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Wenn Vertrautes fremdgeht - Über die literaische Funktion der grotesken Metamorphosen bei Nikolaj Gogol in den Erzählungen Die Nase, Der Mantel, Der Newskijprospekt

Title: Wenn Vertrautes fremdgeht - Über die literaische Funktion der grotesken Metamorphosen bei Nikolaj Gogol in den Erzählungen Die Nase, Der Mantel, Der Newskijprospekt

Term Paper , 2003 , 29 Pages , Grade: 1

Autor:in: Maximilian Engelmann (Author)

German Studies - Miscellaneous
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„Das Ziel der Kunst ist, uns ein Empfinden für das Ding zu geben, ein Empfinden, das Sehen und nicht nur Wiedererkennen ist. Dabei benutzt die Kunst zwei Kunstgriffe: die Verfremdung der Dinge und die Komplizierung der Form, um die Wahrnehmung zu erschweren und ihre Dauer zu verlängern“. Sklovskij geht hier von einem Wahrnehmungsautomatismus aus, d. h. dass ein wiederholt wahrgenommener Gegenstand nicht mehr wahrnehmbar sei, wenn er selbstverständlich geworden ist. Ihm geht es um Wiederentdeckung: soll ein Gegenstand wahrnehmbar werden, so muss man ihm seine Selbstverständlichkeit, seine Vertrautheit nehmen. Das kann sich einmal beziehen auf die dargestellte Welt (die Verfremdung der Dinge) und auch auf die Art und Weise der Darstellung (die erschwerte Form). Wenn Verfremdung bedeutet, einen bekannten Gegenstand (eine bekannte Erscheinung) als unbekannt (fremd, wie zum ersten Mal gesehen, seltsam) darzustellen, dann darf das Eigentliche nicht beim Namen genannt werden. Die Dinge müssen aus ihrem Kontext herausgelöst werden. Das künstlerische Ziel, die Wirkung der Verfremdung von Dingen und Erscheinungen kann Ausdruck der Hilflosigkeit sein, der Unfähigkeit oder der Weigerung, das Wesen der Dinge zu erkennen. Das Verfremden kann aber auch das Ziel haben, zu neuen Erkenntnissen oder Wertungen zu gelangen. Zugleich zeigt sich der Unterschied zwischen Werken, in denen durch Verfremdungen neue Erkenntnisse vermittelt werden sollen und solchen, in denen die Dinge aus der Verfremdung nicht mehr zurückkehren. Verfremdung beruht also darauf, dass bereits akzeptierte Kenntnisse, Werte, Normen usw. überprüft und gegebenenfalls verändert werden müssen. Mit der Bestimmung der Funktionen der Verfemdung ist jedoch noch nichts über die künstlerischen Mittel und Verfahren gesagt, mit denen sie erreicht werden können. Verfremdungen als Methode der indirekten kritischen Wertung der Realität sind auf allen Ebenen des literarischen Werkes realisierbar. Grundvoraussetzung für eine Abgrenzung der Verfremdung besteht in ihrer Funktionsbestimmung als Kritik sowie des „Neu-Sehens“ allzu gewohnter Gegenstände und Erscheinungen. Erst bei deren Betrachtung können Verfremdungen auf den verschiedenen Ebenen des literarischen Werkes nachgewiesen werden. Eine Unterteilung in verschiedene Anwendungsbereiche nach diesen Instrumentarien erscheint für diese Arbeit sinnvoll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Abkürzungen

2. Einleitung

3. Metamorphose im Konzept

4. Verfremdungen

4.1 Sprache

4.2 Perspektiven

4.3 Figuren

4.4 Phantastisches

5. entfremdete Gesellschaft

6. Funktion der Verfremdung

7. Effekt grotesker Metamorphosen

8. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die literarische Funktion grotesker Metamorphosen in den Erzählungen „Die Nase“, „Der Mantel“ und „Der Newskijprospekt“ von Nikolaj Gogol. Das primäre Ziel ist es, das Verfahren der Verfremdung als Mittel zur kritischen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und den Wahrnehmungsmechanismen des Lesers aufzudecken.

  • Analyse des Konzepts der Metamorphose und des Grotesken
  • Untersuchung sprachlicher Verfremdungseffekte
  • Rolle der Perspektive und Figurenkonstellationen
  • Einordnung in das Phantastische und die entfremdete Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

4.1 Sprache

„Wenn wir die Klanggestalt und den Wortbestand, die Wortstellung und die semantischen Konstruktionen der dichterischen Sprache untersuchen, stoßen wir überall auf das Merkmal des Künstlerischen: es wurde bewusst geschaffen, um Wahrnehmung vom Automatismus zu befreien“12. Sklovskij bezieht sich dabei auch auf Aristoteles, nachdem die Sprache eines Erzählers fremdartig sein und überraschen soll13. Und so ungewöhnlich ist auch die Sprache der Gogolschen Erzähler. Eichenbaum zeigt die spielerische Funktion der grotesken Gestaltung auf sprachlicher Ebene. Mehrfach verwendet er den Begriff des Spiels in seiner Arbeit „Wie Gogols Mantel gemacht ist“14. So taucht das Wort Spiel, wie Günther am russischen Urtext Eichenbaums zeigt, als Wortspiel auf15, worunter die auf klanglichen und etymologischen Ähnlichkeiten beruhenden Kalauer fallen. Gogol befreit die Worte aus ihren alltäglichen, sinnvollen Bezügen und konstruiert sie zu einem unsinnigen, zusammenhangslosen Text nach rein semantisch-syntaktischen Gesichtspunkten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Abkürzungen: Definiert die Konventionen zur Zitierung des Primärtextes von Nikolaj Gogol.

2. Einleitung: Führt in den Begriff der Verfremdung nach Sklovskij ein und skizziert die methodische Untersuchung der Erzählungen.

3. Metamorphose im Konzept: Erörtert die theoretische Einbettung des Grotesken und Phantastischen bei Gogol.

4. Verfremdungen: Untersucht differenziert die Ebenen der Sprache, Perspektiven, Figuren und das Phantastische als Verfremdungsinstrumente.

5. entfremdete Gesellschaft: Beleuchtet den gesellschaftlichen Kontext der Erzählungen als Spiegelbild menschlicher Unzulänglichkeiten.

6. Funktion der Verfremdung: Analysiert die Wirkung der Verfremdung als kritische Entlarvung einer als abnormal empfundenen Realität.

7. Effekt grotesker Metamorphosen: Zusammenführung der Ergebnisse zur verfremdenden Wirkung der Metamorphosentechnik.

8. Zusammenfassung: Resümiert die Bedeutung des verfremdeten Blicks für die ästhetische und kritische Erfahrung des Lesers.

Schlüsselwörter

Nikolaj Gogol, Verfremdung, Groteske, Metamorphose, Phantastik, Erzählperspektive, Literaturwissenschaft, Sprache, Gesellschaftskritik, Sklovskij, Bachtin, Entfremdung, Die Nase, Der Mantel, Der Newskijprospekt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarischen Verfahren des Grotesken und der Verfremdung in drei ausgewählten Erzählungen von Nikolaj Gogol.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Metamorphose, der sprachlichen Gestaltung, die Rolle der Erzählperspektive und der gesellschaftliche Kontext der Charaktere.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Funktion der Verfremdung bei Gogol zu bestimmen und zu zeigen, wie er durch groteske Mittel eine entfremdete Realität sichtbar macht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf den Theorien von Sklovskij, Bachtin und Eichenbaum zur Verfremdung und zum Grotesken basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Sprache, Perspektiven, Figuren und phantastischen Elementen sowie deren gesellschaftskritische Funktion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Verfremdung, Groteske, Metamorphose, Phantastik, Gesellschaftskritik und die spezifischen Werktitel Gogols.

Wie unterscheidet Gogol in den Werken zwischen „Normalem“ und „Abnormalem“?

Gogol nutzt das Groteske, um das gesellschaftlich „Normale“ durch die Umkehrung in ein „ungewöhnliches Ereignis“ als entfremdeten, abnormalen Zustand zu demaskieren.

Welche Rolle spielt die Sprache als Verfremdungsmittel?

Die Sprache dient durch Wortspiele, Kalauer und semantische Verschiebungen dazu, die Worte aus ihrem alltäglichen Gebrauch zu lösen und so die Wahrnehmung des Lesers zu erschweren.

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Details

Title
Wenn Vertrautes fremdgeht - Über die literaische Funktion der grotesken Metamorphosen bei Nikolaj Gogol in den Erzählungen Die Nase, Der Mantel, Der Newskijprospekt
College
University of Hannover  (Seminar für Literatur- und Kulturwissenschaften)
Course
Metamorphosen
Grade
1
Author
Maximilian Engelmann (Author)
Publication Year
2003
Pages
29
Catalog Number
V14633
ISBN (eBook)
9783638199810
Language
German
Tags
Wenn Vertrautes Funktion Metamorphosen Nikolaj Gogol Erzählungen Nase Mantel Newskijprospekt Metamorphosen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maximilian Engelmann (Author), 2003, Wenn Vertrautes fremdgeht - Über die literaische Funktion der grotesken Metamorphosen bei Nikolaj Gogol in den Erzählungen Die Nase, Der Mantel, Der Newskijprospekt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14633
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