Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Philosophie - Sonstiges

Kann eine Schöpfung ohne Schöpfungsakt existieren? Der Konflikt zwischen al-Farabi, Avicenna und al-Ghazali im arabisch-islamischen Raum

Titel: Kann eine Schöpfung ohne Schöpfungsakt existieren? Der Konflikt zwischen al-Farabi, Avicenna und al-Ghazali im arabisch-islamischen Raum

Hausarbeit , 2022 , 16 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Till Kallenborn (Autor:in)

Philosophie - Sonstiges
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Kann eine Schöpfung ohne Schöpfungsakt existieren? Die Arbeit geht der Frage nach der Vereinbarkeit zwischen Philosophie und Religion am Beispiel des Konflikts zwischen al-Farabi, Avicenna und al-Ghazali im arabisch-islamischen Raum nach.

Rund um Bagdad, das damals die Metropole der Wissenschaften und Denker war, entwickelte sich so eine Gruppe an Gelehrten, die sich die altgriechischen Texte zunutze machten, sie studierten und daraus ihre eigenen Schlüsse zogen und weiterentwickelten. Zwei dieser Gelehrten, um die es in dieser Arbeit geht, waren al- Farabi und Avicenna. Al-Farabi entwickelte im Laufe seines wissenschaftlichen Lebens verschiedene philosophische Theorien. Die wohl bekannteste von ihnen ist sein Modell des Kosmos. Dieses Modell griff Avicenna ein paar Jahrzehnte nach al- Farabis Tod auf und ergänzte es an einigen Stellen nach seinen Ansichten. Das Modell beschreibt den Kosmos als stufenartiges Konstrukt, dessen ganze Existenz aus dem sog. ersten Prinzip entstand. Eines der Argumente von al-Farabi und Avicenna bestand darin, dass sie behaupteten, die Welt würde ewig existieren. Sie wurde, ihrer Ansicht nach, also nie geschaffen. Diese Behauptung rief natürlich die Religion inkl. ihrer Verfechter auf den Plan. Einer von ihnen war Abu Hamid al-Ghazali, der sein wissenschaftliches Leben irgendwo zwischen Religion und Philosophie verbrachte. Diese Behauptungen konnte er aber nicht akzeptieren und kritisierte Teile des Kosmosmodells nach al-Farabi und Avicenna.

Diesen Konflikt werde ich in dieser Arbeit vorstellen. Ich beginne mit der Darlegung des Modells nach al-Farabi und erkläre im Anschluss, an welchen Stellen Avicenna Verbesserungsbedarf sah. Daraufhin stelle ich die Kritik al-Ghazalis vor und widme mich der Frage, was primär Avicenna zu den Vorwürfen der Theologen sagte und wie er durchaus eine Möglichkeit sah, sein Modell mit einem Gott zu vereinbaren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein neues Konzept - das Kosmosmodell

2.1 Al-Farabi und die Theorie des ersten Prinzips

2.2 Die Weiterentwicklung des Modells durch Avicenna

3. Die Antwort der Theologie – Abu Hamid al-Ghazali

4. Der Diskurs um die Vereinbarkeit des Kosmosmodells und der Religion

5. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen philosophischer Naturwissenschaft und religiösem Schöpfungsglauben im arabisch-islamischen Mittelalter. Dabei wird insbesondere der Diskurs zwischen al-Farabi und Avicenna sowie deren Kritik durch al-Ghazali analysiert, um zu klären, inwiefern eine rationale Welterklärung mit der Vorstellung eines aktiven Schöpfergottes vereinbar ist.

  • Das stufenweise Kosmosmodell nach al-Farabi und Avicenna
  • Die Weiterentwicklung der Emanationstheorie durch Avicenna
  • Die theologische Kritik durch Abu Hamid al-Ghazali
  • Die Auseinandersetzung um Zeit, Ewigkeit und den Schöpfungsakt
  • Möglichkeiten der Versöhnung von Metaphysik und Religion

Auszug aus dem Buch

2.1 Al-Farabi und die Theorie des ersten Prinzips

Abu Nasr Muhammad ibn Takhan ibn Uzlug al-Farabi lebte ca. von 870-950. Er stammte aus einem kleinen Dorf im heutigen Turkmenistan und hatte Khorasan und später Mathematik, Medizin, Musik und vor allem Philosophie in Bagdad studiert. Er lernte dort von den bedeutendsten Lehrern der damaligen Zeit. Heute wird er selbst allerdings als eigentlicher Begründer der arabisch-islamischen Philosophie gesehen.

Er erhielt später sogar den Beinamen „Magister secundus“, also „der zweite Meister“ nach Aristoteles. Diesen verdiente er sich primär damit, dass er der Erste war, der eine methodisch überzeugende Begründung zu seinen Annahmen lieferte und ein umfassendes hermeneutisches Konzept vorlegte, das diese untermauerte. Für diese Arbeit ist vor allem sein Konzept des sog. Ersten Prinzips wichtig. In seinen metaphysischen Ansichten unterschied er sich von Aristoteles primär in seiner Vorstellung, dass das Seiende eben aus mehr als einem Teil bestehe. Al-Farabi war der Auffassung, dass es zwei Seiende gibt, die in einem Verhältnis von Ursache und Wirkung zueinander stehen. Eines der beiden Seienden besitzt eine mögliche Existenz, das andere Seiende sei notwendig existent.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Philosophiegeschichte des arabischen Raums und Vorstellung der zentralen Denker al-Farabi, Avicenna und al-Ghazali.

2. Ein neues Konzept - das Kosmosmodell: Erläuterung des stufenartigen Emanationsmodells und der Theorie des ersten Prinzips bei al-Farabi sowie dessen triadische Erweiterung durch Avicenna.

3. Die Antwort der Theologie – Abu Hamid al-Ghazali: Analyse der theologischen Gegenposition, die al-Ghazalis Kritik an der ewigen Welt und den fehlenden Schöpfungsakt thematisiert.

4. Der Diskurs um die Vereinbarkeit des Kosmosmodells und der Religion: Gegenüberstellung der Argumentationslinien, insbesondere in Bezug auf Zeitbegriff, Kausalität und den göttlichen Willen.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Konflikts als Ausdruck eines gesellschaftlichen Glaubensdiskurses, bei dem die Vereinbarkeit von der individuellen theologischen Deutung abhängt.

Schlüsselwörter

Arabisch-islamische Philosophie, Al-Farabi, Avicenna, Al-Ghazali, Emanation, Erstes Prinzip, Kosmosmodell, Schöpfung, Theologie, Metaphysik, Notwendigkeit, Kausalität, Weltentstehung, Intellekte, Philosophiegeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den philosophisch-theologischen Konflikt im arabisch-islamischen Mittelalter, insbesondere die Frage, ob die Welt als ewiges, emanatives Konstrukt mit einem religiösen Schöpfungsbegriff vereinbar ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Metaphysik des "Ersten Prinzips", die Theorie der Emanation, das Verständnis von Zeit und Bewegung sowie die theologische Kritik an philosophischen Weltbildern.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die philosophischen Modelle von al-Farabi und Avicenna sowie die Kritik al-Ghazalis darzulegen, um zu prüfen, ob ein Platz für einen persönlichen Gott in diesen Systemen existiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematische philosophische Analyse, die mit Literaturrecherche und der interpretativen Auswertung historischer Primärquellen arbeitet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kosmosmodelle der Philosophen, die anschließende Kritik durch al-Ghazali und die detaillierte Untersuchung der Vereinbarkeitsfrage.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Emanation, Erstes Prinzip, Notwendigkeit, Theologie, Metaphysik und Kosmosmodell.

Warum wird Avicennas Modell als triadisch bezeichnet?

Im Gegensatz zu al-Farabis dyadischem Verständnis geht Avicenna davon aus, dass bei jeder Emanationsstufe drei Instanzen hervorgehen: eine Intelligenz, eine Seele und ein Körper.

Wie begründet al-Ghazali seine Ablehnung der ewigen Welt?

Al-Ghazali argumentiert, dass eine Welt, die ewig bestünde, keinen aktiven Schöpfungsakt Gottes benötigen würde, was im direkten Widerspruch zum religiösen Verständnis eines willentlichen, schöpferischen Aktes stehe.

Welche Rolle spielt der Zeitbegriff in der Argumentation?

Der Zeitbegriff ist zentral, da die Philosophen Zeit als Maß der Bewegung verstehen, die immer währt, während al-Ghazali die Zeit selbst als eine von Gott geschaffene Größe betrachtet.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kann eine Schöpfung ohne Schöpfungsakt existieren? Der Konflikt zwischen al-Farabi, Avicenna und al-Ghazali im arabisch-islamischen Raum
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Autor
Till Kallenborn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
16
Katalognummer
V1467368
ISBN (PDF)
9783389015803
ISBN (Buch)
9783389015810
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islamische Philosophie Schöpfung Avicenna Al-Ghazali Al-Farabi
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Till Kallenborn (Autor:in), 2022, Kann eine Schöpfung ohne Schöpfungsakt existieren? Der Konflikt zwischen al-Farabi, Avicenna und al-Ghazali im arabisch-islamischen Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1467368
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum