Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik sind in den meisten Ländern von großer Bedeutung. Zum einen ist ein Großteil der Bevölkerung vom Thema Arbeitsmarkt betroffen und zum anderen hängen mit dem Arbeitsmarkt noch viele weitere politische Fragen zusammen, wie Bildung oder Sozialsystem. Chinas Arbeitsmarkt zu betrachten, ist deshalb besonders spannend, da er in den letzten Jahren einen enormen Wandel durchlebte. Die wirtschaftlichen Reformen von einer Planwirtschaft hin in Richtung Marktwirtschaft haben auch vor dem Arbeitsmarkt nicht halt gemacht. Hinzu kommen ein starkes Bevölkerungswachstum und die strukturelle Veränderung der Beschäftigungssektoren. Darüber hinaus hat sich China, ebenso wie die westlichen Länder, der Globalisierung zu stellen. Von den Arbeitskräften wird eine viel größere Flexibilität verlangt, da sie mit Arbeitskräften auf der ganzen Welt konkurrieren müssen. Szenarien wie früher, dass man nach dem Schulabschluss in einem Unternehmen anfängt und bei dem gleichen Unternehmen die nächsten 30 Jahre arbeitet, ist heute die Ausnahme. Dies gilt auch für China. Hinzu kommt, dass genauso wie auf der ganzen Welt, die Finanzkrise sich auch auf China auswirkt. Wenn vielleicht auch nicht so stark wie in anderen Ländern, so ist dennoch der chinesische Arbeitsmarkt von den Auswirkungen der Finanzkrise betroffen. Chinas Arbeitsmarkt steht also vor enormen Herausforderungen - diesen Problemen widmet sich diese Arbeit. So werden als Fragen behandelt: Vor welchen Herausforderungen steht der chinesischen Arbeitsmarkt und wie begegnet die chinesische Regierung diesen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Transformation des Arbeitssystems - vom Arbeitsplan zum Arbeitsmarkt
2.1 Grundelemente des chinesischen Arbeitssystems vor 1978
2.2 Reformen des chinesischen Arbeitssystems ab 1978
3. Chinas Wirtschaftsdaten und der Vergleich mit anderen Ländern
3. 1 Bevölkerung
3.2 Altersstruktur der Bevölkerung
3.3 Bruttoinlandsprodukt / Bruttonationaleinkommen
3.4 Arbeitskräfte
3.5 Beschäftigungsstruktur
4. Herausforderungen am Chinesischen Arbeitsmarkt
4.1 Arbeitslosigkeit
4.1.1 Definition Arbeitslosigkeit
4.1.2 Unvollständigkeit der offiziellen Arbeitslosenquote
4.2 Regionale Unterschiede in Einkommens- und Vermögensverhältnissen
4.3 Wanderarbeiter
4.4 Informelle Beschäftigung
4.5 Sozialversicherung
4.6 Arbeitnehmervertretung – Die Rolle der chinesischen Gewerkschaften
4.7 Ausbildung der Arbeitskräfte
5. Reformen und Maßnahmen der Regierung
5.1 Konjunkturprogramm der chinesischen Regierung
5.2 Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit von Universitätsabsolventen und Wanderarbeitern
5.2.1 Hochschulabsolventen
5.2.2 Wanderarbeiter
5.3 Maßnahmen zur Verbesserung des Bildungs- und Sozialversicherungssystems
5.3.1 Sozialversicherungssystem
5.3.2 Bildungsmaßnahmen
5.4 Reform des Arbeitsrechts
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Herausforderungen des chinesischen Arbeitsmarktes, die infolge der wirtschaftlichen Transformation von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft entstanden sind, und analysiert kritisch die darauf gerichteten politischen Maßnahmen der Regierung.
- Historische Entwicklung des chinesischen Arbeitssystems und dessen Wandel.
- Analyse aktueller Wirtschaftsdaten und der demografischen Situation.
- Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit, regionale Einkommensdisparitäten und informelle Beschäftigungsverhältnisse.
- Rolle der Gewerkschaften, Sozialversicherungssysteme und Bildungsanforderungen.
- Regierungsmaßnahmen, insbesondere Konjunkturprogramme und Arbeitsrechtsreformen.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Definition Arbeitslosigkeit
Zunächst ist der Begriff Arbeitslosigkeit zu definieren. Die Internationale Organisation für Arbeit (ILO) basiert auf drei Kriterien die gleichzeitig erfüllt sein müssen, damit eine Person als arbeitslos bezeichnet werden kann: Die Person muss
1. Ohne Arbeit sein
2. Verfügbar sein für neue Arbeit
3. Nach Arbeit suchen (International Labour Organization 2009).
In Deutschland sind Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch III §16 wie folgt definiert (Sozialgesetzbuch III, 2009):
„§ 16 Arbeitslose
(1) Arbeitslose sind Personen, die wie beim Anspruch auf Arbeitslosengeld
1. vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen,
2. eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen und
3. sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.
(2) Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten als nicht arbeitslos.“
In Deutschland muss sich die Person also arbeitslos gemeldet haben und an keiner Maßnahme der aktiven Arbeitsmarktpolitik teilnehmen, um in der Arbeitslosenquote registriert zu werden. Dies sei vorangestellt um einem negativen Urteil vorzubeugen, dass China nur die Personen als arbeitslos misst, welche sich als arbeitslos melden. Deutschland verfährt, wie oben beschrieben ebenfalls so.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des chinesischen Arbeitsmarktes ein und umreißt die zentrale Forschungsfrage nach den aktuellen Herausforderungen sowie den Reaktionen der Regierung.
2. Transformation des Arbeitssystems - vom Arbeitsplan zum Arbeitsmarkt: Das Kapitel erläutert den historischen Wandel von der planwirtschaftlichen Arbeitsverwaltung hin zu einem marktorientierten System und beschreibt den Wegfall der staatlichen Rundumversorgung.
3. Chinas Wirtschaftsdaten und der Vergleich mit anderen Ländern: Dieses Kapitel liefert eine Analyse wirtschaftlicher und demografischer Eckdaten Chinas, inklusive Vergleichen mit USA, Indien und Deutschland zur Einordnung der Größenverhältnisse.
4. Herausforderungen am Chinesischen Arbeitsmarkt: Hier werden zentrale Problemfelder wie die unzureichende Definition von Arbeitslosigkeit, regionale Ungleichheiten, die prekäre Lage von Wanderarbeitern sowie Mängel in Sozialversicherung und Arbeitnehmervertretung behandelt.
5. Reformen und Maßnahmen der Regierung: Dieses Kapitel bewertet die staatlichen Gegenmaßnahmen, insbesondere das Konjunkturpaket, bildungspolitische Ansätze, Reformen des Sozialversicherungssystems sowie die jüngsten Änderungen im Arbeitsrecht.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, würdigt die bisherigen politischen Erfolge bei der Transformation und zeigt auf, in welchen Bereichen weiter Handlungsbedarf für die Regierung besteht.
Schlüsselwörter
Chinas Arbeitsmarkt, Arbeitslosigkeit, Wanderarbeiter, Transformation, Marktwirtschaft, Sozialversicherung, Gewerkschaften, Arbeitsrecht, Wirtschaftsreformen, Beschäftigungsstruktur, Bildungssystem, Finanzkrise, Konjunkturprogramm, Einkommensunterschiede, Informelle Beschäftigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen, mit denen der chinesische Arbeitsmarkt im Zuge der wirtschaftlichen Transformation konfrontiert ist, und untersucht die staatlichen Lösungsansätze.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Arbeitssystems, der Arbeitslosigkeit, der prekären Lage von Wanderarbeitern, dem Sozialversicherungssystem sowie den Auswirkungen der Gewerkschaftsstruktur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Herausforderungen zu benennen, vor denen der chinesische Arbeitsmarkt steht, und kritisch zu hinterfragen, wie die chinesische Regierung diesen begegnet.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Autorin nutzt eine explorative und deskriptive Analyse, basierend auf Wirtschaftsdaten, offiziellen Statistiken und der Auswertung relevanter Fachliteratur.
Welche Aspekte umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine Datenanalyse, eine detaillierte Aufarbeitung der aktuellen Marktprobleme und eine kritische Bewertung der Regierungsmaßnahmen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Arbeitsmarkttransformation, Wanderarbeiter, Informelle Beschäftigung, Arbeitsrecht und Sozialversicherung.
Wie unterscheidet sich die offizielle Arbeitslosenquote von der Realität?
Die offizielle Quote vernachlässigt freigestellte Arbeiter (xiagang), Personen über 55 Jahre und die gesamte ländliche Bevölkerung, weshalb sie die tatsächliche Problematik unterschätzt.
Welche Rolle spielen die chinesischen Gewerkschaften aktuell?
Gewerkschaften in China sind staatlich organisiert und stehen im Konflikt zwischen der Interessenvertretung der Arbeiter und der Zielsetzung der Partei, den sozialen Frieden zu sichern.
- Quote paper
- Lena Ludwig (Author), 2009, Herausforderungen am chinesischen Arbeitsmarkt und die Reaktion der chinesischen Regierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146293