Alkohol gilt als Kurzbezeichnung des chemischen Stoffes Ethylalkohol mit der Formel C2H5OH. Vielfältig angewandt wird er als Zusatz in Getränken aber auch in der Medizin als Desinfektions- oder Lösungsmittel (Pschyrembel 2002). Der Genuss von alkoholischen Getränken ist Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Im privaten Umfeld, wie auch bei geschäftlichen Verhandlungen oder Festen wird Alkohol getrunken. Durch die berauschende Wirkung werden soziale Kontakte sowie Kommunikationen erleichtert und die Entspannung gefördert. Alkohol ist bereits seit Jahrtausenden bekannt und wurde bis in das 19.Jahrhundert als Lebenselixier und Heilmittel geschätzt. Seit dem hat sich das Produktions- und Konsumverhalten mit Einführung der industriellen Herstellung und dem Überangebot nach dem 2. Weltkrieg dramatisch verändert (Stat. Bundesamt 2007, S.278). Die Kehrseite des Alkoholkonsums ist ein hohes Potential an Gesundheits- und Suchtgefährdung. Das individuelle Risiko alkoholbedingt zu erkranken steigt mit der Menge des aufgenommenen Alkohols. Aus diesem Grund wurden durch verschiedene Organisationen Konsumklassen definiert. Da es keinen risikofreien Alkoholkonsum gibt, wurde ein risikoarmer Konsum reinen Alkohols für Männer bis 30 bzw. 40 g und für Frauen bis 20 g pro Tag angegeben. Ein riskanter Konsum besteht bei Männern mit 30 bis 60 g und bei Frauen mit 20 bis 40 g pro Tag. Als gefährlich wird der Konsum reinen Alkohols bis 120 g (Männer) bzw. 80 g (Frauen) täglich eingestuft (DHS 2003, S.14).
Legt man die aktuellen Statistiken zugrunde ist ein konstant rückläufiger Alkoholkonsum der Bevölkerung in Deutschland zu verzeichnen. Betrachtet man jedoch die verschiedenen Altersgruppen, trifft das nicht auf Jugendliche und junge Erwachsene zu. Ein tragisches Beispiel ist der 16-jährige Lukas aus Berlin. Er starb auf Grund einer Alkoholintoxikation mit 4,8 ‰ nach 45 Tequila im März 2007. Liest man regelmäßig Zeitung, wird schnell klar, dass Lukas kein Einzelfall ist. Das sogenannte Rauschtrinken auf „Flatrate-Partys“ nimmt unter Jugendlichen und sogar Kindern immer mehr zu. Wenn sich diese Tendenz fortsetzt, werden wir in Deutschland schon bald wieder steigende Zahlen alkoholabhängiger Personen verzeichnen müssen.
Es bleibt die Frage nach der Motivation des Rauschtrinkens bei Jugendlichen. Wird ihnen das Alkoholtrinken in der Familie vorgelebt, ist es eine Mutprobe oder wie bei Lukas eine Wette mit unberechenbarem Ausgang?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Epidemiologie
3. Erscheinungsformen alkoholbezogener Störungen
3.1 Akute Alkoholintoxikation (F10.0) und Missbrauch (F10.1)
3.1.1 Definitionen
3.1.2 Symptome
3.2 Alkoholabhängigkeit (F10.2)
3.2.1 Definition
3.2.2 Subtypen und Verlauf
3.3 Alkoholinduzierte körperliche Störungen
3.3.1 organische Schädigungen
3.3.2 Störungen des Nervensystems
4. Ursachen
4.1 Genetische Disposition
4.2 Soziokulturelle Faktoren
4.3 Psychosoziale Faktoren
5. Störungen durch Alkohol als wachsendes Problem in der sozialen Arbeit
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Status der Alkoholabhängigkeit als medizinisches Krankheitsbild sowie als gesellschaftliches Problem, mit einem besonderen Fokus auf die Ursachen und die zunehmende Relevanz des riskanten Alkoholkonsums bei Jugendlichen für die soziale Arbeit.
- Epidemiologische Daten zum Alkoholkonsum in Deutschland
- Klinische Erscheinungsformen und Diagnostik nach ICD-10
- Multifaktorielle Ursachen der Abhängigkeitsentwicklung
- Körperliche und neurologische Folgeschäden
- Herausforderungen für die soziale Arbeit bei jugendlichem Rauschtrinken
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Symptome
Die alkoholische Belastung einer Person wird über die Blutalkoholkonzentration (BAK) bestimmt. Etwa 1 bis 2 Stunden nach Konsum wird der Maximalwert erreicht. Alkoholintoxikationen sind gekennzeichnet durch psychische oder Verhaltensveränderungen während oder kurz nach der Alkoholaufnahme. Das Ausmaß der Symptomatik ist dabei nicht nur von der BAK, sondern auch von vielen individuellen Faktoren abhängig. Dazu zählen insbesondere die konstitutionelle Beschaffenheit, die Alkoholgewöhnung, organische Funktionsstörungen sowie situative Einflüsse (Übermüdung, Erschöpfung) (DHS 2003, S.53). Anhand der BAK können sogenannte Rauschzustände in unterschiedliche Stufen eingeteilt werden:
Ab einer BAK von 0,5 bis 1,0 ‰ spricht man von einem leichten Rauchzustand. Symptome wie Gesprächigkeit, ein Gefühl des Wohlbefindens und eine heitere Stimmung sind vermutlich die Gründe des rezidivierenden Alkoholkonsums der mehrheitlichen Bevölkerung. Aber auch in diesem Stadium kommt es bereits zu Gang- und Standunsicherheiten, Koordinationsstörungen und verwaschener Sprache. Es setzt eine Enthemmung mit herabgesetzter Kritikfähigkeit und Selbstkontrolle ein (DHS 2003, S.53).
Bei mittelgradigen Rauschzuständen mit einer BAK von 1,5 bis 2,0 ‰ treten die psychischen Auffälligkeiten noch deutlicher hervor. Zunehmende affektive Enthemmungen, unangemessenes Sexualverhalten und Euphorie wechseln rasch mit Gereiztheit und Aggressivität. Die Beeinträchtigung des Urteilsvermögens und die motorischen Störungen verstärken sich (DHS 2003, S.53).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Alkohol in der Gesellschaft und führt in die Problematik des steigenden Rauschtrinkens bei Jugendlichen ein.
2. Epidemiologie: Dieses Kapitel liefert statistische Daten zum Alkoholkonsum in Deutschland und zeigt Trends bei verschiedenen Altersgruppen auf.
3. Erscheinungsformen alkoholbezogener Störungen: Hier werden medizinische Definitionen und Symptome der Alkoholintoxikation, der Abhängigkeit sowie körperlicher Folgeschäden anhand der ICD-10 erläutert.
4. Ursachen: Das Kapitel untersucht die multifaktoriellen Gründe für die Entstehung einer Abhängigkeit, unterteilt in genetische, soziokulturelle und psychosoziale Faktoren.
5. Störungen durch Alkohol als wachsendes Problem in der sozialen Arbeit: Der Fokus liegt hier auf dem veränderten Trinkverhalten Jugendlicher und der Notwendigkeit präventiver Maßnahmen durch die soziale Arbeit.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Doppelrolle des Alkohols als Krankheit und gesellschaftliches Problem sowie einem Appell für verstärkte Prävention.
Schlüsselwörter
Alkoholabhängigkeit, Suchtprävention, Rauschtrinken, Sozialpsychiatrie, ICD-10, Blutalkoholkonzentration, Jugendsozialarbeit, Epidemiologie, Alkoholmissbrauch, Genetische Disposition, Soziale Arbeit, Gesundheitsschäden, Konsumverhalten, Sucht, Alkoholintoxikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Alkoholabhängigkeit als medizinisches Krankheitsbild und gleichzeitig als drängendes gesellschaftliches Problem.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen epidemiologische Statistiken, diagnostische Kriterien nach ICD-10, körperliche Langzeitschäden und die Auswirkungen auf Jugendliche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft zu hinterfragen und zu erörtern, ob die wachsende Problematik des Rauschtrinkens durch soziale Arbeit präventiv bewältigt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Übersichtsarbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und Statistiken (u.a. WHO, DHS, Statistisches Bundesamt) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Symptomatik, die Ursachenforschung und die spezifischen Herausforderungen im Bereich der Jugendsozialarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Alkoholabhängigkeit, Prävention, Rauschtrinken, Sozialpsychiatrie und multifaktorielle Ursachen.
Warum wird besonders auf Jugendliche eingegangen?
Da aktuelle Daten ein sinkendes Einstiegsalter und zunehmende Rauschzustände unter Jugendlichen zeigen, stellt dies eine wachsende Herausforderung für präventive Institutionen dar.
Gibt es eine eindeutige Antwort auf die Frage "Krankheit oder gesellschaftliches Problem"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass beides zutrifft: Alkoholabhängigkeit ist eine anerkannte Krankheit, die jedoch aufgrund ihres Ausmaßes und ihrer sozialen Folgen eine gesellschaftliche Herausforderung darstellt.
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- Kai Noack (Author), 2009, Alkoholabhängigkeit - Krankheit oder gesellschaftliches Problem?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146152