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Zur Wiederverwendung von Steinen im Kirchenbau des 20. Jahrhunderts. Nachhaltigkeit, Ästhetik und Geschichte in der Kirchenarchitektur

Titel: Zur Wiederverwendung von Steinen im Kirchenbau des 20. Jahrhunderts. Nachhaltigkeit, Ästhetik und Geschichte in der Kirchenarchitektur

Masterarbeit , 2010 , 121 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Nga Tran (Autor:in)

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Masterarbeit bietet eine umfassende Untersuchung der Praktiken und philosophischen Überlegungen hinter der Wiederverwendung von Baumaterialien, insbesondere Steinen, im Kontext kirchlicher Bauvorhaben des vergangenen Jahrhunderts. Im Fokus steht dabei nicht nur die materielle Dimension dieser Praxis, sondern auch deren ästhetische, ökologische und historische Bedeutungen. Anhand von Bauwerken bedeutender Architekten wie Rudolf Schwarz und Dominikus Böhm, die maßgeblich zur Prägung der kirchlichen Architekturlandschaft in Deutschland beigetragen haben, wird detailliert aufgezeigt, wie Natur-, Ziegel- und Trümmersteine nicht nur als physische Baustoffe, sondern auch als Träger von Erinnerungen, Traditionen und kultureller Identität fungieren.

Die Arbeit beleuchtet die verschiedenen Motive – von ökonomischer Notwendigkeit über ökologische Nachhaltigkeit bis hin zu ästhetischer Wertschätzung –, die zur Entscheidung der Wiederverwendung führten. Besonderes Augenmerk liegt auf der symbolischen und semantischen Aufladung der verwendeten Materialien, die durch ihre Herkunft und Geschichte eine zusätzliche Dimension in die architektonische Gestaltung einbringen. Die Arbeit stellt dar, wie diese Steine zu einem lebendigen Teil der Kirchenarchitektur werden, indem sie Geschichten von Zerstörung und Wiederaufbau, von Vergänglichkeit und Dauerhaftigkeit erzählen.

Durch die detaillierte Analyse ausgewählter Kirchenbauten und die Einbettung in den breiteren Kontext der Materialikonologie bietet die Arbeit tiefe Einblicke in die komplexen Beziehungen zwischen Materialität, Gedächtnis und Sakralität im 20. Jahrhundert. Die sorgfältige Untersuchung der technischen, ästhetischen und symbolischen Aspekte der Steinverwendung im Kirchenbau offenbart, wie aus Trümmern und Ruinen Orte des Glaubens und der Gemeinschaft gestaltet wurden, die bis heute das Stadtbild prägen und als Zeugen einer bewegten Vergangenheit dienen.

Diese Masterarbeit richtet sich an Studierende und Forschende der Kunstgeschichte, Architektur und Denkmalpflege sowie an alle Interessierten, die sich für die Geschichte und Theorie des Kirchenbaus, für Fragen der Nachhaltigkeit im Bauen und für die kulturelle Bedeutung von Baumaterialien interessieren. Sie bietet nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern regt auch zur Reflexion über den Umgang mit unserem baukulturellen Erbe an.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Forschungsinteresse

1.2. Forschungsfrage

1.3. Forschungsstand

2. Von Steinen zu Trümmersteinen

2.1. Naturstein

2.2. Ziegelstein

2.3. Trümmerstein

3. Kirchenbau und Stein

3.1. Bedeutung von Stein

3.2. Verwendung von Stein

4. Kirchenbau und Trümmerstein

4.1. Ökonomische Perspektiven

4.2. Politische, gesellschaftliche und institutionelle Perspektiven

4.3. Ästhetische und baukünstlerische Perspektiven

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die materiellen und inhaltlichen Qualitäten von Trümmersteinen im deutschen Kirchenbau der Nachkriegszeit. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche ästhetischen und symbolischen Wertschätzungen mit diesem spezifischen Baumaterial verbunden waren und inwiefern der Umgang mit kriegsbedingten Trümmerresten als architektonische und theologische Ausdrucksform verstanden werden kann.

  • Materialikonologie und Materialsemantik im Kirchenbau
  • Geschichte der Wiederverwendung von Baumaterial
  • Ökonomische und politische Rahmenbedingungen des Wiederaufbaus
  • Der Trümmerstein als Erinnerungsträger und Sinnbild der Zerstörung
  • Ästhetik des Wiederaufbaus und architektonische Sinnstiftung

Auszug aus dem Buch

1.1. Forschungsinteresse

Die Idee altes Baumaterial im Kirchenbau wiederzuverwenden ist nicht neu und so alt wie die menschliche Bautätigkeit selbst. Dabei können die Motive der Zweit- oder Drittverwendung von Sparsamkeit, Ökologie und Ökonomie, ästhetischer Wertschätzung bis hin zu politischem Repräsentations- und Machtbedürfnis reichen, wie es bei der Pfalzkapelle von Karl dem Großen in Aachen (um 800) gewesen sein mag. Hier war es der Wunsch nach einer demonstrativen Anknüpfung an die römisch-antike Tradition und einer damit verbundenen Bekräftigung des imperialen Anspruchs, welcher für Karl d. Gr. den Ausschlag zur Verwendung von sogenannten Spolien gab und ihn veranlasste antike Säulen und Basen aus Ravenna und Rom nach Aachen zu holen. Wie die wiederverwendeten Bauteile soll auch die Hierarchisierung der einzelnen Geschosse in Material, Form und Farbe sowie die Anlehnung der Bauformen an San Vitale in Ravenna (526/547) und an die Kirche Hagios Sergios und Bakchos in Konstantinopel (527/536) seinem Anspruch einen sinnfälligen Ausdruck verleihen.

Wurde man in die Lage versetzt, außerhalb des Machtgebietes des überwundenen Staates, dessen Herrschaft man fortzusetzen gedachte, Paläste oder Kirchen zu errichten, ohne daß durch die Überlieferung heilige Orte gegeben waren, die dem Neubau ihre Macht mitteilten, so standen zwei Möglichkeiten offen, die Weihe sich zu erzwingen. Einmal konnte man ein verehrtes Vorbild zu kopieren trachten oder aber sich bemühen, Teile der alten Bauten zu überführen, gleichsam Baureliquien zu transferieren. (…) In diesem Sinne ist also der Spolienraub als eine Umkehrung der Forderung zu verstehen, am heiligen Ort sein Bauwerk zu errichten; der heilige Ort wird gleichsam in Teilstücken transferiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Materialwiederverwendung unter Berücksichtigung historischer Beispiele und der Definition des Forschungsinteresses sowie der Fragestellung.

2. Von Steinen zu Trümmersteinen: Systematische Vorstellung der Ausgangsmaterialien (Naturstein, Ziegelstein) und Erläuterung der durch Kriegseinwirkung entstehenden Veränderungen zum Material Trümmerstein.

3. Kirchenbau und Stein: Analyse der religiösen und symbolischen Bedeutung von Naturstein im christlichen Kirchenbau sowie ein Überblick über die historische Verwendung von Stein.

4. Kirchenbau und Trümmerstein: Detaillierter Diskurs zu ökonomischen, politischen sowie ästhetischen Aspekten bei der Verwendung von Trümmersteinen im sakralen Wiederaufbau.

5. Schlussbetrachtung: Synthese der Erkenntnisse über die Bedeutung von Trümmersteinen als architektonische Erinnerungsträger und ihre Rolle im Kontext des kirchlichen Neubeginns.

Schlüsselwörter

Trümmerstein, Kirchenbau, Nachkriegszeit, Materialikonologie, Spolien, Wiederaufbau, Sakralarchitektur, Materialsemantik, Trümmerarchitektur, Steinbau, Materialgerechtigkeit, Erinnerungskultur, Rudolf Schwarz, Dominikus Böhm, Materialwiederverwendung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit analysiert, wie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirchen und Trümmersteine als Baumaterial wiederverwendet wurden und welche Bedeutung dies für den kirchlichen Wiederaufbau hatte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung umfasst die Materialgeschichte von Stein, die ökonomischen Zwänge der Nachkriegsära und die ästhetische sowie theologische Sinndeutung von gebrauchtem Steinmaterial.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Es wird untersucht, wie ästhetische und symbolische Wertschätzungen von Trümmersteinen in der Nachkriegszeit zur Identitätsbildung und zur architektonischen Bewältigung der materiellen Not beitrugen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf kunsthistorisch-analytischen Ansätzen, insbesondere der Materialikonologie und -semantik, ergänzt durch eine umfassende Auswertung zeitgenössischer Architekturpublikationen und Architektenäußerungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Analyse der Steine (Naturstein/Ziegelstein), die philosophische Verankerung des Steinbaus im Kirchenbau und eine differenzierte Untersuchung der ökonomischen und ästhetischen Dimensionen von Trümmersteinbauten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Trümmerstein, Kirchenbau, Nachkriegszeit, Spolien, Wiederaufbau und Materialsemantik.

Welche Rolle spielt die "Trümmergeneration" in der Arbeit?

Die Arbeit beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen dem praktischen Zwang der Trümmerbeseitigung und dem ethisch-ästhetischen Respekt, den einige Architekten den Ruinen entgegenbrachten.

Inwiefern unterscheidet sich der Wiederaufbau der Kirchen von reinen Profanbauten?

Während bei Profanbauten oft ökonomische Effizienz dominierte, war der kirchliche Wiederaufbau zusätzlich durch theologische Konzepte wie "lebendige Steine" und den Status der Kirche als "Haus Gottes" geprägt.

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zur Wiederverwendung von Steinen im Kirchenbau des 20. Jahrhunderts. Nachhaltigkeit, Ästhetik und Geschichte in der Kirchenarchitektur
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Seminar für Kunstgeschichte)
Note
1,0
Autor
Nga Tran (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
121
Katalognummer
V1460036
ISBN (PDF)
9783389014578
ISBN (Buch)
9783389014585
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moderner Kirchenbau 20. Jahrhundert Trümmerstein Wiederverwendung Baustoffe Spolien Architekturgeschichte Materialsemantik Nachkriegszeit Denkmalpflege Wiederaufbau Rudolf Schwarz Dominikus Böhm Materialikologie Gedenkarchitektur Kulturerbe Städtebau Kirchenbau Kirchliche Tradition Nachhaltigkei
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nga Tran (Autor:in), 2010, Zur Wiederverwendung von Steinen im Kirchenbau des 20. Jahrhunderts. Nachhaltigkeit, Ästhetik und Geschichte in der Kirchenarchitektur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1460036
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Leseprobe aus  121  Seiten
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