Die vorliegende Bachelorarbeit widmet sich einer umfassenden Analyse des reliefierten Tympanons der ehemaligen Stiftskirche St. Cäcilien in Köln, einem der herausragendsten Zeugnisse romanischer Skulptur des 12. Jahrhunderts im Rheinland. Durch eine detaillierte Betrachtung der Forschungslage, stilistischen Merkmale und ikonographischen Inhalte, sowie der Einbettung des Werks in den Kontext der rheinischen und europäischen Skulptur jener Epoche, unternimmt die Arbeit den Versuch, das Cäcilientympanon in seiner künstlerischen und historischen Bedeutung neu zu bewerten.
Im Zentrum der Untersuchung steht die detaillierte Beschreibung und Interpretation des Tympanons, wobei insbesondere auf die Darstellung der hl. Cäcilia und ihrer Begleiter, des hl. Valerianus und des hl. Tiburtius, eingegangen wird. Die Arbeit beleuchtet die komplexen Beziehungen zwischen den dargestellten Figuren und dem Betrachter, die durch die Gestaltung und Anordnung der Reliefs hervorgerufen werden. Ebenso wird die symbolische Bedeutung der himmlischen Krönung Cäciliens, als zentrales Motiv des Tympanons, innerhalb der christlichen Ikonographie erörtert.
Darüber hinaus werden die künstlerischen Einflüsse und technischen Aspekte der Skulptur untersucht, um die stilistische Einordnung des Werks innerhalb der rheinischen Skulptur des 12. Jahrhunderts zu präzisieren. Die Analyse der Bauornamentik und der Beziehungen zu anderen Werken der zeitgenössischen Skulptur, insbesondere jenen der Brauweiler Kreuzgangswerkstatt, ermöglicht es, neue Einblicke in die Werkstattpraxis und die kulturellen Austauschprozesse jener Zeit zu gewinnen.
Durch die Einbettung des Cäcilientympanons in den breiteren Kontext der mittelalterlichen Kunst und Kultur des Rheinlands liefert die Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Entwicklungen in der romanischen Skulptur und der Rolle religiöser Thematiken in der Kunst des Mittelalters. Die Betrachtung der Forschungsgeschichte und methodischen Ansätze unterstreicht zudem die Notwendigkeit einer kontinuierlichen kritischen Auseinandersetzung mit etablierten Interpretationen und Datierungen, um die vielschichtigen Bedeutungsebenen mittelalterlicher Kunstwerke adäquat erfassen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Tympanon von St. Cäcilien in Köln
2.1. Forschungslage
2.2. Verortung und Zusammensetzung
2.3. Beschreibung
2.4. Interpretation
3. Das Cäcilientympanon und die rheinische Skulptur des 12. Jahrhunderts
3.1. Das Cäcilientympanon und die Brauweiler Bauornamentik
3.2. Das Cäcilientympanon und der Jahreszeitensockel
3.3. Das Cäcilientympanon und das Medardusrelief aus Brauweiler
3.4. Das Cäcilientympanon und das Tympanon von St. Pantaleon
3.5. Das Cäcilientympanon und die Gustorfer Chorschranken
3.6. Das Cäcilientympanon und die Grabplatte der Plektrudis
3.7. Das Cäcilientympanon und das Marienretabel aus Brauweiler
3.8. Das Cäcilientympanon, die Sitzstatue des hl. Nikolaus in Brauweiler und ein Kopf eines Bischofs
3.9. Zwischenresümee
4. Die rheinische und europäische Skulptur im 12. Jahrhundert
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Forschungsthemen
Ziel dieser Arbeit ist es, das Verhältnis zwischen dem Cäcilientympanon und der rheinischen Skulptur des 12. Jahrhunderts, insbesondere im Kontext der Brauweiler Kreuzgangswerkstatt, zu charakterisieren. Durch eine stilistische und bauhistorische Untersuchung der Entstehungsumstände, formalen Merkmale und eine vergleichende Analyse mit zeitgenössischen Werken soll die Bedeutung und Einordnung des Tympanons präzisiert werden.
- Stilkritische Einordnung des Cäcilientympanons innerhalb der rheinischen Monumentalskulptur.
- Untersuchung von Zusammenhängen mit der Brauweiler Kreuzgangswerkstatt.
- Analyse der formalen Verwandschaften zu den Gustorfer Chorschranken und dem Tympanon von St. Pantaleon.
- Kontextualisierung der Skulptur im Vergleich zu europäischen Strömungen des 12. Jahrhunderts.
Auszug aus dem Buch
2.3. Beschreibung
In der Mitte des Bogenfeldreliefs ist die inschriftlich bezeichnete hl. Cäcilia dargestellt, die sich als Dreiviertelfigur in frontaler Ansicht präsentiert (Abb. 2). Während sie ihren rechten Arm seitlich zum Gruße erhebt, winkelt sie den linken Arm vor ihrem Leib an. Einst hat sie in ihrer linken Hand einen heute verlorenen bleiernen Palmzweig gehalten. Cäcilia ist mit einem eng anliegenden langärmeligen Untergewand bekleidet, welches lediglich im Bereich der Armgelenke sichtbar wird. Über dem Untergewand trägt sie ein gegürtetes, fülliges Obergewand mit weiten, in den Armbeugen gerafften und gestauchten Ärmeln. An den Seiten und unterhalb der durch den überfallenden Stoff verdeckten Gürtelpartie wird das Gewand von asymmetrischen weich gerundeten Faltenwellen überzogen, die „einen sich der Omegaform annähernden Querschnitt“ aufweisen und am oberen Rand gelegentlich flach eingedrückt sind. Ihren Schleier trägt sie nicht auf dem Kopf, sondern um den Hals und die Schultern zu feinen parallelen Faltensträngen drapiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Problematisierung der Forschungslage und Definition des Ziels, das Cäcilientympanon stilistisch und baugeschichtlich neu einzuordnen.
2. Das Tympanon von St. Cäcilien in Köln: Untersuchung der Forschung, Provenienz sowie ikonographische und stilistische Analyse des Bildwerks.
3. Das Cäcilientympanon und die rheinische Skulptur des 12. Jahrhunderts: Detaillierte Vergleichsanalysen zu bedeutenden Werken der Brauweiler Werkstatt, darunter der Jahreszeitensockel, das Medardusrelief und die Gustorfer Chorschranken.
4. Die rheinische und europäische Skulptur im 12. Jahrhundert: Einordnung der Kölner Bildhauerei in den weiteren europäischen Rahmen und Analyse der Interdependenzen im staufischen Kunstkontext.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Erkenntnisse und Einordnung des Cäcilientympanons als zentrales, jedoch in seiner Entwicklung facettenreiches Werk der rheinischen Romanik.
Schlüsselwörter
Cäcilientympanon, Museum Schnütgen, Brauweiler Kreuzgangswerkstatt, Romanische Skulptur, Köln, St. Pantaleon, Gustorfer Chorschranken, Plektrudisgrabplatte, Marienretabel, St. Cäcilien, Stilkritik, Rheinland, Koronatio, Mittelalterliche Bauplastik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das bedeutende romanische Tympanon der ehemaligen Stiftskirche St. Cäcilien in Köln und seine Stellung innerhalb der rheinischen Skulptur des 12. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen stilistische Vergleiche mit Bauornamentik und Skulpturen der Brauweiler Werkstatt sowie die Analyse der künstlerischen Beziehungen zu anderen Kölner Monumentalwerken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Verhältnis des Cäcilientympanons zur rheinischen Skulptur des 12. Jahrhunderts präzise zu charakterisieren und die Bedeutung des Tympanons durch aufzeigbare Zusammenhänge zur Brauweiler Werkstatt zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die stilistische Analyse, bauhistorische Überlegungen und den Vergleich mit zeitgenössischen Skulpturkomplexen, um relative Chronologien und Werkstattzusammenhänge zu erhellen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil besonders behandelt?
Neben der ausführlichen Beschreibung des Cäcilientympanons erfolgt eine schrittweise Gegenüberstellung mit dem Medardusrelief, den Gustorfer Chorschranken, der Plektrudisgrabplatte und dem Marienretabel aus Brauweiler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese wissenschaftliche Publikation?
Wichtige Begriffe sind Cäcilientympanon, Brauweiler Kreuzgangswerkstatt, Romanik, rheinische Skulptur, Ikonographie, Koronatio und Stilentwicklung.
Wie erklärt die Autorin die auffällige Anordnung der Steinblöcke am Cäcilientympanon?
Sie stützt sich auf die Forschung von Hans Püttmann und argumentiert, dass eine Planänderung hinsichtlich der Durchgangsbreite des Portals während der Bauphase zu dieser ungewöhnlichen Konstellation führte.
Welche Bedeutung hat das Medardusrelief für die Einordnung des Tympanons?
Das Medardusrelief wird als stilistischer und struktureller Vorläufer verstanden, der durch Ähnlichkeiten in der Nischenform und Physiognomie die Verbindung zur Brauweiler Werkstatt unterstreicht.
Inwieweit beeinflusste europäische Kunst die rheinische Skulptur laut dieser Studie?
Die Autorin weist darauf hin, dass zwar Anregungen aus Frankreich und Italien existierten, diese jedoch im Rheinland eigenständig verarbeitet und in einen spezifisch lokalen Stil überführt wurden.
- Quote paper
- Nga Tran (Author), 2007, Der Tympanon der St. Cäcilienkirche in Köln. Romanische Skulptur und Ikonographie des 12. Jahrhunderts im Rheinland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1460034