Also wird ein Machtverhältnis immer von einer potenteren Seite auf eine Weitere ausgeübt. Auf welche Weise diese genannte potentere Seite an die Macht gelangt, sollte dabei einer Differenzierung unterzogen werden, deshalb, da Macht nicht nur beispielweiße durch Gewalt erzwungen werden sondern auch durch Autorität zugesprochen werden kann. Doch ähnelt ein Machtverhältnis in vielen Fällen dem voraufklärerischen Zustand der Unmündigkeit und widerspricht dem Prinzip des freien Willens, da jenem, auf welchen sich die Macht auswirkt, die Freiheit frei zu denken und zu handeln beziehungsweise Selbstbestimmung auszuüben, nicht mehr gegeben wird. Dies verursacht unter anderem ein starkes Konfliktpotenzial, welches sich je nach sozialem Ausmaß und je nach gesellschaftlicher Situation verschieden widerspiegeln kann. Wenn dieses so genannte Konfliktpotenzial nicht früh genug überwunden beziehungsweise bezwungen werden kann, erfolgt ein Aufstau, welcher sich jeder Zeit bis hin zu seiner Kulmination entladen kann. Als Bezeichnung für die Zeit in welcher der Aufstau erfolgt, eignet sich der Begriff der Krise, welche durch einen Konflikt ausgelöst werden kann, besonders gut. Diese muss nicht unbedingt in einer massiven Entladung enden. So kann sich die Lage zweier Machtblöcke bei wechselseitigen Bemühen auch ohne Krisenexplosion entspannen und bereinigen. Kommt es dennoch zu einer solchen massiven Entladung, kann es ebenso im Allgemeinen oder speziell im subjektiv empfundenen Verständnis zu einer Katastrophe führen. Doch können die Begriffe Macht und Katastrophe auch anders in Zusammenhang gebracht werden, wenn man davon ausgeht, dass ein Konflikt, welcher im größeren Ausmaß in einer Katastrophe enden kann, dazu beiträgt Gesellschaften neu zu ordnen, neu zu definieren oder neu zu formieren. Nichtsdestoweniger wird vor allem während Zeiten von Konflikten, Krisen und Katastrophen nicht nur die Gesellschaftsstruktur durchlässiger und neu geordnet, sondern auch deren Mächteverhältnisse und Mächtegeflechte. Liegt demnach dem Prinzip der drei gesellschaftlichen K`s (Konflikt, Krise, Katastrophe), wenn man dabei überhaupt von einem Prinzip sprechen kann, ein Prinzip der Macht zugrunde und umgekehrt? Besteht zwischen ihnen ein Zusammenhang eines regulierenden Effektes der als gesellschaftlicher Katalysator eine gesellschaftliche Neuordnung in ihrer Mikro- oder Makrosphäre hervorrufen kann?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der Machtbegriff
- Entstehung von Macht in prästaatlichen Gesellschaften
- Macht und Herrschaft
- Katastrophe, Nutzen zur Neuformierung von Macht and back again
- Durch Macht verursachte Antagonien
- Der Wille zur Macht
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text untersucht die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Macht und Katastrophen. Er beleuchtet, wie Macht in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten entsteht und wirkt und wie Katastrophen Prozesse der Machtverschiebung und -umformung beschleunigen oder hervorrufen können.
- Der Machtbegriff und seine verschiedenen Erscheinungsformen
- Machtverhältnisse in prästaatlichen Gesellschaften
- Die Rolle von Katastrophen bei der Veränderung von Machtstrukturen
- Die Bedeutung von Konflikten, Krisen und Katastrophen als Katalysatoren für gesellschaftliche Neuordnung
- Die Auswirkungen von Macht auf gesellschaftliche Entwicklungen und die Entstehung von Antagonismen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Der Text führt in die Thematik Macht und Katastrophe ein und beleuchtet den Begriffsrahmen sowie die Grundannahmen des Werkes. Es werden die vielschichtigen Aspekte von Macht sowie deren Rolle in der Entstehung und Bewältigung von Katastrophen erläutert.
- Der Machtbegriff: Das Kapitel analysiert den Machtbegriff und seine verschiedenen Definitionen. Es wird insbesondere auf Max Webers Verständnis von Macht als Chance zur Durchsetzung des eigenen Willens eingegangen.
- Entstehung von Macht in prästaatlichen Gesellschaften: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehung von Macht in Gesellschaften ohne Staat und die Bedeutung von Sozialstrukturen, Traditionen und Riten für die Herausbildung von Machtverhältnissen.
- Macht und Herrschaft: In diesem Kapitel werden die Zusammenhänge zwischen Macht und Herrschaft untersucht. Es wird auf die verschiedenen Formen der Herrschaft, die Legitimitätsgrundlagen von Herrschaft sowie die Folgen von Machtmissbrauch eingegangen.
- Katastrophe, Nutzen zur Neuformierung von Macht and back again: Dieses Kapitel analysiert die Rolle von Katastrophen als Katalysator für die Neuformierung von Machtstrukturen. Es werden die Mechanismen und Folgen der Machtverschiebung in Zeiten von Katastrophen untersucht.
Schlüsselwörter
Der Text befasst sich mit den Schlüsselbegriffen Macht, Katastrophe, Konflikt, Krise, Herrschaft, Gesellschaft, Sozialstruktur, Antagonismus, Neuordnung, Legitimität und Einfluss. Es werden theoretische Ansätze und empirische Beispiele aus verschiedenen historischen Epochen und Kulturen herangezogen, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Macht und Katastrophen zu beleuchten.
- Arbeit zitieren
- Hubert Feichter (Autor:in), 2006, Macht und Katastrophe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146085