Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - Postwar Period, Cold War

Der Eichmann-Prozess im Spiegel der bundesdeutschen Presse

Ein Vergleich der Berichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der ZEIT

Title: Der Eichmann-Prozess im Spiegel der bundesdeutschen Presse

Seminar Paper , 2008 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Carolin Gadinger (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„An dieser Stelle, an der ich vor Sie trete, Richter in Israel, stehe ich nicht allein. Mit mir treten zu dieser Stunde sechs Millionen Kläger auf. Aber sie können sich nicht mehr erheben. (…). Denn ihre Asche liegt verstreut auf den Hügeln von Auschwitz, auf den Feldern Treblinkas. (…). Ihre Gräber sind verstreut über alle Länder Europas. (…). In ihrem Namen werde ich die furchtbare Anklage erheben.“
Mit diesen Worten des israelischen Generalstaatsanwalts Gideon Hausner begann im April 1961 der Prozess gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der in entscheidender Schlüsselrolle für die Ausrottung des jüdischen Volkes im Dritten Reich verantwortlich war. Als Leiter des Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt war er zwar am direkten Tötungsprozess nicht beteiligt, allerdings organisierte er die Transporte in die Vernichtungslager, arbeitete die Fahrpläne aus und sorgte für die ausreichende Nutzung der Gaskammern. Nach seiner Entführung durch den israelischen Geheimdienst wurde er 1961 vor Gericht gestellt und die ganze Welt schaute zu. 500 Journalisten berichteten vom Prozess, die israelischen Rundfunksender übertrugen wichtige Teile aus dem Gerichtssaal und das Deutsche Fernsehen informierte die Zuschauer nicht nur in den Tagesnachrichten, sondern auch zweimal wöchentlich in Sondersendungen unter dem Titel „Eine Epoche vor Gericht“ über die Geschehnisse in Jerusalem. Die vorliegende Arbeit soll aufzeigen, wie die Verbrechen Adolf Eichmanns und der Prozess gegen ihn in der bundesdeutschen Presse thematisiert wurden. Dazu sollen die Berichterstattungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Zeit genauer untersucht werden, wobei sich die Untersuchung auf den Zeitraum von April bis Juli 1961 konzentriert. Auch soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die deutsche Öffentlichkeit den Prozess nutzte, um die nationalsozialistischen Verbrechen zu verarbeiten. Wurde der Prozess zum Anlass genommen, sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen oder forderte man einen „Schlussstrich“? Galt Eichmann als Ausnahme, die nichts mit den Moralvorstellungen des „normalen“ Deutschen gemein hatte oder wurde angenommen, dass sich jeder in seiner Situation und Stellung so verhalten hätte? Wie verlief die Berichterstattung und wo lag ihr zeitlicher Höhepunkt? Welche thematischen Schwerpunkte wurden jeweils gesetzt?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verlauf der Berichterstattung deutscher Zeitungen über den Prozess

3. Vergleich der beiden Zeitungen

3.1. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung

3.2 Die Zeit

4. Zusammenfassung der Analyseergebnisse

5. Fazit

6. Quellen - und Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der Eichmann-Prozess im Jahr 1961 in der bundesdeutschen Presse, konkret in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Zeit, thematisiert wurde. Ziel ist es, die Berichterstattung im Zeitraum von April bis Juli 1961 zu analysieren, um aufzuzeigen, wie die deutsche Öffentlichkeit den Prozess zur Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Verbrechen nutzte und welche inhaltlichen Schwerpunkte und moralischen Deutungsmuster dabei durch die beiden Zeitungen gesetzt wurden.

  • Vergleichende Analyse der Berichterstattung von Tages- und Wochenzeitung
  • Rezeption und Thematisierung der Person Adolf Eichmann in der Presse
  • Wahrnehmung der Verantwortung der Deutschen für NS-Verbrechen
  • Rolle des Prozesses bei der Aufarbeitung der Vergangenheit
  • Reflexion des deutsch-israelischen Verhältnisses durch die Berichterstattung

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte zum Zeitpunkt des Prozesses eine Auflage von 327.000 Exemplaren. Hinsichtlich der zeitlichen Gewichtung der Berichterstattung fügte sie sich nahtlos in das oben vorgestellte Gesamtbild. So berichtete die FAZ im Mai 1961 mit fast 60 Beiträgen am häufigsten über die Gerichtsverhandlung. Im September 1961, also einen Monat nach Ende des Prozesses, lediglich mit zwei Artikeln.

Betrachtet man den Untersuchungszeitraum, so wird deutlich, dass die Art der Berichterstattung in zwei Teile aufgeteilt wurde. Zum einen berichtete die FAZ gemäß ihrer Funktion als Tageszeitung in sachlichen Artikeln über das Prozessgeschehen. So thematisierte sie zum Beispiel auch die Stimmen bundesdeutscher Politiker, wie Bundeskanzler Adenauer, wie im Artikel „Adenauer dankt Ben Gurion“. Zum anderen berichtete der nach Israel entsandte Journalist Joachim Schwelien in sehr ausführlichen Berichten über den Prozess, wobei er nicht nur rein sachliche und informierende Artikel lieferte, sondern auch solche, die sich mit Nebenthemen des Eichmann-Prozesses beschäftigten. So widmete er sich im Artikel „Hinter der Glaswand“ ausführlich der Person Eichmanns, dessen Verstrickung in die Verbrechen und verknüpfte dies mit der Frage nach der Schuld der Deutschen. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass der sachliche Teil der Berichterstattung bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung deutlich dominierte. In diesem Teil ging es um die Wiedergabe des Prozessverlaufs, welche durch Darstellung von Zeugenaussagen und juristischen Vorgehensweisen dazu diente, den Leser auf den neuesten Informationsstand zu bringen. Diese Beschreibungen waren teils sehr detailliert und vermittelten somit ein genaues Bild des Prozesses.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung des Eichmann-Prozesses ein, skizziert den Untersuchungsrahmen der Arbeit und formuliert die leitenden Forschungsfragen bezüglich der medialen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit.

2. Verlauf der Berichterstattung deutscher Zeitungen über den Prozess: Dieses Kapitel ordnet den Eichmann-Prozess in vier chronologische Phasen ein und grenzt den für die Untersuchung zentralen Zeitraum von April bis Juli 1961 ein.

3. Vergleich der beiden Zeitungen: Der Hauptteil analysiert und vergleicht detailliert die Berichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie der Zeit hinsichtlich ihrer journalistischen Herangehensweise und inhaltlichen Gewichtung.

4. Zusammenfassung der Analyseergebnisse: Hier werden die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Vergleich der beiden Zeitungen zusammengeführt und die Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der medialen Darstellung und Interpretation hervorgehoben.

5. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung der Presseberichterstattung für den gesellschaftlichen Lernprozess und die verstärkte Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik.

6. Quellen - und Literaturverzeichnis: Dieses Verzeichnis listet sämtliche herangezogenen Zeitungsartikel und die verwendete wissenschaftliche Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Eichmann-Prozess, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, Presseberichterstattung, Nationalsozialismus, Vergangenheitsbewältigung, Holocaust, Joachim Schwelien, Robert Pendorf, Schuldfrage, Deutschlandbild, deutsch-israelische Beziehungen, NS-Verbrechen, öffentliche Meinung, 1961.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die mediale Aufarbeitung des Eichmann-Prozesses im Jahr 1961 durch zwei führende deutsche Publikationen, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Zeit.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die Themenfelder umfassen die Berichterstattung über den Prozessverlauf, die Darstellung von Adolf Eichmann als Person, die Frage der deutschen Schuld und die Rolle des Prozesses für die gesellschaftliche Vergangenheitsbewältigung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die deutsche Öffentlichkeit den Prozess nutzte, um sich mit den nationalsozialistischen Verbrechen auseinanderzusetzen, und ob dabei eine echte Aufarbeitung erfolgte oder eine Tendenz zum „Schlussstrich“ bestand.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende inhaltsanalytische Untersuchung der Presseberichterstattung im Zeitraum von April bis Juli 1961.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die spezifische Analyse der Berichterstattung der FAZ (Tageszeitung) und der Zeit (Wochenzeitung) sowie deren jeweilige Interpretation des Prozessgeschehens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Eichmann-Prozess, Vergangenheitsbewältigung, Presseberichterstattung, Schuldfrage und NS-Verbrechen.

Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen Tages- und Wochenzeitung für die Analyse?

Die Untersuchung zeigt, dass die FAZ als Tageszeitung den Fokus eher auf sachliche Information legte, während die Zeit als Wochenzeitung stärker reflektierend und moralisch wertend die Hintergründe und Folgen des Prozesses beleuchtete.

Wie wurde die Person Eichmann in den Medien charakterisiert?

Beide Zeitungen waren irritiert von der Diskrepanz zwischen den begangenen Verbrechen und der banalen, unscheinbaren Erscheinung Eichmanns im Gerichtssaal, wobei seine Rolle als „Rädchen im Getriebe“ des NS-Systems betont wurde.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Der Eichmann-Prozess im Spiegel der bundesdeutschen Presse
Subtitle
Ein Vergleich der Berichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der ZEIT
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Historisches Seminar)
Course
Geteilte Vergangenheit - Zum Umgang mit Nationalsozialismus in beiden deutschen Staaten
Grade
1,0
Author
Carolin Gadinger (Author)
Publication Year
2008
Pages
17
Catalog Number
V146701
ISBN (eBook)
9783640576210
ISBN (Book)
9783640575992
Language
German
Tags
Eichmann Presse Öffentlichkeit Die Zeit Nachkriegszeit Vergangenheitsbewältigung FAZ Holocaust
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carolin Gadinger (Author), 2008, Der Eichmann-Prozess im Spiegel der bundesdeutschen Presse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146701
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint