Sabiha Gökçen - Die erste türkische Pilotin


Fachbuch, 2010

15 Seiten


Leseprobe

Sabiha Gökçen (1913-2001)

Als erste Pilotin der Türkei und erste Kampfpilotin der Welt ging Sabiha Gökçen (1913-2001), geborene Izzet, in die Annalen der Luftfahrt ein. Ihre Ausbildung zur Militärpilotin galt bereits zu ihren Lebzeiten als Lehrmuster einer modernen türkischen Frau, der jede Berufswahl offensteht. Sie war eines der acht Adoptivkinder des ersten türkischen Staatspräsidenten Mustafa Kemal Pascha (1881- 1938), der den Beinamen „Atatürk“ („Vater der Türken“) erhielt.

Sabiha Izzet wurde am 21. März 1913 in Bursa (Anatolien) geboren. Ihr Vater, der Vilâyet-Hauptschreiber Hafiz Mustafa Izzet, war von Sultan Abdülhamid II. (1842-1918) ins Exil gschickt worden. Vilâyet hießen die Großprovinzen des Osmanischen Reiches in der Reformperiode ab 1845. Obwohl der Vater während der Grundschulzeit von Sabiha starb, konnte sie dank der Unterstützung durch ihre Geschwister ihre Ausbildung fortführen.

In Bursa begegnete Sabiha im Alter von zwölf Jahren erstmals dem Staatspräsidenten Atatürk. Dabei erzählte sie ihm, dass sie gerne eine höhere Schule besuchen wolle. Nachdem Atatürk von ihren ärmlichen Lebensumständen gehört hatte, adoptierte er sie und ermöglichte ihr zunächst den Besuch der Cankaya- Grundschule in Ankara und später des Üsküdar-Mädchen- kollegiums in Istanbul.

Als 1934 in der Türkei Nachnamen obligatorisch wurden, gab Atatürk am 14. Dezember der 21-jährigen Sabiha den Nach- namen „Gökçen“, was ins Deutsche übersetzt „himmels- bezogen“ bedeutet. Ein treffender Name für eine Fliegerin in spe.

Für die Fliegerei begeisterte sich Sabiha am 5. Mai 1935, als sie zusammen mit Atatürk an der feierlichen Eröffnung der privaten Flugschule „Türkkuu“ teilnehmen durfte. Während der Airshow mit Segelfliegern und Fallschirmspringern aus dem Ausland wurde sie immer aufgeregter. Als Atatürk sie fragte, ob sie Fallschirmspringerin werden wolle, sagte sie sofort ja. Daraufhin beauftragte ihr Adoptivater den Leiter der Flug- schule, Fuat Bulca, sie als erste weibliche Auszubildende zu registrieren.

Noch 1935 begann Sabiha Gökçen ihre Ausbildung an der privaten Flugschule. Statt am Fallschirmspringen war sie allerdings mehr an der Fliegerei interessiert. Nach der Aus- bildung schickte man sie zusammen mit sieben männlichen Schülern zu einem Fortgeschrittenenkurs in die Sowjetunion, bei dem sie sich im Segelflug und Motorflug vervollkommnen sollte. Doch nach einiger Zeit erfuhr sie in Moskau vom Tod ihrer Adoptiv-Schwester Zehra, versank in Trauer und kehrte in die Türkei zurück.

1936 unternahm Sabiha Gökçen ihren ersten Alleinflug mit einem Flugzeug. Auf Wunsch von Atatürk ist sie der türki- schen Luftwaffe beigetreten und in der Militärflugschule Es- kisehir zur ersten Militärpilotin der Türkei ausgebildet worden. Dort lernte sie, Bomber und Jagdflugzeuge zu beherrschen. Im Sommer 1937 und im Frühjahr 1938 flog Sabiha Gökçen während der Niederschlagung des Dersim-Aufstandes ihre ersten Einsätze. Dabei unterstützte sie den Vormarsch der türkischen Bodentruppen, indem sie Stellungen der Kurden bombardierte. Nun war sie nicht nur der erste Kampfpilot der Türkei, sondern der ganzen Welt.

Bei ihrer militärischen Ausbildung lernte Sabiha Gökçen auch das Fallschirmspringen. Letzteres war damals, weil es noch keinen Schleudersitz gab, die einzige Möglichkeit, sich aus einem abstürzenden Flugzeug zu retten. Ihr Einsatz als Fallschirmjägerin war nicht geplant.

Im Juli 1938 besuchte Sabiha Gökçen bei einem werbewirksamen Fünf-Tage-Flug die Hauptstädte der Balkanländer. Später arbeitete sie als Cheftrainerin an der Flugschule „Türkkuu“, an der man ihr einst das Fliegen beigebracht hatte. Zu ihren Flugschülerinnen gehörten Edibe Suba, Yidz Ucman, Sahavet Karapas und Nezihe Viranyal.

Nach dem Tod ihres Adoptivvaters am 10. November 1938 erhielt Sabiha Gökçen, wie es im handschriftlichen Testa- ment des „Vaters der Türken“ vorgesehen war, 600 Türkische Lira aus den Dividenden der von Atatürk gehaltenen Ak- tien im Gesamtwert von 2.800 Türkischen Liren. Zusätzlich bekam sie so viel Geld, dass sie in der Lage war, ein Haus zu erwerben.

1943 starb der Ehemann von Sabiha Gökçen. Ihr Gatte war Luftwaffenmajor gewesen. Die Ehe hatte nur kurze Zeit gedauert, heißt es im Online-Lexikon „Wikipedia“. Als Mitglied des 1. Luftwaffenregiments in Eskisehir nahm Sabiha Gökçen 1951 am Koreakrieg teil. Für besondere Tapferkeit vor dem Feind, die sie bei ihren zahlreichen Einsätzen bewiesen hatte, verlieh man ihr den höchsten Fliegerorden und beförderte sie in den militärischen Rang eines Majors.

1955 beendete Sabiha Gökçen ihren aktiven Militärdienst und widmete sich danach ganz der Pilotenausbildung. Bis 1964 flog sie in einer Kunstflugstaffel, in der sie ihre außergewöhnlichen fliegerischen Fähigkeiten zeigen konnte. Im Laufe ihrer Fliegerkarriere absolvierte sie mehr als 8.000 Flugstunden und flog 22 verschiedene Flugzeugtypen, darunter sowohl Propellermaschinen als auch Jets.

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Details

Titel
Sabiha Gökçen - Die erste türkische Pilotin
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V146195
ISBN (eBook)
9783640595075
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Sabiha Gökçen, Fliegerin, Pilotin, Fliegerinnen, Pilotinnen, Luftfahrt, Fliegerei, Kurzbiografien, Biografien, Frauenbiografien, Kampfpilotinnen, Ernst Probst, Militärpilotinnen, Kampfpilotin
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2010, Sabiha Gökçen - Die erste türkische Pilotin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146195

Kommentare

  • Ernst Probst am 24.7.2010

    Literatur zum Thema:
    Ernst Probst: Königinnen der Lüfte von A bis Z, GRIN 2010

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Titel: Sabiha Gökçen - Die erste türkische Pilotin



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