen wie Carroll E. Izard (1981, 1994) und Silvan Tomkins (1962, 1981) haben diesen Gedankengang aufgegriffen und bei Studien an Kleinkindern ungelernte, affektive und oft auch gleiche Reaktionen auf Stimuli feststellen können. Obwohl viele Klassifikationen unterschiedlichster Autoren folgten, gilt heute die Theorie Paul Ekman s, dass es genau 7 universell gültige Gesichtsausdrücke für Emotionen gibt und diese von Angehörigen aller Kulturen richtig interpretiert werden:

Furcht, Ekel, Freude, Überraschung, Verachtung, Ärger und Trauer.

Die nachfolgend betrachteten Emotionen gehören also zu der Gruppe dieser weltweit erkennbaren Ausdrücke für Emotionen. Da sich Paul Ekman aber nur auf die mimischen Auswirkungen von Emotionen konzentriert hat, stelle ich nachfolgende Analyse im Allgemeinen auf die Grundlage von Carroll E. Izards Forschung, da er ebenfalls von universellen Emotionsausdrücken ausgeht, die einzelnen Emotionen und ihre Auswirkungen aber umfassender beschreibt und somit als eine gute Einführung in die Emotionspsychologie dienen kann.

2 Freude, Angst, Wut und Traurigkeit und ihre Auswirkungen auf physiologischer, kognitiver, mimischer und Verhaltensebene

2.1 FREUDE: die positivste aller Emotionen

2.1.1 Definitionsversuch

Vergleicht man Situationen, in denen Freude auftritt, findet man häufig kaum Gemeinsamkeiten…aber fast alle besitzen die Hauptkomponenten Unerwartung und Plötzlichkeit. Izards Versuch einer Definition von Freude lautet deshalb wie folgt[3]:

Izard spricht in dieser Definition klar an, dass man Freude nicht leicht „pauschalisieren“ bzw. dass es mehrere „Formen“ von Freude geben kann. Freude erlangt man nicht, wenn man es als Ziel beabsichtigt – viel mehr scheint Freude eine Art „ positive Begleiterscheinung “ zu sein, die wir aus vollzogenen Taten ziehen. Freude kann sowohl selbstbezogen als auch einem anderen gegenüber empfunden werden. Sicher scheinen wir bis jetzt also nur zu wissen, dass Freude in uns positive Gefühle auslöst. Deswegen scheint es ratsam, sich auch mit den Auswirkungen zu beschäftigen, um die Emotion „Freude“ klarer einordnen zu können.

2.1.2 Auswirkungen

Zuerst möchte ich die kognitiven Auswirkungen von Freude betrachten. Wenn ich von kognitiven Prozessen spreche, meine ich höhere geistige Prozesse wie Wahrnehmung, Gedächtnis, Sprache, Problemlösen und abstraktes Denken[4]. Bei Izard kommen kognitive Prozesse v.a. im Bereich des Lachens (als Ausdruck von Freude) zur Sprache: die Hypothese der kognitiven Herausforderung von Zigler, Levine und Gould (1967) besagt so z.B., dass Kinder mit größerer Wahrscheinlichkeit über Scherze lachen, die genau an der Grenze ihrer Fähigkeiten liegen.[5] Im Kindesalter scheint also ein direkter Zusammenhang zwischen kognitiver Herausforderung und Freude zu bestehen! Laut Izard wirkt sich Freude aber auch auf Aspekte der Wahrnehmung aus: man spricht unter dem Einfluss von Freude oft von der „rosaroten Brille“ d.h. aller sensorischer Input und damit das gesamte Wahrnehmungssystem wird generell positiver bewertet als während einer anderen Emotion. Bei der Selbstwahrnehmung anhand einer DRS-Skala von Izard in der Freudesituation erzielen die Dimensionen der Angenehmheit und des Selbstbewusstseins große Mittelwerte.[6] Dass Freude auch kognitiv (durch Vorstellung) ausgelöst werden kann, belegt eine Studie zum Altruismus- Verhalten von Kindern: Kinder, die sich eine freudige Situation vorstellen sollen, spenden im Durchschnitt mehr als die Kontrollgruppe.[7]

Anhand der Beispiele an kognitiven Auswirkungen lassen sich auch gleich Auswirkungen im Verhalten aufzeigen: die Wirkung auf das Wahrnehmungssystem spiegelt sich direkt im Verhalten wider. Der freudig erregte Mensch verhält sich oft ausgeglichener, weniger angespannt und ist mit sich im Reinen. Dennoch gibt es auch große Unterschiede im Verhalten, die aufgrund der großen Intensitäts-Spannbreite entstehen, wie Freude empfunden wird. Freudeempfindungen sind nicht erlernbar - eher wird bei Izard davon ausgegangen, dass jeder Mensch individuell ausgeprägte Prädispositionen besitzt, die seine Fähigkeit zur Freude bestimmen. Auch führt er eine Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Freude an (Dumas, 1948), wobei auf diese Bandbreite eingegangen wird.[8] Neben dieser natürlichen Bandbreite sind aber auch noch Interaktionen mit anderen Emotionen möglich (Bsp.: „Ich weine vor Freude“ = Interaktion von Freude und Traurigkeit) – Fazit ist also, allein im Verhalten lässt sich Freude nicht eindeutig belegen.

In Hinblick auf physiologische Auswirkungen von Freude gibt es jedoch Studien, die Anlass zu der Möglichkeit geben, Freude neurophysiologisch von anderen Emotionen zu unterscheiden. So haben Schwartz, Fair, Greenberg, Freedman und Klerman (1974) signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Emotionen aufzeigen können, indem sie die Veränderung im Muskelpotential im Gesicht anhand EMG-Profile verglichen haben[9]. Ebenso hat Averill (1969) vier physiologische Maße zur Unterscheidung von Freude und Traurigkeit entwickelt, wobei aber eines davon nur bei Freude auftrat: die Unregelmäßigkeit des Atems – also eine vegetativ-sympathische Dominanz, welches evtl. Freude erkennen lassen kann.[10] Das Ergebnis von Averill scheint aber nicht unbedingt signifikant, weshalb es schwierig ist, eindeutige Schlussfolgerungen für dessen Wert zu ziehen.

Das wohl sicherste Indiz für Freude ist also der Gesichtsausdruck (vgl. Ekman). Freude erkennt man ganz klar an einem „ Lächeln “, d.h. die Lippen werden zurückgezogen und ergeben eine nach oben gebogene Form. Die Augen bekommen außerdem einen „ strahlenden Blick “…weitere mögliche Ausdrucksformen in der Mimik können auch die Öffnung des Mundes und das Zeigen der Zähne sein (s. Bild[11] ). Spannend ist, dass Freude als positive Emotion nicht der Sozialisierung unterworfen ist wie z.B. Wut oder Traurigkeit – die mimische Erscheinungsform der Freude ist also auch im Erwachsenenalter noch „dieselbe“. Dennoch gibt es natürlich auch hier – wie bei allen Emotionen – kulturspezifische Normen, wie Freude gezeigt werden darf bzw. wann sie erwünscht ist und wann nicht.

2.2 ANGST: Die negativste aller Emotionen

2.2.1 Unterscheidung von Angst und Furcht

Ich habe Freude als „positivste aller Emotionen“ betitelt, weil sie sich in uns Menschen nur positiv auswirken kann. Die drei nachfolgenden Emotionen sind jedoch alle negativ besetzt – allen voran die Emotion der Angst. Bereits bei Ekman sehen wir aber den Begriff „Angst“ gar nicht aufgeführt; stattdessen wird uns der Begriff „Furcht“ angeboten. Warum? In der Emotionspsychologie nach Izard lassen sich beide Begriffe klar unterscheiden[12]:

Auch Dieter Ulich trifft diese Unterscheidung zwischen Furcht und Angst, sieht aber hier v.a. einen Unterschied in der Zielgerichtetheit: Furcht scheint immer konkret vor einem Gegenstand oder einer Situation zu sein, während Angst kein klaresZiel “ haben muss[13]. Sigmund Freud (1959) untergliedert hingegen Angst in Signalangst und Furcht[14]. Eine andere Definition nach Weidemann begreift Angst als Vorwegnahme der Nicht-Bewältigung einer Aufgabe [15]. Ulich unterscheidet auch zwischen neurotischer Angst und normaler Angst, wobei wir hier also sehen, dass Angst manchmal so schädlich und gehäuft auftritt, dass sie therapiert werden muss. Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass Angst in seiner Intensität stärker zu sein scheint als Furcht, aber beide in gewisser Hinsicht immer interagieren: Redewendungen wie „vor Angst wie gelähmt sein“ oder „gestorben vor Angst“ illustrieren das sehr gut. Auf diese Redewendungen möchte ich gleich direkt Bezug nehmen und deshalb mit den körperlichen Auswirkungen von Angst beginnen.

[...]


[1] Schmidt-Atzert, Lothar: Emotionspsychologie. (S. 16/17)

[2] Zimbardo, Philip G. & Gerrig, Richard J.: Psychologie. (S.547)

[3] Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. (S. 272)

[4] Zimbardo, Philip G. & Gerrig, Richard J.: Psychologie. (S. 344)

[5] Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. (S.285)

[6] Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. (S. 297, Abbildung 10-5)

[7] Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. (S. 298)

[8] Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. (S.306)

[9] Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. (S.303)

[10] Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. (S.303)

[11] www.facetten-ausstellung.de/attachments/Image/Stephan_Freude_klein.jpg

[12] Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. (S. 419/420)

[13] Ulich, Dieter: Das Gefühl. (S. 205)

[14] Izard, Carroll E.: Die Emotionen des Menschen. (S. 419/420)

[15] Ulich, Dieter: Das Gefühl. (S.202/203)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die vier Emotionen Angst, Wut, Freude und Traurigkeit und ihre Auswirkungen auf mimischer, kognitiver, physiologischer und Verhaltensebene
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Psychologie)
Veranstaltung
Training: Emotionale Kompetenzen
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V145992
ISBN (eBook)
9783640567348
ISBN (Buch)
9783640567607
Dateigröße
767 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Izard, emotionspsychologie, einführung
Arbeit zitieren
Sandra Straube (Autor), 2009, Die vier Emotionen Angst, Wut, Freude und Traurigkeit und ihre Auswirkungen auf mimischer, kognitiver, physiologischer und Verhaltensebene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145992

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