Wer oder was steuert den technischen „Fortschritt“ und wohin führt er uns?

Vergleich der Theorien der Technikentwicklung von Ellul, Lem und Horx


Seminararbeit, 2009

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Technikentwicklungstheorie von Jacques Ellul

3. Die Technikentwicklungstheorie von Stanislaw Lem

4. Die Technikentwicklungstheorie von Matthias Horx

5. Vergleich der Technikentwicklungstheorien

6. Kritik der Theorien aus der Perspektive der Techniksoziologie

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: Vergleich der Technikentwicklungstheorien von Ellul, Lem und Horx 16

1. Einleitung

Einem kritischen Beobachter der Debatten um neue Technologien fällt eine merkwürdige Gespaltenheit der Argumentation auf. Einerseits wird ein Automatismus des technischen „Fortschritts“ unterstellt. Dabei erscheint der Mensch nur als Zuschauer und Opfer. Auf der anderen Seite wird zu einer stärkeren Kontrolle der technischen Entwicklung aufgerufen und zum Teil sogar Umsteuerung gefordert. Einige Aussage in diesem Kontext sind sicher einer auf Aufmerksamkeit zielenden Rhetorik der Dramatisierung geschuldet (Rammert, 1993, S. 151 f.). Der Hauptgrund der Gespaltenheit der Technikdebatten liegt aber in den verschiedenen unausgesprochen zugrunde liegenden Theorien der technischen Entwicklung (Rammert, 2000, S. 59). Die Argumentation hängt entschieden von der Antwort auf die Titelfrage dieser Arbeit ab: Wer oder was steuert den technischen „Fortschritt“ und wohin führt er uns?

Ziel dieser Hausarbeit ist es, drei Technikentwicklungstheorien vergleichend vorzustellen. Ausgewählt wurden die Theorien von Jacques Ellul, Stanislaw Lem und Matthias Horx, weil sie sich in zentralen Punkten wesentlich voneinander unterscheiden.

In den Kapiteln 2 bis 4 werden die Theorien einzeln in groben Zügen wiedergegeben, um danach anhand von sechs Kriterien direkt miteinander verglichen zu werden (Kapitel 5). Im sechsten Kapitel werden die Theorien einer kurzen Kritik aus der Perspektive der neueren Techniksoziologie unterzogen. Abschließend wird aus den Ergebnissen ein Fazit gezogen (Kapitel 7).

2. Die Technikentwicklungstheorie von Jacques Ellul

Der französische Jurist, Philosoph, Theologe und Soziologe Jacques Ellul stellte seine Theorie der Technikentwicklung in seinem 1954 erschienen Werk mit dem Titel „La technique ou l'enjeu du siècle“ dar, dass erst mit der zehn Jahre später erfolgten englischen Übersetzung „The Technological Society“ international bekannt wurde.

Ellul definiert Technik folgendermaßen: „technique is the totality of methods rationally arrived at having absolute efficiency (for a given stage of development) in every field of human activity” (Ellul, 1964, S. xxv). Es geht ihm nicht nur um Technik im materiellen Sinn (z.B. Maschinen), sondern auch im immateriellen (z.B. Sozialtechniken wie bürokratische Verwaltung). Der Mensch ist nicht auf die Imitation von Naturprodukten angewiesen. Mit dem Verstand kann er Technik konstruieren bzw. Techniken erfinden, die kein Vorbild in der Natur haben. Die Ergebnisse seiner Entwicklungsbemühungen überprüft er und sucht nach Verbesserungsmöglichkeiten, denn das Ziel der Technik ist die höchstmögliche Effizienz und das Wesen der Technik ist die Suche nach dem einen besten Weg. In der modernen Welt greift das technische Prinzip auf alle Bereiche des menschlichen Lebens über. Die Hauptbeschäftigung des Menschen der Moderne ist es, in jedem Feld die effizienteste Methode zu finden. Das ist das „technische Phänomen“ (Ellul, 1964, S. 20 f.)

Aus Elluls Sicht ist kein sozialer Fakt bedeutender (und in seiner Bedeutung) weniger durchschaut als das „technische Phänomen“ (Ellul, 1964, S. 3). Mit seiner „Charakterologie der Technik“ versucht er diesem gefährlichen Zustand entgegenzuwirken. Aus seiner Sicht zeichnet sich die Technik der Moderne durch sieben Merkmale aus:

1. Rationalität: Rationalität äußert sich am eindrucksvollsten in Systematisierung, Arbeitsteilung, Schaffen von Standards und Produktionsnormen und Ähnlichem. Spontaneität und persönliche Kreativität werden durch die Rationalität ausgeschaltet. Die Logik ist die einzige zulässige Methode (vgl. Ellul, 1964, S. 78 f.).
2. Künstlichkeit: Ellul zufolge ist die Technik der Natur entgegengesetzt. Sie unterwirft und zerstört die natürliche Welt und erlaubt es ihr nicht, sich zu erholen. Eine symbiotische Beziehung zwischen Technik und Natur ist nicht möglich (vgl. Ellul, 1964, S. 79).
3. Automatismus (der Wahl): Zum technologischen Phänomen gehört die erwähnte Suche nach dem einen besten Weg. Dadurch verliert der konstruierende und erfindende Mensch die Möglichkeit zur Wahl, denn er kann sich nur für die effizienteste Möglichkeit „entscheiden“. Er ist nur dazu da, die Effekte und Ergebnisse der Technik zu registrieren. Die Technik gibt die Richtung ihrer Entwicklung gleichsam selbst vor. Das Merkmal des Automatismus hängt eng mit dem Kapitalismus zusammen. Im erbitterten Konkurrenzkampf können nur die effizientesten Methoden und Lösungen das Überleben eines Unternehmens sichern und ein starker Antrieb zur Technikentwicklung kommt aus der Wirtschaft. Der systemische Zwang führt nicht nur zum Automatismus der Wahl, sondern auch zur immer stärkeren Automatisierung der Produktion, was nach Ellul letztlich zum Zusammenbruch des Kapitalismus führen muss (vgl. Ellul, 1964, S. 79-85).
4. Selbststeigerung: Die modernen Menschen sind derart enthusiastisch in Bezug auf Technik und dermaßen überzeugt von ihrer Überlegenheit, dass sie ohne Ausnahme auf den technischen Fortschritt hin orientiert sind. Alle arbeiten daran. Die Zahl der Wissenschaftler und Techniker hat sich von 1800 bis 1950 mit jedem Jahrzehnt verdoppelt. Alles was Technik betrifft wächst Ellul zufolge automatisch und dieses Wachstum ist weder gewünscht noch gewählt. Die Technik greift wie erwähnt auf alle Bereiche des menschlichen Lebens über. Auch ein Politiker z.B. wendet (politische) Techniken an, um sich die Stimmen der Wähler zu sichern. Ellul erkennt zwei Gesetze der Selbststeigerung: 1) Der Technische Fortschritt ist unumkehrbar und 2) beschleunigt sich immer weiter (geometrisches Wachstum), denn jede Erfindung verlangt nach einer Vielzahl von weiteren Erfindungen. Nur der Zusammenbruch der („technologischen“) Gesellschaft kann diesen Prozess stoppen. Bei dem Glauben, dass der Mensch Herr der Technikentwicklung ist, handelt es sich um eine gefährliche Illusion. Die gleichzeitig (moralisch) blinde und klarsichtige (in Bezug auf das Ziel: Effizienz) Technik regiert allein (vgl. Ellul, 1964, S. 85-95).
5. Monismus: Das technische Phänomen und alle Techniken zusammen formen ein geschlossenes System, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Rationalisierung eines Gebiets hat unvermeidlich die Rationalisierung anderer Gebiete zur Folge. Zum Beispiel findet die Medienberichterstattung nicht ohne Grund auf niedrigem Niveau statt. Die effizientesten psychischen und psychoanalytischen Techniken werden angewendet um dem Massenpublikum zu gefallen und damit den Absatz zu steigern. Würden die Presse auf hohem intellektuellen Niveau berichten, wäre der Absatz gering oder es käme langfristig zu einer Revolte gegen die „technische Gesellschaft“. Die Technik toleriert keine moralische Bewertung. Es geht einzig und allein um Effizienz. Auch Techniker die moralische Bedenken haben und „gute“ Absichten verfolgen, können nichts ändern. Sie würden lediglich aufhören, gute Techniker zu sein, wenn sie sich nicht mehr am Effizienzkriterium orientieren. Jede neu verfügbare Technik wird so schnell wie möglich angewendet, denn sie muss sich in Form von Geld, Prestige oder Macht auszahlen, bevor sie veraltet ist. „Weil es möglich ist, war es nötig.“ ist das typische Prinzip der Technikentwicklung. Sobald die vollständige Überwachung der Bürger technisch möglich ist, wird sie auch realisiert. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass man die negativen Auswirkungen der Technik unterdrücken und nur die guten Seiten genießen kann, schon allein deswegen, weil die Auswirkungen einer neuen Technik nicht (vollständig) vorhersehbar sind (vgl. Ellul, 1964, S. 94-111).
6. Technischer Universalismus: Das technische Phänomen greift auf immer mehr Länder über und wird die ganze Welt erfassen. Ellul meint, dass jede Regierung und jede Unternehmensführung versucht, die „technische Versklavung“ so schnell wie möglich voranzutreiben, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Kulturelle Unterschiede werden neutralisiert und „traditionelle Religionen“ werden durch den Glauben an den technischen Fortschritt abgelöst. Das Resultat wird eine weltweite technische Einheitskultur sein. Selbstverständlich war die Kulturzerstörung von keinem Techniker intendiert, doch sie geschieht trotz aller Willensbekundungen, sie zu verhindern. Der Fehler aller Bemühungen, dieser Entwicklung Grenzen zu setzen, ist, dass sie zu spät kommen (vgl. Ellul, 1964, S. 116-133).
7. Technische Autonomie: Obwohl Ellul an einigen Stellen auf die unterstützende Funktion des Kapitalismus für die Herrschaft des technischen Phänomens hinweist, betont er, dass weder die Wirtschaft noch die Politik den technischen Fortschritt bestimmen. Es ist im Gegenteil die Technik, die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Wandel verursacht. Lange wurde behauptet, Technik sei weder gut noch schlecht, weder richtig noch falsch, sondern neutral. Ellul dagegen behauptet, sie ist zum Richter über die Moral geworden. Gut und richtig ist alles, was zu erhöhter Effizienz führt, alles andere ist verwerflich. Der Mensch beherrscht die Technik nicht, sondern sie beherrscht ihn und hält dabei die Illusion von Freiheit, Wahl und Individualität aufrecht (vgl. Ellul, 1964, S. 133-147).

Wie schon vor ihm Max Weber („Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“) und Georg Simmel („Philosophie des Geldes“) erkennt Ellul, dass sich in der modernen Gesellschaft das Verhältnis von Mittel und Zweck verändert hat. Effizienz war früher ein Mittel zum Zweck und ist in der technologischen Gesellschaft ein Selbstzweck, der wichtiger zu sein scheint, als jedes andere Ziel (vgl. Ellul, 1964, S. 19).

Umso weiter die Menschen in der technischen Entwicklung voranschreiten, desto mehr verschwimmt der Sinn dieses Prozesses. Die Frage „Wozu?“ wird nicht mehr gestellt. Ist es sinnvoll, alle technischen Möglichkeiten auszureizen? Ist es zum Beispiel erstrebenswert, die menschliche Reproduktion kontrolliert ablaufen zu lassen und den Menschen genetisch zu perfektionieren? Technikwissenschaftler haben enorme Macht, ihr Vermögen, die Technikentwicklung kritisch zu hinterfragen, tendiert Elluls Meinung nach aber gegen Null (vgl. Ellul, 1964, S. 428-436).

Im Vorwort zu ersten amerikanischen Ausgabe seines Werkes verteidigt sich Ellul gegen die Vorwürfe, er sei Pessimist. Er rät seinen Kritikern, ihre eigenen Hintergrundannahmen wie „Der Mensch ist frei“, „Der Mensch hat bisher jede Herausforderung gemeistert“ oder „Fortschritt ist immer positiv“ zu hinterfragen. Ellul wehrt sich auch gegen die Vorwürfe, Determinist und Fatalist zu sein. Er sieht sich zwar in der Tradition der französischen Strukturalisten, die sozialen Phänomenen ein Eigenleben und die Ausübung von Zwang auf Individuen bescheinigen, bestreitet aber – trotz zahlreicher Andeutungen in seinem Werk – Ausweglosigkeit suggerieren zu wollen. Stattdessen sieht er sich in der Rolle des Arztes, der eine Krankheit diagnostiziert und den wahrscheinlichen Verlauf abschätzt. Der Zweck des Buches sei es, den Leser wachzurütteln und über das System der technischen Notwendigkeit aufzuklären. Wenn eine große Anzahl von Menschen aufgeklärt werden würde, könnte sie den systemischen Zwang aufbrechen. Wie genau das zu bewerkstelligen sei, weiß Ellul allerdings auch nicht (vgl. Ellul, 1964, S. xxvii-xxxiii).

3. Die Technikentwicklungstheorie von Stanislaw Lem

Der polnische Mediziner, Philosoph und Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem legte seine technikphilosophischen Ansichten in seinem 1964 erschienen Werk „Summa technologiae“ nieder. Das Buch beinhaltet seine „Metatheorie der Gradienten der technologischen Evolution des Menschen“ (Lem, 1978, S. 22) und philosophisch-futurologische Gedanken über prinzipiell mögliche Technologien. Lem interessiert sich weniger dafür, was in 50 oder 100 Jahren sein wird, als für grundsätzliche Fragen zum Wesen der Technik. Er ist äußerst skeptisch in Bezug auf Aussagen von Zukunftsforschern, da er meint, der Weg der „Technoevolution“ (Lem, 1978, S. 12) sei nicht vorhersehbar. Das liegt zum einen an der unaufhörlichen Beschleunigung der wissenschaftlich-technischen Entwicklung (Prognosen wirken schon nach kurzer Zeit grotesk-lächerlich) und zum anderen im Wesen der Entwicklungsgesetze (Lem, 1978, S. 11 f.).

Lem versteht unter „Technologie“ die Ausnutzung der von der Wissenschaft gewonnenen Erkenntnisse über die Gesetzmäßigkeiten der Welt zur Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen (Lem, 1978, S. 45). „Im Grunde ist jede Technologie eine künstliche Verlängerung der natürlichen, allem Lebendigen angeborenen Tendenz, die Umwelt zu beherrschen oder ihr doch zumindest nicht im Kampf ums Dasein zu unterliegen“ (Lem, 1978, S. 9). Der Kern seiner technikphilosophischen Gedanken ist die Analogie von biologischer und technologischer Evolution. Beide Evolutionen lassen sich als Konkurrenzkampf der Arten um die bessere Anpassung an die Umwelt beschreiben. Die ersten Exemplare einer Art sind in ihrem Erscheinungsbild an anderen Arten orientiert. Sie sind häufig klein und primitiv. Scheinbar winzige Verschiebungen im Bereich der Umwelt, zu der nicht nur die geologische Welt, sondern auch die anderen Arten gehören, rufen Veränderungen im allgemeinen Gleichgewicht hervor. Dadurch wird die Expansion der neuen Art in Gang gesetzt. Sie dringt in bereits besetzte Gebiete ein und behauptet sich dort oder dringt in unbesetzte Gebiete vor und explodiert „in einer strahlenförmig auseinanderlaufenden evolutionären Radiation“ (Lem, 1978, S. 26) . Sie ist dann auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Mit der erneuten Erschütterung des Gleichgewichts kommt es zu neuen Radiationen. Die Art versucht durch Gigantismus, Zwergformen oder Überspezialisierung zu überleben. Gewöhnlicherweise führt nur die Strategie der Überspezialisierung dazu, dass die Art in einer ökologischen Nische erhalten bleibt (vgl. Lem, 1978, S. 25-27).

Den Mechanismus der technologischen Evolution kann man am Beispiel der Art des mit einem Verbrennungsmotor ausgestatteten Fahrzeugs illustrieren. Der erste Personenkraftwagen erinnerte an eine offene Kutsche ohne Deichsel. Im Kampf um das Dasein in der ökologischen Nische des Bereichs der Straße verdrängte das motorbetriebene Fahrzeug nicht nur die Kutsche. Mit der zunehmenden Vervollkommnung der Art kam es zu Radiationen wie dem Autobus, dem Lastwagen, dem Bulldozer, dem Panzer, dem Geländewagen und zahlreicher anderer Varianten. Über die Spätformen der Art kann man nur spekulieren. Denkbar ist die Verdrängung durch ein Luftkissenfahrzeug. Eine kleine motorbetriebene Mähmaschine zum Kurzhalten von Rasenflächen, die noch auf Rädern fährt, würde dann vielleicht als letzter dahinvegetierender Nachfahre von der Epoche des Automobils zeugen (vgl. Lem, 1978, S. 28-30).

Bei beiden Evolutionsformen handelt es sich um materielle Prozesse, welche die gleichen Gesetzmäßigkeiten aufweisen und in sich selbst organisierenden Systemen auftreten, der gesamten Biosphäre der Erde in der biologischen Form und der Gesamtheit der technischen Aktivitäten der Menschen in der technologischen. Triebkraft beider Evolutionen ist das Streben nach dem Zustand des stabilen Gleichgewichts, der Homöostase. Da sich aber die Umwelt ununterbrochen ändert, werden ständig Anpassungsleistungen gefordert. Scheinbar funktionslose Merkmale einer Technologie entstehen in der biologischen Evolution nach Kriterien der geschlechtlichen Auslese und in der Technoevolution durch Kriterien der Mode. Soviel zu den Ähnlichkeiten der Evolutionsformen (vgl. Lem, 1978, S. 31-33).

Es gibt auch eine Reihe von Unterschieden zwischen der Bioevolution und der Technoevolution. Urheberin der ersteren ist die Natur, Urheber der letzteren der Mensch (Lem, 1978, S. 33). Die biologische Evolution ist kurzsichtig, die technologische ist potentiell weitsichtig. Die erstere dient unmittelbar aktuellen Anpassungsbedürfnissen. Sie ist ein blinder Konstrukteur, der nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum handelt. Das Wissen der Bioevolution ist empirischer Art und ihre scheinbare Vollkommenheit verdankt sie dem ungeheueren Zeitraum, den sie durchlaufen hat. Die technologische Evolution nutzt eine vollkommen andere Konstruktionsmethode. Ihr Wissen ist potentiell theoretischer Art. Ein Ingenieur kann in einem kurzen Zeitfenster eine nicht funktionierende Maschine abstellen, die wichtigsten Konstruktionsmerkmale noch einmal durchdenken und sie dann völlig umbauen. Der Mensch kann neue Technologien prinzipiell zielgerichtet entwickeln und sie auch wieder aufgeben und ist in der Wahl der Baumaterialien relativ frei (vgl. Lem, 1978, S. 43-49). Trotzdem ist die Technoevolution genauso wenig steuerbar wie die Bioevolution. Letztere könnte mit der Gentechnologie aber unter die Kontrolle des Menschen geraten (Lem, 2006).

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wer oder was steuert den technischen „Fortschritt“ und wohin führt er uns?
Untertitel
Vergleich der Theorien der Technikentwicklung von Ellul, Lem und Horx
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Techniksoziologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V146709
ISBN (eBook)
9783640576814
ISBN (Buch)
9783640580132
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Techniksoziologie, technische Entwicklung, Technolution, Matthias Horx, Stanislaw Lem, Jacques Ellul
Arbeit zitieren
Paul Thierbach (Autor:in), 2009, Wer oder was steuert den technischen „Fortschritt“ und wohin führt er uns?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146709

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