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Notizzettel als zeitgenössische Billets in Alice Kuipers' "Sehen wir uns morgen?". Zu einer besonderen Form des Briefromans

Titel: Notizzettel als zeitgenössische Billets in Alice Kuipers' "Sehen wir uns morgen?". Zu einer besonderen Form des Briefromans

Hausarbeit , 2023 , 29 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Carola Behm (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Zuge des Aufkommens und des Erfolgs des Privatbriefs im Zusammenhang mit der Aufwertung des Individuums in der Aufklärung kann auch für das Genre des Briefromans das 18. Jahrhundert als Blütezeit angenommen werden. In dieser Hausarbeit bildet Alice Kuipers' Roman "Sehen wir uns morgen?" die moderne Grundlage für eine Auseinandersetzung mit jenem Genre. Gideon Stienings und Robert Vellusigs Definition, dass Briefromane entsprechend "[…] eine Geschichte in einer und als eine Folge von Briefen […]" und damit ein geschriebenes Pendant "für die kommunikative Rahmung des mündlichen Erzählens" darstellen würden, soll dabei als Hintergrund dienen. Insbesondere der Aspekt der Aufwertung der individuellen Alltagswelt als künstlerisches und rezipierendes Zentrum des Interesses in Brief und Briefroman kann nach wie vor für dieses Genre angenommen werden und macht es damit für die Gegenwart fruchtbar.

Wie für diese Form von Romanen überwiegend üblich, gibt es auch in "Sehen wir uns morgen?" keinen vermittelnden Erzähler; der Roman erzählt sich scheinbar selbst. Die Handlung des Romans entfaltet sich vielmehr anhand der insgesamt 204 Nachrichten in fünf Kapiteln, die sich eine alleinerziehende Mutter und ihre fünfzehnjährige Tochter mittels Notizzetteln an der Kühlschranktür hinterlassen, da die Mutter zumindest im privaten Bereich kein Handy nutzen möchte. Diese Form der zu Zeiten von E-Mail, SMS, WhatsApp usw. anachronistisch anmutenden Kommunikation mit Hilfe von Papier und Stift bleibt im Roman den beiden Protagonistinnen vorbehalten. Die Geschichte vereint dabei Coming-Of-Age-Aspekte durch die Tochter Claire in der Auseinandersetzung mit ihrer namenlos bleibenden Mutter (Mama, gelegentlich Mami), Loslösung in Form von Claires zunehmender Selbständigkeit und den Umzug zum Vater und Abschiednehmen von Mutter und Tochter durch die Krebserkrankung und den daraus resultierenden Tod der Mutter. Die Rezipierenden nehmen lediglich anhand der kleinen Botschaften an diesen Entwicklungen teil. Der Kühlschrank, der auch das Seitenlayout der vorliegenden Ausgabe bestimmt, erfüllt in diesem Roman mehrere wichtige Funktionen. Unter Anderem soll der These nachgegangen werden, dass der Kühlschrank in diesem Roman sozusagen die Botenfunktion bei der Übermittlung von Nachrichten erfüllt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Brief, Billet und Notizzettel als Medien der Nachrichtenübermittlung

2.1 Kennzeichen von Brief und Billet

2.2 Kennzeichen des Notizzettels

3. Der Aufbau des Romans und die verschiedenen Nachrichten

3.1 Form

3.2 Inhalt

3.3 Informationsvergabe

4. Der Kühlschrank

4.1 Präsentation des Romans

4.2 Der Kühlschrank als Ort der Kommunikation

4.3 Der Kühlschrank als Bote

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman "Sehen wir uns morgen?" von Alice Kuipers vor dem Hintergrund des Briefroman-Genres. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die im Roman verwendeten Notizzettel an der Kühlschranktür als zeitgenössische Form des Billets zu verstehen sind und welche Funktion der Kühlschrank dabei als Medium der Nachrichtenübermittlung einnimmt.

  • Analyse der Notizzettel als moderne Entsprechung des historischen Billets.
  • Untersuchung der strukturellen und inhaltlichen Merkmale der Nachrichtenübermittlung im Roman.
  • Herausarbeitung der funktionalen Bedeutung des Kühlschranks als zentraler Kommunikationsort und "Bote".
  • Betrachtung der Informationsvergabe in einem Briefroman ohne expliziten Herausgeber.
  • Einordnung des Romans in medienkulturelle Zusammenhänge der analogen Kommunikation im digitalen Zeitalter.

Auszug aus dem Buch

3.3 Informationsvergabe

Wie für moderne Briefromane üblich, entzieht sich auch in dem betrachteten Roman die Autorin unter Verzicht einer Herausgeberfiktion ihrem Text und überlässt ihren Charakteren das Schreiben. Diese etablieren sich demnach durch ihre eigene Erzählung, nicht aus dem Blickwinkel eines Erzählers oder Beobachtungen anderer Figuren. Indem die Charaktere in ihren Botschaften Gedanken, Gefühle und Erlebnisse miteinander teilen, erhalten nicht nur diese, sondern auch die Rezipierenden notwendige Informationen; gleichzeitig bildet dies den Hintergrund für die sich entwickelnde Handlung. So wird zum Beispiel von Ereignissen zwar im Nachhinein berichtet, wirken aber die Schilderungen durch das Fehlen eines vermittelnden Erzählers unmittelbar und als „soeben Erlebtes und in der brieflichen Darstellung Gegenwärtiges.“

Darüber hinaus suggerieren Briefromane durch den scheinbaren Dokumentationscharakter der aneinandergereihten Botschaften Glaubwürdigkeit und ahmen Wirklichkeit nach. Doch wie bei einem Theaterstück, bei dem Zuschauer*innen sich darüber im Klaren sind, dass die gespielten Szenen nicht die Wirklichkeit sind, wissen die Rezipierenden eines Briefromans, dass es sich um erfundene Briefe handelt. Da sich die Handlung durch diese Briefe entfaltet, erfolgt die Informationsvergabe für die Figuren des Romans ebenso wie für die Rezipierenden ausschließlich über jene Botschaften.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Genre des Briefromans ein und präsentiert die These, dass "Sehen wir uns morgen?" als moderne Grundlage für die Analyse von Notizzetteln und Billets dient.

2. Brief, Billet und Notizzettel als Medien der Nachrichtenübermittlung: Dieses Kapitel definiert die historischen und medienwissenschaftlichen Grundlagen von Briefen, Billets und Notizzetteln, um sie von der Romanform abgrenzen zu können.

3. Der Aufbau des Romans und die verschiedenen Nachrichten: Hier wird die formale und inhaltliche Struktur der 204 Nachrichten sowie die Technik der Informationsvergabe innerhalb des Werks detailliert untersucht.

4. Der Kühlschrank: In diesem Kapitel wird der Kühlschrank als zentraler Ort der Kommunikation und als funktionaler "Bote" analysiert, der die Kommunikation zwischen den Protagonistinnen ermöglicht.

5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Bedeutung analoger Kommunikationsformen im Kontrast zu digitalen Medien wie E-Mail oder WhatsApp.

Schlüsselwörter

Briefroman, Billet, Notizzettel, Nachrichtenübermittlung, Kühlschrank, Kommunikation, Alice Kuipers, Sehen wir uns morgen?, Informationsvergabe, Schreibszene, Medienwandel, Analoge Kommunikation, Coming-of-Age, Briefkultur, Strukturmerkmale.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Roman "Sehen wir uns morgen?" von Alice Kuipers als zeitgenössische Form des Briefromans und untersucht die Funktion von Notizzetteln als Kommunikationsmedium.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören das Genre des Briefromans, die mediale Funktion des Billets, die Bedeutung von Alltagsmedien wie Notizzetteln und die Rolle des Kühlschranks als Ort und Bote der Kommunikation.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob die Notizzettel im Roman als zeitgenössische Billets fungieren und wie der Kühlschrank aktiv an der Nachrichtenübermittlung und Informationsvergabe beteiligt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung von Gattungstheorien (Briefroman) und medienwissenschaftlichen Ansätzen zur Schreibszene.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine medientheoretische Einordnung, eine strukturelle Untersuchung der Romanform, eine inhaltliche Analyse der Nachrichten und eine spezifische Betrachtung des Kühlschranks als handlungsrelevantes Medium.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Briefroman, Billet, Notizzettel, Informationsvergabe, Kühlschrank, analoge Kommunikation und Medienwandel.

Wie unterscheidet sich ein Billet von einem Brief laut der Arbeit?

Ein Billet gilt als eine schnellere, formlosere Kommunikationsmöglichkeit für den Nahbereich, die ohne die Konventionen und den Aufwand herkömmlicher Briefe auskommt.

Welche Rolle spielt der Kühlschrank bei der "diskrepanten Informiertheit"?

Er fungiert als zentraler Ort, an dem Informationen zeitgleich zwischen den Charakteren und den Rezipierenden geteilt werden, wobei das Fehlen eines Erzählers dazu führt, dass die Leser die Geschichte quasi selbst mitkonstruieren.

Warum wird der Begriff des Notizzettels im Roman erweitert interpretiert?

Der Autorin zufolge muss der Begriff erweitert werden, da die im Roman verwendeten Notizzettel entgegen der üblichen Definition von Notizen eine klare Mitteilungs- und Dialogabsicht verfolgen.

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Details

Titel
Notizzettel als zeitgenössische Billets in Alice Kuipers' "Sehen wir uns morgen?". Zu einer besonderen Form des Briefromans
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Neuere Deutsche Literatur- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Modulabschlussprüfung
Note
1,0
Autor
Carola Behm (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
29
Katalognummer
V1464049
ISBN (PDF)
9783389010747
ISBN (Buch)
9783389010754
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Briefroman Billet Billets Alice Kuipers Sehen wir uns morgen? Notizzettel Roman Kühlschrank Life on a Refridgerator Door Krebs Mutter Tochter Krankheit Familienleben Coming of Age Erwachsen werden Notiz Notizen Abschied Kommunikation alleinerziehend Bote Kurzbrief Langbrief Brief Post-It
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Arbeit zitieren
Carola Behm (Autor:in), 2023, Notizzettel als zeitgenössische Billets in Alice Kuipers' "Sehen wir uns morgen?". Zu einer besonderen Form des Briefromans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1464049
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Leseprobe aus  29  Seiten
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