Kriegsberichterstattung in Bosnien 1992-1995

Das Beispiel Bugojno


Magisterarbeit, 2007

111 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Quellenlage und Probleme
1.2 Vorgehensweise

2 Bosnien-Herzegowina - Von den Anfängen bis zum Abkommen von Dayton
2.1 Titos Puffer-Republik
2.2 Probleme und Konfliktvoraussetzungen
2.2.1 Wirtschaft
2.2.2 Ethnische Verhältnisse
2.2.3 Zerfall der Einheitspartei
2.3 Kriegsverlauf
2.3.1 Serbische Übermacht
2.3.2 Krieg der Verbündeten
2.3.3 Die Folgen und das Abkommen von Dayton

3 Bugojno - Ein Überblick
3.1 Bevölkerung
3.2 Wirtschaft und Wohnen
3.3 Der Konflikt
3.3.1 Erste Phase
3.3.2 Zweite Phase
3.3.3 Dritte Phase

4 Kriegsberichterstattung
4.1 Kriegsberichterstattung allgemein
4.1.1 Die Tageszeitung Oslobođenje
4.1.2 Die Tageszeitung Slobodna Dalmacija
4.1.3 Weitere Medien in BiH

5. Die Berichterstattung aus Bugojno
5.1 Gemeinsame Sache
5.2 Kroatisch-muslimischer Krieg
5.2.1 Beruhigung
5.2.2 Der Jahreswechsel 1992/93
5.2.3 Über Gornji Vakuf nach Bugojno
5.2.4 Erneute Beruhigung
5.2.5 Erneute Vorwürfe
5.2.6 Anheizen
5.3 Offener Ausbruch
5.4 Die Eroberung oder der Fall Bugojnos
5.5 Abnahme der Intensität
5.6 Reduzierung der Berichterstattung
5.7 Kroatisch-muslimischer Frieden

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis
7.1. Quellen
7.2. Monographien
7.3. Aufsätze
7.4. Internet

1 Einleitung

Im Alter von zehn Jahren nahm mich mein Vater zur Seite. Er sagte, dass in dem Land, aus dem er stamme, nämlich Bosnien-Herzegowina, jetzt Krieg herrsche. Ich verstand nicht viel von dieser Aussage, für mich bedeutete es lediglich, dass wir den alljährlichen Sommerurlaub für lange Jahre dort nicht mehr verbringen konnten. Die wenigen Informationen, die ich in den Kriegsjahren über die Situation in Bosnien-Herzegowina, speziell über den Heimatort meiner Eltern, die Gemeinde Bugojno, erhalten hatte, waren Zeitungsartikel, Radio- oder Fernsehberichte deutscher Medien. Manches Mal kam auch ein Gerücht eines Verwandten oder Bekannten hinzu.

Heute, mehr als zehn Jahre nach Ende des Krieges, ist vieles über die Motive und Hintergründe des Konfliktes bekannt. Als ich begonnen hatte, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, stellte ich mir jedoch bald die Frage, wie wohl die Menschen in Bosnien-Herzegowina zur Zeit des Krieges über die Situation in ihrem Land informiert waren. Wussten sie über die genaue Lage Bescheid? Ging es ihnen so wie mir oder waren sie womöglich noch viel weniger informiert? Fragen, die so in der Literatur noch nicht beantwortet wurden.

Nun ist es sicherlich schwierig, diese Antworten für ganz Bosnien-Herzegowina zu finden und zu verallgemeinern. Folglich wählte ich mit der Gemeinde Bugojno einen Schwerpunkt, der mich persönlich betraf und auch am meisten interessierte. In dieser, zum größten Teil von Muslimen und Kroaten bewohnten Gemeinde, hatte ich als Kind von bosnisch-kroatischen Eltern die Sommerferien verbracht und dabei viele Freunde, sowohl Muslime als auch Kroaten, kennengelernt. Daher will ich zu Beginn betonen, dass diese Arbeit keine der beiden Seiten gleich welcher Hinsicht bevorzugen soll.

Bei näherer Betrachtung der Aufgabe wurde schnell klar, dass der Großteil der Informationen, die die Menschen hatten, über die Medien verbreitet wurde. Um die Situation in Bugojno näher zu beleuchten, wählte ich mit den Tageszeitungen Oslobođenje aus Sarajevo und Slobodna Dalmacija aus Split zwei Medien als Schwerpunkte der Betrachtung aus, die ihrer größten Zielgruppe, den Muslimen beziehungsweise den Kroaten, überregional zugänglich waren. Beide Nationalitäten stellten schließlich die Mehrheit in Bugojno und es ist offensichtlich, dass sich jede Nationalität in seinen führenden Leitmedien über die Situation informiert – soweit dies in einem Krieg überhaupt möglich ist.

Beide Blätter sollten mir ermöglichen, einen Einblick darüber zu bekommen, wie in den Jahren ab 1992 die Kriegsberichterstattung über Bugojno vonstatten ging, um daraus dann einen Vergleich anzustellen.

1.1 Quellenlage und Probleme

Bei meinem Aufenthalt in Bugojno, im Sommer des Jahres 2007 zeigte sich mir eine Gemeinde, die sich in einem Verdrängungsprozess befindet. Auf den Krieg angesprochen reagierten viele Menschen kurz angebunden, andere erklärten schlichtweg vergessen zu haben, was vorgefallen sei. Jedoch traf ich auch einige wenige Menschen, die sich sehr intensiv mit dem Thema befasst haben. Es gelang mir dadurch, in den Besitz einiger aufgenommener Mitschnitte von Radioberichten aus dieser Zeit zu gelangen.

Schriftliche Quellen wie Zeitungsberichte allerdings waren trotz intensiver Recherche in Bugojno nicht aufzutreiben. Die Bibliothek der Gemeinde präsentierte sich in einem katastrophalen Zustand. Neuere Monographien oder Aufsätze zum Thema suchte man hier ebenso vergeblich wie Zeitungsartikel aus der Zeit von 1992 bis 1995.

Besser ausgestattet waren das islamische Jugendzentrum der Stadt sowie der Kroatische Kulturverein „Fortschritt“ (Napredak). Allerdings wurde hier eine deutliche nationale Ausrichtung der vorhandenen Literatur und dadurch eine mangelnde Objektivität schnell ersichtlich. Das islamische Jugendzentrum führte nur Titel von muslimischen Autoren, der kroatische Verein stützte sich lediglich auf kroatische Autoren.

Auch der Besuch im Gemeindearchiv verlief enttäuschend. Es enthielt keine genaueren Informationen aus Kriegszeiten. Die Mitarbeiter verwiesen auf die Archive größerer Gemeinden wie Travnik oder Sarajevo.

Fündig wurde ich in der Redaktion von Oslobođenje in Sarajevo, die mir Zugang zum Archiv gewährte. Das Redaktionsarchiv war in Besitz nahezu aller Ausgaben von 1992 bis 1995. Dies sollte nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden, denn schließlich war Sarajevo eine der meist umkämpften Gemeinden in ganz Bosnien-Herzegowina. Das Redaktionsgebäude von Oslobođenje stand häufig durch Beschuss in Flammen. Dennoch gelang es der Redaktion, jeden Tag eine Ausgabe zu drucken und fast alle diese Ausgaben zu erhalten – wenn auch teilweise in sehr schlechtem Zustand.

Trotz mehrerer Telefonate und Anschreiben wurde mir der Zugang zum Redaktionsarchiv von Slobodna Dalmacija verwehrt. Allerdings fand ich die gesuchten Quellen in den Staatsbibliotheken von Split und Zagreb. Bereits beim ersten Betrachten der Blätter wurde deutlich, dass die kroatische Zeitung im Vergleich zu Oslobođenje über bessere Mittel der Berichterstattung verfügt haben muss: die Ausgaben waren umfangreicher, das Format einheitlich und teilweise wurden Seiten in Farbe gedruckt – etwas, das bei Oslobođenje in der Zeit von 1992 bis 1995 nie der Fall war.

1.2 Vorgehensweise

Unerlässlich für das Verständnis einer Arbeit wie dieser, ist eine Einordnung in den größeren Zusammenhang. Nur so kann die Problembetrachtung für den untersuchten Zeitraum gelingen. Daher wird zu Beginn der Arbeit zunächst einmal auf die Entstehung der Föderativen Republik Jugoslawien zurückgeblickt – denn hier liegt der Ursprung für den später entstandenen bewaffneten Konflikt in Bosnien-Herzegowina.

Was bezweckte das Staatsoberhaupt Josip Broz, genannt Tito, mit der Bildung einer föderativen Volksrepublik? Inwiefern gelang es ihm, die Rolle der Muslime in Jugoslawien zu stärken?

Besonders in Bosnien-Herzegowina stand die Nationalitätenfrage im Blickpunkt. Hier lebten mit Serben, Kroaten und Muslimen drei Völker auf engem Raum, was in der Vergangenheit bereits des Öfteren zu Konflikten geführt hatte[1]. Serben und Kroaten beanspruchten das Gebiet jeweils für sich, für viele von ihnen waren die Muslime nichts anderes als Christen, die während Herrschaft der Osmanen zum Islam konvertiert waren.

Tito gelang es bis zu seinem Tod im Jahre 1980 zwar, ein friedliches Zusammenleben der Völker untereinander zu garantieren, jedoch hatten sich in Bosnien-Herzegowina viele weitere Probleme angehäuft: Warum verlief die wirtschaftliche Entwicklung so schlecht? Wie sollte es nach Tito weitergehen? Zwar herrschte Frieden unter Serben, Muslimen und Kroaten – wie aber war die Stimmung in den jeweiligen Völkern wirklich?

Anschließend an diesen Punkt soll kurz der Zerfallsprozess der jugoslawischen Republik geschildert werden. Da es in dieser Arbeit ausschließlich um Bosnien-Herzegowina geht, wird die Situation in Slowenien und Kroatien, den beiden Teilrepubliken, die sich zuerst von Jugoslawien lossagten, zum größten Teil ausgeklammert.

Der Kriegsverlauf soll zunächst allgemein für ganz Bosnien-Herzegowina präsentiert werden und mit dem Abkommen von Dayton aus dem Jahre 1995 abgeschlossen werden. Noch vor dem Hauptteil der Arbeit, der Kriegsberichterstattung anhand des Beispiels der Gemeinde Bugojno, sollen einige grundlegende Informationen zu Bugojno geklärt werden. Wie war die Bevölkerungszusammensetzung vor dem Krieg und wie veränderte der Krieg das Gemeindebild? Hier wird sich zeigen, dass Kroaten und Muslime vor dem Konflikt nahezu in gleich großer Prozentzahl die Mehrheit in der Gemeinde stellten. Die Serben waren nur eine Minderheit.

Nach dem Krieg allerdings stellten die Muslime die große Mehrheit in Bugojno, Serben gab es fast keine mehr, die Kroaten wurden zu einer Minderheit. Um dies zu verstehen, wird der Krieg in Bugojno in drei Phasen vorgestellt. Bereits mehr als ein Jahr vor der Unterzeichnung des Dayton-Abkommens im Dezember 1995 gab es in Bugojno keine bewaffneten Konflikte mehr. Die Muslime hatten die Gemeinde unter ihre Kontrolle gebracht und in der Folge gelang es ihnen auch, die gegnerischen Armeen aus dem Gebiet um Bugojno zurückzudrängen.

Daher ist es einleuchtend, dass sich die Kriegsberichterstattung im Jahr 1995 kaum noch mit Bugojno befasste. Andere Gemeinden, in denen sich die Armeen heftige Kämpfe lieferten, standen im Vordergrund. Doch in den Jahren 1992 bis 1994 stand Bugojno des Öfteren im Rampenlicht der Medien. Diesen Zeitraum, besonders vom Monat Mai des Jahres 1992, in dem es wohl zum ersten Beschuss Bugojnos kam, bis Mitte des Jahres 1994, wo die Meldungen über Kämpfe in Bugojno aufhören, gilt es unter die Lupe zu nehmen.

Wie gehen die Medien mit dem Beginn des Konfliktes in Bugojno um? Die muslimische Armee war zu diesem Zeitpunkt schlecht aufgestellt. Dies spiegelt sich auch in der Berichterstattung von Oslobođenje wider. Das Blatt brachte erst spät Meldungen über die Situation in der Gemeinde, während kroatische Medien bereits ausführlich berichteten.

Bei weiterer Betrachtung lässt sich eine Art Bündnis von Kroaten und Muslimen nicht nur auf dem Kriegsfeld, sondern auch in den Medien erkennen. Doch wie änderte sich die Lage beim offenen Ausbruch des Konfliktes zwischen Kroaten und Muslimen? Hier liegt der Schwerpunkt der Betrachtung.

Zunächst entstand zwischen kroatischen und muslimischen Medien eine Distanz. Später wurden aus ehemaligen Verbündeten, die Bugojno gemeinsam verteidigten, Feinde. Dies lässt sich deutlich anhand des Sprachgebrauchs von Oslobođenje und Slobodna Dalmacija belegen. Dieser Prozess vollzog sich allerdings nicht, von heute auf morgen. Immer wieder kam es zur Beruhigungen der Situation, welcher dann wieder ein von beiden Seiten stattfindendes Anheizen folgte.

Hierzu sind viele Fragen zu stellen: Was wurde durch diese Art von Berichterstattung bezweckt? Inwieweit steckten die Führer der beiden Kriegspartein hinter der Kriegsberichterstattung? Wie kamen Oslobođenje und Slobodna Dalmacija zu ihren Informationen? Warum berichtete Slobodna Dalmacija in der entscheidenden Phase im Kampf um Bugojno sehr detailliert, Oslobođenje im Gegensatz dazu fast überhaupt nicht? Und: Treffen allgemeine Grundsätze der Kriegsberichterstattung, die in Kapitel 4 erläutert werden, auch auf die kroatischen und muslimischen Medien zu?

Abschließend soll auch noch ein Blick auf das Verhältnis und die Berichterstattung nach der Unterzeichnung des Washingtoner Abkommens im März 1994, das den kroatisch-muslimischen Krieg beendete und beide Seiten zu einer Föderation bewegte, geworfen werden.

2 Bosnien-Herzegowina - Von den Anfängen bis zum Abkommen von Dayton

Am 11. November 1945 wurde vom kommunistischen Partisanenführer Tito die „Föderative Volksrepublik Jugoslawien“ proklamiert. Bereits 1943 hatte Tito im Ort Jajce, rund 40 Kilometer nordwestlich von Bugojno, mit dem Antifaschistischen Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens gegenüber der königlichen Exilregierung in London eine Art Gegenregierung gebildet.

Am 30. Januar 1946 erhielt Jugoslawien eine neue, republikanische Verfassung. Danach gliederte sich der Bundesstaat Jugoslawien in sechs Teilrepubliken (Serbien, Kroatien, Makedonien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Slowenien) sowie die zwei autonomen Gebiete Vojvodina und Kosovo, die aber beide Serbien angegliedert wurden.[2] Tito wollte dadurch das für den Staat bedrohliche Nationalitätenproblem, was zuletzt im Zweiten Weltkrieg neu entflammt worden war, lösen. Ethnische, historische und vor allem nationalitätenpolitische Erwägungen spielten eine Rolle, denn zum einen sollten die nationalen Bestrebungen der nichtserbischen Völker befriedigt werden und zum anderen jeglichem Großserbismus der Boden entzogen werden.

Daher erhielten die Teilrepubliken – auch Bosnien-Herzegowina (im Folgenden BiH) – ein eigenes Parlament, eine eigene Verfassung und es stand ihnen sogar theoretisch das Recht auf Austritt aus dem Bund zu. In Wirklichkeit allerdings lagen alle Rechte bei der Zentralregierung in Belgrad und die tatsächliche Macht im Staat übte die „Kommunistische Partei Jugoslawiens“ (ab 1952 „Bund der Kommunisten Jugoslawiens“) unter Tito aus.[3]

2.1 Titos Puffer-Republik

BiH verstand Tito als Puffer zwischen den beiden seit dem 19. Jahrhundert rivalisierenden Serben und Kroaten. Selbst im Sozialismus war der Paternalismus Serbiens und Kroatiens zu den Konnationalen in BiH stets vorhanden – nach dem Zerfall Jugoslawiens sollten die Ansprüche erneut geltend gemacht werden.

Bereits auf dem ersten Parteikongress nach dem Krieg wurde beschlossen, dass BiH nicht zwischen Kroaten und Serben aufgeteilt werden konnte. Zum einen, weil die beiden Völker in ganz BiH vermischt lebten, und zum anderen weil es noch die Gruppe der Muslime gab. Karger spricht in Bezug auf die Verwobenheit der Völkersiedlungen von einem „Leopardenfell“.[4] Allerdings waren die Muslime in Jugoslawien noch keine anerkannte Nation.[5] Bei der Volkszählung 1948 konnten sie zwischen den Optionen „Serben muslimischer Konfession“ und „Kroaten muslimischer Konfession“ wählen oder sich schlicht einer Zuordnung enthalten. Während 778.000 Muslime sich für die dritte Option entschieden, sahen sich 25.000 als Kroaten und 72.000 als Serben. Ähnlich war auch der Ausgang der Volkszählung 1953 in BiH.[6]

Dennoch argumentierten kroatische und serbische Wissenschaftler immer wieder, dass die Muslime in BiH in Wahrheit Kroaten beziehungsweise Serben seien, die während der Türkenherrschaft zum Islam konvertierten[7] Dagegen hatten vor allem nationalbewusste Muslime die Auffassung, dass es ein autochthones Volk der Bošnjaken gibt, welches vorwiegend aus der von der christlichen und orthodoxen Kirche verachteten Religionsgemeinschaft der Bogumilen hervorgegangen war.[8]

1961 erhielten die Muslime in BiH erstmals die Möglichkeit, sich bei einer Volkszählung als „Muslime im ethnischen Sinne“ zu bekennen. Zwei Jahre später wurde ihr Status als staatstragendes Volk in der bosno-herzegowinischen Verfassung verankert.[9] In der Belgrader Politika konnte man zum Status BiHs folgendes lesen:

„Bosnien und Herzegowina ist weder ein serbischer noch ein kroatischer, noch ein Staat der Moslems, sondern ein Staat des serbischen, des kroatischen und des muslimischen Volkes sowie der Angehörigen anderer Völker und Nationalitäten, die auf dem Boden von Bosnien und Herzegowina leben.“[10]

Wie die anderen Teilrepubliken erhielt BiH in der neuen Verfassung von 1974 weitgreifende föderative Rechte. Dies war ein Eingeständnis Titos, denn der Parteiführer hatte zuvor Unabhängigkeitsbestrebungen, vor allem auf kroatischer Seite, im so genannten „Kroatischen Frühling“ 1971, noch rigoros bekämpfen lassen. In einem Rundschreiben vom 18. September 1972 erteilte Tito allen Eigenständigkeitsbestrebungen in den Teilrepubliken eine entschiedene Absage und verurteilte sie scharf. Die Armee sollte von nun an auch zur Verteidigung des Sozialismus dienen.

Mit der neuen Verfassung waren die Teilrepubliken weiterhin an Jugoslawien gebunden. Im Vergleich zu den vorher großteils mit Serben besetzten Spitzenämtern gab es nun aber kollektive Führungsgremien und paritätisch besetzte Bundes- und Parteiorgane. So wurde ein achtköpfiges Staatspräsidium geschaffen, dem jeweils ein Vertreter der sechs Republiken und der zwei autonomen Provinzen angehörten. Auch das 48-köpfige Parteipräsidium, an dessen Weisungen die einzelnen Parteiorganisationen in den Republiken und Provinzen gebunden waren, wurde paritätisch besetzt. In Bundesfragen besaßen die Teilrepubliken ein Vetorecht. Zudem wurden wichtige wirtschaftliche Kompetenzen an die Teilrepubliken übertragen, wobei der Zentralregierung letztlich nur noch Währungsfragen, die Steuerpolitik, der Außenhandel und die Strukturförderung blieben.[11]

Als Tito am 4. Mai 1980 starb, präsentierte sich BiH als eine Republik mit inzwischen drei, laut Verfassung, gleichberechtigten Völkern: Serben, Kroaten und Muslime. BiH hatte im Zuge der neuen Verfassung zusätzliche legislative und exekutive Kompetenzen sowie große wirtschaftliche Entscheidungsfreiheiten erhalten. Dennoch waren die Probleme der Vielvölkerrepublik nicht von der Hand zu weisen. So stellte Titos Stellvertreter Edvard Kardelj bereits im April 1972 fest:

„Bosnien und Herzegowina ist aufgrund seiner nationalen Struktur vielleicht die komplizierteste unter unseren Republiken, denn drei ihrer Völker, Serben, Muslime und Kroaten, sind territorial und wirtschaftlich untrennbar zu einem gemeinsamen Leben verbunden.“[12]

2.2 Probleme und Konfliktvoraussetzungen

Die Erklärungsmuster über die tieferen Konfliktursachen in BiH sind weitreichend. Huntington etwa bemüht das zivilisationstheoretische Erklärungsmuster, was kulturelle Unterschiede als Konfliktursache ausmacht.[13] Diesem Ansatz wird aber von vielen Wissenschaftlern widersprochen.[14]

Ein anderer Erklärungsansatz, der des ehemaligen slowenischen Staatspräsidenten Milan Kučan, spricht von machtpolitischer Interessenverfolgung undemokratischer nationalistischer Eliten als Grund für den Konflikt in BiH.[15] Im Folgenden soll in eigener Regie versucht werden, einige Faktoren für die Probleme und Konfliktvoraussetzungen – und den daraus hervorgehenden Krieg in BiH – aufzuzählen.

2.2.1 Wirtschaft

Von allen jugoslawischen Teilrepubliken hatte BiH im Zeitraum 1952 bis 1968 das schwächste Wirtschaftswachstum. Die Einnahmen der Regierung waren im Vergleich zu den anderen Republiken im Jahr 1967 um 38 Prozent geringer.[16] Malcolm macht für die wirtschaftliche Misslage die Zentralregierung in Belgrad verantwortlich, die seiner Sicht nach BiH einen geringeren Status als den anderen Teilrepubliken zuordnete.[17] Dabei vergisst Malcolm, dass BiH auch lange nach Ende des Zweiten Weltkriegs eines der rückständigsten Länder in Jugoslawien war. 1948 lag die Analphabetenrate noch bei 45 Prozent. Vom primären Sektor, allen voran der Landwirtschaft, lebten 72 Prozent der Bevölkerung.[18] Faktoren, die sich mit Sicherheit nicht von heute auf morgen ändern lassen.

Zudem muss erwähnt werden, dass ein großer Teil der Finanzmittel von BiH seit Mitte der 60er-Jahre aus dem Bundesetat[19] stammten. Vor allem der Ausbau der Schwer- und Rüstungsindustrie wurde gefördert. Außerdem machten Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt rund neun Prozent der öffentlichen Einnahmen aus.[20]

Noch 1990 erhielt BiH rund ein Fünftel der Gelder des jugoslawischen Entwicklungsfonds.[21] Das eigentliche Problem lag allerdings in der Einführung der Selbstverwaltung und der großzügigen Föderalisierung. Die Teilrepubliken entwickelten sich dadurch auseinander, statt einen gemeinsamen Kapital- und Warenmarkt aufzubauen. BiH beschränkte sich auf die kapitalintensive Rohstoffproduktion wie Kohle, Koks, Erdöl oder Elektroenergie, wohingegen industrielle Fertigwaren vorwiegend importiert wurden.[22]

Durch die Eigenständigkeit der Republiken kam es zu partiellen Preiskontrollen, selektivem Zollschutz und hohen Inflationsraten, was vor allem den rohstoffproduzierenden Republiken schadete.

Die bosnische Wirtschaft zeichnete sich zu Beginn der Auflösungsphase Jugoslawiens 1990 durch geringe Beschäftigung und Nachfrage, niedrige Einkommen und fehlende Investitionen aus. So erreichte zum Beispiel das Sozialprodukt pro Kopf nur 65 Prozent des jugoslawischen Mittelwertes.[23]

Die Talfahrt wurde 1992 aufgrund des Produktionsrückgangs und der wirtschaftlichen Isolation infolge des serbisch-kroatischen Krieges in Kroatien[24] noch beschleunigt. Allein im Januar 1992 stieg im Vergleich zum Vormonat die Inflationsrate um 31 Prozent, die Arbeitslosenquote lag bei 30 Prozent. Die Sarajevoer Tageszeitung Oslobođenje resümierte um die Jahreswende 1991/1992: „Der Hunger ist nunmehr bei uns eingezogen“.[25]

2.2.2 Ethnische Verhältnisse

Zu den Beziehungen zwischen den drei Nationen während des Kommunismus ist nur bedingt eine Aussage möglich. Nur wenige Studien liegen für die Zeit zwischen 1945 und 1990 über diesen Sachverhalt vor. Sprachlich bildeten die drei Volksgruppen jedenfalls eine Einheit. Zwar existieren dialektale Differenzen, jedoch sind diese lediglich räumlich bedingt.[26] Im zentralbosnisch gelegenen Bugojno, mit mehr als hundert Kilometern Entfernung zu den Grenzen Kroatiens und Serbiens, bedeutet dies folgerichtig, dass sich Serben, Kroaten und Muslime erst recht nicht sprachlich unterscheiden lassen.

Dagegen ist die Religionszugehörigkeit ein deutliches Differenzierungsmerkmal. So gehören die Serben der griechisch-orthodoxen Kirche und die Kroaten der römisch-katholischen Kirche an, während sich die bosnischen Muslime zum Islam bekennen. Allerdings schien Religion und Nation für die Bewohner BiHs bis in die achtziger Jahre hinein keine allzu große Rolle gespielt zu haben. Das von den Kommunisten propagierte Ideal bratstvo i jedinstvo (Brüderlichkeit und Einheit) schien aufzugehen.

Viele Bewohner BiHs verwendeten häufiger Merkmale wie Beruf, Bildung oder Schichtzugehörigkeit statt der Religions- oder Nationszugehörigkeit, waren eher Akademiker und Angestellte als Muslime oder Serben.[27] Durch die gemischte Siedlungsstruktur waren Parallelen in Kultur und Beziehungen zu anderen Nationalitäten gängig. Viele Bewohner hatten Verwandte, die der anderen Nation und Religion zugeordnet wurden. Noch 1991, elf Jahre nach Titos Tod, stammte in BiH fast jedes fünfte Kind aus einer Mischehe.[28]

Jedoch ist zu dieser Zeit schon eine deutliche Veränderung des Denkens zu beobachten. Zwar gehörte die religiöse Toleranz zu den Traditionen BiHs, doch in Krisenzeiten brachen die gegeneinander laufenden Strömungen immer wieder auf. Dies war nicht nur im Zweiten Weltkrieg so: Bereits 1920 schrieb der spätere Literatur-Nobelpreisträger Ivo Andrić: „In Sarajevo schlugen aus Intoleranz nicht einmal die Uhren der vier Glaubensgemeinschaften zur gleichen Zeit.“[29] Während der Tito-Zeit konnte der innere Frieden gewahrt werden, doch schon damals gab es Berichte über Unzufriedenheit.

So schildert Ramet, dass sich im Jahre 1971 ein kroatisches Blatt über die Stellenbesetzung in Ministerien, bei Medienanstalten und Gerichten in BiH beschwerte. Die Kroaten, die zu diesem Zeitpunkt 20 Prozent der Bevölkerung BiHs[30] stellten, seien demnach völlig unterrepräsentiert. Der serbische Schriftsteller Josip Potkozovac stellte bereits zwei Jahre zuvor die Behauptung auf, dass die Einwohner BiHs und auch Dalmatiens in Wirklichkeit Serben seien.[31]

Die Krise in den achtziger Jahren basierte vor allem auf der wirtschaftlichen Lage mit ihrer steigenden Inflation, drastisch sinkendem Lebensstandard. Verteilungskonflikte und die aufkommenden nationalistischen Strömungen stellten die Legitimität des ausgefeilten Modells ethnischer Repräsentation permanent in Frage. Nie war der Nationalismus und der Föderalismus in Titos Jugoslawien wirklich ausgesöhnt worden. „Mit Titos Tod […] und einer zunehmend ungleichen wirtschaftlichen Entwicklung machten sich die zentrifugalen Strömungen immer deutlicher bemerkbar.“[32]

Die Tito-Nachfolge war nicht geregelt. Es gab niemanden mit genügend Einfluss auf alle Bevölkerungsgruppen, der den separatistischen Tendenzen hätte entgegentreten können. Ob des Streites um innere Reformen im wirtschaftlichen und politischen System wurde die jugoslawische Regierung ohne die Autorität Tito Ende der 80er-Jahre handlungsunfähig.

2.2.3 Zerfall der Einheitspartei

In aller Kürze sollen hier noch die grundlegenden Ereignisse in den anderen Teilrepubliken erwähnt werden, bevor auf die Ereignisse in BiH ab 1990 eingegangen werden soll.

Im Kosovo war es ein Jahr nach Titos Tod zu größeren Unruhen gekommen. Die dort ansässigen Albaner forderten 1981 eine den anderen gleichberechtigte Teilrepublik. In Serbien wurde am 24. September 1986 im Massenblatt Večernje Novosti ein von serbischen Intellektuellen verfasstes Memorandum publik, in dem die Verfasser die Diskriminierung des serbischen Volkes vor allem durch Kroaten und Slowenen im Jugoslawien der Nachkriegszeit anklagten. Auch die benachteiligte Stellung der Serben im Kosovo wurde beklagt.[33]

Zwei Jahre später wurde Slobodan Milošević Präsident der Teilrepublik Serbien, was zunächst zu einer Verschärfung der innenpolitischen Situation in Serbien führte. Aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise forderten Slowenien und Kroatien immer lauter eine Reform des politischen Systems. Die jugoslawischen Republiken wurden zu abgeschotteten, geschlossenen Systemen.[34] Der Zerfallsprozess Jugoslawiens mündete im Januar 1990 im Zerfall der kommunistischen Einheitspartei. In Slowenien, Kroatien und BiH wurden Mehrparteien-Wahlen ausgeschrieben.[35]

Noch vor dem Krieg in Kroatien, der in dieser Arbeit zum größten Teil ausgeklammert werden soll, bildete sich in BiH mit Einführung des Mehrparteiensystems eine national geprägte politische Landschaft mit drei großen Parteien. Bei den ersten freien Wahlen in BiH am 18. November und am 2. Dezember 1990 hatten sich mit der muslimischen Partei der Demokratischen Aktion (SDA), der Partei der Serben (Srpska Demokratska Stranka, SDS) und die der bosnischen Kroaten (Hrvatska Demokratska Zajednica, HDZ) nationalistische Kräfte durchgesetzt.

Die SDS unter der Führung von Radovan Karadžić gab als Ziel aus, alle von Serben bewohnten Gebiete in einem neuen Staatsgebilde zu vereinigen. Für die HDZ galt es, die kroatischen Siedlungen in BiH an Kroatien anzuschließen. Serben und Kroaten verstanden sich als Einwohner BiHs und als Angehörige der jeweiligen Kulturnation. Der muslimische Nationalismus basierte auf vier Forderungen: die vollständige Gleichberechtigung der Muslime in BiH, Anerkennung der Schriftsprache und Literatur, eine politische Aufwertung der muslimischen Nation in der Teilrepublik sowie die Überwindung der sozioökonomischen Benachteiligung der Republik im Staatsverband Jugoslawiens.[36]

In einem Interview mit der bosnischen Tageszeitung Oslobođenje erklärte der spätere Präsident BiHs, der Muslim Alija Izetbegović, dass „es nicht möglich ist, aus BiH einen Nationalstaat zu machen. Sollen Serbien und Kroatien diesen Weg gehen, wir haben dies nicht vor“. In einem Staat mit Serben und Kroaten sei das islamische System als einziges nicht vorstellbar.[37]

Die Wahlergebnisse spiegelten nahezu exakt die Bevölkerungsstruktur BiHs wider. Die SDA erhielt 86, SDS 70 und die HDZ 45 Sitze im neuen Parlament. Die ethnische Zusammensetzung 1991 war folgende: Muslime 43,7 Prozent Serben 31,4 Prozent, Kroaten 17,3 Prozent, Jugoslawen 5,5 Prozent.[38] Izetbegović übernahm für die SDA das Amt des Präsidenten, Parlamentspräsident wurde der Serbe Momčilo Krajišnik, Ministerpräsident der Kroate Jure Pelivan.[39]

Kurz nach dem Regierungsantritt zitiert das serbische Blatt Borba Izetbegović mit dem Worten: „Der Erhalt Jugoslawiens ist unter objektiver Betrachtung noch möglich.“[40] Drei Tage später spricht er im regierungsnahen Oslobođenje darüber, dass „Jugoslawien nicht unsere Liebe ist“. Zudem stellt Izetbegović den Bürgern in Aussicht, selbst über die Zukunft BiHs entscheiden zu dürfen.[41]

Die trinationale bosnische Regierungskoalition hielt nicht lange. Als im Sommer 1991 mit den Unabhängigkeitserklärungen von Kroatien und Slowenien Jugoslawien zerfiel, und es zu den ersten Kampfhandlungen der dortigen Militär-Einheiten mit der jugoslawischen Volksarmee kam, wurden in mehreren der jugoslawischen Teilregionen Unabhängigkeitsbestrebungen laut, so auch in Bosnien-Herzegowina.

Dort kam es am 15. Oktober 1991 zur Unabhängigkeitserklärung, am 29. Februar und 1. März 1992 kam es dann zu einem Referendum, in dem sich die bosnischen Muslime und Kroaten für ein unabhängiges BiH aussprachen – hauptsächlich aus Angst, langfristig von einem großserbisch dominierten Restjugoslawien vernachlässigt und absorbiert zu werden. 99,43 Prozent stimmten für die Souveränität. Die meisten Serben forderten einen Verbleib BiHs in der jugoslawischen Föderation. Sie boykottierten daher die Volksabstimmung. Die Unruhe im Land eskalierte.

Die Serben reagierten mit einem Referendum für den Verbleib BiHs in einem erneuerten Jugoslawien und proklamierten am 7. April 1992, zwei Tage nachdem BiH von der Europäischen Gemeinschaft und den USA anerkannt worden war, die eigene Republika Srpska mit der Hauptstadt Banja Luka.[42] In der Folge versuchten zunächst die bosnischen Serben, später auch die bosnischen Kroaten möglichst große Landesteile unter ihre Gewalt zu bringen und sie dem jeweiligen Mutterland einzuverleiben. Es herrschte Krieg in BiH.

2.3 Kriegsverlauf

Das Kriegsgeschehen zwischen 1992 und 1995 war äußerst unübersichtlich, da es im Verlauf des Krieges zu Konflikten und neuen Strategien zwischen den drei Parteien kam. Daher soll hier nur eine knappe Übersicht über den Ablauf vom Beginn der Kämpfe bis zum Friedensabkommen von Dayton, bevor dann detailliert auf die Situation in Bugojno eingegangen werden soll.

2.3.1 Serbische Übermacht

Zu Beginn der Anfeindungen kurze Zeit nach der Anerkennung BiH durch die internationale Staatengemeinschaft – das genaue Datum des Kriegsbeginn ist nach wie vor umstritten – kämpften zunächst serbische gegen kroatische und muslimische Truppen. Die Armee der serbischen Republik BiH konnte aufgrund der guten Verbindungen zur Jugoslawischen Volksarmee (JVA), die in BiH mit 100.000 Mann stationiert war, weite Teile BiHs kontrollierten, darunter besonders Gebiete mit serbischer Majorität wie die Regionen um Banja Luka im Norden und der Ostherzegowina. Bei dem Rückzug der JVA aus Bosnien im Mai 1992 wurden die Waffenbestände größtenteils zurückgelassen und den Serben übergeben. Teile der JVA gingen auch in der serbischen Armee auf. Laut Ćalić besaß die serbische Armee im April 1994 eine Stärke von rund 100.000 Mann.[43]

Die muslimischen Streitkräfte, bestehend aus Freischärlerverbänden, Polizeireservisten sowie der ehemaligen bosnischen Territorialverteidigung wurden erst im Mai zur Regierungsarmee (Armija Republike BiH) zusammengefasst, die rund 50.000 Mann stark war. Die Kroaten vereinigten sich im April 1992 mit rund 40.000 Kämpfern zum Hrvatsko Vijeće Obrane (HVO / Kroatischer Verteidigungsrat).[44] Dazu kamen noch rund 20.000 Soldaten von der Kroatischen Armee (HV), die zum Einsatz in der Westherzegowina abkommandiert wurden.[45]

Mithilfe ihrer militärischen Übermacht und der noch unorganisierten Streitkräfte der Kroaten und Muslime konnten die Serben Anfang Juni des Jahres 1992 60 Prozent des bosnischen Territoriums unter ihre Kontrolle bringen. Ihr Ziel war es, 66 Prozent des gesamten bosnischen Gebietes zu erobern und dieses als serbische Zone zu erklären.[46]

Bereits im Sommer 1991 erklärte Vuk Drašković, der damalige Vorsitzende der Serbischen Erneuerungsbewegung SPO, in einem Interview, dass diese Ziele nur durch ein „unvorstellbares Gemetzel“ erreicht werden könnten.[47] Dabei stellten die Serben laut Volkszählung 1991 nur 31 Prozent der Bevölkerung BiHs. Die Muslime waren mit 44 Prozent die größte Volksgruppe, die Kroaten stellten 17 Prozent.[48]

Aus einer Statistik von Vego geht hervor, dass die serbische Bevölkerung vor Kriegsausbruch im Vergleich zu den anderen Gruppen im Besitz von deutlich mehr Waffen war. 1991 hatten 131.900 Serben 157.200 Waffen angemeldet. Im Vergleich dazu waren 92.500 Muslime mit 110.400 Waffen ausgerüstet und 43.000 Kroaten hatten 51.800 Waffen. Doch es wird vermutet, dass der wirkliche Waffenbesitz in der Bevölkerung um ein Dreichfaches höher lag.[49] Die Unterlegenheit der Muslime und Kroaten gegenüber den Serben wurde noch durch einen Konflikt zwischen den beiden einstigen Verbündeten verschärft.

2.3.2 Krieg der Verbündeten

Die anfängliche kroatisch-muslimische Solidarität gegen den gemeinsamen Feind Serbien verfiel im Verlauf des Krieges immer mehr der Verfolgung eigener nationalistischer Interessen. Seit Oktober 1992[50] fanden zunehmend Kämpfe zwischen den formal Verbündeten statt.[51] Dabei wurde vor allem um Zentralbosnien und die Region um Mostar gekämpft. Mostar war von den Kroaten zur Hauptstadt der proklamierten autonomen Region Herceg-Bosna erklärt worden. Ziel der Kriegsparteien war es, so viel Land wie möglich zu erobern, um auf den seit September parallel laufenden Genfer Friedensverhandlungen eine günstigere Verhandlungsposition für spätere Gebietsaufteilungen zu erzielen.

Jedoch scheiterten die Gespräche in Genf. Die Anfeindungen verschärften sich 1993, es kam im unübersichtlichen Kriegsgeschehen zwischen allen drei Parteien zu Massenmorden, Vergewaltigungen, Errichtungen von Konzentrationslagern und so genannten „ethnischen Säuberungen“. Diese sind laut den Vereinten Nationen definiert als „absichtsvolle Politik, die von einer ethnischen oder religiösen Gruppe verfolgt wird, um die Zivilbevölkerung einer anderen ethnischen oder religiösen Gruppe durch gewaltsame und terroristische Mittel aus bestimmten geographischen Gebieten zu entfernen“.[52]

Am 18. März 1994 konnte unter Regie der USA zwischen Kroaten und Muslimen das so genannte Washingtoner Abkommen geschlossen werden. Darin wurde neben der Bildung einer muslimisch-kroatischen Föderation in BiH auch das Ende der Kampfhandlungen zwischen den beiden Parteien vereinbart.[53] Beide Seiten wollten von nun an gemeinsam gegen die serbischen Kräfte auftreten. Bis zum Ende des Krieges sollte es noch länger als ein Jahr dauern.

2.3.3 Die Folgen und das Abkommen von Dayton

Die Kämpfe zwischen den Föderationspartnern und den Serben konzentrierten sich in den Jahren 1994 und 1995 vor allem in den Städten Bihać, Sarajevo, Goražde und Srebrenica, wo es unter Augen von UN-Soldaten im Juli 1995 zu von Serben verübten Gräueltaten an rund 8000 muslimischen Männern kam. Erst die Beschießung serbischer Stützpunkte durch NATO-Truppen[54], die Einnahme der serbischen Region Krajina in Kroatien während der Militäroperation Oluja[55] im August 1995 und der zunehmende Druck der Föderation auf die serbischen Stellungen und damit verbundene Gebietsverluste brachten beide Seiten wieder an den Verhandlungstisch.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren in BiH zwischen 100.000 und 200.000 Menschen ums Leben gekommen[56] und bis zu 175.000 Menschen wurden verletzt. Die Wirtschaft kam praktisch zum Erliegen, schon im August 1994 erreichte die ohnehin schon schwache Produktion nur fünf bis zehn Prozent des Vorkriegsniveaus. Die Kriegsschäden wurden von der bosnischen Regierung auf 50 bis 70 Millionen US-Dollar beziffert, die Weltbank sprach dagegen von lediglich bis zu 20 Millionen US-Dollar.[57] Nach Angaben der Belgrader Tageszeitung Borba mussten die Serben dabei die geringsten Kriegszerstörungen hinnehmen.[58]

Die Gespräche der drei Staatspräsidenten Izetbegović, Milošević und Franjo Tuđman (Kroatien) in Dayton (US-Bundesstaat Ohio) endeten am 14. Dezember 1995 mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages. Laut diesem bleibt BiH als Zentralstaat erhalten, wird jedoch aufgeteilt in die Föderation BiH (51 Prozent der Fläche) und die Republika Srpska (49 Prozent, siehe Abbildung 1).

Das Gebiet der Föderation unterteilt sich in fünf muslimische, drei kroatische und zwei gemischte Kantone. Der Distrikt Brčko hat seit 1999 den Status eines beiden Entitäten zugehörigen Kondominiums mit eigenen Institutionen und Kompetenzen, da in den Verhandlungen keine Einigung über diesen Teil erzielt werden konnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Aufteilung BiHs nach dem Vertrag von Dayton. Quelle: www.ohr.int

Außerdem wurde im Abkommen eine internationale, militärische und zivile Kontrolle des Landes beschlossen. Alle Seiten verpflichteten sich, ihre Armeen binnen 30 Tagen zurückzuziehen und sämtliche Kriegsgefangene freizulassen. Allen Vertriebenen wurde das Recht auf Rückkehr in ihre Heimatorte gewährt.[59]

Jedoch gestaltet sich die Umsetzung des Vertrages bis heute noch sehr schwierig. Die Rückkehr der Flüchtlinge kommt nur langsam voran, was später anhand des Beispiels von Bugojno belegt werden soll.

Nach einem Bericht des United States Institute of Peace ist die Zentralregierung zu schwach, um wirkliche Fortschritte im Land zu erzielen. Zuviel Macht liege bei den in den Verhandlungen geschaffenen Entitäts-Parlamenten.[60] Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) spricht sogar davon, dass mit dem Vertrag von Dayton „die Ergebnisse von Genozid, ethnischer Säuberung und Massenvertreibungen (...) de facto zementiert“ wurden.[61] Sogar US-Vermittler Richard Holbrooke, „Architekt“ des Abkommens, hat inzwischen eingeräumt, dass es ein großer Fehler gewesen sei, damals einer serbischen Teilrepublik zuzustimmen.[62]

Die Wirtschaft leidet bis heute. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, vor allem bei den Jugendlichen. Im Jahr 1991 betrug das Bruttoinlandsprodukt noch 2.500 Dollar (pro Einwohner), 2005 war es laut Weltbank nur 1.530 Dollar. Das bosnische Bruttoinlandsprodukt macht nur 88 Prozent des albanischen aus oder sechs Prozent des deutschen. BiH ist damit der mit Abstand rückständigste Staat unter allen postkommunistischen Ländern Ost- und Südosteuropas.

Über genaue Opferzahlen der jeweiligen Volksgruppen in BiH gibt es sehr unterschiedliche Angaben. Ziel dieser Arbeit soll es nicht sein, diese Zahlen genau zu untersuchen. Ein Blick in die internationale Berichterstattung wird belegen, dass im Bezug auf den Konflikt in BiH häufig die Muslime als Opfer und die Serben als Aggressor beschrieben werden. Die Kroaten sind zumeinst in der Rolle zwischen Opfer und Aggressor.[63]

In der groben Gesamtbetrachtung mag dies sicherlich zutreffen, man denke nur an die Leiden der muslimischen Bevölkerung in Srebrenica oder Sarajevo. Allerdings ist diese Einteilung zu allgemein gefasst. Im Folgenden soll anhand der Gemeinde Bugojno in Zentralbosnien dargelegt werden, wie die Situation in einer Stadt war, die von muslimischen Streitkräften erobert wurde und aus der die serbische Bevölkerung, in der Zeit des muslimisch-kroatischen Konflikts allerdings vor allem die kroatische Bevölkerung vertrieben wurde.

3 Bugojno - Ein Überblick

Die Gemeinde Bugojno gehört nach dem Abkommen von Dayton zum zentralbosnischen Kanton. Sie liegt umgeben von den Gebirgen Rudina und Kalin rund 130 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt von BiH, Sarajevo, und umfasst auf einer Gesamtfläche von 361 Quadratkilometern 78 Ortschaften. Der Fluss Vrbas durchfließt die Gemeinde von Norden nach Süden. Hauptverkehrsstraßen Bugojnos sind die Magistralstraße M16-2, die nach Gornji Vakuf und weiter Richtung Mostar verläuft sowie die Magistralstraße M16, die von Donji Vakuf über Bugojno nach Kupres und dann Richtung Split, Kroatien, verläuft.[64]

3.1 Bevölkerung

Die Bevölkerungsverteilung in der Gemeinde spiegelt sich wie folgt wider:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Državna zavoda za statistiku Republike Hrvatske, Stanovništvo Bosne i Herzegovine, Zagreb 1995.

Die Übersicht zeigt den Zuwachs der Bevölkerung im Zeitraum 1971 bis 1991. Alle Volksgruppen haben einen Gewinn zu verzeichnen. Den größten Teil stellen in allen drei Zählungen die Muslime mit knapp mehr als 40 Prozent, dicht gefolgt von den Kroaten. Einen deutlich geringen Anteil stellen die Serben sowie die weiteren Gruppen wie Juden oder Roma.

1997 zeigt sich ein völlig verändertes Bild: Nach Angaben des Arbeitsstabes des Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Flüchtlingsrückkehr und rückkehrbegleitenden Wiederaufbau in BiH lebten nach Kriegsende in Bugojno 31.074 Menschen. 28.474 somit 91,6 Prozent davon waren Muslime. Die Serben stellten mit 400 Einwohnern nur noch 1,3 Prozent der Bevölkerung, die Kroaten waren mit 7,1 Prozent (2000 Einwohnern) vertreten.[65] Innerhalb von sechs Jahren hat sich die Bevölkerung in Bugojno um rund 15.000 Personen verringert.

Der Krieg führte außerdem zu einer kompletten Umgestaltung der ethnischen Bevölkerungsverteilung. Serben gab es in der Gemeinde nahezu keine mehr und von den Kroaten, einst mit den Muslimen die stärkste Gruppe, wurden mehr als 14.000 Einwohner vertrieben. Für den 31. Dezember 2006 bezifferte das Statistische Amt der Föderation BiH die Einwohnerzahl Bugojnos auf 37.468, eine Unterscheidung nach ethnischen Gruppen wurde aber nicht vorgenommen.[66]

3.2 Wirtschaft und Wohnen

Vor dem Krieg zeichnete sich die Wirtschaft Bugojnos durch munitions-, metall- und textilverarbeitende Industrie aus. Die Kriegshandlungen wirkten sich auf die gesamte Gemeinde aus. Die Industrie- und Dienstleistungs-Aufträge gingen deutlich zurück, die Löhne halbierten sich. Vor dem Krieg verzeichnete Bugojno 12.434 Beschäftigte, nach dem Konflikt waren es noch 2.387.[67] Zehn Jahre nach dem Krieg hat sich Bugojno noch immer nicht vollständig erholt, Ende 2005 betrug die Anzahl Beschäftigter in der Gemeinde 3.805.[68]

„Der Krieg 1992 bis 1995 hat neben der großen Anzahl der Getöteten und Invaliden, der unvorstellbaren Zerstörungen, dem Verfall der Wirtschaft und der Infrastruktur diese Stadt völlig zerstört.“[69]

Die Zerstörung der Wohngebäude hielt sich nach Auskünften der Gemeinde, in der nach dem Krieg mit großer Mehrheit muslimische Bürger tätig waren, in Grenzen. Rund 20 Prozent der 11.350 Wohngebäude wurden beschädigt, ein Viertel völlig zerstört. Dagegen spricht die kroatisch-dominierte Kantonsverwaltung von Livno, eine Stadt 65 Kilometer südwestlich von Bugojno, die im Krieg viele kroatische Flüchtlinge aufgenommen hat, davon, dass es vor Kriegsausbruch rund 4.000 kroatische Häuser in Bugojno gab, von denen nur 800 unversehrt blieben. Die Kantonsregierung in Livno wirft den Muslimen vor, allein 2.400 Häuser nach Ende des Krieges zerstört zu haben. Dadurch sollte eine Rückkehr der kroatischen Flüchtlinge verhindert werden.[70]

Tatsächlich scheint der Gemeindeführung daran gelegen zu haben. Aus einem Bericht der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen aus dem November 1996 geht hervor, dass die Führung sich in Sachen Flüchtlingsrückkehr extrem unkooperativ zeigte. Zudem seien Kroaten nicht in der Lage gewesen, ihren Vorkriegsbesitz wieder zu erlangen. Bereits seit April 1996 wurden der Gemeindeführung Bugojnos, an der Spitze der muslimische Bürgermeister Dževad Mlaćo, wegen der Diskriminierungen alle nicht-humanitären Hilfsmittel verweigert.[71]

Auch das Helsinki Komitee für Menschenrechte in BiH stellte bei einem Besuch in der Stadt fest, dass die Vereinbarungen, die im Dayton-Abkommen getroffen wurden, nicht eingehalten werden, und die Autoritäten eine Rückkehr von Flüchtlingen blockieren. Die Situation der rund 2000 Kroaten und 300 Serben in der Gemeinde sei äußerst schwierig. Beobachter haben mehrere Menschenrechtsverletzungen festgestellt – darunter illegale Vertreibungen, Zerstörung von Eigentum, Bedrohungen, und in einem Fall einen Angriff eines Polizisten – bei denen die lokalen Autoritäten es versäumten, Ermittlungen einzuleiten oder Präventionen zu schaffen.[72]

[...]


[1] Zu nennen ist hier z.B. die Besetzung Bosnien-Herzegowinas durch die Osmanen 1463 oder die Konflikte zwischen Partisanen, kroatischen Faschisten und serbischen Četniks im Zweiten Weltkrieg.

[2] Größl, W.-R.: 1945: Föderalismus als Lösung der Nationalitätenfrage?. In: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Deutschland&Europa, Reihe für Politik, Geschichte, Deutsch, Geografie, Kunst, Der Balkan. Heft 49, 2005, S. 48-50.

[3] Stiglmayer, A.: Das Ende Jugoslawiens. In: Informationen zur politischen Bildung aktuell, Bonn 1992, S. 10.

[4] Karger, A.: Das Leopardenfell. Zur regionalen Verteilung der Ethnien in Bosnien-Herzegowina. In: Osteuropa 42, 1992, 12, S. 1102-1111.

[5] Vgl. Höpken, W.: Die jugoslawischen Kommunisten und die bosnischen Muslime. In: Kappler, A. / Simon, G. / Brunner, G. (Hrsg.): Die Muslime in der Sowjetunion und in Jugoslawien, Köln 1989, S. 181–210, hier S. 194.

[6] Ebd., S. 195.; Enciklopedija Jugoslavije, Band 2, Zagreb 1982. Insgesamt bezeichneten sich 31,3 Prozent der Gesamtbevölkerung als Muslime, 44,4 Prozent als Serben und 23 ,0 Prozent als Kroaten.

[7] Džaja, S. M.: Die „Bosnische Kirche“ und das Islamisierungsproblem Bosniens und der Herzegowina in der Forschungen nach dem Zweiten Weltkrieg, München 1978.

[8] Ebd.: Konfessionalität und Nationalität Bosniens und der Herzegowina, München 1982.

[9] Höpken, S. 196f.

[10] Politika, 5.Oktober 1971.

[11] Stiglmayer, S. 12.

[12] Borba, 20. April 1972.

[13] Huntington, S. P.: The Clash of Civilisations and the Remaking of World Order, New York 1996.

[14] Vgl. u.a. Hösch, E.: Kulturgrenzen in Südosteuropa. In: Südosteuropa – Zeitschrift für Gegenwartsforschung, 47. Jahrgang, 12/1998, S. 601-623; Hösch baut hier die These der kulturellen Gemeinsamkeit auf. Südosteuropa sei demnach ein Raum mit eigener kultureller Qualität und könne nicht generalisiert werden.

[15] Das Parlament, 5. Februar 1999

[16] Rusinov, D.: The Yugoslav Experiment 1948-1974, London 1977, S. 99f.

[17] Vgl. Malcolm, N.: Povjest Bosne – Kratki pregled. Zagreb 1995, S. 270f.

[18] Materijalni i društveni razvoj Socijalističke Republike Bosne i Hercegovine 1947-1984, Sarajevo 1984.

[19] Die jugoslawische Finanzpolitik basierte auf dem Modell des Lastenausgleichs. So steuerten wirtschaftlich reichere Länder wie Slowienen und Kroatien finanzielle Hilfe für ärmere Republiken bei. Auf Dauer führte dies bei den wirtschaftlich erfolgreicheren Ländern zu Unzufriedenheit über das Staatenmodell.

[20] Eger, T.: Das regionale Entwicklungsgefälle in Jugoslawien. Paderborn 1980, S. 225ff.

[21] Statistični godišnjak Jugoslavije 38 (1991), S. 501.

[22] Djeković, L.: Der kurze Atem der Selbstverwaltung. Eine Volkswirtschaft zwischen Dauerkrise und gescheiterten Reformen. In: Furkes/Schlarp: Jugoslawien: Ein Staat zerfällt, Hamburg 1991, S. 134-164.

[23] Ćalić, M. J.: Der Krieg in Bosnien-Hercegovina: Ursachen, Konfliktstrukturen, internationale Lösungsversuche, 2. Auflage, Frankfurt am Main 1995, S. 61.

[24] Beide Länder stoppten die Nahrungsmittelausfuhr nach Bosnien, um den eigenen Markt zu sichern und Reexporte über BiH in die jeweils verfeindete Republik zu verhindern.

[25] Zitiert nach Ćalić, Der Krieg in Bosnien-Hercegovina, S. 63.

[26] Vgl. Rammelmeyer, A.: Sprachen und Literaturen in Jugoslawien. In: Ludat, H. (Hrsg.): Jugoslawien zwischen West und Ost, Gießen 1961, S. 57-59.

[27] Ćalić, S. 34.

[28] Bogosavjelić, S.: Bosna i Hercegovina izmedju rata i mira, Belgrad 1992, S. 40.

[29] Zitiert nach: Ćelić, P.: Ekumenizam i vjerska tolerancija u Jugoslaviji, Belgrad 1988, S. 162.; mit der vierten Glaubensgemeinschaft ist das Judentum gemeint.

[30] Nach der Volkszählung 1971 hatte BiH 3.746.320 Einwohner, 20,62 Prozent davon waren Kroaten, 37,19 Prozent Serben, 39,57 Prozent Muslime und 2.62 Prozent gehörten anderen Volksgruppen an.

[31] Vgl. Ramet, S. P.: Nationalism and Federalism in Yugoslavia. 1962-1991, Bloomington. 1992, S. 105, 124f.

[32] Gasteyger, C.: Europa von der Spaltung zur Einigung. Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 369. Bonn 2001, S. 437.

[33] Silber, L., Little, A.: Bruderkrieg: Der Kampf um Titos Erbe, Graz, Wien, Köln 1995, S. 16f.

[34] Vgl. Beham, M.: Kriegstrommeln – Medien, Krieg und Politik, München 1996, S. 197.

[35] Vgl. Hösch, E.: Geschichte der Balkanländer – Von der Frühzeit bis zur Gegenwart, 3. erweiterte Auflage, München 1995, S. 340ff.

[36] Ćalić ,Der Krieg in Bosnien-Hercegovina, S. 72-75.

[37] Oslobođenje, 28. September 1990.

[38] Vgl. Südosteuropa 42 (1993) I, S. 79.

[39] Silber/Little, S. 251.

[40] Borba, 8. Februar 1991.

[41] Oslobođenje, 11. Februar.1991.

[42] Hösch, S. 349.

[43] Ćalić, M.J.: Der Krieg in Bosnien-Hercegovina, S. 97.

[44] Ebd.: Der jugoslawische Nachfolgekrieg 1991-1995. In: Keßelring, A. (Hrsg.): Wegweiser zur Geschichte, Bosnien-Herzegowina. Paderborn, München, Zürich, Wien 2005, S. 109-118, hier S. 115.

[45] Vego, M.:The Croatian Forces in Bosnia and Hercegovina. In: Jane's Intelligence Review 5 (1993), S. 99-103.

[46] Rathfelder, E.: Sarajewo und danach. Sechs Jahre Reporter im ehemaligen Jugoslawien, München 1998, S. 70.

[47] Krstulović, B.: Worum geht es im Sommer 1991? Interview mit Vuk Drašković, S. 25-28. In: Meličić, D.: Das Wort im Krieg: ein bosnisch-kroatisches Lesebuch, Frankfurt am Main 1995. Drašković hat seine geäußerten Ansichten inzwischen geändert und ist heute ein konsequenter Verfechter der Friedenspolitk.

[48] Angaben vom Amt für Statikstik der Föderation von BiH. Siehe: http://www.fzs.ba/Dem/Popis/NacStanB.htm; Stand: 3. November 2007.

[49] Vego, M.: The Army of Bosnia and Herzegovina. In: Jane's Intelligence Review 5 (1993), S. 63-67, hier S. 63.

[50] Am 25. Oktober 1992 kam es in der zentralbosnischen Stadt Prozor zu schweren Gefechten zwischen HVO und der A RBiH.

[51] Koslowski, G.: Die Nato und der Krieg in Bosnien-Herzegowina: Deutschland, Frankreich und die USA im internationalen Krisenmanagement, Vierow bei Greifswald 1995, Seite 22f.

[52] Final Report of the Commission of Experts established pursuant to SCR 780 (1992), S/1994/674, 27th May 1994, S. 33.

[53] Kind, C.: Krieg auf dem Balkan, Der jugoslawische Bruderstreit: Geschichte, Hintergründe, Motive, Paderborn, 1994, S. 163.

[54] Dabei wurden über 3.000 Lufteinsätze auf strategische Ziele in ganz Bosnien geflogen. Zudem wurde der Einsatz einer 10.000 Mann starken Schnellen Eingreiftruppe beschlossen, die einen effektiven Schutz der UN-Truppen und ihres Einsatzes ermöglichen sollte.

[55] Dabei brachte die kroatische Armee die nicht anerkannte Republik Serbische Krajina, die ein Drittel Kroatiens ausmachte, unter ihre Kontrolle und beendete damit den Kroatien-Krieg.

[56] Die Angaben variieren stark. So spricht die bosnische Regierung von rund 200.000 Toten, während der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) von 102.000 Opfern ausgeht, siehe bei: Tabeau, E., Bijak, J.: War-related Deaths in the 1992–1995 Armed Conflicts in Bosnia and Herzegovina: A Critique of Previous Estimates and Recent Results. In: European Journal of Population/ Revue europenne de Demographie, Volume 21, Nummer 2-3, Juni 2005 , S. 187-215. Und: Norwegian News Agency, Death toll in Bosnian war was 102,000, 21.Januar 2004.

[57] Ćalić, Der jugoslawische Nachfolgekrieg 1991-1995, S. 117.

[58] Borba, 12. Januar 1993.

[59] The Dayton Peace Accords (1995), Text of documents related to the Dayton Peace Agreement which was initialed at Wright-Patterson Air Force Base in Dayton, Ohio on November 21, 1995 and signed in Paris on December 14, 1995. http://www.state.gov/www/regions/eur/bosnia/bosagree.html (3. November 2007.)

[60] Hays, Don/Crosby, Jason (2006): From Dayton to Brussels: Constitutional Preparations for Bosnia's EU Accession, United States Institute of Peace, Washington, Special Report No. 175.

[61] Rundbrief der Gesellschaft für bedrohte Völker, http://www.gfbv-muenster.de/main/rundbriefe/2006/Maerz2006.pdf (3. November 2007.)

[62] Die Tageszeitung, 24.November 2005.

[63] Neu, A. S.: Die Jugoslawien-Kriegsberichterstattung der Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ein Vergleich, Baden-Baden 2004, S. 175f.

[64] Strukar, M.: Bugojno. In: Bošnjačka Zajednica Kulture Preporod „BiH“, Općinstvo Društvo Bugojno (Hrsg.): Godišnjak 2004, Bugojno 2004, S. 31-35, hier S. 31.

[65] Cimic-Verband (Hrsg.): Bericht für die Flüchtlingsrückkehr, Opština 63 (109 neu) Bugojno, Stand 1998, Rajlovac 1998.

[66] Federacija Bosne i Herzegovine Federalni Zavod za Statistiku: Mjesečni statistički pregled F BiH 2/07, Procjena broja stanovnika Federacije BiH, stanje 31.12.2006, S. 3.

[67] Cimic-Verband (Hrsg.): Bericht für die Flüchtlingsrückkehr, S. 8.

[68] Federacija Bosne i Herzegovine Federalni Zavod za Statistiku: Statistični godišnjak/ljetopis 2006, S. 447.

[69] Strukar, S. 32.

[70] Cimic-Verband, S. 5.

[71] Office of the United Nations High Commissioner for Human Rights, Situation of Human Rights in the Territory of the Former Yugoslavia, Genf 1997.

[72] Office of the High Representative (im Folgenden OHR), Human Rights Report 25-31 May 97, Protection of Minorities.

Ende der Leseprobe aus 111 Seiten

Details

Titel
Kriegsberichterstattung in Bosnien 1992-1995
Untertitel
Das Beispiel Bugojno
Hochschule
Universität Hamburg  (Departement Geschichtswissenschaft)
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
111
Katalognummer
V146550
ISBN (eBook)
9783640584543
ISBN (Buch)
9783640584550
Dateigröße
2128 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bosnienkrieg, Bosnien, Bugojno, Kriegsberichterstattung, Bosnien-Herzegowina
Arbeit zitieren
Pavo Prskalo (Autor), 2007, Kriegsberichterstattung in Bosnien 1992-1995, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146550

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