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68er als sprachhistorisches Ereignis

Die Sprache der 68er

Title: 68er als sprachhistorisches Ereignis

Seminar Paper , 2007 , 17 Pages , Grade: gut

Autor:in: Sylvia Meier (Author)

German Studies - Linguistics
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Die 68er- ein grosser Begriff. Doch was sind sie denn nun wirklich, diese ominösen 68er- Jahre? Ein
fernes Zeitalter? Für mich sind sie jedenfalls nicht ganz greifbar, wenn auch legendär und irgendwie
mythologisiert. Kraushaar beschäftigt sich ebenfalls mit dieser Frage und kommt dabei zur Annahme,
dass die 68er bei vielen Jüngeren wohl Unverständnis, gar Ärgernis auslöse oder zumindest auf
Desinteresse stosse. Trotzdem sei es kein fernes Zeitalter, da noch „zuviel von dem lebendig“ sei,
„was eine junge Generation vor drei Jahrzehnten auf die Straßen getrieben“ habe. Kraushaar (2000:
7) Es ist nicht zuletzt die Fülle an Literatur, die unterschtreicht, dass dieses Zeitalter eine Zäsur, einen
wichtigen, bewegenden Einschnitt in der Geschichte der BRD darstellt. Zweifelsohne sprechen wir
von einem historischen Ereignis. Die Revolten dieser jungen, neuen Generation, die die Gesellschaft
ihrer Zeit hinterfragt, sind uns bekannt. Doch was mich nun interessiert, ist, wie sie sich artikuliert,
wie sie ihre Sprache einsetzt, um ihre Bedürfnisse wirksam auszudrücken. Die 68er- sind sie auch in
sprachhistorischer Hinsicht ein Ereignis? Fungiert die Sprache gewissermassen als Spiegel der
gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen, die sich in der BRD um 1968 zutragen? Welche
Wirkungskraft erzielt sie tatsächlich auf politischem Gebiet? Welchem Vokabular bedient sie sich und
welche linguistischen Formen machen ihr Wesen aus? Wer ist für ihre Konstituierung verantwortlich
und bemächtigt sich ihrer? Welche Ziele werden mit Hilfe der Sprache angestrebt und werden sie
auch erreicht? Wie wird dabei auf den neuen Sprachgebrauch reagiert – und dies sowohl von Seiten
der politischen Gegenparteien wie auch der Bevölkerung?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

2.1 Die politischen Verhältnisse in der BRD um 1968

2.2 Studentenbewegung/ -revolte (Gesellschaftskritik)

3. Die Sprache der 68er

3.1 Die Sprache der APO

3.1.1 Sprachkritik

3.2 Die Sprache der SPD

3.2.1 Kampf um Wörter

3.2.2 Hochwertvokabeln

4. Kritische Betrachtung der „linken Sprache“

4.1 Sprachherrschaft

4.2 Diskrepanz zwischen Sprache und Realität

5. Zusammenfassung und Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die 68er-Bewegung als sprachhistorisches Ereignis, um zu analysieren, wie die Sprache dieser Generation als Spiegel politischer Umwälzungen fungierte und wie sich diese sprachlich in ihrem gesellschaftlichen Umfeld artikulierte.

  • Historischer Kontext der BRD um 1968
  • Linguistische Analyse der Sprache von APO und SPD
  • Die Funktion von Sprache als Macht- und Kampfinstrument
  • Kritische Reflexion der "linken Sprache" und ihrer Wirkung
  • Verhältnis zwischen politischem Vokabular und gesellschaftlicher Realität

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Sprachkritik

Die Studentenbewegung ist unglücklich über die herrschende Selbstzufriedenheit der Wirtschaftswunder-Republik und die „Nazi – Vergangenheit ihrer Elterngeneration“. (vgl. Stötzel 2002: 385) Durch das Heranziehen der oben erwähnten Kritischen Theorie und Marcuse‘ Sprachkritik als Herrschaftskritik gelingt es ihnen, der bestehenden Gesellschaft ein Gegenmodell entgegenzusetzen. Folgende Argumentationen werden der APO gewissermassen als Muster und später als Legitimation für ihren neuen Sprachgebrauch verwendet.

Herbert Marcuse: Aus „Versuch über die Befreiung“, 1984: Politische Linguistik ist [...] eine der wirksamsten ‚Geheimwaffen‘ von Herrschaft und Verleumdung. Die herrschende Sprache von Gesetz und Ordnung, die von Gerichtshöfen und Polizei für gültig erklärt werden, ist nicht nur die Stimme, sondern auch die Tat der Unterdrückung. Die Sprache definiert und verdammt den Feind nicht nur, sie erzeugt ihn auch; und dieses Erzeugnis stellt den Feind nicht wirklich dar, wie er ist, sondern viel mehr, wie er sein muß, um seine Funktion für das Establishment zu erfüllen. (Marcuse 1984: 302)

Damit hält Marcuse dazu an, die „Geheimwaffe“, also die politische Sprache, den Herrschenden zu entziehen, um den Feind, der unterdrückt und verdammt, zukünftig selbst „erzeugen“ zu können. Doch wie soll es der APO gelingen, gegen die „Herrschende“ (CDU) vorzugehen? Marcuse schlägt vor, die politische Herrschaft unter „Ideologieverdacht“ (Bergsdorf 1983: 238) zu stellen. Ein negatives Begriffsfeld soll die Herrschaft denunzieren, sie in ihrer schlechten Herrschaftsweise entblössen, kritisieren. Denunzierendes, negatives Begriffsfeld: Herrschaft, Establishment, Unterdrückung, Polizei, Ordnung, Repression, Entfremdung, Struktur, Frustration usw. ... (Vgl. Bergsdorf 1983: 238)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Interesse an der Sprache der 68er als Spiegelbild historischer Umbrüche und formuliert die Leitfrage nach der Konzeption und dem Dialog dieser Sprache im gesellschaftlichen Kontext.

2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel skizziert die politischen Rahmenbedingungen der BRD um 1968, einschließlich der Studentenbewegung und deren Intentionen, um ein Verständnis für die soziopolitische Basis der Sprache zu schaffen.

3. Die Sprache der 68er: Der Hauptteil untersucht die linguistischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Sprachgebrauch von APO und SPD sowie die strategische Nutzung von Begriffen zur politischen Abgrenzung.

4. Kritische Betrachtung der „linken Sprache“: Hier wird der Sprachgebrauch kritisch hinterfragt, wobei Aspekte der Sprachherrschaft sowie das Spannungsfeld zwischen ideologischem Anspruch und tatsächlicher Realität thematisiert werden.

5. Zusammenfassung und Schlusswort: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der linguistischen Untersuchung und bestätigt die Bedeutung der „linken Sprache“ als eloquentes, wenn auch spannungsreiches Instrument der politischen Auseinandersetzung.

Schlüsselwörter

68er-Bewegung, Sprachkritik, APO, SPD, politische Sprache, Ideologie, Herrschaftskritik, Wortkampf, Hochwertvokabeln, gesellschaftliche Transformation, Diskurs, Semantik, Sprachherrschaft, Studentenrevolte, Begriffsbildung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der 68er-Bewegung als einem prägenden sprachhistorischen Ereignis und untersucht, wie politische Akteure dieser Zeit Sprache als Instrument zur gesellschaftlichen Gestaltung und Abgrenzung einsetzten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der historische Kontext der 68er, die linguistische Analyse der APO- und SPD-Sprache sowie die kritische Reflexion über die Macht von Begriffen in der politischen Kommunikation.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, wie die Sprache der 68er konzipiert war und auf welche Weise sie in einen Dialog mit dem politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld trat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer linguistischen Analyse, die historisches Quellenmaterial wie Flugblätter, Schriften von Intellektuellen wie Marcuse und Adorno sowie zeitgenössische politische Dokumente auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird der Sprachgebrauch der APO und der SPD detailliert gegenübergestellt, das Konzept der "Hochwertvokabeln" erläutert und eine kritische Auseinandersetzung mit der "linken Sprache" geführt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachkritik, politische Sprache, Herrschaftskritik, Wortkampf und gesellschaftliche Transformation charakterisiert.

Welche Rolle spielt die Kritische Theorie bei der Analyse der APO-Sprache?

Die Kritische Theorie liefert die theoretische Basis für die APO, um die herrschende Gesellschaftsordnung durch gezielte Sprachkritik zu demaskieren und durch eine neue politische Terminologie unter "Ideologieverdacht" zu stellen.

Wie unterscheidet sich die Sprache der SPD von der der APO?

Obwohl beide von Konservativen oft unter dem Begriff "Linke Sprache" zusammengefasst wurden, unterschieden sie sich in ihrer Ausrichtung: Die APO radikalisierte den Sprachgebrauch zur Provokation, während die SPD unter der Ära Brandt eine stärker an regierungspolitischen Realitäten orientierte, wenn auch konfliktreiche Sprache nutzte.

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Details

Title
68er als sprachhistorisches Ereignis
Subtitle
Die Sprache der 68er
College
University of Basel  (Deutsches Seminar)
Grade
gut
Author
Sylvia Meier (Author)
Publication Year
2007
Pages
17
Catalog Number
V146627
ISBN (eBook)
9783640573646
ISBN (Book)
9783640573448
Language
German
Tags
68er-Sprache Jugendsprache Achtundsechziger Die Sprache der 68er Sprache der Revolte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sylvia Meier (Author), 2007, 68er als sprachhistorisches Ereignis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146627
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