Diese Bachelorarbeit beleuchtet die oft übersehene Belagerung und Bombardierung Dresdens im Juli 1760 und ihre Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Durch die Analyse von Augenzeugenberichten und historischen Quellen wird die Tragödie dieser Ereignisse aufgedeckt und das Erbe dieser Zeit reflektiert. Besondere Aufmerksamkeit wird den unschuldigen Opfern gewidmet, deren Zahl und Schicksal bislang nicht ausreichend untersucht wurden. Die Diskussion um die historische Genauigkeit der Opferzahlen sowie die Herausforderungen der Binnenmigration und Lebensmittelknappheit werden ebenfalls thematisiert. Durch die Untersuchung der vorhandenen Literatur und Quellen wird ein umfassenderes Verständnis für die Ereignisse geschaffen und die Bedeutung des Gedenkens an diese vergessene Tragödie betont.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Krieg als „ewige Geißel der Menschheit“
2. Österreichischer Erbfolgekrieg und die drei Schlesischen Kriege
3. Ursachen für die Belagerung und die ganz gezielte Bombardierung Dresdens
4. Zerstörung Dresdens im Juli 1760
4.1 Verlauf des Bombardements anhand des Diariums Maguires
4.2 Persönliche Schilderung von Eindrücken aus Sicht von zwei Augenzeugen
4.3 Hinweise auf mediale Berichterstattung
5. Dimensionen des Ausmaßes der Belagerung und des Beschusses der Stadt
5.1 Zerstörung von Gebäuden und finanzielle Verluste
5.2 Flucht
5.3 Hungersnot
5.4 Plünderungen
5.5 Verwundete und Tote (unter Einbeziehung von Kirchenbüchern)
5.5.1 Betroffene Zivilisten
5.5.2 Opfer beim Militär
5.6 Krankheiten und psychische Belastungen
5.7 Einschränkungen des religiösen Lebens
5.8 Veränderungen des sozialen Status
6. Maßnahmen nach der Bombardierung zur Linderung der Not
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen der preußischen Belagerung und Bombardierung Dresdens im Sommer 1760 auf die Stadtbevölkerung sowie die Stadt selbst. Ein zentrales Ziel ist dabei die fundierte Ermittlung der Opferzahlen unter den Zivilisten durch den Vergleich verschiedener Primärquellen, insbesondere des Diariums von Maguire, Kirchenbüchern und kirchlicher Wochenzettel, um bisherige unkonkrete Angaben in der Literatur zu präzisieren und eine historisch belastbare Grundlage zu schaffen.
- Historischer Kontext des Siebenjährigen Krieges
- Ursachen und Motive der Bombardierung Dresdens
- Alltagssituation und Lebensbedingungen der Zivilbevölkerung unter Beschuss
- Sozialgeschichtliche Auswirkungen und Veränderungen des sozialen Status der Betroffenen
- Kritische Analyse der zeitgenössischen Berichterstattung und Propaganda
Auszug aus dem Buch
1. Der Krieg als „ewige Geißel der Menschheit“
Kriegerische Konflikte prägen das Bild der Geschichte und verlieren bis heute nicht an Aktualität. Die jüngsten Ereignisse in der Ukraine zeigen, dass gar nicht so weit von uns entfernt, bewaffnete Überfälle, Belagerungen von Städten sowie Artillerie- und Raketenbeschuss auf die Zivilbevölkerung stattfinden. Das Bild des Krieges hat sich im Laufe der Zeit verändert und die Waffensysteme wurden stetig moderner und effizienter, „[d]ennoch ist einiges immer gleichgeblieben, denn diejenigen, die zur Gewalt Zuflucht nahmen, haben sich immer wieder hinter moralischen, religiösen oder rechtlichen Kriegsbegründungen versteckt, um die riesigen Leiden der Völker zu rechtfertigen.“1 Auch die sächsische Landeshauptstadt Dresden wurde in der Vergangenheit mehrfach durch kriegerische Auseinandersetzungen in Mitleidenschaft gezogen. Einen Fixpunkt zum Gedenken an ein tragisches Ereignisstellt die Dresdner Frauenkirche dar, welche im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Dabei überdecken die grausamsten Erinnerungstage der Bombardierung vom 13. bis 15. Februar 1945 mit den insgesamt vier Luftangriffen ein anderes historisches Ereignis in der Stadt Dresden.2 Dieses brutale Szenario spielte sich im Juli 1760 ab, wobei der Höhepunkt am 19. Juli zu datieren ist.3 An einer Hauswand „An der Frauenkirche 1“ kann man einen Hinweis dazu entdecken. Auf einer angebrachten Original Sandsteintafel ist Folgendes zu lesen:
Es brach der Bomben Schlag zwar vierundsiebzig Stuffen, Doch unter bänglichen und glaubensvollen Ruffen, Bewahrte Gottes Huld, durch seine Gnadenhand, So Haus, als Volck und Gut für Einsturz, Tod und Brand, Hat sich denn Gott zu uns so gnädig wollen neigen, So soll auch unser Danck zu seinem Thron aufsteigen. den 19. Juli. Anno 1760.
Das hierbei benannte anonyme Gebäude wurde vermutlich im Zuge des Bombardements zwar durch Geschosse beschädigt, doch Gott bewahrte demnach das Haus vor Einsturz, das Volk vor Tod und das Gut vor Brand. Somit blieb das Haus verschont, da es dem „Geschosshagel“ der preußischen Artillerie standhalten konnte. Diese Tafel ist heute das einzige originale Steindenkmal im Stadtgebiet, welche uns auf die Ereignisse im Juli 1760 aufmerksam macht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Krieg als „ewige Geißel der Menschheit“: Einleitung in die Thematik kriegerischer Konflikte unter Einbeziehung des historischen Ereignisses der Bombardierung Dresdens im Jahr 1760.
2. Österreichischer Erbfolgekrieg und die drei Schlesischen Kriege: Darstellung der machtpolitischen Hintergründe und Ursachen für die Spannungen zwischen Preußen, Österreich und Sachsen.
3. Ursachen für die Belagerung und die ganz gezielte Bombardierung Dresdens: Analyse der weitreichenden strategischen Motive Friedrichs II. sowie der persönlichen Rivalität zum Premierminister Graf von Brühl als Auslöser für den Angriff.
4. Zerstörung Dresdens im Juli 1760: Dokumentation des militärischen Verlaufs der Belagerung unter Verwendung zeitgenössischer Augenzeugenberichte und Tagebücher.
5. Dimensionen des Ausmaßes der Belagerung und des Beschusses der Stadt: Umfassende Untersuchung der Auswirkungen wie Gebäudeschäden, Fluchtbewegungen, Hungersnot, Plünderungen, Opferzahlen und der psychischen Belastung der Zivilbevölkerung.
6. Maßnahmen nach der Bombardierung zur Linderung der Not: Übersicht zu den staatlichen und kirchlichen Versuchen, die Zerstörungen und sozialen Folgen nach der Belagerung zu bewältigen.
7. Resümee: Zusammenführende Betrachtung der Forschungsergebnisse zur Bombardierung und ihren tiefgreifenden Folgen für die Stadt Dresden.
Schlüsselwörter
Dresden, Siebenjähriger Krieg, Bombardierung, Juli 1760, Belagerung, Friedrich II., Graf von Brühl, Zivilbevölkerung, Opferzahlen, Kirchenbücher, Zeitzeugen, Sozialgeschichte, Zerstörung, Propaganda, Militärgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verheerende Bombardierung Dresdens durch preußische Truppen im Juli 1760 und untersucht deren vielfältige Auswirkungen auf die Stadt und ihre Bevölkerung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernbereichen zählen die politischen Ursachen des Konflikts, der detaillierte Verlauf der militärischen Belagerung, die sozialen Leiden der Bevölkerung sowie die kritische Aufarbeitung zeitgenössischer Quellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel der Arbeit ist es, die tatsächliche Anzahl der zivilen Opfer durch eine akribische Auswertung archivarischer Quellen wie Kirchenbücher und Listen des Stadtrates zu objektivieren und die bisher verbreiteten, ungenauen Schätzungen zu korrigieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine auf Quellenkritik basierende historische Analyse, bei der Primärquellen wie das Diarium des Stadtkommandanten Maguire mit kirchlichen Aufzeichnungen abgeglichen werden, um die Ereignisse zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die militärische Chronologie, die detaillierte Bestandsaufnahme der zerstörten Infrastruktur und die Analyse der Lebensbedingungen der Bevölkerung, inklusive Flucht, Hunger und Plünderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wir Dresden, Siebenjähriger Krieg, Zivilbevölkerung, Opferzahlen und Quellenkritik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich diese Arbeit zu den bisherigen Schätzungen der Opferzahlen?
Während die bisherige Literatur oft mit vagen Begriffen wie „viele“ operierte, gelingt es dieser Arbeit, durch die namentliche Auswertung von 59 bzw. 68 ermittelten Opfern eine quantifizierbare und wissenschaftlich fundierte Basis zu schaffen.
Was war die Rolle der Propaganda in den zeitgenössischen Berichten?
Die Untersuchung macht deutlich, dass sowohl preußische als auch österreichisch-sächsische Seiten die Berichterstattung über die Bombardierung gezielt für ihre jeweiligen Ziele instrumentalisierten, indem sie Erfolge hervorhoben und das eigene Scheitern oder Fehlverhalten verschleierten.
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- Jessica Furche (Author), 2023, Das vergessene Inferno. Die Belagerung und Bombardierung Dresdens im Sommer 1760, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1465963