Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland

Ein Vergleich


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lage: Rechtsextremismus in Ost und Westdeutschland

3. Ursachen des Rechtsextremismus
3.1 Ostdeutschland
3.2 Westdeutschland
3.3 Allgemeine Ursache

4. Umgang mit dem Nationalsozialismus in BRD und DDR

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Silvesternacht des 31.12.2007 attackierten und beschimpften 15 Angreifer eine afghanische Familie. Die Familie, die gerade ein Feuerwerk im Stadtteil Berlin-Lichtenberg abbrannte, wurde von den Angreifern verfolgt, bis sie sich in einen Hauseingang retten konnte. In dieser Nacht wurde niemand verletzt, anders wie im nächsten Fall. Am 05.01.2008 griff ein scheinbar angetrunkener Mann in Berlin einen nigerianischen Zeitungsboten mit den Worten „Nigger, was machst du hier in Deutschland?!“ an. Der Unbekannte schlug sofort auf den Nigerianer ein, der konnte sich unter Schlägen und Beschimpfungen in eine Gaststätte retten. Der Zeitungsbote wurde leicht verletzt. (vgl. Mut-gegen-rechte-Gewalt, 2008)

Dies sind nur zwei der jüngsten rechtsextremen Übergriffe und sie gingen verhältnismäßig glimpflich aus. Von den in Deutschland 2006 verübten 484 Gewalttaten, und die nur im Hellfeld, mit rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Hintergrund, waren es alleine 455 Körperverletzungen. Die restlichen 29 Gewalttaten waren hauptsächlich Brandstiftungen und Widerstandsdelikte. Doch Rechtsextremismus bedeutet nicht nur Gewalt, sondern auch das Verfolgen von rechten Ideologien und politischen Strategien durch Neonazis.

Die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) und die „Deutsche Volksunion“ (DVU) sind nur zwei der rechtsextremen Parteien in Deutschland, aber auch die mitgliedsstärksten davon. Insbesondere die NPD gewann in den letzten Jahren, vor allem im Osten immer mehr Anhänger. Laut Verfassungschutzbericht 2006 hatte die NPD 2006 ca. 7.000 Mitglieder – ein Jahr vorher waren es noch ca. 6.000 Mitglieder. (vgl. Verfassungsschutzbericht 2006: 52) Aber warum steigen die Mitgliedszahlen der NPD so rapide, warum gibt es im Osten so viele rechts motivierte Gewalttaten und wie sieht es im Westen Deutschlands aus? Diese Arbeit soll die Ausmaße in Ost und West vergleichen und die Ursachen des Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland darstellen. Des Weiteren wird kurz darauf eingegangen, wie Ost und West in der Vergangenheit mit der jeweiligen Problematik des Rechtsextremismus umgegangen sind.

2. Lage: Rechtsextremismus in Ost und Westdeutschland

Bevor auf die Unterschiede des Rechtsextremismus in Deutschland eingegangen wird, muss jedoch geklärt werden, was „Rechtsextremismus“ überhaupt bedeutet. Die offizielle Politik und der Bundesverfassungsschutz unterscheiden zwischen Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus, wobei der Rechtsextremismus „als spezifische Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ verstanden wird (vgl. Schroeder 2003: 15). Der Bundesverfassungsschutz unterscheidet zwischen gewalttätigen Rechtsextremen, hauptsächlich so genannte „Skinheads“, also frei übersetzt „Kahlköpfe“ bzw. „Glatzen“, die überwiegend ein wirres Weltbild haben und „Neonazis“ mit einem „ideologisch hoch aufgeladenem Weltbild“ (Schroeder 2003: 16). Des Weiteren wird noch nach rechtsextremistischen Parteien unterschieden „die mit ausländerfeindlichen und nationalistischen Parolen“ (Schroeder 2003: 16) in der Öffentlichkeit auftreten. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass sich diese unterschiedlichen Bereiche personell überschneiden, sie gehen jedoch nicht ineinander auf (vgl. Schroeder 2003: 16).

Klaus Schroeder definiert Rechtsextremismus bzw. rechtsextrem wie folgt: „Als rechtsextremistisch bezeichnen wir Personen/Gruppen/Parteien, die eine Ungleichwertigkeit von Menschen und Staaten/Nationen aus biologistischen oder rassistischen bzw. ethnischen Motiven begründen, die tief verwurzelt Vorurteile gegenüber Juden hegen, pauschal Ausländer ablehnen, ein den Nationalsozialismus verharmlosendes Geschichtsbild vertreten und die parlamentarische und pluralistische Demokratie durch eine hierarchisierte führerfixierte politische Ordnung ersetzen wollen.“ (Schroeder 2003: 20)

Nun zum Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland: Vor der Wende 1989 präsentierte sich in Ost und West der Rechtsextremismus auf zwei verschiedene Weisen. Im Westen war die Zahl der gewaltbereiten Rechtsextremisten und der Neonazis, von 2.100 im Jahr 1987 auf 1.500 im Jahr des Mauerfalls, gesunken. Durch die Entwicklung der DVU kam es zu einem Aufwärtstrend, was den organisierten Rechtsextremismus anging. Diese Tendenz blieb jedoch auf „vergleichsweise niedrigem Niveau“ (Schroeder 2003: 76). Das Ausmaß rechtsextremer Gewalttaten stagnierte und abgesehen von den Republikanern gab es keine größeren Wahlerfolge. In der DDR hingegen hatte sich die rechtsextreme Sparte organisatorisch verbreitert, ausdifferenziert und in Teilen der Jugend verankert. Direkt nach dem Fall der Mauer versuchten rechtsextreme Gruppierungen und Parteien vom Westen in die ehemalige DDR zu expandieren. Der Versuch, durch den sichtlichen nationalen Überschwang bei Demonstrationen zwischen 1989 und 1990 ein extremes Bekenntnis zur Nation auszulösen, scheiterte (vgl. Schroeder 2003: 76). Noch 1994 gab es eine deutlich stärkere rechtsextreme Einstellung im Westen. Auch rechte Parteien waren zuerst im Westen erfolgreicher, was man an den Wahlerfolgen der Republikaner (REP) in Baden-Württemberg und der DVU in Bremen und Schleswig-Holstein 1992 und 1996 sehen konnte. Aber schon ab Mitte der 90er Jahre holte der Osten diesbezüglich auf. Besonders die Landtagswahlen 1998, bei denen die NPD und die DVU in den Landtagen von Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg Erfolge feierten, zeigten dies. (vgl. Rommelspacher 2006: 6)

Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen findet der Rechtsextremismus im Osten Zuspruch. Im Westen hingegen sind es vermehrt ältere Menschen, die rechtsextrem eingestellt sind. Während im Osten die ökonomisch orientierte Fremdenfeindlichkeit dominiert, ist es im Westen der Antisemitismus, also das „Vorurteil gegenüber Juden, durch das diese als minderwertige und gefährliche Fremdgruppe definiert werden“ (Fuchs-Heinritz et al. 1994: 46) und der Chauvinismus, d.h. „übersteigerter Nationalismus, verbunden mit Hass oder Verachtung gegen andere Völker“ (Schubert/Klein 2006: 112). Die Daten gleichen sich jedoch immer mehr an, d.h. im Osten wird der Antisemitismus stärker, Westdeutschland holt in Sachen nationalistische Einstellung auf. Ein deutlicher Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland ist jedoch bezüglich der Gewalt zu sehen. In Ostdeutschland werden dreimal so viele rechtsextreme Gewalttaten verübt als im Westen. Laut Bundesverfassungsschutz ist der Schwerpunkt der rechtsextremen Skinhead-Szene in Ostdeutschland. Bei einem Fünftel der Bevölkerung der BRD, das sich im Osten befindet, lebt dort etwa die Hälfte der gewaltbereiten Rechtsextremen, insbesondere im Großraum Berlin und in einigen Regionen von Sachsen und Mecklenburg –Vorpommern. Im Westen gibt es vor allem im Ruhrgebiet die meisten rechten Gewalttaten.

(vgl. Rommelspacher 2006: 7). In der nachfolgenden Abbildung werden die rechtsextremen Gewalttaten der Bundesländer je 100.000 Einwohner aufgelistet. Daran kann man sehr deutlich sehen, dass die Ost-Bundesländer Sachsen-Anhalt mit 4,49 rechter Gewalttaten je 100.000 Einwohner, Brandenburg mit 3,52, Berlin mit 3,00 und Thüringen mit 2,36 an der Spitze der BRD liegen. Auch Sachsen liegt mit 1,80 direkt nach Schleswig-Holstein mit 2,29 rechtsextremer Gewalttaten, noch im oberen Drittel. Im Vergleich dazu liegen die beiden West-Bundesländer mit den meisten Einwohnern, nämlich Nordrhein-Westfalen mit 0,80 und Bayern mit 0,38 rechtsextremen Gewalttaten in den beiden unteren Dritteln, hinter allen Oststaaten.

Abbildung 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Verfassungsschutzbericht 2006

Besonders gut kann man die Ausmaße der Gewalt an der Zahl der Todesopfer von rechter Gewalt sehen. Die Amadeu-Antonio-Stiftung, benannt nach dem Afrikaner Amadeu Antonio Kiowa, der 1990 in Eberswalde durch Neonazis ermordet wurde, hat ermittelt, dass zwischen 1990 und 2007 in ganz Deutschland 139 Personen von Rechtsextremen ermordet wurden. Während es im Westen von Deutschland traurige 62 Todesopfer waren, waren es im viel kleineren Osten unglaubliche 71 Todesopfer, davon allein 26 in Brandenburg. Zum Vergleich: Im Westen waren es die meisten Opfer in Schleswig-Holstein mit 17 und in Nordrhein-Westfalen mit 15 Opfern (vgl. Mut-gegen-rechte-Gewalt 2008). Während also im Westen Ideologien und politische Strategien vorherrschen, sind es im Osten Aktionen, Parolen und Gewalt. Eine Gemeinsamkeit ist jedoch, dass sowohl im Osten als auch im Westen die rechtsextremen Einstellungen mit höherem Bildungsgrad abnehmen. Doch auch diese Tendenz ist bereits wieder rückläufig (vgl. Rommelspacher 2006: 7).

[...]

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Details

Titel
Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland
Untertitel
Ein Vergleich
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V146304
ISBN (eBook)
9783640568901
ISBN (Buch)
9783640569298
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, Ostdeutschland, Westdeutschland, Ursachen
Arbeit zitieren
Markus Oswald (Autor), 2008, Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146304

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