Blanche Stuart Scott - Die erste Amerikanerin, die ein Flugzeug flog


Fachbuch, 2010
16 Seiten

Leseprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Blanche Stuart Scott (1889-1970)

Foto: Reproduktion einer alten Aufnahme

Die erste Amerikanerin, die allein ein Flugzeug flog, war Blanche Stuart Scott (1889-1970), auch Betty Scott genannt. Ihr historischer Flug, der in die Annalen der Luftfahrt einging, dauerte allerdings nicht besonders lange und führte dementsprechend auch nicht sehr weit. Blanche hatte zuvor bereits als Autofahrerin in den USA für Schlag- zeilen gesorgt.

Blanche Stuart Scott wurde am 8. April 1889 in Rochester im Bundesstaat New York geboren. Ihr Vater John Scott stellte Medizin her und verkaufte sie. Ihre Mutter hieß Belle. Die ungestüme Blanche ging in Rochester zur Schule. Bereits im Alter von 13 Jahren fuhr sie mit einem Auto durch ihren Geburtsort und „terrorisierte“ dort die Straßen. Damals gab es noch kein Mindestalter für das Fahren eines Autos.

1910 wandelte die kleine, zarte und aparte Blanche Stuart Scott auf den Spuren von Alice Huyler Ramsey (1886-1983), die 1909 als erste Frau mit einem Auto durch die USA - von Mannhattan in New York City nach San Francisco (Kalifor- nien) - gefahren war. Blanche dagegen fuhr als erste Frau von New York City nach Los Angeles (Kalifornien) und erregte damit großes Aufsehen. Sie startete ihre „Fahrt von Küste zu Küste“ am 16. Mai 1910 und beendete sie am 23. Juli 1910. Ihr spektakulärer Trip wurde von der „Willys-Overland Company“ gesponsert. Das von Blanche gesteuerte Auto hieß „Lady Overland“.

Die Fahrtstrecke war mehr als 1.000 Meilen lang, weil Blanche Stuart Scott unterwegs viele Overland-Händler ansteuern musste. Es ging auch nicht besonders schnell voran, weil es zu jener Zeit außerhalb der Städte in den USA nur 218 Meilen gepflasterte Straßen gab. Über diese beschwerliche Autotour hat die mitfahrende Journalistin Gertrude Buffington Philipps fortlaufend berichtet.

Durch Zeitungsartikel über diese spektakuläre Autofahrt wurde Jerome Fanciulli, der Presseagent des 1909 gegründeten Luft- fahrtunternehmens „Herring-Curtiss Company“, auf Blanche Stuart Scott aufmerksam. Angeblich ließen ihn der große Werbeerfolg dieser Autofahrt und der enorme Anstieg der Verkaufszahlen für Automobile nicht ruhen. Fanciulli kam auf die Idee, der Unternehmer und Flugpionier Glenn Curtis (1878-1930) solle Blanche in Hammondsport (New York) das Fliegen beibringen, Danach könne sie als weiblicher Star des Curtiss-Werbe-Teams an Wettbewerben, Schau- und Werbe- flügen teilnehmen.

Blanche wurde nach ihrer Einwilligung die einzige Frau, die Curtiss jemals unterrichtete. Ihr Fluglehrer war anfangs nicht sehr begeistert davon, dass er eine Frau zur Fliegerin machen sollte. Denn er betrachtete das Fliegen als eine Sache für Männer. Zudem hatte er die Befürchtung, ein Absturz seiner Flugschülerin könnte dem Ruf seines jungen Unternehmens schaden. Um zu verhindern, dass ihr Flugzeug zu viel Fahrt aufnahm und abhob, klemmte er einen Holzklotz hinter das Gaspedal des Übungsflugzeuges.

Doch bei einer Flugstunde - vermutlich am 2. oder 6. Sep- tember oder erst Mitte Oktober 1910 - hob Blanche Stuart Scott in Hammondsport angeblich unabsichtlich zum ersten Mal mit ihrem Übungsflugzeug vom Boden ab. Sie hatte das Holzstück hinter dem Gaspedal entdeckt und entfernt und zudem war ihre Maschine von einer Windbö erfasst und angehoben worden. Blanche flog etwa vierzig Fuß (umge- rechnet etwa zwölf Meter) weit, bevor sie wieder sanft auf dem Boden landete. Dieser kurze Hopser machte sie - laut „Early Birds of Aviation“ - zur ersten Frau, die in den USA allein ein Flugzeug flog. Dagegen wird Bessica Medlar Rai- che (1875-1932) mit ihrem Flug vom 16. September 1910 von der „Aeronautical Society of Amerika“ als erste Frau bezeichnet, die in den Vereinigten Staaten ein Flugzeug flog. Ob tatsächlich Blanche Stuart Scott oder Bessica Raiche als erste Frau in den USA geflogen ist, darüber scheiden sich die Geister.

Blanche Stuart Scott wurde bald nach ihrem berühmten Hopser eine professionelle Pilotin. Einen Pilotenschein erwarb sie nicht, weil dies damals in den USA noch nicht zwingend vorgeschrieben war.

Am 24. Oktober 1910 feierte Blanche Stuart Scott bei einer Flugveranstaltung in Fort Wayne (Indiana) ihr Debüt als Mitglied des Curtiss-Flugteams. Die Auftritte dieses Teams in Großstädten der USA wurden mit Handzetteln angekün- digt, auf denen man „Jede Sekunde eine Attraktion“ ver- sprach.

Blanche war die erste Frau, die bei einer öffentlichen Ver- anstaltung mit einem Flugzeug geflogen ist. Bald war sie eine berühmte Stuntpilotin. Eine ihrer Spezialitäten waren so ge- nannte „Todesstürze“ aus 1.200 Meter Höhe bis etwa 60 Meter über dem Erdboden. Man gab der tollkühnen Fliegerin den Spitznamen „Tomboy of the Air“ („Wildfang der Lüfte“) oder „Wildkatze der Lüfte“. Zeitweise verdiente sie bis zu 5.000 Dollar pro Woche und erhielt zudem einen Anteil an den Eintrittsgeldern.

1911 wurde Blanche Stuart Scott die erste Frau in den USA, die eine Langstrecke von 60 Meilen nonstop flog. 1912 wurde sie die erste Testpilotin und flog Prototypen für Glenn Martin (1886-1955). 1913 wechselte sie zum „Ward exhibition team“.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Blanche Stuart Scott - Die erste Amerikanerin, die ein Flugzeug flog
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V146538
ISBN (eBook)
9783640573622
Dateigröße
706 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Blanche Stuart Scott, Fliegerin, Pilotin, Fliegerinnen, Pilotinnen, Fleigerei, Luftfahrt, Frauenbiografien, Biografien, Kurzbiografien, Ernst Probst
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2010, Blanche Stuart Scott - Die erste Amerikanerin, die ein Flugzeug flog, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146538

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