Gender im Musikunterricht


Studienarbeit, 2009
19 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Musikleistungskontrolle

2 Gender
2.1 Gender, sex und Gender Mainstreaming
2.2 Das dominierende Männer- und Frauenbild
2.3 Gender in der Schule
2.4 Gender im Musikunterricht

3 Pädagogische Maßnahmen

4 Literaturverzeichnis

1 Die Musikleistungskontrolle

Der Musikunterricht gehörte zu einem meiner liebsten Unterrichtsfächer. Dies lag vor allem daran, dass ich in meiner Freizeit Klavier spielte und in einem Jugendchor sang und somit Noten, Takt und das Singen keine Hürden darstellten und mir sogar Spaß machten. Dies zeigte sich natürlich auch in meinen Schulnoten - ich war eine typische Einserkandidatin, und dies von der fünften bis zur zwölften Klasse. Im Unterricht wurde Musikgeschichte vermittelt, man lernte Komponisten kennen, besprach verschiedene Instrumente und übte Tonleitern. Auch der Gesang gehörte zur „Musikausbildung“ - ob gemeinsamer Chorgesang oder der Versuch eines Kanons, in fast jeder Stunde kam dies nicht zu kurz. Dabei lernte man jedoch in den seltensten Fällen das Singen, ging doch das Individuum im gemeinsamen Singversuch kläglich unter. Dennoch stand in jedem Halbjahr eine Singeleistungskontrolle an, bei der jeder Schüler ein Lied vor der Klasse präsentieren musste. Ob a capella, mit Unterstützung einer CD oder mit der Klavierbegleitung durch die Lehrerin, die Art des Liedvortrages stand jedem frei. Ebenso gab es die Möglichkeit ein Instrument zu spielen - was natürlich nur von jenen Schülern genutzt werden konnte, die auch eines beherrschten. Der Vortrag fand vor der ge- samten Klasse statt und wurde anschließend von der Lehrerin mit Wort und Note bewertet. Dabei lässt sich über die Dauer von 8 Schuljahren festhalten, dass die Jungen nur in seltenen Fällen die Note Eins bekommen haben, egal welche Leistung sie erbringen1. Anders bei den Mädchen, denn diese erhielten auch bei relativ schlechten Leistungen eine gute wenn nicht sogar sehr gute Note.

Daraus lässt sich ein wahrscheinliches Frauen- und Männerbild der Lehrerin ablesen. Die Mädchen können singen und sind musikalisch, somit künstlerisch begabt. Die Jungen können nicht singen und zeigen sich zu oft auch noch als Kunstbanausen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass Mädchen vorrangig Pop, Soul und andere ehr melodische Musikrichtungen bevorzugen. Dies bietet ihnen die Möglichkeit, einen melodischen und ihrem Musikgeschmack entsprechenden Titel zu singen. Die Jungen hingegen stehen vorrangig auf rockige, elektronische Musik oder auch HipHop, was sich schlecht singen lässt, und sie somit dazu zwingt, akzeptablere und singbare Musik auszuwählen.

2 Gender

2.1 Gender, sex und Gender Mainstreaming

Vor einer Beschäftigung mit der Genderproblematik bedarf es eines kurzen Überblicks, wie die Begriffe gender, sex und Gender Mainstreaming verwendet werden. Dabei wird die Beg- riffsverwendung von Eva Voß in Gender goes global herangezogen, die in ihrer Buch darauf hinweist, dass in der neueren Forschung mit eben diesen Begriffen stiefmütterlich umgegan- gen wurde und selten klare Definitionen gegeben werden bzw. falsche Annahmen stetig re- produziert werden.2

Gender stellt dabei nicht die deutsche Vorstellung von Geschlecht dar, sondern meint ein soziales, kulturell geschaffenes Geschlecht. Es ist eine erlernte Geschlechtsidentität, die nicht wie das biologische Geschlecht (sex) angeboren ist. Es ist also veränderbar und stellt zum einen eine „Antwort auf die kulturellen und gesellschaftlichen Mechanismen“ dar und zum anderen meint es „auch die geschlechterbezogenen Regeln und Mechanismen in Institutionen, […] die [..] indirekt Gender konstruieren.“3 Gender ist kulturspezifisch und daher historisch bedingt und wird aus dieser Historie teilweise legitimiert.

Das biologische Geschlecht (sex) stellt im Gegenzug das angeborene und unverän- derliche Geschlecht dar4. Im Normalfall wird hierbei zwischen männlich und weiblich diffe- renziert, jedoch gibt es auch Menschen, bei denen bei der Geburt Merkmale beider Ge- schlechter zu finden sind - das Geschlecht somit uneindeutig ist - und hier von Intersexualität gesprochen wird. Ebenso ist bis heute nicht ganz klar, wie viel Einfluss die Gene und Hormo- ne auf das psychische Geschlecht haben - also zu welchem Geschlecht sich der einzelne Mensch zugehörig fühlt.

Gender Mainstreaming stellt ein Konzept der Geschlechterpolitik dar. Hierbei be- zeichnet Mainstreaming „das, was die Mehrheit tut, denkt und glaubt“5. Unter Mehrheit ist der dominierende Teil der Gesellschaft zu verstehen. Dabei bleibt offen, ob es um den größe- ren Teil der Gesellschaft geht, der aufgrund seiner prozentualen Überlegenheit dominiert, oder um die Machthabenden (zumeist eine Minderheit), die aufgrund ihrer Macht und ihrem Einfluss dominieren.

Gender Mainstreaming stellt sich dabei die Aufgabe, die „Frauenbelange [nicht] weiterhin als Sonderthema einer nicht nennenswerten Randgruppe“6 zu begreifen und „die männliche Norm als hegemoniale Organisationskultur [..] [nicht mehr als] Referenzpunkt des Handelns und der Entscheidungen […] [anzusehen]. Vielmehr bilden die verschiedenen Le- bens- und Identitätsmuster beider Geschlechter die Grundlage institutioneller Strukturen und Handlungsmaximen.“7 Damit sollen die diskriminierenden Strukturen aufgehoben und Chan- cengleichheit geschaffen werden. Die Verankerung der Geschlechterpolitik kann nach Voß auf zwei Weisen geschehen: „mit dem Anspruch auf Integration und zum anderen mit dem Anspruch auf Transformation.“8

Die Integration stellt ein Hineinrücken der Geschlechtergleichstellungsproblematik in den Hauptstrom der einseitigen Geschlechterbetrachtung. Dabei geschieht eine Verschiebung des Nebenstroms (der Frauen- und Geschlechterfragen) in den Hauptstrom, ohne dabei den patriarchalen Hauptstrom zu hinterfragen. Die Gleichstellungsforderungen der Frauen würden so immer als Zufluss, aber nicht als gleichwertig wirken - auf diese Weise würde die Frauengleichstellung nur als „Nebenstrom“, nicht aber als eigenständiges und erstzunehmender Thema diskutiert. Daher reicht der integrative Aspekt nicht aus.

Die Transformation hingegen fordert eine konkrete Einflussnahme auf den Haupt- strom und somit auf die patriarchial besetzten Machtzentren, die „auf wahrhaftige Verände- rung, auf Transformation der vorhanden Strukturen“ setzt. Hierbei legt Voß Wert darauf, dass Gender Mainstreaming nicht einseitig verstanden wird, denn es geht nicht nur um das Auf- werten der Rolle der Frau. „Die auf Frauenpolitik reduzierte Geschlechterpolitik drängte die Frage nach Gleichberechtigung [..] stetig ins Abseits und vernachlässigte die gesamtgesell- schaftliche Relevanz der Thematik.“9 Gender Mainstreaming setzt an dieser Stelle an und steht für Gleichstellung der Geschlechter. Dabei ist nach Voß jedoch darauf Acht zu geben, dass die klassische Frauenförderpolitik nicht vergessen wird. „Mainstreaming wird daher als Doppelstrategie konzipiert, die nur dann erfolgreich sein kann, wenn sowohl Elemente der klassischen Frauenförderungspolitik als auch die durchgängige Einbeziehung der Geschlech- terperspektive berücksichtigt werden.“10

[...]


1 Als Ausnahme gilt hier das Spielen eines Instruments, denn egal ob dies mit einer guten oder schlechten Leistung geschah, erhielt ein solcher Vortrag immer die Note Eins.

2 Vgl. Voß, Gender goes global.

3 Stiegler, zit. n. Eva Voß, Gender goes global, S. 8.

4 In der neueren Medizin hat sich gezeigt, dass das von den Genen vorgegeben biologische Geschlecht nicht ausschließlich unveränderlich ist. So kann heute ein Mensch, der mit seinem biologischen Geschlecht iden- tisch ist, eine Geschlechtumwandlung vornehmen lassen.

5 Stiegler, zit. n. Eva Voß, Gender goes global, S. 17.

6 Voß, Gender goes global, S. 18.

7 Voß, Gender goes global, S. 18.

8 Voß, Gender goes global, S. 18.

9 Voß, Gender goes global, S. 20.

10 Voß, Gender goes global, S. 22.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Gender im Musikunterricht
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Pädagogik)
Veranstaltung
Gender und Bildung
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V146523
ISBN (eBook)
9783640567768
ISBN (Buch)
9783640567706
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender, Musik, Mainstream, Unterricht
Arbeit zitieren
Maria Jeß (Autor), 2009, Gender im Musikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146523

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