Funktionsweise und Bedeutung von Zinsswaps. Der derivative OTC-Markt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DAS SWAPGESCHÄFT
2.1. Das Swapgeschäft als derivatives Finanzinstrument
2.2 Der Parallel-Loan als Entstehungsfaktor des Swapgeschäfts
2.3. Arten von Swapgeschäften

3. DER ZINSSWAP
3.1. Charakteristika eines Zinsswaps
3.2. Die Quotierung eines Zinsswaps
3.3. Beispielhafte Darstellung von Zahlungsströmen eines Kuponswaps
3.4. Die Bewertung von Zinsswaps
3.5. Die Neutralisation eines Zinsswapgeschäfts
3.6. Produktvariationen eines Zinsswaps

4. DIE BEDEUTUNG VON ZINSSWAPS IM DERIVATIVEN OTC-MARKT
4.1. Durchschnittliche, weltweite Tagesumsätze von Zinsswaps
4.2. Ausstehende Nominalbeträge von Zinsswaps

5. MOTIVE FÜR DEN EINSATZ VON ZINSSWAPS
5.1. Der Einsatz von Zinsswaps im Asset-Management
5.2. Der Einsatz von Zinsswaps im Liability-Management

6. ERFOLGSFAKTOREN VON ZINSSWAPS

7.FAZIT

I Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Zinsswap zwischen dem Unternehmen A und dem Unternehmen B

Tabelle 1: Zahlungsströme unter fiktiver Zinsentwicklung aus Sicht des Unternehmens A

Tabelle 2: Durchschnittliche globale Tagesumsätze im derivativen OTC Markt

Tabelle 3: Weltweite ausstehende Nominalbeträge der OTC gehandelten Derivate.

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Seit den siebziger Jahren ist auf globaler Ebene eine stetige Entwicklung von derivativen Finanzmarktinstrumenten festzustellen. Diese zeigt sich durch signifikante Markterfolge und exorbitant hohe Volumensteigerungen dieser Instrumente. Die vermehrte Nutzung der Kapital- und Finanzmärkte, sowie in jener Zeit auftretende Zahlungsbilanzungleichgewichte, die insbesondere in dem Zusammenfall des Bretton-Woods-Systems und der Abschaffung des Systems fester Wechselkurse begründet sind, führten zu hohen Kursfluktuation auf den weltweiten Finanzmärkten.1 Auch die Änderung des United States Federal Reserve Board im Jahre 1979 bezüglich der Geldpolitik, die sich fortan nicht mehr am nationalen Zinsniveau, sondern an der Geldmenge orientieren sollte, führte bei den amerikanischen Zinssätzen zu steigender Volatilität und durch internationale Vernetzung der Märkte zu weltweiten Zinsfluktuationen.2 Daraus folgte eine steigende Nachfrage nach innovativen Finanzprodukten. Diese wurden neben großen Institutionen zunehmend auch von Unternehmen des Mittelstands und Privatpersonen nachgefragt, da Notwendigkeit bestand, Zinsänderungsrisiken abzusichern.3 Aufgrund der Nachteile des traditionellen Zinsmanagement, dessen Methoden umständlich, bilanzwirksam und oft mit hohen Kosten verbunden waren, wurden im Risikomanagement fortan vorteilhaftere, bilanzunwirksame Swapgeschäfte abgeschlossen.4 Somit ist seit Beginn der achtziger Jahre der Swapmarkt zwei Jahrzehnte lang mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von rund 30% pro Jahr gewachsen, was die hohe Bedeutung von Swapgeschäften für das Risikomanagement unterstreicht.5 Eine Schlüsselrolle nehmen Zinsswaps, sogenannte Interest Rate Swaps, ein. Jene sind, gemessen an den durchschnittlichen Tagesumsätzen der deutschen Banken, die mit rund 68% meist gehandelten außerbörslichen Derivate und sind aufgrund ihrer bedeutenden Position unter derivativen Instrumenten im Risikomanagement und dem dazugehörigen Zinsmanagement zentraler Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit.6

Ziel und Zweck der Arbeit ist es, das Finanzinstrument Zinsswap deutlich zu analysieren, sowie seine Funktionsweise und Bedeutung darzustellen. Nach Hintergrundinformationen über Swapgeschäfte deren Einordnung als derivative Instrumente, deren Entstehung und Arten folgt die Analyse des Zinsswaps. Hier werden Themen wie Charakteristika, die Quotierung, die Bewertung und unter anderen weitere Produktvariationen angesprochen. Im Folgenden wird der hohe Stellenwert des Zinsswaps auf den derivativen außerbörslichen Märkten dargestellt, welcher sich an den durchschnittlichen Tagesumsätzen und den ausstehenden Nominalbeträgen orientiert. Jener Stellenwert wird unterlegt, indem die Motive eines Einsatzes von Zinsswaps im Asset-Management sowie Liability- Management erklärt werden, sowie Erfolgsfaktoren von Zinsswaps benannt werden. Die Arbeit endet mit einem abschließenden Fazit. Auf die Darstellung der umstrittenen komparativen Kostentheorie wurde bewusst verzichtet, da Zinsswaps sich nicht eignen, um komparative Vorteile zu schaffen.7

2. Das Swapgeschäft

2.1. Das Swapgeschäft als derivatives Finanzinstrument

In der Finanzwirtschaft sind Swapgeschäfte den derivativen Finanzinstrumenten, sprich Derivaten, zuzuordnen.8 Vordergründiges Merkmal dieser Produkte ist, dass die Bewertung und der Preis auf dem Marktwert eines Basiswertes, genannt Underlying, beruhen.9 Gegenstand eines Kontraktes ist die zukünftige Entwicklung des Basiswertes, wie einer Aktie, Zinssatz oder Anleihe. Jener wird am Fälligkeitstag jedoch nicht geliefert, sondern dient als Grundlage, um Zahlungsströme, sogenannte Cash-Flows, oder Ausgleichszahlungen zwischen den Vertragspartnern zu ermitteln. Grob kann man die bilanzunwirksamen Derivate in feste Termingeschäfte, deren Leistungsbedingungen vollständig fixiert sind und Optionen bei denen ein Wahlrecht auf Leistung zu einem Zeitpunkt oder -raum besteht, kategorisieren. Ein Teil fester Termingeschäfte wird nach standardisierten Vertragsbedingungen, sowie börslich gehandelt, worunter Futures fallen. Der andere Teil wird unter nicht standardisierten, auf den Einzelfall zugeschnittenen, individuelle Bedingungen, sowie außerbörslich gehandelt, was als Over the Counter OTC-Geschäft bezeichnet wird.10 Ein Swap kann formal definiert werden als ein bilateraler Finanzvertrag, der einen Austausch von Zahlungsströmen, Zins- oder Währungszahlungen, zwischen zwei Parteien vereinbart. Diesem Vertrag liegen bei Abschluss festgelegte Konditionen, sowie ein Nominalbetrag, zugrunde.11 Die Swapvereinbarung verpflichtet die Parteien zu bestimmten Zeitpunkten Zahlungsbeträge auszutauschen, es besteht somit kein Wahlrecht der Parteien auf Leistung.12 Swapgeschäfte werden meist individuell zwischen den Parteien verhandelt und es existiert kein standardisierter Markt. Somit sind Swaps, neben Forwards und Forward Rate Agreements, unbedingte Termingeschäfte und Teil des OTC-Marktes. Obwohl keine rechtlichen Reglementierungen bestehen, existieren zur Erleichterung des Vertragsprozess, sowie um Vertragsparameter festzuhalten, Rahmenverträge der International Swap Dealers Association.13 Diese dient auch der Aufzeichnung der Aktivitäten auf den Swapmärkten.14

2.2 Der Parallel-Loan als Entstehungsfaktor des Swapgeschäfts

Über die Hintergründe der Entstehung von Swaps wird oft diskutiert und debattiert. Im Einklang ist man jedoch mit der Tatsache, dass Swapgeschäfte von dem Konzept der Parallel-Kredite, Parallel-Loans, abstammen, das in den siebziger Jahren zwischen britischen und amerikanischen Unternehmen und Institutionen angewandt wurde.15 Um den Wert des britischen Pfund aufrecht zu erhalten, erhob die Bank of England Restriktionen bezüglich des Austauschs der Währung, sowie des Kapitalverkehrs, über nationale Grenzen hinweg. Britische Unternehmen, die Investitionen im Ausland tätigen wollten, beispielsweise in den United States of America USA, waren gezwungen, US-Dollar USD zu einem Preis zu kaufen, der über dem aktuellen Marktpreis lag. Um dies zu umgehen, kooperierten diese mit amerikanischen Unternehmen, indem sie Tochtergesellschaften von US-Unternehmen, welche in England operierten, Kredite mit festgelegten Beträgen in britischen Pfund gaben. Im Gegenzug erhielten britische, in den USA agierende Tochtergesellschaften, Kredite von den US-Unternehmen zu denselben Beträgen und Konditionen in USD. Dieses Kreditgeschäft, was auch als back-to-back-loan bezeichnet wird, ermöglichte somit den Währungstausch kostengünstiger.16 Um jedoch Ausfallrisiken der Nominalbeträge zu umgehen, entwickelten sich aus den Parallel-Krediten, Währungsswaps, die als Grundlage der Zinsswaps anzusehen sind.17 Diese haben den Vorteil, dass ein Swappartner den Zahlungsverpflichtungen nur nachgehen muss, wenn der andere seine auch erfüllt, was bei Parallel-Krediten nicht der Fall war.18 Der erste Swap, der auf den Finanzmärkten gehandelt wurde, war ein Währungsswap in Schweizer Franken und Deutschen Mark zwischen IBM und der Weltbank im Jahr 1981, der weltweit maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Swapgeschäfts hatte. Vier Jahre später, am 01.05.1985, wurden Swaps in Deutschland durch Entscheid der Deutschen Bundesbank zulässig.19

2.3. Arten von Swapgeschäften

Es existiert eine Vielzahl von verschiedenen Swapgeschäften, wobei hier die Hauptkategorien betrachtet werden. Bei einem Währungsswap, der sich an den den Devisenmärkten orientiert, wird der Austausch von zwei Zahlungsströmen vereinbart, die verschiedene Währungen haben. Es werden nicht nur Zinszahlungen getauscht, die durch Vermögens- und Verpflichtungspositionen auf den Devisenmärkten induziert sind, sondern auch die Basisbeträge.20 So zahlt jeder Vertragspartner Zinsen an den anderen in der Währung, indem er den Basisbetrag empfangen hat, was die Zinsdifferenz zwischen den Währungen ausgleicht.21 Bei Equity Swaps handelt es sich um einen Tausch einer Performance eines Aktienmarktes und der eines Renten- oder Geldmarktes. Eine Aktienposition kann aus Einzelaktien, einem Aktienportfolio oder aus einem Aktienindex bestehen. Zu den Non-Financial Swaps gehören unter anderen die Commodity Swaps.22 Die Referenzgröße ist hier ein aktueller Marktpreis einer Ware oder Rohstoff, wodurch sie im Energiebereich und besonders bei Fluggesellschaften zur Absicherungen von Treibstoffpreisschwankungen hohe Bedeutung haben.23 Die weitaus wichtigsten Swapgeschäfte stellen jedoch die reinen Zinsswaps dar, die im Folgenden dargestellt werden.24

3. Der Zinsswap

3.1. Charakteristika eines Zinsswaps

Ein Zinsswap, Interest Rate Swap, ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien über den Austausch von Zinszahlungen bezogen auf einen fiktiven Kapitalbetrag, genannt Basisbetrag.25 Er beinhaltet feste Austauschtermine, eine bestimmte Laufzeit, sowie die Eigenschaft, dass die Zahlungsströme, im Gegensatz zum Währungsswap, in der gleichen Währung getätigt werden.26 Es existieren zwei Grundformen von Zinsswaps: der fix/variable, genannt Kuponswap und der variable/variable, genannt Basisswap. Bei der Hauptform, dem Kuponswap, werden Festzinszahlungen gegen variable Zinszahlungen ausgetauscht. Hier wird der Vertragspartner, welche feste Zinszahlungen zahlen muss als Payer bezeichnet. Derjenige, der die variable Zinszahlung zahlen muss und die feste empfängt, wird Receiver bezeichnet.27 Beim Basisswap handelt es sich um den Austausch von unterschiedlichen variablen Zinszahlungsströmen. Die variablen Zinszahlungen sind gekoppelt an Referenzzinssätze. Diese sind Interbankenzinssätze, wie in der Standardform die London Inter Bank Offered

[...]


1 Vgl. Rudolph/Schäfer (2003), S. 13.

2 Vgl. Jentzsch (1989), S. 5.

3 Vgl. Priermeier/Stelzer (2001), S. 115.

4 Vgl. Priermeier/Stelzer (2001), S. 111.

5 Vgl. Oehler/Unser (2001), S. 110.

6 Vgl. Bundesbank (2007), S. 4.

7 Vgl. Eisele/Neus/Walter (2001), S. 16.

8 Vgl. Eller/Gruber/Reif (2002), S. 544.

9 Vgl. Schmidt (2002), S. 1.

10 Vgl. Bertuch-Samuels/Störmann (1995), S. 13-14.

11 Vgl. Bloss/Ernst (2008), S. 153.

12 Vgl. Albrecht/Maurer (2008), S. 42.

13 Vgl. Priermeier/Stelzer (2001), S. 152.

14 Vgl. Overdahl (2007), S. 661.

15 Vgl. Das (1989), S. 5.

16 Vgl. Kolb (2003), S. 763.

17 Vgl. Priermeier/Stelzer (2001), S. 116.

18 Vgl. Sender (1996), S. 5.

19 Vgl. Priermeier/Stelzer (2001), S. 116.

20 Vgl. Albrecht/Maurer (2008), S. 43.

21 Vgl. Eller/Gruber/Reif (2002), S. 547.

22 Vgl. Albrecht/Maurer (2008), S. 44.

23 Vgl. Eller/Gruber/Reif (2002), S. 546.

24 Vgl. Eisele/Neus/Walter (2001), S. 2.

25 Vgl. Albrecht/Maurer (2008), S. 725.

26 Vgl. Priermeier/Stelzer (2001), S. 146.

27 Vgl. Beike/Köhler (1997), S. 35.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Funktionsweise und Bedeutung von Zinsswaps. Der derivative OTC-Markt
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V146449
ISBN (eBook)
9783668330030
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zinsswap, Swap, Zinsänderung, Risikomanagement, Zinsänderungsrisiko, Kuponswap, Banken, Finanzen, Interest Rate Swap, OTC, Derivate
Arbeit zitieren
Mathias Glock (Autor), 2009, Funktionsweise und Bedeutung von Zinsswaps. Der derivative OTC-Markt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146449

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