Der Traum in Kinderbüchern am Beispiel von Paul Maars "Lippels Traum"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Paul Maars „Lippels Traum“
1.1 Inhalt
1.2 Lippels Träume
1.3 Ende des Traums

1. Konzeption und Funktion der Träume
1.1 Traum- Realität- Beziehung

2. „Lippels Traum“ im Unterricht

3. Resümee

4. Literaturangaben

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Analyse des Traums. Um diese deutlich darstellen zu können, wird das Buch „Lippels Traum“1 von Paul Maar als Beispiel aufgeführt. Die Ganzschrift befasst sich mit den Problemen eines zehnjährigen Jungens, der in seinen Träumen ein morgenländisches Märchen durchlebt. Das Sonderbare an diesen Träumen ist, dass die Tagesrealität und die Nachtträume zu einer Sequenz verknüpft werden. Außerdem werden einige Märchencharaktere durch Personen besetzt, die der Zehnjährige aus seinem wahren Leben kennt. So übernimmt jede Person in seinen Träumen, die Charaktereigenschaften, die er ihnen im realen Leben zuordnet.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit setzt sich aus zwei Themen zusammen. Das erste Thema befasst sich mit den Träumen Lippels und das zweite befasst sich mit der Realität Lippels. Beide Ebenen werden aufeinander bezogen und intensiv analysiert. In der Traumanalyse werden Thesen des Traumtheoretikers Sigmund Freud miteinbezogen, um bestimmte wissenschaftliche Parallelen zum Buch zu erkennen. Folgenden Fragen wird in dieser Hausarbeit nachgegangen: Welche Hintergründe verstecken sich in Lippels Träumen? Welche Beziehungen bestehen zwischen Lippels Träumen und der Realität? Tragen diese Träume eine Bedeutung hinsichtlich seiner Wirklichkeit? Ist der Traum von der Realität für den Leser und für Lippel klar abgegrenzt? Und warum kann Lippel seinen Fortsetzungstraum nicht beenden?

Nach der Ausarbeitung dieser Themen soll die Frage geklärt werden, ob diese Kinderlektüre im Unterricht der Primarstufe durchgeführt werden kann.

Die Arbeit beginnt mit einer Inhaltsangabe von „Lippels Traum“. Darauf folgen die einzelnen Träume, die ich kurz darstelle. Anschließend gehe ich auf die Traumanalyse ein, indem ich zunächst einzelne Elemente der Träume zu deuten versuche, dabei werde ich auch Traumtheorien darlegen und diese dann auf Lippels Träume übertragen. Schließlich werden Vorschläge zur möglichen Unterrichtsbehandlung gegeben. Abschließend folgt ein Resümee, in dem Ergebnisse dieser Arbeit rekapituliert werden.

1. Paul Maars „Lippels Traum“

„Lippels Traum“ erschien 1984 bei Oetinger in Hamburg, wurde von jugendlichen und erwachsenen Leserinnen und Lesern und von der Kritik begeistert aufgenommen und erhielt in Deutschland und Österreich mehrere Literaturpreise.2

Auf 230 Seiten erleben wir eine Woche mit Lippel. Die Kapiteleinteilung entspricht den Wochentagen und den Traumnächten. Zu den Wochentagen gehören zwei verschiedene reale Bereiche, zum einen Lippels Alltag mit Frau Jakob, zum anderen Lippel und seine Freunde, Frau Jeschke, Muck, Arslan und Hamide.
Paul Maar hat das Buch selbst illustriert mit kleinen Zeichnungen, seitenfüllend und zu Beginn der Träume jeweils mit einer liebevoll gestalteten Initiale.

1.1 Inhalt

Lippel liebt drei Dinge besonders: Sammelbilder, eingemachtes Obst und Bücher. Sammelbilder gibt es für 100 Sammelpunkte auf Behältnissen von Joghurt, Sahne und anderen Milchprodukten. Er hat schon 73 Punkte zusammen. Das beste eingemachte Obst gibt es bei der freundlichen Nachbarin Frau Jeschke. Und Bücher liest er besonders gern und ungestört in seinem Leseversteck im Verschlag unter der Treppe.

Eigentlich heißt er Philipp Mattenheim und geht in die vierte Klasse. Als seine Mutter und sein Vater für eine Woche auf einen Kongress nach Wien fahren, muss er sich mit allerlei Problemen herumschlagen. Die Eltern haben zur Betreuung Lippels die arbeitslose Freundin einer Bekannten, Frau Jakob, engagiert, doch diese ist „gaaanz“3 fürchterlich. Schon der erste Tag ohne Eltern zeigt, wie die Woche verlaufen soll. Frau Jakob versteht wenig von Kindern und Lippel sieht sich plötzlich mit anderen Erziehungsvorstellungen konfrontiert. Sie telefoniert ständig mit ihrer Mutter, kommandiert Lippel herum, wirft seine Sammelpunkte weg, zwingt Lippel Tomatensoße und süßen Salat zu essen. Lippel ist sauer, dass seine Eltern ihn bei einer fremden Frau lassen. Getröstet ist er allerdings, als er entdeckt, was seine

Eltern ihm zum Zeitvertreib zurückgelassen haben: ein wunderschönes Buch aus dem Orient mit den Geschichten aus „1001 Nacht.“

In der Schule gibt es zwei neue türkische Klassenkameraden, die Geschwister Hamide und Arslan. Mit den Neuen, die neben ihm sitzen, bahnt sich eine Freundschaft an. Außerdem nehmen sie auch die ganze Woche entscheidenden Raum in Lippels Tag- und Traumleben ein.

Lippel, der sich in die erste Geschichte aus „1001 Nacht“ vertieft hat, muss Frau Jakob seine Lektüre abgeben, weil sie sich von ihm getäuscht fühlt. Lippel erzählt der mitfühlenden Frau Jeschke von seinem Kummer und sie empfiehlt - so wie sie gern Fortsetzungsromane in der Zeitung liest - seine angefangene Geschichte selbst im Traum fortzusetzen. Und tatsächlich gelingt es Lippel seine Geschichte im Traum fortzusetzen. Er träumt sein Märchen jeden Abend ein Stück weiter. Er verblüfft Frau Jakob damit, dass er freiwillig früh ins Bett geht, um viel zu träumen; was er ihr allerdings nicht verrät. In dieser Woche erlebt Lippel täglich Auseinandersetzungen mit Frau Jakob. Zum Beispiel, als Lippel nach einem Besuch bei Arslan und Hamide zu Hause die beiden als Erwiderung zu sich einlädt, lehnt Frau Jakob dies ab mit der Begründung, für Ausländer koche sie nicht. Lippel will seine Freunde nicht durch eine Ausladung brüskieren und wendet sich in seiner Not an Frau Jeschke. Diese lädt kurz entschlossen alle drei zu sich ein. Es gibt ein leckeres Mittagessen, zum Nachtisch eingemachtes Obst und dann wird lustig gespielt. Anschließend traut Lippel sich aus Angst vor Ärger mit Frau Jakob nicht nach Hause. Da greift Frau Jeschke ein, begleitet ihn, telefoniert mit seinen Eltern und ersetzt ab sofort Frau Jakob, bis Lippels Eltern am nächsten Tag zurückkommen. Das Problem an Lippels Fortsetzungsträumen ist, dass er seine nächtlichen Träume, nachdem Frau Jakob das Haus verlassen hat, nicht mehr fortsetzen bzw. beenden kann.

1.2 Lippels Träume

Lippel legte sich ins Bett und nahm sich fest vor, die Geschichte weiter zu träumen.

„Das ging vielleicht, wenn er bis zum Einschlafen nur an die Geschichte und an nichts anderes dachte. Aber das war gar nicht so einfach. Dauernd schoben sich andere Gedanken dazwischen: an Frau Jakob, an Frau Jeschke, an seine Eltern, an die beiden Neuen in der Klasse. Und unversehens war er eingeschlafen.

Der morgenländische Palast sah ganz so aus, wie es sich Lippel vorgestellt hatte: An den Wänden hingen kostbare Teppiche, die gewölbte Decke wurde durch weiße Säulen gestützt, die mit goldenen Mustern geschmückt waren. ...“ 4

Im Traum lernt Lippel die Prinzengeschwister Arslan, Hamide und den Hund Muck kennen. Ihre königliche Tante beschuldigt sie einer Missetat. Da der Prinz ein siebentägiges- Schweigegebot abgelegt hat, kann er sich auch nicht gegen die Beschuldigung äußern. Die Kinder müssen auf Anweisung ihres Vaters, des Königs, zur Strafe außer Land gebracht werden. Die unfreundliche königliche Tante besticht jedoch die Wächter. Sie sollen die Kinder töten. Die Tante hofft somit, dass ihr eigener Sohn der Thronfolger wird. So erleben die Kinder gemeinsam mit Lippel, der auch verbannt wurde, große Abenteuer. Den Kindern gelingt die Flucht. Sie entkommen den königlichen Rittern, verlieren sich in einem Sandssturm, verstecken sich in der Stadt, wo Lippel Geld für die Übernachtung beschafft, indem er auf dem Marktplatz zaubert und dichtet. Später hilft ihnen eine freundliche Wirtin. Schließlich können sie im königlichen Palast bis zum Vater vordringen und ihn von ihrer Unschuld überzeugen, denn das Schweigegebot des Prinzen ist endlich vorbei, so dass er sich seinem Vater gegenüber rechtfertigen kann.

Lippel träumt diese Geschichte in fünf Nächten, jeden Morgen wird er von Frau Jakob mitten in seinem Traum geweckt, um sich für die Schule vorzubereiten. Deshalb beschließt er jeden Abend weiter zu träumen und ist mitten in das Abenteuer seiner Geschichte verstrickt. In seine fünf nächtlichen Fortsetzungsträume hinein verwebt Lippel seine Erlebnisse aus der Tageswirklichkeit: Prinz und Prinzessin gleichen seinen neuen Klassenkameraden Arslan und Hamide. Der Hund Muck gehört im Traum den Königskindern, in Wirklichkeit streunt er umher und schließt sich Lippel an. Später wird ihn die hysterische Frau Jakob einsperren und der Polizei übergeben. Die intrigante Tante der Prinzen ähnelt sehr Frau Jakob, die herzliche Wirtsfrau, die den Traumkindern hilft, in die Stadt zurück zu gelangen, gleicht Frau Jeschke, die auch in der Realität hilft, die Lage für Lippel zu entspannen. Jede Nacht träumt Lippel ein Stück weiter, jedoch gelingt es ihm nicht seine Geschichte zu Ende zu träumen.

Tagsüber verblüffen ihn die Parallelen aus Traum und Wirklichkeit. Er findet den geträumten Armreif der Prinzessin Hamide vor dem Klassenraum auf dem Fußboden

und es stellt sich heraus, dass er der wirklichen Hamide gehört. Der wirkliche Arslan spricht nicht, weil er nicht gut Deutsch kann, der Prinz Asslam aus Lippels Traum befolgt ein siebentägiges Schweigegebot. Lippel weiß manchmal nicht mehr, was er im Traum und was in Wirklichkeit erlebt hat. Deshalb verstehen Arslan und Hamide nicht immer, wovon er spricht, wenn er auf die geträumten Abenteuer anspielt. Sie wissen gar nicht, dass sie in einem Fortsetzungstraum eine Hauptrolle haben.

[...]


1 Maar, Paul: Lippels Traum. Oetinger Verlag Hamburg (1984).

2 Fischer, Eva: Lippels Traum. In: Romane im Unterricht. Schneider Verlag Hohengehren

(1999).S.91.

3 Maar, Paul.1984.S. 26.

4 Ebd. 1984. S. 60/ 61.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Traum in Kinderbüchern am Beispiel von Paul Maars "Lippels Traum"
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Der Traum im Kinderleben und in den Künsten
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V146357
ISBN (eBook)
9783640550104
ISBN (Buch)
9783640552207
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traum, Kinderbüchern, Beispiel, Paul, Maars, Lippels
Arbeit zitieren
Nuran Aksoy (Autor), 2003, Der Traum in Kinderbüchern am Beispiel von Paul Maars "Lippels Traum", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146357

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