Dieses Portfolio erklärt auf lebendige Weise alle wichtigen Aspekte, die mit dem Beobachten als Instrument professionellen Handelns in der Frühpädagogik zusammenhängen:
Es werden Begründungen, Ziele, Schwierigkeiten und Vorteile des Beobachtens aufgezeigt. Es wird deutlich, dass Beobachten die Grundlage der Dokumentation von Bildungsprozessen darstellt. Außerdem geht es um Wahrnehmung, kognitive Diskrepanz und gerichtete und ungerichtete Aufmerksamkeit. Dabei wird zusätzlich das Bild vom Kind und die unmögliche Unsichtbarkeit des Beobachters diskutiert.
Spannend ist auch der abschließende Gedanke, dass das Beobachten von einer Methode zu einer Haltung, ja zu einer Lebenseinstellung werden kann.
Inhaltsverzeichnis
beobachten
1. Einleitung und Einordnung
2. Warum und wozu Beobachtung?
3. Wahrnehmung
4. Wie beobachtet man das Innenleben?
5. Die gerichtete Aufmerksamkeit
6. Die ungerichtete Aufmerksamkeit
7. Bemerkenswert / Merkwürdig
8. Von der Methode zur Haltung
9. Neues im Kopf
10. Kognitive Diskrepanz
11. Schwierigkeiten
Der Beobachter als Teil der Situation
Der sichtbare Beobachter
Risiken
12. Vorteile
Beobachtung als Kommunikation
Beobachtung als Wertschätzung
Beobachtung als Grundlage von Dokumentation
Beobachten als wohltuende Lebenseinstellung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Rolle und Praxis der Beobachtung in der Frühpädagogik auseinander. Das primäre Ziel besteht darin, Beobachtung nicht als defizitorientiertes Diagnoseinstrument, sondern als kompetenzorientierte, wertschätzende Grundhaltung zu etablieren, die professionelles pädagogisches Handeln erst ermöglicht.
- Unterscheidung zwischen gerichteter und ungerichteter Aufmerksamkeit
- Reflexion der Subjektivität des Beobachters und der Beziehungsdynamik
- Analyse der Herausforderungen und Risiken bei der Beobachtungs- und Dokumentationspraxis
- Verbindung von pädagogischer Beobachtung mit meditativen Ansätzen (Zen) zur Förderung einer professionellen Haltung
Auszug aus dem Buch
Die ungerichtete Aufmerksamkeit
Die ungerichtete Aufmerksamkeit hingegen konzentriert sich auf das Kind, auf sein Erleben und seine Themen. Die Erzieherin nimmt zunächst einmal alles wahr, auch das, was ihr vielleicht unwichtig erscheint. Sie tut dies, ohne feste Fragestellungen oder Hypothesen zu verfolgen. Sie versucht, sich dabei kein Urteil zu bilden, auch wenn man eigentlich nie vollkommen wertfrei wahrnehmen kann. Eine sinnliche Wahrnehmung löst immer eine Emotion aus (und sei es auch nur das Gefühl „Langeweile“ oder „Desinteresse“) und wird unweigerlich im Zuge der Wahrnehmungsverarbeitung mit dieser verknüpft und im Gedächtnis gespeichert. Gemeint ist hier, dass die Erzieherin bei der Beobachtung davon absieht, bewusst Bewertungen vorzunehmen oder Schlüsse zu ziehen.
Man lässt seine Aufmerksamkeit ungerichtet schweifen wie einen hellen Suchscheinwerfer und gewinnt damit die Chance, sie von den Kindern lenken zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Einordnung: Das Kapitel definiert Beobachtung als grundlegendes Instrument professionellen pädagogischen Handelns in der Frühpädagogik.
2. Warum und wozu Beobachtung?: Hier wird ein kompetenzorientierter Ansatz vorgestellt, der das Kind in seiner Individualität und seinen Selbstbildungspotentialen in den Fokus rückt.
3. Wahrnehmung: Der Abschnitt erläutert Wahrnehmung als konstitutiven Bestandteil von Beobachtung, wobei sowohl äußere Merkmale als auch eine empathische Interpretation des Innenlebens einbezogen werden.
4. Wie beobachtet man das Innenleben?: Es wird dargelegt, wie die Erzieherin durch Empathie und eigene Erfahrungen Hypothesen über die Gefühls- und Gedankenwelt der Kinder aufstellt.
5. Die gerichtete Aufmerksamkeit: Dieses Kapitel kritisiert die gerichtete Beobachtung als eher defizitorientiertes Diagnoseinstrument mit eingeschränktem Nutzen.
6. Die ungerichtete Aufmerksamkeit: Die ungerichtete Aufmerksamkeit wird als wertfreiere Methode eingeführt, um sich für die Themen der Kinder zu öffnen.
7. Bemerkenswert / Merkwürdig: Es wird die Subjektivität der Beobachtung reflektiert und betont, dass der Blick auf das Kind wichtiger ist als die eigene Bewertung durch den Erwachsenen.
8. Von der Methode zur Haltung: Die Beobachtung wird hier als eine im Alltag verinnerlichte Grundhaltung beschrieben, die über eine bloße methodische Anwendung hinausgeht.
9. Neues im Kopf: Das Kapitel untersucht, wie durch die Begegnung mit Unbekanntem und die Verbindung verschiedener Muster Neues im Denken entstehen kann.
10. Kognitive Diskrepanz: Der Autor beschreibt die „kognitive Diskrepanz“ als pädagogisch wertvolle Spannung, die es auszuhalten gilt, anstatt vorschnell Antworten zu liefern.
11. Schwierigkeiten: Dieser Abschnitt beleuchtet die Subjekt-Objekt-Relation und die Risiken, die eine Beobachtungssituation für das Kind (z.B. Leistungsdruck) bergen kann.
12. Vorteile: Hier werden die positiven Effekte der Beobachtung als Kommunikation, Wertschätzung, Grundlage für Dokumentation und als lebensbejahende Einstellung dargelegt.
Schlüsselwörter
Frühpädagogik, Beobachtung, Wahrnehmung, professionelles Handeln, kompetenzorientiert, ungerichtete Aufmerksamkeit, Empathie, Dokumentation, Wertschätzung, pädagogische Haltung, Subjektivität, Kindesentwicklung, Reflexion, Zen, Bildungsarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Beobachtung als zentralem Instrument pädagogischen Handelns in der Frühpädagogik und der Notwendigkeit, diese in eine wertschätzende Grundhaltung zu transformieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Wahrnehmungsformen, der Rolle des Beobachters, der Ethik der Dokumentation sowie dem Potenzial von Beobachtung zur Beziehungsgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis für eine kompetenzorientierte Beobachtung zu schaffen, die Kinder in ihrer Selbsttätigkeit und ihren individuellen Lernwegen erkennt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Reflexion, die auf Fachliteratur sowie auf einer eigenen Auseinandersetzung mit der pädagogischen Praxis und der Haltung des Beobachtenden basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert methodische Unterschiede der Aufmerksamkeit, reflektiert die Schwierigkeiten der Subjektivität des Beobachters und diskutiert die positiven Auswirkungen einer professionellen Beobachtungspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff der Beobachtung sind es Begriffe wie Wertschätzung, ungerichtete Aufmerksamkeit, professionelle Haltung und pädagogisches Handeln.
Warum wird die "gerichtete Beobachtung" kritisch betrachtet?
Der Autor kritisiert, dass sie häufig auf defizitorientierten Checklisten basiert und das Kind eher auf bestimmte Entwicklungsstandards hin prüft, statt seine individuellen Potenziale zu sehen.
Inwiefern hat die Beobachtung eine meditative Komponente?
Der Autor zieht Parallelen zum Zen, indem er betont, dass eine offene, vorurteilsfreie und aufmerksame Haltung den Blick schärft und sowohl für das Kind als auch für die pädagogische Fachkraft eine wohltuende Wirkung entfalten kann.
Was ist mit der „kognitiven Diskrepanz“ gemeint?
Dies beschreibt den Spalt zwischen der beobachteten Situation und dem eigenen Verständnis; den Autorin zufolge ist es ein Zeichen von Professionalität, diesen Spalt auszuhalten, anstatt ihn mit schnellen, oft falschen Interpretationen zu schließen.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Pädagogin Anna Bachem (Autor:in), 2007, Beobachten als Instrument professionellen Handelns in der Frühpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146031