Angsterkrankungen


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeines zum Begriff Angst
1.1 Die „normale“ Angst
1.1.1 Definition
1.1.2 Sinn der Angst
1.1.3 Merkmale der Angst

2. Angst als Krankheit
2.1 Epidemiologie der Angsterkrankungen
2.2 Ursachen von Angststörungen
2.2.1 Vererbte / Angeborene Reaktionsweisen
2.2.2 Erlernte Reaktionsweisen
2.3 Der Teufelskreis der Angst
2.4 Therapiemöglichkeiten von Angststörungen
2.4.1 Selbsthilfe
2.4.2 Verhaltenstherapie und Psychotherapeutische Verfahren

3. Formen der Angsterkrankungen
3.1 Phobische Störungen
3.2 Andere Angststörungen

4. Agoraphobie

5. Schlussbemerkungen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Häufigkeit von Angststörungen

Abbildung 2: Erkrankungsalter von Angststörungen

1. Allgemeines zum Begriff Angst

Angst ist ganz allgemein ausgedrückt ein als unangenehm empfundener emotionaler Gefühlszustand. Ähnlich wie andere Emotionen, z.B. Freude, Trauer und Enttäuschung gehört sie zum täglichen Leben eines jeden Menschen dazu. Vielfältige Ängste werden entsprechend der jeweiligen Phase des Lebens durchlebt. Die „erste Angst des Lebens“, das so genannte Fremdeln beim Säugling ist in der Entwicklung des Menschen fest verankert. Auch Prüfungs- oder Versagensängste sind sicherlich jedem bekannt. Da Angst jedoch ein subjektives Empfinden des Einzelnen darstellt, unterscheidet sich die jeweils empfundene Angst erheblich voneinander. Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, treibt uns voran. Angst vor möglichen Gefahren hält uns dagegen zurück. Dies zeigt wiederum die Widersprüchlichkeit dieser Emotion.

Angst ist ein hypothetisches Konstrukt, welches nur wahrgenommen und beschrieben werden kann. Messbar sind dagegen nur die Auswirkungen der Angst, nicht die Angst selbst. (Sörensen 1994) Diese Tatsache führt unweigerlich zu Schwierigkeiten bei der Erkennung und dem Verständnis nicht Betroffener gegenüber Störungen die aus einer Angst heraus entstehen. Angst war und ist der Mittelpunkt vieler Forschungen. Diese vielen verschiedenen Aspekte, eigene Erfahrungen und die Tatsache, dass Angst zur Bedrohung der menschlichen Gesundheit werden kann, haben mich bewogen dieses Thema in der Hausarbeit aufzugreifen.

1.1 Die „normale“ Angst

1.1.1 Definition

Zum besseren Verständnis möchte ich an dieser Stelle einige Definitionen zum Begriff Angst anbringen.

Verwandt mit dem lateinischen Wort „angustus“ bedeutet es „eng“, „beengend“.

In der Enzyklopädie Wikipedia findet man folgende Definition: „Die Angst ist das Befürchten möglichen Leidens und bezeichnet somit eine Empfindungs- und Verhaltenssituation aus Ungewissheit und Anspannung, die durch eingetretene oder erwartete Bedrohung hervorgerufen wird. (…) Angst ist dagegen meist ein ungerichteter Gefühlszustand.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Angst)

Eine medizinisch wissenschaftliche Definition liefert das Klinische Wörterbuch Psychrembel und beschreibt Angst als:

„unangenehm empfundener, eine Bedrohung oder Gefahr signalisierender emotionaler Gefühlszustand; erhält unter Umständen Krankheitswert, wenn sie ohne erkennbaren Grund bzw. infolge inadäquater Reize ausgelöst und empfunden wird. Angst kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten und ist in der Regel begleitet von psychischen und physischen Symptomen: Unsicherheit, Unruhe, Erregung (evtl. Panik), Bewusstseins-, Denk- oder Wahrnehmungsstörungen, Anstieg von Puls- u. Atemfrequenz, verstärkte Darm- u. Blasentätigkeit, Übelkeit, Zittern, Schweißausbruch;…“ (Psychrembel 2002)

Eine weiterführende, analytische Betrachtung des Begriffes liefert DORSCH, Psychologisches Wörterbuch und definiert Angst als: „ein mit Beengung, Erregung, Verzweiflung verknüpftes Lebensgefühl, dessen besonderes Kennzeichen die Aufhebung der willensmäßigen und verstandesmäßigen Steuerung der Persönlichkeit ist. Man sieht in der Angst auch einen aus dem Gefahrenschutzinstinkt erwachsenden Affekt, der, teils in akutem Ausbruch (dem Schreck verwandt), teils in schleichend-quälender Form eine elementare Erschütterung bewirkt.“ (Sörensen 1994)) Wie oben beschrieben ist Angst ungerichtet und muss daher von dem Begriff der „Furcht“, welcher oft synonym verwendet wird, abgegrenzt werden. Furcht ist vielmehr eine: „so genannte Realangst; objektbezogene Angst, die sich z. B. als Reaktion auf eine konkrete Bedrohung bzw. Gefahr einstellt“ (Psychrembel 2002).

1.1.2 Sinn der Angst

Angst ist eine natürliche und biologisch in unserem Organismus festgelegte Reaktionsform. Sie ist uns als natürliche Anpassungsleistung mitgegeben und für das Überleben im Sinne der Vermeidung von Gefahren sinnvoll. Angst ist damit eine als Urinstinkt verankerte notwendige Alarmreaktion, die den Körper auf schnelles Handeln vorbereitet und alle Sinne schärft. Sie äußert sich auf allen Ebenen unseres Verhaltens und Erlebens. Im kognitiven und emotionalen Bereich dient sie uns als Alarmsignal zur Einengung der Wahrnehmung auf gefahrenrelevante Reize sowie selektives Lernen und Erinnern. Der Mensch verhält sich damit vorsichtiger und konzentrierter bei nahenden Gefahren. Auch vor Prüfungen bewegt uns nicht zuletzt die Angst dazu sich ausreichend darauf vorzubereiten. Im Verhalten äußert sich Angst meist in Flucht oder Vermeidung. Dabei sind automatische und unbewusst ausgeführte schnelle Alarmreaktionen oft lebensrettend. Auf der körperlichen Ebene beeinflussen Alarmreaktionen das sympathische Nervensystem, welches den Körper in „Spannung“ versetzt. Symptome wie Herzrasen, Schwitzen und Beschleunigung der Atmung dienen der Vorbereitung des Körpers auf schnelles Handeln. (Wittchen 1994)

1.1.3 Merkmale der Angst

Die körperlichen Symptome der Angst stehen meist im Vordergrund. Sie zeigen sowohl bei realen Bedrohungen als auch bei Angststörungen die gleiche Ausprägung. Bei der „normalen“ Angst klingen sie jedoch rasch nach Ende der bedrohlichen Situation wieder ab. Die physiologischen Reaktionen sind im Einzelnen:

- erhöhte Muskelspannung und Reaktionsgeschwindigkeit
- erhöhte Herzfrequenz und Blutdruck
- flache und schnelle Atmung
- erhöhte Aufmerksamkeit, Pupillen weiten sich, empfindlichere Seh- und Hörnerven
- Schwitzen, Zittern, Schwindelgefühl
- Blasen-, Darm- und Magentätigkeit werden gehemmt

Wie oben bereits erwähnt gehören neben den körperlichen auch die Gedanken und Gefühle sowie das Verhalten zu den Merkmalen der Angstreaktion. Die drei Anteile treten jedoch nicht immer gleichzeitig und gleich intensiv auf. Die Wahrnehmung des Einzelnen kann sich dabei auf einen der Teile besonders konzentrieren. Es spielen jedoch alle eine Rolle sowohl bei der Entstehung als auch der Aufrechterhaltung von Angst. (Wittchen 1994)

2. Angst als Krankheit

Die bisherigen Ausführungen handelten über Angst, die normal und sinnvoll ist. Liegt eine Angsterkrankung vor, sind die Angstreaktionen zu häufig, zu intensiv, zu lang und zu unangemessen. Zugrunde liegt meist eine andauernde Störung und Fehlsteuerung des Angst- Stress- Reaktionssystems. Die Betroffenen verlieren die Kontrolle über das Auftreten und Andauern der Reaktion. Dies führt zum unangemessenen Angstempfinden in unbegründeten und harmlosen Situationen. Die daraus resultierende Hilflosigkeit der Betroffenen fördert wiederum einen hohen Leidensdruck. Auslösend wirken oft bestimmte Lebensereignisse, Stress oder Überlastung mit der Assoziation einer vermeintlichen Gefahr. Ähnliche Situationen werden im Folgenden aus Selbstschutz vermieden. Das Problem besteht zudem darin, dass bei Angststörungen die Angst eine Eigendynamik entwickelt, welche die Störung permanent aufrechterhält und letztendlich nichts mehr mit „Realängsten“ zu tun hat. Gemeinsam mit der Erwartungsangst (Angst vor der Angst), die sich einstellt, führt dies zu einer eingeschränkten Lebensführung und meist zu emotionalen Folgeproblemen. (Wittchen 1994)

2.1 Epidemiologie der Angsterkrankungen

Angsterkrankungen sind weit verbreitete Störungen, auch wenn die Betroffenen oft glauben sie stehen alleine mit diesem Problem dar. Auf Grund der körperlichen Symptome kommt es jedoch häufig zu Fehldiagnosen.

In den Vereinigten Staaten wurden Angsterkrankungen bereits 1987 als häufigste psychische Erkrankung eingestuft. In einem Zeitraum von 6 Monaten litten ca. 9% (etwa 16 Millionen) der Bevölkerung unter Angstsymptomen und 14,6% (26 Millionen) berichteten mindestens einmal über Angstzustände im Laufe ihres Lebens. (Peurifoy 1995)

In Deutschland wurden erstmals repräsentative Zahlen zu psychischen Störungen in der Bundes- Gesundheitssurvey 1998 ermittelt. Dabei ergab sich, dass 14,2% (6,91 Millionen) der Befragten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren im Zeitraum eines Jahres an einer klinisch relevanten Angststörung leiden. Für Frauen wurde dabei eine nahezu doppelt so häufige Erkrankung festgestellt. Eine Übersicht der Verteilung auf die einzelnen Formen von Angststörungen vermittelt die Abbildung 1. Die spezifischen, meist isolierten Phobien nahmen mit insgesamt 15,3% den größten Anteil der Angsterkrankungen ein. Angststörungen beginnen mit wenigen Ausnahmen in der 2. bis 4. Dekade. Die Daten der BGS98 zeigen, dass nahezu 60% aller Erkrankungen sich erstmals vor dem 21. Lebensjahr manifestieren. Anhand der Abbildung 2 wird ersichtlich, dass bei spezifischen Phobien das niedrigste mittlere Erkrankungsalter (16 Jahre) besteht, gefolgt von der Sozialen Phobie (21 Jahre). (Robert Koch Institut 2004)m

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Angsterkrankungen
Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Note
1,4
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V146271
ISBN (eBook)
9783640569762
ISBN (Buch)
9783640570287
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Angsterkrankungen
Arbeit zitieren
Bachelor Kai Noack (Autor:in), 2007, Angsterkrankungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146271

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