Die Ganztagsschule


Seminararbeit, 2008

9 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Ganztagsschule in Deutschland

3. Die Ganztagsschule heute
3.1 Verschiedene Formen der Ganztagsschule
3.2 Rhythmisierung
3.3 Die Rolle des Lehrers

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Da die Schülerinnen und Schüler Deutschlands gegenwärtig unter absolut anderen Bedingungen aufwachsen, wie einst, wurde es in den letzten Jahren erforderlich den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule neu zu überdenken. In den letzten dreißig Jahren konnten sich viele Halbtagsschulen zu guten Ganztagsschulen entwickeln und reformieren.

In der folgenden Hausarbeit soll zuerst auf die geschichtliche Entwicklung der Ganz-tagsschule und ihre Begründung in Deutschland eingegangen werden, um anschließend die drei verschiedenen Formen, die gebundene, teilweise gebundenen und offenen, der Ganz-tagsschule vorzustellen und das Konzept der Rhythmisierung, in dem auch der Lehrer eine „andere“ – für viele Lehrer heutzutage ungewohnte – neue Position einnimmt, zu erläutern. Schließlich soll das Thema „Ganztagsschule“ mit einem Ausblick auf die Zukunft des ganztägigen Unterrichts abgerundet werden.

2. Die Geschichte der Ganztagsschule in Deutschland

Im 19. Jahrhundert galt die traditionelle Ganztagsschule als Normalform der Schule. Die Unterrichtszeit war der „vorherrschenden Zeiteinteilung der damaligen Arbeitswelt“ (Ludwig, 1997a, S. 32) angepasst und aufgeteilt. Nach Ende des Vor-mittagsunterrichts gegen 12 Uhr gingen die Schülerinnen und Schüler zurück nach Hause, um dort ihr Mittagessen einzunehmen. Anschließend setzte sich der anwesenheitspflichtige Unterricht für weitere 2 Stunden fort. Eine Umstellung auf den heutzutage meist üblichen Vormittagsunterricht erfolgte gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die meisten Arbeiterfamilien konnten ihre Kinder nicht für den ganzen Tag entbehren, da sie auf deren Mitarbeit und Erwerbstätigkeit angewiesen waren. Dementsprechend musste sich der Unterricht auf den Vormittag konzentrieren. (Ludwig 1993a, S.32-33)

Im Rahmen der Reformpädagogik wurden bereits vor dem 1. Weltkrieg verschiedene Konzepte ganztägiger Schulen entwickelt, wie zum Beispiel das des „deutschen Land- erziehungsheim“ im Jahre 1898 nach Hermann Lietz[1]. Zu diesem Konzept gehört die Lage fernab der Großstadt mit ihren schädlichen Einflüssen, wo eine ganzheitliche Erziehung also

„nicht [die] alleinige Ausbildung des Verstandes und Gedächtnisses, sondern [die] Entwicklung aller Seiten, aller Kräfte, Sinne, Organe, Glieder und guter Triebe der kindlichen Natur zu einer möglichst harmonischen Persönlichkeit,“ (Ludwig, 1993a, S.56/57)

ermöglicht werden sollte und im Mittelpunkt steht. Aus der Lehranstalt Schule soll ein zu Hause für die Schülerinnen und Schüler werden. (Vgl. Ludwig, 1993a, S. 56/57) Im Zuge der Industrialisierung, in der die „Wahrung der Einheit von Unterricht und Erziehung“ (Ludwig, 1993a, S. 76) nicht mehr gegeben war besinnt sich der Reformpädagoge Ernst Kapff zurück auf die von Lietz gegründeten Landerziehungsheime. Er sieht das Halbinternat am Stadtrand als angebrachte und zweckentsprechende Lösung. Hier sollen die Schülerinnen und Schüler vormittags theoretischen und Wissenschaftlichen Unterricht erteilt bekommen und nach einem gemeinsamen Mittagessen sollte eine Erholungspause vollzogen werden. Die letzten Unterrichtsstunden befassen sich mit eher technischen Fächern oder Turnen und abschließend soll in ungezwungener Atmosphäre das am Vormittag gelernte noch einmal reflektiert werden. (Vgl. Ludwig, 1993a, S. 78/79)

Die ersten modernen Ganztagsschulen entstanden im Jahr 1904 „im Rahmen der Wald- und Freiluftschulbewegung, [….] [die] ebenfalls unter dem Einfluß der Landerziehungsheime von H. LIETZ“ (Ludwig, 1993b, S.584/585)

Zur Zeit des Nationalsozialismus, während der die äußere „Gleichschaltung“ und die ideologische Schulung im Vordergrund stehen, wurde das Konzept der Ganztagsschule nicht in betracht gezogen. Da die Hitlerjugend sich die Führungsrolle bei der „Nazifizierung“ der Schülerinnen und Schüler sichern wollte, den Schulen allerdings nicht vertraute, wurden beispielsweise auch die Lehrgänge in den Schullandheimen verboten. (Ludwig, 1933a, S. 316)

In den Nachkriegsjahren kam es zu einer Schulreformdiskussion, die auf den Ideen der Reformpädagogen beruhte, wobei festzuhalten ist, dass beispielsweise die Organisation „German Educational Reconstruction“ (G.E.R) in Deutschland und England pädagogische Tagungen durchführte. Somit war es normal, dass sich deutsche Lehrer- und Erziehergruppen in England auf Informationsreise befanden, letzten Endes mit dem englischen Schulkonzept der Ganztagsschule in Kontakt standen und diese Ideen in Deutschland weiterverbreiten. (Ludwig, 1993b, S. 357) Das für und wieder der Ganztagsschule wurde vor allem in der zweiten Hälfte der 50er Jahre auch öffentlich mit der Einführung der 5-Tage Woche in der Arbeitswelt intensiv erörtert und bereits ab den 60er Jahren sind Ganztagsschulen fester, wenn auch nur minder vertretener, Bestandteil der Schulen in Deutschland. (Ludwig, 1993b, S.475)

3. Die Ganztagsschule heute

3.1 Verschiedene Formen der Ganztagsschule

In Deutschland unterscheidet man gemäß der Definition der Kultusministerkonferenz (KMK) zwischen drei verschiedenen Formen des Ganztagsschulbetriebs. Es gibt die Form der offenen, der teilweise gebundenen und der voll gebundenen Ganztagsschule. Bei der offenen Form der Ganztagsschule wird nach KMK-Definition vom 27.03.2003 für die Schülerinnen und Schüler

„ein Aufenthalt verbunden mit einem Bildungs- und Betreuungsangebot in der Schule an mindestens drei Wochentagen von täglich mindestens sieben Zeitstunden“ (Denner & Eigbeck, 2005, S.70)

angeboten und gewährleistet. Nach wie vor findet der anwesenheitspflichtige Unterricht in den Vormittagsstunden statt. Nach der Unterrichtszeit beziehungsweise während einer Mittagspause steht ein freiwilliger Mittagstisch zur Verfügung. Das freiwillige Zusatzprogramm beschränkt sich auf den Nachmittag und bietet den Schülerinnen und Schülern die verschiedensten Entfaltungsmöglichkeiten an, so dass sie auch über den verpflichteten Unterricht hinaus gefördert werden. Sie können an den von Schule, Eltern oder aber auch Kirchen und Vereinen angebotenen Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgaben-betreuungen, Hobbykursen, Projekt-Unterrichten und Fördermaßnahmen nach verbindlicher Anmeldung teilnehmen. Des Weiteren wird täglich eine Hausaufgabenbetreuung angeboten, die unter der Leitung einer professionellen Aufsicht steht und die gelegentlich auch durch die Mitarbeit von Eltern und anderen Schülerinnen und Schüler unterstützt wird. Im Gegensatz zum üblichen Unterricht wird das Nachmittagsprogramm, wenn möglich und sinnvoll, auch jahrgangs-übergreifend organisiert. (Denner & Eigbeck, 2005, S. 70/71)

Einige Halbtagsschulen, die sich zu einer Ganztagsschule entwickeln möchten nutzen den Ausbau zur offenen Ganztagsschule als Sprungbrett zur Form der teilgebundenen oder gebundenen Ganztagsschule.

Ebenso kann die teilgebundenen Form der Ganztagsschule als ein weiterer wichtiger Zwischenschritt zur gebundenen Ganztagsschule angesehen werden, da Schulen dann nach KMK-Definition vom 27.03.03 als teilgebundene Ganztagsschulen angesehen werden, wenn sie einen bestimmten Anteil von Schülerinnen und Schülern verbindlich dazu verpflichten, an mindestens drei Wochentagen für jeweils mindestens sieben Zeitstunden am Nachmittags- programm der Schule teilzunehmen. (Vgl. Denner & Eigbeck, 2005, S. 72)

Auf diese Art und Weise können die Schülerinnen und Schüler langsam an das System der gebundenen Ganztagsschule gewöhnt werden und sich eine Vorstellung von der Rhythmisierung des Unterrichtstages machen.

Das Konzept der Rhythmisierung fasst in der Form der gebundenen Ganztagsschule Fuß. Hier sind die Schülerinnen und Schüler jeder Jahrgangsstufe dazu verpflichtet „an mindestens drei Wochentagen für jeweils sieben Zeitstunden“ am Unterricht, sowie Zusatzprogrammen teilzunehmen. (Knauer & Durdel, 2006, S. 45) Demzufolge ist eine grundlegende Veränderung des Tagesablaufes möglich, beziehungsweise eine flexible Zeiteinteilung, welche man als Rhythmisierung bezeichnet und auf die im folgenden Kapitel eingegangen wird.

[...]


[1] Hermann Lietz (* 28. April 1868 in Dumgenevitz auf Rügen; † 12. Juni 1919 in Haubinda) war ein deutscher Reformpädagoge, Lehrer und Gründer der deutschen Landerziehungsheime für Jungen.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Ganztagsschule
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (FB 21 Institut für Sportwissenschaften und Motologie )
Veranstaltung
Tutorium zur Vorlesung „Sport im Kontext von Bewegungstheorie und Pädagogik“
Autor
Jahr
2008
Seiten
9
Katalognummer
V146098
ISBN (eBook)
9783640549832
ISBN (Buch)
9783640553310
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ganztagsschule
Arbeit zitieren
Mareike Müller (Autor), 2008, Die Ganztagsschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146098

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