Online-Communities - virtuelle Netzwerke - Social Web - Social Network, derart vielfältig sind die Bezeichnungen für eine neue Kommunikationskultur. Menschen, aber insbesondere Jugendliche, tauschen sich innerhalb einer Gemeinschaft via Internet untereinander aus. In Zeiten der Globalisierung, wo Grenzen verwischen, kommt diesem Phänomen der Kommunikation eine neue Bedeutung zu (Vgl. BUCHER; BONFADELLI 2007, S. 223. Jugendliche nutzen virtuelle, soziale Netzwerke wie schüler-vz oder facebook um sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. Nach den Ergebnissen der JIM-Studie nehmen immerhin 71 % der Jugendlichen regelmäßig über das Online-Netzwerk Kontakt mit ihren Freunden auf (Vgl. MEDIENPÄDAGOGISCHER FORSCHUNGSVERBUND SÜDWEST 2008, S. 14f. Dies zeigt den großen Einfluss von Online-Netzwerken im Alltag von Jugendlichen. Doch welche Auswirkungen haben diese Online-Netzwerke auf die realen Netzwerke von Jugendlichen? Gibt es mögliche Veränderungen in der Kommunikationsstruktur, wie tief greifend sind diese Veränderungen? Oder ist dieser medial-gesellschaftliche Hype um Online-Netzwerke übertrieben? Wird die Beeinflussung durch Online-Netzwerke zu ernst genommen? Welche Folgen hat dies für die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund?
Diesen Fragen will ich mich in dieser Arbeit annähern und versuchen Antwort(möglichkeit)en aufzuzeigen.
Im Regelfall werden in der wissenschaftlichen Literatur lediglich die Einflüsse und Auswirkungen auf Jugendliche im Allgemeinen betrachtet. Ich will meine Perspektive auf einen kleineren Ausschnitt dieser Gruppe lenken: Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Haltung gegenüber virtuellen Netzwerken in Abgrenzung zu realen Netzwerken sollen im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Den Schwerpunkt bildet eine Analyse von Online-Freundschaften im Vergleich zu face-to-face-Freundschaften.
Letztendlich soll mit diesen Ergebnisse überprüft werden, inwieweit Online-Netzwerken eine Integrationsfunktion für reale Netzwerke zugeschrieben werden kann. Als theoretisch-wissenschaftlicher Ausgangspunkt dient die Grounded Theory-Studie „Der Dritte Stuhl“ von BADAWIA als Konzept von Identitätsentwürfen von Migrantenjugendlichen (Vgl. BADAWIA 2002).
Inhaltsverzeichnis
I EINLEITUNG
II VORMERKUNGEN ZUR ARBEIT
1. BEGRIFFSERKLÄRUNGEN UND ABGRENZUNGEN
1.1 reale Netzwerke
1.2 virtuelle Netzwerke
1.3 Jugend/Jugendliche
1.4 Migrationshintergrund
III THEORETISCHER HINTERGRUND
2. ZUGANG ZU ONLINE-NETZWERKEN
2.1 Medienausstattung und –nutzung
2.2 Gründe für die Nutzung von Online-Netzwerken
2.3. Funktionen für Jugendliche
3. GESELLSCHAFTLICHER WANDEL DURCH ONLINE-KOMMUNIKATION
3.1 Individualisierung und Pluralisierung
3.2 Wandel der Kommunikationsstrukturen
4. SOZIALE NETZWERKE
4.1 Sozialisation durch soziale Kontakte
4.2 Peergroup als soziales Netzwerk
5. ASPEKTE DER INTERKULTURALITÄT
5.1 Der „Dritte Stuhl“ und die Folgen für Identitätsentwicklung
5.2 Kritik und ergänzende Identitätstheorien im Migrationskontext
6. INTERPENDENZ SOZIALER NETZWERKE UND INTERKULTURALITÄT
IV SOZIALFORSCHUNG
7. QUALITATIVE SOZIALFORSCHUNG
7.1 Grundlagen qualitativer Sozialforschung
7.2 Fragestellung der Erhebung
7.3 Auswahl und Beschreibung des Forschungsdesigns
7.4 Interviews mit den ausgewählten Jugendlichen
7.4.1 Interviewleitfaden
7.4.2 Stichprobenbeschreibung
7.4.3 Durchführung der Interviews
7.5 Auswertung der Interviews
7.5.1 Qualitative Inhaltsanalyse
7.5.2 Die Kategorien
V FORSCHUNGSERGEBNISSE
8. DIE INTERVIEWPARTNERINNEN
8.1 Adjoa
8.2 Alina
8.3 Fabio
8.4 Adrijan
9. ERGEBNISSE AUS DEN LEITFADENINTERVIEWS
9.1 Freundschaften in Online-Netzwerken
9.1.1 Bedeutung von Online-Freundschaften
9.1.2 Themen
9.1.3 Grenzen
9.1.4 Vertrauen vs. Enttäuschungen
9.1.5 Zusammenfassung
9.2 Vergleich realer und virtueller Netzwerke
9.2.1 Unterschiede realer und virtueller Netzwerke
9.2.2 Face-to-face Freunde sind auch Online-Freunde?
9.2.3 Online-Freunde statt face-to-face-Freundschaften?
9.2.4 Zusammenfassung
9.3 Nationalität in Online-Netzwerken
9.3.1 Freunde gleicher Herkunft
9.3.2 Nationalität als Diskriminierungsfaktor?
9.3.3 Zusammenfassung
9.4 (inter)kulturelle Kommunikation
9.4.1 Online-Netzwerke –Kommunikationsgrenzen verschieben sich
9.4.2 Sprache als kulturelle Gemeinsamkeit
9.4.3 Zusammenfassung
9.5 Integration (durch Online-Netzwerke)
9.5.1 Zweiheimisch?
9.5.2 Online-Netzwerke als Türöffner für Freundschaften?
9.5.3 Zusammenfassung
10. DISKUSSION DER ERGEBNISSE
VI ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Bedeutung virtueller Netzwerke im Alltag von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die Arbeit erforscht, inwieweit Online-Netzwerke reale Netzwerke beeinflussen, ob sie als Integrationsfunktion dienen können und wie die Jugendlichen ihre Freundschaften in diesen unterschiedlichen Welten verknüpfen oder abgrenzen.
- Vergleich zwischen realen und virtuellen sozialen Netzwerken bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund
- Analyse der Bedeutung von Online-Freundschaften im Gegensatz zu face-to-face-Kontakten
- Untersuchung der Rolle von Online-Netzwerken bei der Identitätsentwicklung und interkulturellen Kommunikation
- Rolle des "Dritten Stuhls" als bikulturelles Identitätskonzept
- Reflexion über Chancen und Risiken digitaler Medien für die Integration
Auszug aus dem Buch
Einführung
Online-Communities - virtuelle Netzwerke - Social Web - Social Network, derart vielfältig sind die Bezeichnungen für eine neue Kommunikationskultur. Menschen, aber insbesondere Jugendliche, tauschen sich innerhalb einer Gemeinschaft via Internet untereinander aus. In Zeiten der Globalisierung, wo Grenzen verwischen, kommt diesem Phänomen der Kommunikation eine neue Bedeutung zu (Vgl. BUCHER; BONFADELLI 2007, S. 223). Jugendliche nutzen virtuelle, soziale Netzwerke wie schüler-vz oder facebook um sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. Nach den Ergebnissen der JIM-Studie nehmen immerhin 71 % der Jugendlichen regelmäßig über das Online-Netzwerk Kontakt mit ihren Freunden auf (Vgl. MEDIENPÄDAGOGISCHER FORSCHUNGSVERBUND SÜDWEST 2008, S. 14f). Dies zeigt den großen Einfluss von Online-Netzwerken im Alltag von Jugendlichen. Doch welche Auswirkungen haben diese Online-Netzwerke auf die realen Netzwerke von Jugendlichen? Gibt es mögliche Veränderungen in der Kommunikationsstruktur, wie tief greifend sind diese Veränderungen? Oder ist dieser medial-gesellschaftliche Hype um Online-Netzwerke übertrieben? Wird die Beeinflussung durch Online-Netzwerke zu ernst genommen? Welche Folgen hat dies für die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund?
Diesen Fragen will ich mich in dieser Arbeit annähern und versuchen Antwort(möglichkeit)en aufzuzeigen.
Im Regelfall werden in der wissenschaftlichen Literatur lediglich die Einflüsse und Auswirkungen auf Jugendliche im Allgemeinen betrachtet. Ich will meine Perspektive auf einen kleineren Ausschnitt dieser Gruppe lenken: Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Haltung gegenüber virtuellen Netzwerken in Abgrenzung zu realen Netzwerken sollen im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Den Schwerpunkt bildet eine Analyse von Online-Freundschaften im Vergleich zu face-to-face-Freundschaften.
Zusammenfassung der Kapitel
I EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Thema der digitalen Kommunikationskultur bei Jugendlichen ein und erläutert die Forschungsintention sowie die Motivation der Autorin zur Untersuchung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
II VORMERKUNGEN ZUR ARBEIT: In diesem Kapitel werden zentrale Begriffe wie "reale Netzwerke", "virtuelle Netzwerke", "Jugendliche" und "Migrationshintergrund" definiert und abgegrenzt, um eine gemeinsame Grundlage für die Analyse zu schaffen.
III THEORETISCHER HINTERGRUND: Dieser Teil beleuchtet den Zugang zu Online-Netzwerken, den gesellschaftlichen Wandel durch Online-Kommunikation und die Bedeutung sozialer Netzwerke, inklusive des Identitätskonzepts des "Dritten Stuhls" für Jugendliche mit Migrationshintergrund.
IV SOZIALFORSCHUNG: Hier wird das methodische Vorgehen beschrieben, insbesondere der Einsatz qualitativer problemzentrierter Interviews sowie die Vorgehensweise bei der Transkription und Auswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse.
V FORSCHUNGSERGEBNISSE: Dieser Abschnitt präsentiert die Ergebnisse aus den Interviews, beginnend mit Profilen der Teilnehmer bis hin zur detaillierten Analyse der verschiedenen Kategorien wie Freundschaften, Vergleich von Netzwerken und Integration.
VI ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG: Die abschließende Betrachtung fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Soziale Arbeit im Umgang mit digitalen Medien bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund ab.
Schlüsselwörter
Online-Netzwerke, Reale Netzwerke, Soziale Arbeit, Migrationshintergrund, Identitätsentwicklung, Peergroup, Dritter Stuhl, Interkulturalität, Qualitative Sozialforschung, Integration, Mediensozialisation, Kommunikation, Freundschaften, Jugendliche, Hybrididentität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Vergleich zwischen realen und virtuellen sozialen Netzwerken von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und beleuchtet deren Rolle bei der Identitätsbildung und Integration.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf dem allgemeinen Internetnutzungsverhalten, der Bedeutung und Qualität von Online-Freundschaften im Vergleich zu face-to-face-Kontakten, dem Einfluss auf die reale soziale Integration und der kulturellen Identität.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Online-Netzwerke die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund unterstützen können und welchen Stellenwert sie als Ergänzung zu den realen Netzwerken einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, bestehend aus problemzentrierten Leitfadeninterviews mit Jugendlichen im Alter von 15 bis 16 Jahren, die durch einen Begleitfragebogen ergänzt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Hintergrund zum Thema Mediensozialisation und Interkulturalität sowie einen empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Experteninterviews in verschiedenen Kategorien analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Online-Netzwerke, Migrationshintergrund, Identitätsentwicklung, Peergroup, "Dritter Stuhl" und Integration.
Was genau versteht die Autorin unter dem Konzept des "Dritten Stuhls"?
Der "Dritte Stuhl" ist ein Identitätsentwurf für Jugendliche mit Migrationshintergrund, bei dem Elemente aus der Herkunfts- und der Ankunftskultur vereint werden, um eine bikulturelle Identität zu bilden, statt sich zwischen den Kulturen hin- und hergerissen zu fühlen.
Können Online-Netzwerke face-to-face-Freundschaften ersetzen?
Nach den Ergebnissen dieser Arbeit nein. Die Jugendlichen betonen die Bedeutung des direkten Kontakts ("draußen") für eine tiefere Verbindlichkeit; Online-Netzwerke werden primär als ergänzendes Kommunikationsmedium und zur Überbrückung von Entfernungen genutzt.
Haben Jugendliche mit Migrationshintergrund spezifische Diskriminierungserfahrungen online gemacht?
Die befragten Jugendlichen berichteten mehrheitlich, keine gezielte Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft erlebt zu haben, nehmen Online-Netzwerke eher als einen Ort des Interesses an ihrer Person wahr, auch wenn es Einzelfälle von Vorurteilen gibt.
- Quote paper
- Sandra Eisenmann (Author), 2009, „Wir sehen uns online“ - Eine Untersuchung zum Vergleich realer und virtueller Netzwerke von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146723