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Virtutes et vitia orationis bei Quintilian (inst. 1,5). Ab wann ist ein Fehler ein Fehler?

Titel: Virtutes et vitia orationis bei Quintilian (inst. 1,5). Ab wann ist ein Fehler ein Fehler?

Hausarbeit , 2021 , 15 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Klassische Philologie - Latinistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Arbeit wird neben den virtutes orationis am Beispiel des barbarismus einer der beiden vitia orationis behandelt. Daran schließt sich die Betrachtung der Sprachnormierungskriterien an, um zu analysieren, ab wann bei Quintilian ein Fehler als ebensolcher gilt.

Marcus Fabius Quintilianus (ca. 35–100 n. Chr.) behandelt in seinem zwölf Bücher umfassenden Hauptwerk institutio oratoria die Ausbildung zu einem Redner und damit verbunden die Rhetorik allgemein. Beim Verfassen des Werkes konnte er auf seine langjährige Berufserfahrung als Lehrer zurückgreifen: Nach seiner Ausbildung in Rom kehrte er ca. 57 n. Chr. in seine Heimat, die Provinz Hispania, zurück und arbeitete dort als Anwalt, Redner und Rhetor. Im Jahr 68 n. Chr. begleitete Quintilian den Statthalter seiner Provinz und späteren Kaiser Galba nach Rom und bekleidete dort ab 70 n. Chr. unter Vespasian zwanzig Jahre lang eine öffentliche Professur für Rhetorik. Am Ende seines Lebens verfasste er aufbauend auf seiner Erfahrung und seinem Wissen ein Lehrwerk für Lehrer, die institutio oratoria (inst. 1,4,17). Im Zuge der elementaren Ausbildung von Schülern und Schülerinnen thematisiert Quintilian in den Kapiteln vier bis acht des ersten Buchs den Themenkomplex der Grammatik. Diese Kapitel sind der erste vollständig erhaltene Text zur römischen ars grammatica. Quintilian präsentiert eine kurze Zusammenfassung der ars, welche er in zwei Teilgebiete untergliedert: die recte loquendi scientia, bzw. ratio loquendi und die poetarum enarratio, bzw. enarratio auctorum (inst. 1,4,2 und 1,9,1). Im Zuge dessen liefert er im fünften Kapitel des ersten Buches eine gründliche Darstellung der virtutes et vitia orationis. Besonderen Augenmerk widmet er den Bereichen barbarismus und soloecismus. Für Quintilian gehören diese beiden Bereiche der Grammatik zwar zum elementaren Sprachunterricht (inst. 1,5,7), aber seine Ausführungen enthalten nicht die Standardbeispiele, sondern ausgewählte Problemfälle, die der Lehrerbildung dienen. Die vitia kontrastiert er mit den virtutes orationis und zeigt dabei auf, dass diese beiden Kategorien nicht trennscharf sind, sondern verschiedene Kriterien wie literarische Tradition und Sprachgebrauch dazu führen können, dass Fehler lizensiert werden und vitium auch zur virtus werden kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Text inst. 1,5,5–10

3. Übersetzung inst. 1,5,5–7

4. Kontextualisierung

4.1 Makrokontextualisierung

4.2 Mikrokontextualisierung

5. virtutes orationis

6. vitia orationis

6.1 Beispiel barbarismus

7. Ab wann ist ein Fehler ein Fehler?

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Quintilians Auffassung von Sprachfehlern innerhalb seiner rhetorischen Ausbildungsschrift institutio oratoria. Dabei steht die Analyse der Sprachnormierungskriterien im Zentrum, um zu ergründen, unter welchen Bedingungen abweichende Sprachformen in der antiken Rhetorik legitimiert und als nicht fehlerhaft bewertet wurden.

  • Die systematische Einordnung von virtutes und vitia orationis.
  • Die detaillierte Untersuchung des barbarismus als Sprachfehler im Einzelwort.
  • Die Analyse der vier Sprachnormierungsprinzipien ratio, vetustas, auctoritas und consuetudo.
  • Die Abgrenzung von grammatisch fehlerhaften Formen gegenüber stilistisch lizenzierten metaplasmi.
  • Die Bedeutung der Verständlichkeit und Bildungsnorm für die Bewertung von Sprachgebrauch.

Auszug aus dem Buch

6.1 Beispiel barbarismus

Der Terminus barbarismus wird bei Quintilian verschieden definiert: Zuerst wird unter Barbarismus das „(fehlerhafte) Eindringen ethnisch fremden Sprachmaterials“ in die lateinische Sprache (inst. 1,5,8) verstanden. Dies demonstriert Quintilian mit vier Beispielen – je zwei aus Dichtung und Reden – afrikanischen, spanischen, gallischen und sardischen Ursprungs: Bei cantus (Eisenreifen um das Wagenrad), welches griechisch belegt ist, deutet er durch den Kontext eine afrikanische oder spanische Herkunft an. Er weist aber auch mit einem Verweis auf Persius, Sat. 5,71 darauf hin, dass cantus bereits in den römischen Wortschatz bereits so gut integriert sei, sodass es nicht mehr als fremd auffalle. Das zweite Beispiel ploxenum, ein gallisches Wort aus der Poebene, entnimmt er Catull c. 97,6. Die moderne Forschung bestätigt Quintilians Auffassung, dass ploxenum, wie viele andere Fachwörter des Fahrzeugwesens, dem Keltischen entstammt. Das dritte Beispiel casamo oder casami soll wiederum gallisch sein.

Alle oben genannten Beispiele sind keine Stilfehler im Fremdwortgebrauch, sondern „sinnvolle Verwendungen.“ Abgesehen vom ersten Beispiel (cantus), wird bei den drei anderen eine invektive Intention verfolgt. Folglich sind auch barbarae locutiones, wenn sie mit einer bestimmten Absicht gebraucht werden, erlaubt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung von Quintilian und seiner institutio oratoria sowie der Problemstellung, wie antike Sprachnormen Fehler definieren.

2. Text inst. 1,5,5–10: Präsentation des lateinischen Originaltextes zu den grammatischen Fehlern barbarismus und soloecismus.

3. Übersetzung inst. 1,5,5–7: Deutsche Übertragung des behandelten Textabschnitts zu den genannten Fehlergruppen.

4. Kontextualisierung: Einbettung der Thematik in den gesamten Aufbau der institutio oratoria (Makro- und Mikrokontext).

5. virtutes orationis: Erörterung der rhetorischen Tugenden wie Fehlerlosigkeit und Verständlichkeit, die den Fehlern gegenübergestellt werden.

6. vitia orationis: Detaillierte Betrachtung der Fehlergruppen, primär des barbarismus bei einzelnen Wörtern.

6.1 Beispiel barbarismus: Analyse konkreter Beispiele für den barbarismus und deren sprachliche Einordnung.

7. Ab wann ist ein Fehler ein Fehler?: Diskussion der zentralen Normierungskriterien zur Legitimation sprachlicher Abweichungen.

8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Quintilians praxisnahem Ansatz zur Sprachnormierung.

Schlüsselwörter

Quintilian, institutio oratoria, Barbarismus, Soloecismus, Latinitas, Sprachnorm, Ratio, Vetustas, Auctoritas, Consuetudo, Rhetorik, Metaplasmus, Sprachfehler, Antike Grammatik, Orthoepie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit Quintilians Lehre von der Sprachrichtigkeit in seinem Hauptwerk institutio oratoria, speziell im Hinblick auf grammatische Fehler.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentral sind die Kategorisierung von Sprachfehlern, der Umgang mit Fremdwörtern und die Kriterien, nach denen Fehler in der antiken Literatur bewertet oder lizenziert wurden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Quintilian Kriterien wie ratio oder consuetudo nutzt, um Fehlerbegriffe abzugrenzen und deren mögliche Rechtfertigung zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin nutzt primär die philologische Textanalyse der institutio oratoria, ergänzt durch moderne fachwissenschaftliche Kommentarliteratur.

Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse des barbarismus, die Unterscheidung zwischen Sprachgebrauch und Fehler, sowie die vier normierenden Prinzipien der antiken Grammatik.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?

Kernbegriffe sind Latinitas, barbarismus, Sprachnorm, consuetudo und die rhetorische Tugendlehre.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen barbarismus und metaplasmus bei Quintilian eine so wichtige Rolle?

Diese Differenzierung ist entscheidend, um zu verstehen, wann eine Abweichung lediglich ein fehlerhafter Schülerfehler ist und wann sie als literarisches Mittel bewusst eingesetzt wurde.

Wie bewertet Quintilian den Einfluss der consuetudo im Vergleich zur ratio?

Während die ratio die logische Form beschreibt, bewertet Quintilian die consuetudo (Sprachgebrauch der Gebildeten) als praxisnahes und gewichtigeres Kriterium für die Ausbildung zum Redner.

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Details

Titel
Virtutes et vitia orationis bei Quintilian (inst. 1,5). Ab wann ist ein Fehler ein Fehler?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Klassische Philologie)
Veranstaltung
Quintilian, institutio oratoria
Note
2,3
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
15
Katalognummer
V1462194
ISBN (PDF)
9783389008232
ISBN (Buch)
9783389008249
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Barbarismus, Quintilian
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2021, Virtutes et vitia orationis bei Quintilian (inst. 1,5). Ab wann ist ein Fehler ein Fehler?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1462194
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  15  Seiten
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