Portraitmalerei Tizians "Karl V. im Lehnstuhl" und Francois Boucher "Madame de Pompadour"


Referat (Ausarbeitung), 2010

16 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Das Portrait
2.1. Formen des Portraits
2.2. Aufgabe des Portraits
2.3. Das Herrscherbildnis/ Repräsentationsbild
3. Tizian und das Portrait
3.1. Tizian und Kaiser Karl V.
3.2. Bildbeschreibung „Karl V. im Lehnstuhl“

4. Francois Boucher und das Portrait
4.1. Madame de Pompadour
4.2. Bildbeschreibung „Madame de Pompadour“

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungen

1. Einführung

Ziel dieser Hausarbeit ist es, die charakteristischen Eigenschaften der Portraitmalerei und den Wandel dieser Bildgattung anhand zweier Beispiele aufzuzeigen. Hierzu werde ich zu Beginn einen kurzen Überblick über den Bildtypus „Portrait“ geben. Dieser Überblick ist als Grundlage gemeint, und soll dem Verständnis der darauf folgenden beiden Beispiele dienen.

Im Haptteil soll der venezianische Renaissance-Künstler Tizian, seine Malweise im Portrait und das Gemälde „Karl V. im Lehnstuhl“ genauer betrachtet werden.

Als zweites Beispiel dient dann Francois Boucher und sein Portrait der Madame de Pompadour aus dem Jahre 1756.

Zum Schluss wird ein Vergleich beider Werke in einem Fazit bemüht.

2. Das Portrait

Die Gattung des Portraits ist bereits mehrere Tausend Jahre alt. Aus dem alten Ägypten sind uns figürliche Darstellungen mit individuellen Zügen der Portraitierten aus dem 3. Jahrtausend vor Christus erhalten geblieben. Auch in der griechischen Antike wurden Kunstwerke mit portraitähnlichem Charakter geschaffen – portraitähnlich, weil die Darstellung von Kopf und Körper dem damaligen Wunschbild entsprechend idealisiert wurde; hier fehlt uns also der individuelle Zug des Portraitierten.[1]

In Europa tritt die Gattung des Portraits erstmals wieder im 14. Jahrhundert, in der Spätgotik, auf. Zu dieser Zeit wird der Darstellung des Kopfes als Träger charakteristischer Wesenszüge des oder der Abgebildeten erstmals besondere Aufmerksamkeit beigemessen. In den Kunstwerken aus vorangegangenen Jahrhunderten, die eine Person separat und wesenhaft wiedergeben sollen, lassen sich an Stelle der individuellen Gesichtszüge repräsentative Beigaben, wie z.B. Standesabzeichen oder die symbolhafte Darstellung der Herkunftsstadt wiederfinden. Diese Beigaben übernehmen hier die Funktion des individuellen Wiedererkennungswertes.

Obwohl die Gattung des Portraits in Europa seit dem 14. Jahrhundert wieder bekannt ist, kann sie sich doch erst in der Renaissance wirklich etablieren. Als Wegbereiter des Erfolgs des Portraits ist hier besonders Albrecht Dürer zu nennen, dem dann Leonardo da Vinci, Raffael und Tizian, auf den im weiteren verlauf dieser Hausarbeit noch näher eingegangen werden soll, folgen.

2.1. Formen des Portraits

Je nachdem, wie viele Personen im Bildnis dargestellt werden, wird das Portrait in „Einzelportrait“, „Doppelportrait“, „Dreifachportrait“ oder „Gruppenportrait“ unterschieden.

Eine weitere Unterteilung erfolgt gemäß dem gewählten Ausschnitt der Darstellung. So zeigt ein „Kopfbild“ lediglich die Darstellung des Kopfes samt Hals ohne weitere Abbildung des Oberkörpers.Beim „Schulterstück“ wird die Schulterpartie des Dargestellten miteinbezogen, während das „Bruststück“ bereits große Abschnitte des Rumpfes mit Schultern und Armabschnitten bietet. Die „Halbfigur“ bildet den gesamten Oberkörper bis zur Taille ab, ebenso die meist angewinkelten Arme und die Hände des Portraitierten. Das „Hüftbild“ zeigt den Oberkörper bis zum Schritt, während das „Kniestück“ den Dargestellten, sitzend oder stehend, schon bis zum Knie aufweist. Die vollständige Abbildung einer Person oder Figur wird als „Ganzfigur“ bezeichnet, wobei der Portraitierte hier ebenfalls entweder stehend oder sitzend dargestellt wird.

Weiterhin wird das Portrait nach dem Grad der Drehung des Kopfes unterschieden. Hierbei gibt es die Vorderansicht des Gesichtes, sozusagen die Darstellung „en face“, während das Halbprofil ein halb von der Seite gemaltes Portrait zeigt. Bei einem Dreiviertelprofil ist eine Kopfseite voll zu sehen, und die andere nur in starker Verkürzung. Ein Profil hingegen zeigt ein zur Seite gedrehtes Gesicht.[2],[3],[4]

2.2 Aufgabe des Portraits

Die Hauptaufgabe des Portraits besteht darin, das Wesen des Portraitierten zum Ausdruck zu bringen, indem es die charakteristischen Züge des Dargestellten zeigt. Es ist die bildhafte Vertretung des Nicht-Anwesenden. Sein Andenken soll erhalten bleiben und somit sowohl die räumliche als auch zeitlich Distanz überbrücken, die zwischen dem Akt des Portraitieren und der Betrachtung des Portraits liegt.[5] Da Portraits anfänglich nur von sehr mächtigen Figuren der Geschichte angefertigt wurden, haftet dem Portrait vor allem auch ein machtpolitischer Zug an. Auch das Umfeld, in dem der Portraitierte dargestellt ist, wirkt als Botschaft für den Betrachter; es ist ein Moment „intentionaler Setzung“ ein „komponiertes Beiwerk“, welches dem Beobachter etwas über die Interessen, Willenshaltungen und Wertvorstellungen mitteilen möchte.[6]

In der Renaissance ist die Kunst des Portraits zu ihrer höchsten, naturalistischsten Form herausgearbeitet worden; den Künstlern gelang es erstmals den Portraits die Bedeutung von Charakterbildern zu verleihen.[7]

Ab dem 17. Jahrhundert wächst dann die Bedeutung der Auftragsmalerei, besonders in der Gattung des Portraits, welches dann in besonderem Maße für die Standesrepräsentation funktionalisiert wird.

2.3 Das Herrscherbildnis/ Repräsentationsbild

Neben der charakteristischen Darstellung des Portraitierten, kommt dem Herrscherbildnis eine weitere Funktion zu. Hier soll die genaue Zugehörigkeit des Abgebildeten zu einer Dynastie festgestellt werden; im Bilde werden die bestehenden Macht- und Besitzansprüche optisch geregelt.

Im Herrscher- oder Repräsentationsbildnis lassen sich dafür in der Regel die spezifischen „Attribute des Standesgemäßen“ ausmachen. Dies wäre z.B ein klarer, symmetrischer Bildaufbau, der die Würde und Hoheit der gezeigten Figur wiederspiegelt. Die standesgemäße Erscheinung des Dargestellten drückt sich in der kostbaren Kleidung aus, ebenso wie kostbarer Schmuck auf Reichtum oder auch Familientraditionen verweist. Im Portrait lassen sich zudem in den meisten Fällen architektonische Würdemotive, wie Pilaster oder Säulen finden; sie belegen die edle Herkunft und den Kulturbesitz. Auch eine offene Landschaft im Hintergrund ist typisch für ein Herrscher- oder Repräsentationsbildnis. Sie soll Beweis sein für den edlen Charakter und die Weltoffenheit des Dargestellten. In vielen repräsentativen Portraits lässt sich außerdem noch ein in lateinischer Sprache verfasster Vers finden, der auf die gute Bildung hinweist.

[...]


[1] Http://de.wikipedia.org/wiki/Port%C3%A4t

[2] Klára Garas „Italian Renaissance Portraits“ S. 5-7

[3] Norbert Schneider „Portraitmalerei“, S. 8

[4] Http://de.wikipedia.org/wiki/Portr%C3%A4t

[5] Ebenda, S. 26

[6] Ebenda, S. 22

[7] Klára Garas „Italian Renaissance Portraits“, S. 8

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Portraitmalerei Tizians "Karl V. im Lehnstuhl" und Francois Boucher "Madame de Pompadour"
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Exkursion
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V146609
ISBN (eBook)
9783640583898
ISBN (Buch)
9783640583713
Dateigröße
810 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Portraitmalerei, Tizians, Karl, Lehnstuhl, Francois, Boucher, Madame, Pomadour
Arbeit zitieren
Christl Hinte (Autor), 2010, Portraitmalerei Tizians "Karl V. im Lehnstuhl" und Francois Boucher "Madame de Pompadour", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146609

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