Großbritannien ist das erste Land, welches eine Industrielle Revolution beziehungsweise Industrialisierung in diesem Maße erfahren hat. Dabei hat die Industrielle Revolution viele wirtschaftliche und soziale Aspekte des 18. und 19. Jahrhunderts grundlegend verändert. Ziel meiner Hausarbeit ist es hierbei einige dieser Merkmale aufzugreifen und zu erörtern.
Dabei werde ich anfangs auf die Arbeitsverteilung und deren Umstrukturierung während der Industriellen Revolution eingehen. Zum Zweiten werde ich darlegen inwiefern sich Arbeiter in den Fabriken strengen Kontrollen und Ungerechtigkeit von Seiten ihrer Arbeitgeber hingeben mussten, beziehungsweise wie diese umgangen werden konnten.
In den zwei folgenden Kapiteln vier und fünf werde ich mich näher mit der Frauen- und Kinderarbeit während der Industrialisierung auseinandersetzten, die beide eine sehr fundamentale Rolle während der Industriellen Revolution spielen, und dabei unter starker Belastung und Unterdrückung litten.
In den letzten beiden Kapiteln werde ich näher auf die Strukturen und Gegebenheiten der Familie, sowie auf die damals gegenwärtigen Freizeitaktivitäten der Arbeiter während der Industriellen Revolution eingehen. Einer der wichtigsten Faktoren des sozialen Wandels auf dem Weg zur Industrialisierung des frühindustriellen Großbritanniens ist die Umstrukturierung der Arbeit beziehungsweise der Arbeitsbedingungen. Für den größten Teil der arbeitenden Bevölkerung von Männern, Frauen und Kindern bedeutete dies einen langen Arbeitstag von mindestens 12 Stunden an zumindest 6 Tagen der Woche. Dabei war es innerhalb der Familien der Arbeiterklasse von großer Wichtigkeit untereinander zu kooperieren und viel und hart zu arbeiten um geringfügig besser als von der Hand in den Mund zu leben.
Aufgrund der Vielfalt der industriellen Arbeitsmöglichkeiten in der Stadt war es den Arbeitern möglich, durch besondere erworbene Fähigkeiten höhere Löhne zu erwirtschaften, was in der Folge zu sowohl sozialer als auch geographischer Mobilität führen konnte. [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Arbeitsverteilung
III. Arbeit und Arbeitskontrolle
IV. Frauenarbeit
V. Kinderarbeit
VI. Familie
VII. Freizeit
VIII. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die tiefgreifenden sozioökonomischen Veränderungen in Großbritannien während der Industriellen Revolution, wobei der Fokus auf dem Wandel der Arbeitsstrukturen, der Rolle von Frauen und Kindern sowie den Auswirkungen auf das Familienleben und die Freizeitgestaltung liegt.
- Strukturwandel der Arbeitswelt und Einführung neuer Disziplinierungsmethoden
- Die sozioökonomische Bedeutung von Frauen- und Kinderarbeit
- Veränderungen der familiären Lebensverhältnisse durch Industrialisierung
- Entwicklung und Kommerzialisierung von Freizeitaktivitäten
- Der Einfluss ökonomischen Wachstums auf soziale Normen und Verhaltensweisen
Auszug aus dem Buch
III. Arbeit und Arbeitskontrolle
Im 18. Jahrhundert umfasste ein gewöhnlicher Arbeitstag in der Heimarbeit zwischen 12 und 14 Stunden, wobei Löhne nicht nach Stunden sondern nach produzierter Stückzahl abgerechnet wurden, was bedeutete, dass zu Anfang der Woche eher zurückhaltend gearbeitet wurde und gegen Ende der Woche hin ein volles Arbeitspensum stattfand, um eine jeweilig notwendige Stückzahl zu erreichen. Dies bedeutete dann einen Arbeitstag von 16 Stunden gegen Ende der Woche, wobei jedoch teilweise auch 2 bis 3 Tage die Woche überhaupt nicht gearbeitet wurde. Die Stückzahl variierte also je nach aktuellen Lebensmittelpreisen und dem Lebensstandard, den die Familie gerade hatte. So wurde je nach finanzieller Lage etwas mehr oder etwas weniger gearbeitet. Gegenüber der Arbeit in den Fabriken wurde der Arbeitsrythmus selber geregelt, und nicht wie in den Fabriken von Maschinen beziehungsweise „clocking in“ und „clocking off“ bestimmt.
Meist war in der Heimarbeit die gesamte Familie in den Arbeitsprozess involviert um einen ausreichenden Lebensstandard zu gewähren. Frauen spielten dabei die führende Rolle hinsichtlich der Organisation der Kinder in der Familie. Es gab keine Spezialisierung des Arbeitsprozesses wie dies in der Folge in den Fabriken stattfand. Desweiteren existierten zwei verschiedene Möglichkeiten der Heimarbeit. So war es zum einen möglich dass Verleger die so genannten „Work Houses“ mit den jeweiligen Materialien belieferten und diese nach Bearbeitung wieder abholten, oder aber sich die Familie selber um Beschaffung und Vertrieb der Ware kümmerte. Oft fand auch eine Anmietung der Arbeitsstätte sowie die Bezahlung von Miete für die Maschinen statt. Organisatorisch galten die „Putting Out Systems“ als Vorläufer der Fabriken.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Fokus auf den gesellschaftlichen Wandel Großbritanniens durch die Industrialisierung unter besonderer Berücksichtigung von Arbeitsbedingungen und familiären Strukturen.
II. Arbeitsverteilung: Das Kapitel analysiert den Übergang von agrarischen zu industriellen Beschäftigungsverhältnissen und das massive demografische Wachstum zwischen 1750 und 1850.
III. Arbeit und Arbeitskontrolle: Hier wird der Kontrast zwischen flexibler Heimarbeit und der zunehmend disziplinierten, fabrikbasierten Lohnarbeit unter Verwendung des „Sub-Contracting“-Systems beleuchtet.
IV. Frauenarbeit: Dieses Kapitel untersucht die ökonomische Rolle der Frau, die trotz stabiler Beschäftigungszahlen in verschiedenen Sektoren oft unter schlechterer Bezahlung litt.
V. Kinderarbeit: Die Analyse verdeutlicht die Notwendigkeit der Kinderarbeit zur Sicherung des Familienüberlebens sowie die schrittweise legislative Einschränkung durch Fabrikgesetze.
VI. Familie: Das Kapitel beschreibt den Einfluss industrieller Anforderungen auf das Heiratsalter, die Haushaltsstruktur und die familiäre Mobilität.
VII. Freizeit: Diese Sektion widmet sich der Entwicklung der Freizeitkultur, von volkstümlichen Traditionen bis hin zur Kommerzialisierung durch Pubs und die entstehende Dienstleistungsindustrie.
VIII. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie das ökonomische Wachstum und die Disziplinierung durch den Industriekapitalismus die soziale Realität des 19. Jahrhunderts nachhaltig prägten.
Schlüsselwörter
Industrielle Revolution, Großbritannien, Arbeitswelt, Fabrikarbeit, Heimarbeit, Frauenarbeit, Kinderarbeit, Industrialisierung, Fabrikgesetz, Soziale Veränderung, Arbeitsdisziplin, Freizeitkultur, Familienstruktur, Lohnarbeit, Sub-Contracting
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sozioökonomischen Auswirkungen der Industriellen Revolution in Großbritannien zwischen 1750 und 1850 mit Schwerpunkt auf dem Leben der arbeitenden Bevölkerung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Wandel von Arbeitsformen, die Arbeitskontrolle, der Einsatz von Frauen- und Kinderarbeit, die Entwicklung familiärer Strukturen sowie die Entstehung neuer Freizeitformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Merkmale und Veränderungen des Arbeitsalltags sowie deren Rückwirkungen auf die soziale Struktur der Familie und die Freizeit der Arbeiter darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine sozialgeschichtliche Analyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Statistiken und wissenschaftlicher Literatur zur britischen Industrialisierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Arbeitsverteilung, den Mechanismen der Arbeitskontrolle, der spezifischen Rolle von Frauen und Kindern im Arbeitsprozess sowie dem Wandel privater Lebenssphären.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Industrielle Revolution, Fabrikarbeit, Arbeitsdisziplin, Frauen- und Kinderarbeit sowie der gesellschaftliche Wandel in Großbritannien.
Welche Rolle spielte das "Sub-Contracting"-System für die Arbeitnehmer?
Es fungierte als Form der Arbeitskontrolle, bei der ein Arbeiter Verantwortung für andere übernahm, was zwar die Effizienz steigerte, aber oft zur Ausbeutung der untergeordneten Arbeiter führte.
Wie veränderte sich die Bedeutung der Freizeit während des 19. Jahrhunderts?
Die Freizeit wurde zunehmend durch Kommerzialisierung geprägt, während traditionelle volkstümliche Bräuche aufgrund strengerer Fabrikdisziplin und bürgerlicher Moralvorstellungen an Bedeutung verloren.
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- M.A. Patrick Geiser (Author), 2005, Arbeit, Freizeit und Familie während der Industriellen Revolution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146069