Die Entwicklung zur 2. Teilung Polens unter besonderer Berücksichtigung der Sichtweise Katharinas der Großen


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,3-1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Ereignisse nach 1772 bis hin zur 2. Teilung Polens 1793
2.1 Die außen- und innenpolitische Entwicklung der Lage Polens bis zur Maiverfassung 1791
2.2 Reaktionen auf die Maiverfassung und ihre Konsequenz: Die 2. Teilung
2.3 Die 2. Teilung Polens: Mögliche Gründe

3. Katharina II.: Kontroversen und Charakterbild
3.1 Katharina und die französischen Philosophen, eine Hassliebe?
3.2 Katharinas Selbstbild

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
Eigenständigkeitserklärung

1. Einleitung

„I prefer dangerous liberty to tranquil slavery”[1]

Dieses Zitat, das von dem Vater des berühmten Stanislaus Leszczyński stammt, verdeutlicht in etwa die Situation, in der sich die Polen nach der Ersten Teilung befanden. Sie hatten einiges an Land und Bevölkerung verloren, besaßen aber noch so viele Rohstoffvorkommen, Güter und den Zugang zum Meer, dass sie entweder den Versuch wagen mussten, sich von Russland als Vasall loszusagen oder sich in ihr Schicksal zu fügen und demselben untertan zu sein.

Über zwanzig Jahre bestand das polnische Reich nach der Ersten Teilung, bevor es 1793 zu einer Zweiten kam, danach war an Revisionen gar nicht mehr zu denken. Wie aber konnte es so weit kommen? Warum diese vergleichsweise späte Zweite Teilung? Wieso waren daran nur Preußen und Russland beteiligt, obwohl doch Österreich ebenfalls bei der Ersten und Dritten Teilung seinen Anteil einstreichen konnte?

War es wirklich die Maiverfassung, die den Ausschlag gab, das Fass zum Überlaufen zu bringen? Hätte man in Europa die Umwälzungen, die diese versprach, nicht als positiv ansehen müssen und vielleicht auch als Vorbild zu eigenen Verfassungsänderungen sehen sollen?

Katharina II. bildet in der Geschichte zur Zweiten Teilung eine starke Kontroverse. Noch sechs Jahre nach der Ersten Teilung unterhielt sie einen regen Briefwechsel mit Voltaire, der von dessen Tod beendet wurde. Dieser kann nicht gerade als den Vorstellungen der Monarchie angepasst gelten, vor allem in Ansichten, die das Bauerntum betreffen. Auch andere Größen der französischen Aufklärung gingen in dieser Zeit in St. Petersburg ein und aus.

Es erscheint daher wenig logisch, dass sich die Zarin 1791 gegen eine Verfassung auflehnt, die doch eigentlich nur den Normen ihrer vormaligen Günstlinge entspricht.

In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, die Ereignisse, die zu der Zweiten Teilung Polens führten, angemessen darzustellen und die Person Katharinas der Großen daraufhin kritisch, unter Hinzunahme ihrer Memoiren und dem bereits angesprochenen Briefwechsel mit Voltaire, zu beleuchten.

2. Die Ereignisse nach 1772 bis hin zur 2. Teilung Polens 1793

2.1 Die außen- und innenpolitische Entwicklung der Lage Polens bis zur Maiverfassung 1791

Warum konnte Polen im Oktober 1788 den Großen Sejm gründen[2] und eine Verfassung erlassen, die die erste Europas und die zweite der ganzen Welt war?

Eine mögliche Erklärung hierfür könnte sein, dass die Polen endlich einmal ein bisschen von Russlands Leine gelassen wurden, da Katharina II. um diese Zeit an zwei Fronten Krieg führte: Im Süden von 1787 bis 1792 gegen das Osmanische Reich und im Westen vom Juli 1788 bis zum August 1790 gegen Schweden. Dieses letzte Zeitfenster, in dem Russland einen Zwei-Fronten-Krieg führte, nutzten die polnischen Reformatoren und versuchten sich aus ihrer Abhängigkeit zu befreien.

Der Bündnispartner, den sie sich suchten, erwies sich allerdings als höchst ungünstig. Preußen war von Anfang an bestrebt den Plan des Ministers Hertzberg umzusetzen, der Danzig und Thorn und alles, was man sonst noch von Polen an Territorien bekommen könne, für Preußen wollte. Zuerst hoffte man sogar noch auf eine freiwillige Herausgabe dieser Gebiete durch Polen, aber wenn es nicht anders ginge, wäre eine weitere Teilung ebenfalls erwünscht.[3] Das Bündnis kam 1790 zu Stande.[4]

Preußen betrieb allerdings zu dieser Zeit ein kompliziertes Bündnissystem. Schon 1788 gehen sie eine „Triple Allianz“ mit England und den Niederlanden und 1790 ein Bündnis mit dem Osmanischen Reich ein. Daraus ließe sich wiederum der Schluss ziehen, dass Preußen allein auf die Umsetzung ihres „Hertzberger Plans“ aus war.[5]

Der Große Sejm zielt auf eine Änderung der konstitutionellen Strukturen ab, die 1773 von Katharina II. eingeführt wurden.[6] Diese Gesetzgebung wird ebenfalls von Voltaire bestätigt, der erwähnt, dass die Kaiserin den „Polen Gesetze“[7] gegeben habe. Des Weiteren wollte der Vierjahressejm, dass die Anzahl der Soldaten von 18000 auf 100000 angehoben würde[8], leider konnte eine Anfangssumme für das nötige Kapital erst Ende 1791 durch den Verkauf der Güter der Krone freigesetzt werden.[9] Eine rechtzeitige Aufstockung der Armee konnte daher nie erreicht werden.

Die Beschlüsse des Großen Sejm betreffend spielten sicher auch die Maximen der Französischen Revolution von 1789 eine große Rolle.[10] Der Sejm beschloss, dass neue Regierungsorgane, neue Besteuerungen sowie diplomatische und politische Initiativen ergriffen werden sollen. Eine dieser Initiativen war die Maiverfassung vom 3. Mai 1791.[11]

In dieser wurde zunächst das Liberum Veto und die Wahlmonarchie abgeschafft[12], zwei Organe, die Polen in seinen außenpolitischen Funktionen eher lähmten als dienten. Auf das Liberum Veto folgten Mehrstimmigkeitsentscheidungen, die Reformen ermöglichen sollen, statt deren Erlass zu blockieren.[13]

Die Idee Montesquieus von der Trennung der drei Gewalten, Legislative, Judikative und Exekutive, wurde aufgegriffen. Der Katholizismus wurde zum regierenden Glauben gemacht und eine zwar geringe, aber spürbare Beteiligung der Bürger gefordert.[14]

Die neue Verfassung wurde ohne Widerstand angenommen und brachte vor allem dem König Stanislaw August, der an dieser mitgewirkt hatte, Lobreden seiner Untertanen ein. Dieser bemühte sich um eine Atmosphäre der Normalität nach den Reformen, um die Szlachta nicht zu beunruhigen.[15]

Allerdings bestand unter denen, die gegen den König Stanislaw August Poniatowski arbeiteten, keine absolute Einigkeit. Es gab zwei Fronten. Die eine wollte die Reformen, die andere forderte eine Rückkehr zum Status Quo vor August III.[16]

Hatte noch vor 1788 Katharina II. die „Goldene Freiheit“ des Adels in Polen gesichert[17], so war dieser nun auf sich selbst gestellt, um seine Reformen auch durchzusetzen. Leider sollte die Verfassung niemals die Chance bekommen ein Erfolg oder Misserfolg zu werden.[18]

[...]


[1] Rafal Leszczyński, zitiert in: Lukowski, Jerzy, Lieberty’s Folly: The Polish- Lithuanian Commonwealth in the eighteenth century, 1697-1795, USA/Canada 1991,125.

[2] Vgl. Lukowski, Jerzy, Lieberty’s Folly: The Polish- Lithuanian Commonwealth in the eighteenth century, 1697-1795, USA/Canada 1991,124.

[3] Vgl. Lukowski (1991),124.

[4] Vgl. Müller, Michael, Die Teilungen Polens: 1772-1793-1795, München 1984,45.

[5] Vgl. Müller (1984),45.

[6] Vgl. Lukowski (1991),124.

[7] Schumann, Hans(Hrsg.), Monsieur- Madame: der Briefwechsel zwischen der Zarin und dem Philosophen/Katharina die Große; Voltaire, Zürich 1991,310.

[8] Vgl. Lukowski (1991),124.

[9] Vgl. Lukowski (1991),250.

[10] Vgl. Lukowski (1991),124.

[11] Vgl. Lukowski (1991),125.

[12] Vgl. Lukowski (1991),126.

[13] Vgl. Lukowski (1991),248.

[14] Vgl. Lukowski (1991),127.

[15] Vgl. Lukowski (1991),250/51.

[16] Vgl. Lukowski (1991),125.

[17] Vgl. Lewandowski, Jan, Der Große Sejm(1788-1792)-Ereignisse, Probleme und Leute, in: Peter Leisching/Peter Reinhalter(Hrsg.), Schriftenreihe der Internationalen Forschungsstelle Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa 1770-1850, Frankfurt am Main 1997,27/28.

[18] Vgl. Lukowski (1991),252.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung zur 2. Teilung Polens unter besonderer Berücksichtigung der Sichtweise Katharinas der Großen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Russland und die Teilungen Polens
Note
1,3-1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V146702
ISBN (eBook)
9783640556311
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
2. Teilung Polens, Katharina die Große, Voltaire, Teilungen Polens
Arbeit zitieren
Kiara Kötz (Autor), 2009, Die Entwicklung zur 2. Teilung Polens unter besonderer Berücksichtigung der Sichtweise Katharinas der Großen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146702

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