Alkohol bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch den chemischen Stoff Äthylalkohol mit der Formel C2H5OH, der durch Vergärung von Zucker aus unterschiedlichen Grundstoffen gewonnen wird und berauschende Wirkung hat. Alkohol zählt zu den Suchtmitteln, deren Erwerb, Besitz und Handel legal sind. Der Genuss von alkoholischen Getränken ist fester Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens und scheint zu vielen Anlässen beinahe obligatorisch. Durch die berauschende Wirkung werden soziale Kontakte sowie Kommunikationen erleichtert und die Entspannung gefördert. Alkohol ist bereits seit Jahrtausenden bekannt und wurde bis in das 19.Jahrhundert als Lebenselixier und Heilmittel geschätzt. Seit dem hat sich das Produktions- und Konsumverhalten mit Einführung der industriellen Herstellung und dem Überangebot nach dem Zweiten Weltkrieg dramatisch verändert (Stat. Bundesamt 2007, S.278). Die Kehrseite des Alkoholkonsums ist ein hohes Potential an Gesundheits- und Suchtgefährdung. Das individuelle Risiko alkoholbedingt zu erkranken, steigt mit der Menge des aufgenommenen Alkohols. Aus diesem Grund werden durch verschiedene Organisationen Konsumklassen definiert. Da es keinen risikofreien Alkoholkonsum gibt, wird ein risikoarmer Konsum reinen Alkohols für Männer bis 30g und für Frauen bis 20g pro Tag angegeben. Ein riskanter Konsum besteht bei Männern mit 30g bis 60g und bei Frauen mit 20g bis 40g pro Tag. Darüber hinaus konsumierte Mengen reinen Alkohols täglich werden als gefährlicher Konsum eingestuft (DHS 2003, S.14).
Legt man die aktuellen Statistiken zugrunde ist ein konstant rückläufiger Alkoholkonsum der Bevölkerung in Deutschland zu verzeichnen, der sich aber auf weiterhin hohem Niveau befindet. In den letzten Jahren wurde jedoch ein Besorgnis erregender Trend hin zu riskanten Konsumpraktiken mit episodisch starkem Konsum bei Kindern und Jugendlichen beobachtet und unter der Bezeichnung „Binge Drinking“ öffentlich bekannt. Wenn von Alkoholmissbrauch geredet wird, so sind wir es inzwischen gewöhnt, fast ausschließlich über Jugendliche zu sprechen. Flatrate-Partys und Komatrinken, Exzesse in der Öffentlichkeit und Alkoholvergiftungen in der Notaufnahme sind mittlerweile in den Medien allgegenwärtig. Ausgangspunkt ist das tragische Beispiel des 16-jährigen Lukas aus Berlin. Er starb auf Grund einer Alkoholintoxikation mit 4,8‰ nach 45 Tequila im März 2007.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Epidemiologische Daten
3. Erscheinungsformen alkoholbezogener Störungen
3.1 Akute Alkoholintoxikation und Binge Drinking
3.1.1 Definitionen
3.1.2 Symptome
3.2 Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit
3.2.1 Definition
3.2.2 Subtypen und Verlauf
4. Motive und Folgen des Binge Drinking
5. Moderne Präventionsmaßnahmen und Interventionen
5.1 Verhaltensprävention
5.2 Verhältnisprävention
6. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Bachelor-Thesis untersucht die gesellschaftlichen Auswirkungen des Alkoholismus sowie die spezifische Problematik des jugendlichen Rauschtrinkens ("Binge Drinking"), um Möglichkeiten einer effektiven Suchtprävention aufzuzeigen.
- Epidemiologische Verbreitung des Alkoholkonsums in Deutschland
- Differenzierung medizinischer Erscheinungsformen alkoholbezogener Störungen
- Analyse individueller und struktureller Motive des jugendlichen Rauschtrinkens
- Evaluation moderner Präventionsansätze wie "HaLT – Hart am Limit"
- Diskussion gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und gesundheitspolitischer Interventionen
Auszug aus dem Buch
3.1 Akute Alkoholintoxikation und Binge Drinking
Die erste Episode einer Alkoholintoxikation tritt häufig im Jugendalter auf. Legt man die oben genannten Statistiken zu Grunde, verschiebt sich das Alter jedoch zunehmend nach unten mit dokumentierten Fällen ab dem zehnten Lebensjahr.
Wenn der Begriff Binge Drinking gebraucht wird, beschreibt dies zumeist die Aufnahme einer großen Menge Alkohol in einer relativ kurzen Zeit. Das Wort kommt aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch und kann mit Rauschtrinken, Besäufnis oder wie vorwiegend in den Medien mit Komasaufen übersetzt werden. Es gibt für diesen Begriff keine einheitliche Definition. Im deutschsprachigen Raum beschreibt Binge Drinking den Konsum von mindestens vier (bei Mädchen) oder fünf (bei Jungen) Standardeinheiten Alkohol (10g) zu einer Gelegenheit. Die Beschreibung durch die World Health Organisation (WHO) beinhaltet zusätzlich als wesentliches Kriterium die Absicht sich zu betrinken und in Amerika wird ein Zeitfenster von zwei Stunden sowie das Erreichen einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von mindestens 0,8‰ mit eingebracht.
Die Begriffe des Binge Drinking – als Beschreibung eines Trinkverhaltens – und der Alkoholintoxikation – als körperliche Reaktion auf hohen Alkoholkonsum – stehen in engem Zusammenhang miteinander und sind doch nicht gleichzusetzen. Die nachfolgend beschriebenen Symptome gelten allerdings für beide Konsummuster und manifestieren sich nach der erreichten BAK.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Alkoholkonsums ein, beleuchtet historische Aspekte sowie aktuelle Trends und definiert den Fokus der Arbeit auf das riskante jugendliche Konsumverhalten.
2. Epidemiologische Daten: Das Kapitel bietet eine statistische Bestandsaufnahme des Alkoholkonsums in Deutschland, unter besonderer Berücksichtigung jugendlicher Konsummuster und regionaler Unterschiede.
3. Erscheinungsformen alkoholbezogener Störungen: Hier werden die medizinischen und diagnostischen Grundlagen von Alkoholintoxikation, Missbrauch und Abhängigkeit anhand anerkannter Klassifikationssysteme dargestellt.
4. Motive und Folgen des Binge Drinking: Dieses Kapitel analysiert die Beweggründe Jugendlicher für exzessiven Alkoholkonsum sowie die somatischen und sozialen Konsequenzen dieser Trinkpraxis.
5. Moderne Präventionsmaßnahmen und Interventionen: Es werden Ansätze der Verhaltens- und Verhältnisprävention sowie konkrete Programme wie "HaLT" auf ihre Wirksamkeit und Umsetzbarkeit hin geprüft.
6. Diskussion: Das abschließende Kapitel reflektiert den gesellschaftlichen Umgang mit der Droge Alkohol und diskutiert die Notwendigkeit politischer Maßnahmen sowie die Rolle der Prävention vor dem Hintergrund einer "gestörten Trinkkultur".
Schlüsselwörter
Alkoholismus, Binge Drinking, Alkoholintoxikation, Suchtprävention, Jugendlicher Alkoholkonsum, Trinkkultur, Alkoholabhängigkeit, Gesundheitsfolgen, Verhältnisprävention, Verhaltensprävention, Sozialisation, Konsummuster, Suchtpolitik, Adoleszenz, HaLT-Programm.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die medizinischen, sozialen und gesellschaftlichen Aspekte des Alkoholkonsums in Deutschland mit einem speziellen Schwerpunkt auf dem riskanten Rauschtrinken Jugendlicher.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen epidemiologische Daten, die Definition medizinischer Suchtstörungen, die Analyse der Ursachen von "Binge Drinking" sowie die Evaluation moderner Präventionskonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen des jugendlichen Alkoholkonsums besser zu verstehen und aufzuzeigen, wie durch eine Kombination aus Verhaltens- und Verhältnisprävention ein verantwortungsbewussterer Umgang mit Alkohol erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien, Berichte (u.a. DHS, BZgA) und aktueller gesundheitspolitischer Daten, die in einer Diskussion zusammengeführt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Bestandsaufnahme, die medizinische Einordnung von Suchtstörungen, eine Untersuchung der Motive für jugendliches Rauschtrinken sowie eine kritische Auseinandersetzung mit präventiven Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Alkoholismus, Binge Drinking, Suchtprävention, Trinkkultur und die psychosoziale Entwicklung im Jugendalter.
Warum wird das Programm "HaLT" als Best-Practice bezeichnet?
Das Programm wird aufgrund seiner Kombination aus Sofortinterventionen bei stationär aufgenommenen Jugendlichen und einer gleichzeitigen proaktiven kommunalen Aufklärungsarbeit als effektiv für die europäische Suchtprävention bewertet.
Welche Rolle spielt die "gestörte Trinkkultur" in Deutschland?
Der Autor argumentiert, dass Alkohol als Stück gesellschaftlicher Normalität tief verankert ist und oft ohne hinreichende soziale Kontrolle konsumiert wird, was wiederum die riskanten Trinkpraktiken der Jugend befördert.
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- Bachelor Kai Noack (Author), 2010, Alkoholismus – Eine Krankheit mit weitreichenden Folgen für die Gesellschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146265