Gegenstand meiner Hausarbeit ist die deutsche Revolution von 1918/19 sein, mit dem Fokus auf die Ereignisse der Weihnachtstage 1918 in Berlin.
Die Forschung hat sich vor allem seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ausgiebig mit der Revolution von 1918/19 beschäftigt. Dabei findet man vielfach den Ansatz, das Scheitern der Weimarer Republik schon mit ihrem Ursprung, der Revolution, zu erklären. Zahlreiche Konfliktlinien der Weimarer Zeit resultieren aus der Revolutionszeit. Dazu zählt insbesondere die Spaltung der Linken, die bis in den Krieg zurückgeht, jedoch im Zuge der Revolution entscheidend manifestiert worden ist.
Ein entscheidender Aspekt, der auch unter den Wissenschaftler der frühen Bundesrepublik zu einigen Diskussionen führte, ist in diesem Kontext das Bündnis der SPD-Führung um Friedrich Ebert mit dem kaiserlichen Offizierskorps. Diesbezüglich wirft zum Beispiel der bekannte Journalist Sebastian Haffner der SPD-Führung den „Verrat“ an der überwiegend von mehrheitssozialdemokratisch orientierten Arbeitern getragenen Revolution vor.
Folgenden Fragen werden in der Arbeit berücksichtigt:
- Welche Motive, Ziele und Denkweisen liegen dem Verhaltend der sozialdemokratischen Regierungsmitgliedern zugrunde?
- Inwiefern wird der Volksmarineaufstand als bolschewistische Gefahr wahrgenommen?
Als Quelle sollen die Ausgaben des Vorwärts, der Vossischen Zeitung und der Neuen Preußischen Zeitung im Zeitraum vom 24.12. – 30.12. dienen. Die Zeitung ist das dominierende Massenmedium der Zeit mit Morgens- und Abendsausgaben fast aller bedeutenden Zeitungen. Somit eignet sie sich für die schnelllebige und hektische Revolutionszeit besonders als Medium.
In einem weiteren Punkt möchte ich die Rolle des Vorwärts, das sozialdemokratische Sprachrohr, während der Weihnachtsunruhen näher beleuchten. Schon in der Abend-Ausgabe des 24.12.1918 befindet sich ein Leitartikel des Chefredakteurs Friedrich Stampfer mit dem Titel „Volksherrschaft oder Verbrecherherrschaft?“. Die aufständischen Matrosen und Arbeiter bezeichneten die Position des Vorwärts als Hetze und besetzten daraufhin am 25.12. die Redaktion. Daher dürfte es interessant sein als dritten Punkt, die Beurteilung der Ereignisse im Vorwärts, sowie eine möglicherweise gezielte Propaganda zugunsten der SPD-Führung näher zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HINTERGRUND DER UND KURZER ÜBERBLICK ÜBER DIE EREIGNISSE ANHAND VON ZEITUNGSBERICHTEN
3 DIE DARSTELLUNG DER AKTEURE IN DER PRESSE
3.1 DIE REGIERUNG IM FOKUS DER PRESSE
3.2 DIE VOLKSMARINEDIVISION IM FOKUS DER PRESSE
4 DIE ROLLE DES VORWÄRTS ALS MEDIUM
5 RESÜMEE
6 BIBLIOGRAPHIE
6.1 QUELLEN
6.2 SEKUNDÄRLITERATUR
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Weihnachtsunruhen des Jahres 1918 im Kontext der deutschen Revolution von 1918/19 mit einem besonderen Schwerpunkt auf der medialen Rezeption und Bewertung dieser Ereignisse. Es wird analysiert, wie die damalige Presse (insbesondere der Vorwärts, die Vossische Zeitung und die Neue Preußische Zeitung) über die Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und der Volksmarinedivision berichtete und inwieweit die Medien versuchten, die öffentliche Meinung und das politische Geschehen gezielt zu beeinflussen.
- Analyse der medialen Berichterstattung zu den Weihnachtsunruhen 1918.
- Untersuchung der Darstellung von Regierung und Volksmarinedivision in unterschiedlichen Zeitungen.
- Kritische Beleuchtung der Rolle des "Vorwärts" als Sprachrohr der Mehrheitssozialdemokratie.
- Reflexion der politischen Einflussnahme und Propaganda in den Medien.
- Kontextualisierung des Konflikts innerhalb der sozialistischen Regierungsparteien (SPD/USPD).
Auszug aus dem Buch
Die Rolle des Vorwärts als Medium
Der Vorwärts spielte eine ganz besondere Rolle in den Weihnachtstagen 1918. Richard Müller schreibt: „Unter dem Donnerhall der 10,5 Zentimeter-Flachbahngeschütze schrieb Friedrich Stampfer einen Artikel für die Abendausgabe des Vorwärts vom 24. Dezember 1918, dem er die Überschrift gab ‚Volksherrschaft oder Verbrecherherrschaft?’. Schon am Morgen hatte der Vorwärts seine Hetze gegen die Volks-Marinedivision fortgesetzt und in Erwartung eines militärischen Erfolges der Regierungstruppen alles Recht auf die Seite der Behörden, alles Unrecht auf die Matrosen gelegt.“ In der Tat ging Friedrich Stampfer, der Chefredakteur des Vorwärts, scharf ins Gericht mit den aufständischen Matrosen, was allein schon der Titel „Volksherrschaft oder Verbrecherherrschaft“ zeigte.
In seiner Bewertung war Stampfer kompromisslos: „Die Ereignisse des gestrigen und des heutigen Tages sprechen eine eindeutige Sprache. Es muss ein scharfer Strich gezogen werden zwischen hüben und drüben, […]“ Das „Hüben“ war für ihn die Unterstützung der sozialdemokratischen Politik mit der Konzentration auf die Einberufung der Nationalversammlung und die Friedensverhandlungen mit den Alliierten. „Wer die Regierung in dieser notwendigen Arbeit hindert, wer dem Volk das Recht nehmen will, in freier Abstimmung über sich selbst zu entscheiden, der ist kein Revolutionär, kein Republikaner, kein Sozialist, sondern ein Verbrecher an der Revolution, an der Republik und am Sozialismus, und muß [sic!] dementsprechend behandelt werden.“
Diese deutlichen Worte richteten sich gegen die Matrosen, aber auch gegen die Spartakisten, die sich gegen die Politik der Regierung stemmten. Dass diese Gruppen Unterstützung in der Berliner Arbeiterschaft fanden, war Stampfer ein Dorn im Auge; so schrieb er weiter, es sei das Schlimmste, „daß [sic!] Tausende Berliner Arbeiter […] den Kompass im Gehirn verloren zu haben scheinen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung und des Fokus auf die Weihnachtsunruhen 1918 unter Berücksichtigung der Forschungsdebatte und der verwendeten Quellen.
2 HINTERGRUND DER UND KURZER ÜBERBLICK ÜBER DIE EREIGNISSE ANHAND VON ZEITUNGSBERICHTEN: Rekonstruktion der Konflikte zwischen der Volksmarinedivision und der Regierung, basierend auf zeitgenössischen Presseberichten.
3 DIE DARSTELLUNG DER AKTEURE IN DER PRESSE: Detaillierte Analyse, wie Regierung und Matrosen in verschiedenen Zeitungen bewertet wurden.
3.1 DIE REGIERUNG IM FOKUS DER PRESSE: Untersuchung der Kritik an der Regierung sowie der internen Differenzen zwischen den Regierungsparteien SPD und USPD.
3.2 DIE VOLKSMARINEDIVISION IM FOKUS DER PRESSE: Analyse der medialen Wahrnehmung der Matrosen und der Frage ihrer politischen Motivation.
4 DIE ROLLE DES VORWÄRTS ALS MEDIUM: Untersuchung der spezifischen propagandistischen Rolle des Vorwärts als Sprachrohr der Mehrheitssozialdemokratie während der Unruhen.
5 RESÜMEE: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die Macht der Medien und die historische Bedeutung der Ereignisse.
6 BIBLIOGRAPHIE: Verzeichnis der genutzten Primär- und Sekundärquellen.
6.1 QUELLEN: Auflistung der verwendeten Zeitungsbestände.
6.2 SEKUNDÄRLITERATUR: Auflistung der wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Weihnachtsunruhen 1918, Revolution 1918/19, Volksmarinedivision, Regierung der Volksbeauftragten, SPD, USPD, Vorwärts, Medienpolitik, Pressegeschichte, Propaganda, Friedrich Stampfer, Weimarer Republik, Rätesystem, Novemberrevolution, Zeitungsberichterstattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die medialen Reaktionen und die öffentliche Darstellung der Weihnachtsunruhen des Jahres 1918 während der deutschen Revolution.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen das Verhältnis zwischen der Regierung und der Volksmarinedivision, die Rolle des Vorwärts als politisches Medium sowie die Differenzen zwischen SPD und USPD.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie die Presse die Ereignisse bewertete und ob die Medien als Instrument zur Einflussnahme auf Politik und Stimmung dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse historischer Zeitungsberichte und gleicht diese mit der bestehenden wissenschaftlichen Sekundärliteratur ab.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ereignisse anhand von Zeitungen, die spezifische Betrachtung der Akteure (Regierung und Matrosen) sowie die kritische Untersuchung der Rolle des Vorwärts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Weihnachtsunruhen, Revolution 1918/19, Medienpropaganda, Vorwärts-Berichterstattung und das Ende der Koalition zwischen SPD und USPD.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Vorwärts?
Der Autor stuft den Vorwärts als einseitiges "Ebert-Werbe-Blatt" ein, das die Macht der Medien nutzte, um die öffentliche Meinung zugunsten der Mehrheitssozialdemokraten zu lenken.
Wieso wird die Rolle der Volksmarinedivision als schwierig zu bewerten beschrieben?
Weil die Darstellung in der Presse stark von der politischen Ausrichtung der jeweiligen Zeitung abhing und eine objektive Rekonstruktion durch den Mangel an neutralen Berichten erschwert wird.
Gab es einheitliche Berichterstattung über die Matrosen?
Nein, die Darstellung reichte von "Spartakus-Anhängern" in konservativen Blättern bis hin zu "Hütern der Revolution" in linker Publizistik.
Welchen Einfluss hatte der Leitartikel von Friedrich Stampfer?
Der Artikel "Volksherrschaft oder Verbrecherherrschaft?" wirkte stark diffamierend auf die Matrosen und trug massiv zur Radikalisierung der Stimmung bei, was letztlich zur Besetzung des Vorwärts-Gebäudes führte.
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- Markus Ramers (Author), 2007, Weihnachtsunruhen 1918, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146227