"O Alquimista" als Märchen


Hausarbeit, 2005

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Was ist ein Märchen?
2.1. Definition
2.2. Die 31 Funktionen der handelnden Figuren im Zaubermärchen nach Vladmir Propp

III. „O Alquimista“ als Märchen
3.1. Skizzierung der Handlung
3.2. Pro und Contra
3.3. Die 31 Funktionen der handelnden Figuren in „O Alquimista“
3.4. Magische und religiöse Elemente
3.5. Belehrende Elemente

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho erlangte durch die Veröffentlichung seines Welterfolges „O Alquimista“ im Jahre 1989 Berühmtheit und Ehre, vor allem im Ausland. Trotz seiner umstrittenen Werke zählt er weiterhin zu den Bestseller-Autoren und begeistert eine Vielzahl von Lesern.

“O Alquimista” erzählt die Geschichte des andalusischen Hirten Santiago, welcher sich auf die Suche nach einem verborgenen Schatz nahe der Pyramiden begibt, nachdem er von diesem mehrmals geträumt hatte. Auf seiner Reise muss er viele Abenteuer und Proben bestehen und begegnet vielen Menschen, die ihn begleiten, und ihm den richtigen Weg weisen.

Coelhos Geschichte scheint mit seinen fantastischen und verzaubernden Elementen einem Märchen zu gleichen. Deren oft faszinierende Wirkung auf alle Generationen könnte ein Grund für die Beliebtheit des Buches sein.

Auf Grund dessen soll in dieser Arbeit ergründet werden, ob „O Alquimista“ tatsächlich mit einem Märchen verglichen werden kann und märchenhafte Strukturen oder Elemente aufweist. Dafür werden im ersten Kapitel grundlegende allgemeine Definitionen dargestellt, die einen Überblick über das Genre Märchen geben. Des Weiteren wird der russische Märchenforscher Vladimir Propp kurz vorgestellt, welcher die gattungstypischen Einheiten der Handlung russischer Zaubermärchen untersucht und anhand dessen eine Liste von Funktionen der handelnden Figuren aufgesellt und bestimmt hat. Mit diesem Hintergrund sollen die erarbeiteten theoretischen Aspekte auf das Werk Paulo Coelhos’ im zweiten Kapitel angewandt werden, um übereinstimmende und abweichende Charakteristiken zu analysieren.

II. Was ist ein Märchen?

2.1. Definition

Märchen haben schon immer eine faszinierende Wirkung auf die Menschen ausgeübt. Aber was genau ist eigentlich ein Märchen?

Märchen zählen zu den kürzeren Prosaerzählungen und handeln von wunderbaren, phantastischen Begebenheiten. Dabei ist die Handlung weder zeitlich noch räumlich eingegrenzt oder festgelegt. Märchen beginnen daher auch oft mit der bekannten Einführung „Es war einmal...“ und enden mit dem Satz „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Im Mittelpunkt der Handlung stehen phantastische Ereignisse oder phantastische Elemente, welche in Fabelwesen (Drachen, Feen, Hexen, Riesen, Zwergen etc.), sprechenden Tieren, Pflanzen oder Dingen und wunderbaren Hilfsmitteln, wie Zauberlampen, zum Ausdruck kommen. Vorallem bei den Zaubermärchen zählen Zaubereien, Wunder und das Übernatürliche zu den wichtigsten Charakteristiken.

Der russische Märchenforscher Vladimir Propp1 unterschied 7 typische Handlungs­träger, die immer wieder im Märchen auftreten: Held, Prinzessin, Helfer, Schenker, Auftraggeber, Aggressor, falscher Held.

Der Hauptträger der Handlung ist der Held, welcher der diesseitigen Welt angehört und Auseinandersetzungen mit guten und bösen, natürlichen und übernatürlichen Kräften bestehen muss. Alle weiteren wichtigen Figuren sind auf die Hauptfigur bezogen als deren Helfer, Gegner etc. und entstammen oft der außermenschlichen Welt. Hinzu treten meist Figuren wie Hexen, Feen, Zauberer, Riesen oder Zwerge, welche ebenfalls einer Über- oder Unterwelt angehören.

In sprachlicher Hinsicht lassen sich im Märchen viele Redensarten und Sprichwörter wieder finden. Aber auch Wiederholungen sind signifikante Charakteristiken der Märchen. So ist die Handlung meist sehr einfach und wird mehrmals wiederholt, oft sogar wortwörtlich.

Weitere Merkmale und Eigenheiten des Genres Märchen werden in den folgenden

Wesenszügen, angelehnt an die Einteilung Max Lüthis, dargestellt2:

a) Eindimensionalität

Märchen sind von einer natürlichen und übernatürlichen Welt geprägt, welche nahtlos ineinander übergehen, d.h. die Welt der Realität und die Welt der Magie treffen aufeinander. Dabei scheint dies für die Figuren nicht ungewöhnlich zu sein und die Menschen im Märchen begegnen den Übernatürlichen (Feen, Hexen, Riesen, Drachen etc.) als wären sie ihresgleichen.

b) Flächenhaftigkeit

Die Flächenhaftigkeit eines Märchens besteht darin, dass die Charaktere und deren Umwelt nur sehr knapp skizziert und beschrieben werden. Es werden nur sehr selten Körper- oder Charaktereigenschaften der Figuren benannt, Gefühle und Emotionen werden kaum erwähnt und sehr grob gehalten. Oft steht nur eine einzelne Emotion oder Eigenschaft einer Figur im Vordergrund und die Gefühlswelt wird nur in soweit ausgebaut, dass sie die Handlung beeinflusst oder für sie wichtig erscheint. Dies führt dazu, dass die Figuren nicht individuell gekennzeichnet sind, sondern sehr allgemein gehalten werden. Sie bleiben deshalb auch meist unbenannt und werden einfach nur mit „König“, „Junge“ oder „Hexe“ tituliert.

Im Zusammenhang damit fehlt dem Märchen auch die Dimension der Zeit und des Raumes durch unbestimmte Zeit- und Ortsangaben.

c) Abstrakter Stil

Im Zusammenhang mit der Flächenhaftigkeit des Märchens steht sein abstrakter Stil. Durch die Technik des einfachen Benennens von Umständen bzw. Geschehnissen, die Verwendung von festen Formeln, Sprüchen und Wiederholungen, aber auch durch die Trennung von Extremen (Gut und Böse) erscheint der sprachliche Stil sehr abstrakt. Es gibt auch keine gleichzeitigen Handlungen, sondern das Märchen besteht aus mehreren aufeinander folgenden Gliedern, wobei sich der Verlauf der Handlung immer an dem Helden orientiert.

d) Isolation und Allverbundenheit

Charakteristisch für Märchen ist die Isolation. Der Held geht immer alleine, isoliert, seinen Weg und ist an keine Beziehung zu anderen gebunden, was ihn allerdings dazu befähigt, jederzeit mit allen und allem eine Verbindung einzugehen und diese auch wieder zu lösen.

e) Sublimation und Welthaltigkeit

Märchen versuchen, die gesamte Welt zu umfassen. Sie spiegeln oft alle wesentlichen Elemente des menschlichen Seins wieder. Die Motive (Hochzeit, Armut, Verwaisung etc.) im Märchen entstammen der realen, natürlichen Welt, werden jedoch mittels magischer Elemente oder Motive (Auseinandersetzungen mit dem Jenseitigen, Verzauberungen etc.) entwirklicht.

[...]


1 Vgl. Propp, Vladimir: Morfologia del cuento, nähere Ausführungen im Kapitel 2.2.

2 Vgl. Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen. Form und Wesen.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
"O Alquimista" als Märchen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V146743
ISBN (eBook)
9783640576258
ISBN (Buch)
9783640576357
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paulo Coelho, Der Alchimist, Märchen, Propp, Literatur, Brasilien, brasilianische Literatur, Portugiesisch, Andalusien, Santiango, Alchimie, Universum, Träume, o alquimista, literatura, Brasil, conto, brazilian literature, Moral, Weisheit, Schriftsteller, author
Arbeit zitieren
Kathleen Polten (Autor), 2005, "O Alquimista" als Märchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146743

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