Im Rahmen dieser Arbeit soll die Frage beantwortet werden, welche Bedeutung Stress bei Suchterkrankungen hat und welche Strategien zur Stressregulation im Rahmen einer pflegetherapeutischen Gruppe vermittelt werden können.
Abhängigkeitserkrankungen stellen eine häufige Erkrankung in der heutigen Bevölkerung dar, welche mit einer Vielzahl körperlicher Folgeschäden einhergehen. Im Zusammenhang mit der Entstehung und Aufrechterhaltung wird immer wieder Stress als ein Hauptfaktor diskutiert. Daher ist es vor allem im pflege-therapeutischen Setting wichtig, den Patienten stressreduzierende Strategien zu vermitteln und gemeinsam mit ihnen, Fertigkeiten anzueignen, um die eigenen Emotionen ohne Substanzen kontrollieren zu können. Da jedoch sowohl das Stresserleben als auch das Stressbewältigungsverhalten starken interindividuellen Differenzen unterliegt, scheint es auch im Hinblick auf den Einsatz von Bewältigungsstrategien sinnvoll zu sein diese Differenzen zu berücksichtigen und so das Therapieangebot zu optimieren. Eine Möglichkeit der Stressreduktion findet man unter anderem in der Dialektisch-Behavioralen-Therapie-Sucht (DBT-S), angestrebt wird der Aufbau und die Verbesserung von Fertigkeiten zur Emotionsregulation sowie das Erreichen und Aufrechterhalten von Abstinenz. Diese Therapieform vermittelt mit ihren Modifikationen unterschiedliche Strategien, im Zentrum steht das Skilltraining (Fertigkeitentraining). Durch diese Therapie kann der Betroffene durch das Erlernen von Fertigkeiten, sowie das Erlangen von neuen Betrachtungsweisen dazu verholfen werden, eigenen Gefühle und Gedanken im Sinne der Achtsamkeit und Stresstoleranz zu erarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Suchterkrankungen
2.1 Definition Sucht
2.2 Modelle zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Suchterkrankung
3 Stress im Zusammenhang mit Abhängigkeit
3.1 Stress
3.1.1 Allgemeines Anpassungssyndrom
3.1.2 Transaktionales Stressmodell nach Lazarus
3.1.3 Biopsychosoziale Stressmodelle
3.2 Stress als Faktor in der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Suchterkrankung
3.3 Stressbewältigung (Coping)
4 Dialektisch-Behavioralen-Therapie Sucht (DBT-S)
4.1 DBT-S Geschichte
4.2 Module der DBT-S
4.3 Stressreduzierende Maßnahmen im Rahmen einer pflegetherapeutischen Gruppe
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Stress bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Suchterkrankungen und evaluiert, wie stressreduzierende Strategien aus der Dialektisch-Behavioralen-Therapie für Suchterkrankungen (DBT-S) in einer pflegetherapeutischen Gruppe wirksam vermittelt werden können.
- Zusammenhang zwischen Stress und Sucht sowie Mechanismen der Stressentstehung.
- Theoretische Modelle der Suchtentstehung und der psychischen Abhängigkeit.
- Grundlagen und therapeutische Haltung der Dialektisch-Behavioralen-Therapie (DBT-S).
- Praktische Implementierung von Skilltraining und Stressregulation in stationären Settings.
- Bedeutung der Validierung und therapeutischen Beziehung bei der Arbeit mit Suchterkrankten.
Auszug aus dem Buch
Stress als Faktor in der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Suchterkrankung
Bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Suchterkrankungen spielt Stress eine zentrale Rolle. Eine sehr bekannte Theorie, welche auf lerntheoretischen Annahmen beruht, ist die Selbstmedikations-Hypothese von E J Khantzian (vgl. Khantzian 1997, S. 231–244). Diese Annahme besagt, dass das Suchtmittel eingesetzt wird, um Spannung zu reduzieren und Stresssituationen zu bewältigen. Eine weitere Hypothese, die Spannungs-Reduktions-Hypothese, besagt, dass starke Stresszustände durch die Einnahme angstlösender Substanzen reduziert werden. Aufgrund der stressreduzierenden Wirkung ist die Auftretenswahrscheinlichkeit von Suchtmitteln als Selbstmedikation erhöht. Auch Abhängige selbst beschreiben Stress als einen Hauptfaktor für einen fortlaufenden Konsum und auch für Rückfälle (vgl. Cleck & Blendy, 2008, S. 454-461).
Im Zusammenhang mit Rückfällen entsteht das so genannte Craving. Dies ist in der Entstehung aber auch bei der Aufrechterhaltung der Abhängigkeit ein ausschlaggebender Risikofaktor (vgl. Cavicchioli et al., 2020, Kapitel 3.). Bei vielen Modellen des Cravings spielt die klassische Konditionierung eine wesentliche Rolle. Es wird vor allem von einer Etablierung eines „negativen Affekts“ oder psychologischen Distress während der Abstinenz bei Abhängigen gesprochen (vgl. Volkow & Fowler, 2000, S. 318-325). Dieser Stress während der Abstinenz aktiviert die HPA-Achse, was die Person an die Wirkung des Suchtmittels erinnert (Sensitivierung). Dies führt zu Craving und erhöht somit das Rückfallrisiko (vgl. Goeders, 2003; Goeders, 2004, S.1ff). Ein positiver Zusammenhang zwischen Stress und Verlangen, sowie zwischen Stress und Rückfall wurde häufig in der Literaturdokumentiert (vgl. Sinha, 2001, S. 343-359). Insgesamt scheint es viele ähnlich Befunde zu geben, die zeigen, dass Abhängige stressinduzierte emotionale und physiologische Dysregulationen aufzeigen, welche verbunden sind mit einer veränderten Hirnaktivität, welche zu erhöhtem Suchtdruck und zu einer Vulnerabilität für Rückfälle führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Stress bei Suchterkrankungen und führt in die Methode der Dialektisch-Behavioralen-Therapie zur Förderung der Emotionsregulation ein.
2 Suchterkrankungen: In diesem Kapitel werden Begriffe definiert und verschiedene psychologische sowie neurobiologische Erklärungsansätze für die Entstehung von Sucht dargelegt.
3 Stress im Zusammenhang mit Abhängigkeit: Hier erörtert die Autorin die biologischen und psychologischen Stressmodelle und setzt diese in den Kontext der Sucht und des Suchtdrucks (Craving).
4 Dialektisch-Behavioralen-Therapie Sucht (DBT-S): Dieses Kapitel stellt die Geschichte, Module und Behandlungsstrategien der DBT-S vor, speziell im Hinblick auf deren Anwendung in pflegetherapeutischen Gruppen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine dysfunktionale Stressverarbeitung ein wesentlicher Faktor bei Suchterkrankungen ist und die Integration von DBT-S-Strategien eine sinnvolle therapeutische Maßnahme darstellt.
Schlüsselwörter
Stressregulation, Suchterkrankung, DBT-S, Skilltraining, Craving, Abhängigkeit, Emotionsregulation, Stresstoleranz, Rückfallprophylaxe, Selbstmedikation, psychische Gesundheit, therapeutische Haltung, Achtsamkeit, Suchtprävention, Interdisziplinäre Suchtbehandlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung von Stress bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Abhängigkeitserkrankungen und wie dieser durch therapeutische Ansätze reguliert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Stressforschung, den lerntheoretischen Modellen der Suchtentstehung sowie den spezifischen Methoden der DBT-S.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, welche Bedeutung Stress bei Abhängigen hat und wie Strategien aus der DBT-S in pflegetherapeutischen Gruppen zur Stressbewältigung vermittelt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Zusammenführung von Modellen aus der Stressforschung und der DBT-S als ergänzende Methodik in der Suchttherapie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Sucht und Stress sowie die detaillierte Darstellung des DBT-S-Konzepts und dessen praktischer Anwendung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Suchtdruck (Craving), Stresstoleranz, Emotionsregulation und das Skills-Konzept geprägt.
Welche Rolle spielt die therapeutische Haltung in dieser Arbeit?
Die therapeutische Haltung, insbesondere Konzepte der Akzeptanz und Validierung, wird als zentrales Herzstück der DBT-S hervorgehoben, um Klienten erfolgreich in ihren Veränderungsprozessen zu unterstützen.
Warum ist das Stigma von Suchterkrankungen für diese Arbeit relevant?
Die Autorin betont, dass soziale Ausgrenzung und stigmatisierendes Verhalten gegenüber Betroffenen Teil der Suchtspirale sind, weshalb eine professionelle therapeutische Haltung für den Behandlungserfolg unerlässlich ist.
Welche Kriterien müssen Skills im Rahmen der DBT-S erfüllen?
Skills sollen laut Arbeit die Anforderungen der ESEL-Kriterien erfüllen: Sie müssen effektiv, schnell verfügbar, effizient und leicht einsetzbar sein.
Wie lautet die Schlussfolgerung bezüglich zukünftiger Forschung?
Die Autorin wünscht sich Langzeitstudien zur Evaluation der DBT-S in Deutschland sowie eine flächendeckendere Ausweitung der Behandlungsangebote.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2023, Strategien zur Stressregulation bei Suchterkrankungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1460074