Den Schwellen- und Industrieländern ist bereits durch die Nahrungsmittelpreiskrise ihre Abhängigkeit von dem Export von Ressourcen Bewusst geworden. Diese neue Bewusstseinswende führte zu der wachsenden Bedeutung von Ressourcen und somit zum Phänomen des Land Grabbings. Da aus der modernisierungstheoretischen Perspektive viele Chancen in dem Land Grabbing gesehen werden, soll anhand dieser Arbeit erforscht werden, wie sich dieses Phänomen möglicherweise positiv auf die Ernährungssicherheit der Zielstaaten auswirkt oder ob doch die aus der dependenztheoretischen Sichtweise befürchteten negativen Folgen überwiegen. Daher lautet die Forschungsfrage: Inwieweit kann Land Grabbing zur Bekämpfung von Ernährungsunsicherheit beitragen? Auszeigen der Auswirkungen von Land Grabbing am Fallbeispiel Mosambik.
Die Bedingungen für eine vollständige Ernährungssicherheit der gesamten Bevölkerung haben sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter verschärft. Vier Entwicklungen erschweren das Ziel der vollständigen Lebensmittelversorgung der Bevölkerung: zum einem das stetige Bevölkerungswachstum, für das Jahr 2050 ist bereits ein prognostizierter Höchstwert von 9,2 Milliarden Menschen errechnet worden, sowie die veränderten Ernährungsgewohnheiten, insbesondere die Schwellenländer verspüren eine Zunahme an Wohlstand, wodurch der Nahrungsmittel- und Fleischkonsum deutlich steigt. Zum anderen macht sich die Knappheit von Land, Wasser und fossilen Energieträger verbunden mit den Grenzen der landwirtschaftlichen Produktivität deutlich erkenntlich in der Ausweitung der Nahrungsmittelproduktion. Die steigenden Nahrungsmittelpreise stellen die vierte Entwicklung dar. Eine für Oxfam durchgeführte Studie prognostizierte einen Anstieg des Weltmarktpreises von den Hauptnahrungsmittel Weizen, Reis und Mais um 75%, 73% und 89% bis zum Jahr 2030 im Vergleich zum Jahr 2010. Diese Entwicklungen haben insbesondere für importabhängige und schwache Länder verheerende Folgen (Kress 2012).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.Operationalisierung Ernährungssicherheit
3. Land Grabbing
3.1 Motive
3.2. Auswirkungen Zielstaat
4.Modernisierungstheorie
5. Forschungsmethode
5.1. Ernährungsstand 2009
5.2.Agrar- Wirtschaftspolitik in Mosambik
5.3.Land Grabbing in Mosambik
5.4. Folgen für die Ernährungssicherheit
5.5. modernisierungstheoretische Beurteilung
6. Fazit und Zukunftsausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen von Land Grabbing (großflächiger Landerwerb durch ausländische Investoren) auf die Ernährungssicherheit im Zielland Mosambik. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit dieses Phänomen zur Bekämpfung von Ernährungsunsicherheit beitragen kann, wobei sowohl modernisierungstheoretische Erwartungen als auch die tatsächlichen vor Ort beobachteten Folgen einer kritischen Prüfung unterzogen werden.
- Grundkonzepte der Ernährungssicherheit und Ernährungsunsicherheit
- Motive für Land Grabbing aus Investorenperspektive und aus Sicht der Zielstaaten
- Analyse des Land Grabbing-Phänomens im Kontext von Mosambik seit dem Jahr 2000
- Überprüfung modernisierungstheoretischer Annahmen durch die Fallstudie Mosambik
Auszug aus dem Buch
3. Land Grabbing
Landannahmen sind kein neuartiges Phänomen, mit der früheren Kolonialisierung gibt es prägnante historische Beispiele, jedoch hat sich der Begriff durch aktuelle Entwicklungen verändert. Die Finanz- und Nahrungsmittelkrise stellt eine der Entwicklungen dar. Die internationale Nicht-Regierungsorganisation GRAIN hat 2008 erstmals auf das Phänomen des Land Grabbings aufmerksam gemacht und dieses in der politischen Diskussion etabliert. Dabei wird unter Land Grabbing verstanden, dass: ,,staatliche Akteure und private Investoren aus Industrie- und Schwellenländer sich durch sogenannte Forgein Direct Investments (FDIs) und mittels langfristiger Pacht- oder Kaufverträge große Agrarfläche in Entwicklungsländern sichern, um dort Nahrungsmittel oder Energiepflanzen für den Export beziehungsweisen unmittelbar für die eigene Nahrungs und Energiesicherung.“ (Goeser 2011, S.5).
Land Grabbing ist gekennzeichnet durch die Ausweitung und die Kommodifizierung von Land und Wasser durch direkte Kontrolle über das Land infolge von internationalen und nationalen Investitionsrecht (Kress 2012, S.22). Zentral hierbei ist die Frage nach der Verfügbarkeit von Land, denn in vielen Fällen wird Land einfach zu ,,unbewohnten“ oder ,,unbenutzten“ Land erklärt und Einwohner können auf Grund von sprachlichen oder kulturellen Barrieren keinen Einspruch einlegen. Oftmals ist die Konsultation der Landbevölkerung vor Vertragsabschluss erforderlich. Jedoch gibt es in Subsahara-Afrika meistens keine formalen Landtitel, wodurch der Staat der legitime Eigentümer ist und somit das Konsultationsverfahren oftmals umgangen wird. Die Deklarierung von Land als verfügbar ignoriert daher wiederholt die Landnutzungsrechte und Gewohnheiten der Bevölkerung, da es eine Beurteilung der Produktivitätsleistung von ländlicher Wirtschaft gibt und jede Option von Landwirtschaft, die nicht einer maximalen Produktivität entspricht, wird somit ausgeblendet (Kress 2012, S.25ff.). Wieviel Land insgesamt durch Land Grabbing gehandelt wird ist kaum zu bestimmen, aber die Weltbank spricht 2010 von circa 47 Millionen Hektar (Pearce 2012, S.9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Verschärfung globaler Ernährungsunsicherheit aufgrund von Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit und Preissteigerungen, was als Ausgangspunkt für die Untersuchung von Land Grabbing dient.
2.Operationalisierung Ernährungssicherheit: Hier wird das Konzept der Ernährungssicherheit in seinen vier Dimensionen (Verfügbarkeit, Zugang, Nutzbarkeit, Stabilität) detailliert definiert und von Ernährungsunsicherheit abgegrenzt.
3. Land Grabbing: Das Kapitel definiert den Begriff des Land Grabbings und analysiert dessen zentrale Motive für Investoren sowie die potenziellen Chancen und Risiken für die Zielstaaten.
4.Modernisierungstheorie: Es werden die theoretischen Grundlagen der Modernisierungstheorie, insbesondere im Hinblick auf Rationalisierung und Domestizierung, als theoretischer Rahmen für die weiteren Analysen erläutert.
5. Forschungsmethode: Dieser Teil beschreibt das Ex-Post-Facto-Design der Studie und führt die Fallstudie Mosambik ein, inklusive der Analyse des Ernährungsstands, der politischen Rahmenbedingungen und der praktischen Ergebnisse des Land Grabbings vor Ort.
6. Fazit und Zukunftsausblick: Die abschließenden Ergebnisse zeigen auf, dass die modernisierungstheoretischen Erwartungen an Land Grabbing im Fall Mosambik nicht erfüllt wurden und die mit Land Grabbing verbundenen Risiken die Ernährungssicherheit vielmehr gefährden als fördern.
Schlüsselwörter
Land Grabbing, Ernährungssicherheit, Mosambik, Modernisierungstheorie, Nahrungsmittelkrise, Agrarinvestitionen, Landrechte, Subsistenzwirtschaft, Ressourcenknappheit, Entwicklungszusammenarbeit, Welthungerindex, Kapitalintensität, Nachhaltige Landwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Land Grabbings und dessen tatsächliche Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit am Beispiel des Landes Mosambik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Operationalisierung von Ernährungssicherheit, die theoretische Einbettung in die Modernisierungstheorie sowie eine empirische Fallstudie zu Mosambik.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob Land Grabbing einen positiven Beitrag zur Bekämpfung von Ernährungsunsicherheit leisten kann oder ob die befürchteten negativen Folgen überwiegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet ein Ex-Post-Facto-Design als Untersuchungsdesign, um die Korrelation zwischen Land Grabbing als unabhängiger und Ernährungssicherheit als abhängiger Variable zu prüfen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Vordergrund?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Anwendung des Acht-Faktoren-Modells der Modernisierungstheorie auf die Daten und Entwicklungen in Mosambik im Zeitraum von 2009 bis 2019.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Land Grabbing, Ernährungssicherheit, Modernisierungstheorie, Investitionsprojekte und die spezifische Situation der ländlichen Bevölkerung in Mosambik.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Modernisierungstheorie?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die theoretisch erhofften positiven Aspekte (wie Technologietransfer) in Mosambik weitgehend ausblieben, was die modernisierungstheoretische Sichtweise in diesem Kontext falsifiziert.
Warum wurde ausgerechnet Mosambik als Fallbeispiel gewählt?
Mosambik wurde gewählt, da es zum Untersuchungszeitraum zu den ärmsten Ländern zählte, eine hohe Abhängigkeit von Subsistenzwirtschaft aufwies und sowohl Anzeichen für Ernährungsunsicherheit als auch für verstärktes Land Grabbing aufwies.
- Citar trabajo
- Stella Glaser (Autor), 2020, Inwieweit kann Land Grabbing zur Bekämpfung von Ernährungsunsicherheit beitragen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1459997