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Manipulationsmöglichkeiten bei Umfragen

Die Mehrheit der Studenten ist für Studiengebühren?

Title: Manipulationsmöglichkeiten bei Umfragen

Project Report , 2008 , 56 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Paul Thierbach (Author), Stephan Nickmann (Author)

Sociology - Methodology and Methods
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Die Einführung von allgemeinen Studiengebühren ist ein heiß diskutiertes Thema mit bildungs- und sozialpolitischer Brisanz. In einem solchen Fall bietet sich die Umfrageforschung an, um Klarheit bezüglich der Mehrheitsverhältnisse in der Bevölkerung zu schaffen. Die Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen „forsa“ führte im Auftrag des dem Bertelsmann-Konzern nahe stehenden Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2003 eine bundesweite Umfrage zum Thema Studiengebühren durch (CHE 2003). Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass „Die Mehrheit der Studierenden (59%) und die Mehrheit der Bevölkerung (67%) […] Studiengebühren befürworten würden, wenn diese den Hochschulen direkt zugute kommen und durch Darlehen finanziert werden können.“ (S. 2). Der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren (ABS) Klemens Himpele kritisierte das Vorgehen von CHE und forsa heftig (Süddeutsche Zeitung, 2003). So behauptete er, dass mit einer „suggestiven Fragestellung gearbeitet“ worden ist. Die Zustimmung oder Ablehnung der Befragten wurde nur zu drei verschiedenen Gebührenmodellen erfasst, aber nicht zur generellen Frage nach Studiengebühren. Himpele zufolge glaubten die Befragten, sie könnten bei der Wahl des Modells mitentscheiden und wählten deshalb die sie am wenigsten störende Variante. Die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Friedrich-Schiller-Universität Jena führten daraufhin eigene Umfragen mit ihren Studenten durch und kamen zum Ergebnis, dass jeweils weit mehr als die Hälfte der Befragten gegen Studiengebühren für das Erststudium ist (AStA der Universität München, 2004; LZaS, 2006). Das war der Ausgangspunkt für unsere Projektarbeit, die sich mit den Manipulationsmöglichkeiten beschäftigt, die durch Umfragen ermöglicht werden.

Zuerst klären wir, was Manipulation bedeutet und stellen Erkenntnisse der Psychologie des Überzeugens vor (Kap. 2). Danach wird der Leser mit der kognitionspsychologischen Theorie der Befragung (Kap. 3) und möglichen „Fehlerquellen“ bei der Konstruktion von Fragebögen bekannt gemacht (Kap. 4). Im Anschluss wird das Vorgehen bei unserer empirischen Kurzstudie beschrieben, die mithilfe eines dafür konstruierten Fragebogens zum Thema Studiengebühren eine Möglichkeit der Manipulation auf ihre Wirksamkeit testet (Kap. 5). Im darauf folgenden Kapitel werden dann die Ergebnisse der Kurzstudie vorgestellt und diskutiert (Kap. 6). Ein Fazit rundet die Projektarbeit ab (Kap. 7).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Manipulation und die Psychologie des Überzeugens

3. Die kognitionspsychologische Theorie der Befragung

4. Manipulationsmöglichkeiten bei der Fragebogenkonstruktion

4.1 Einleitender Überblick

4.2 Befragtenmerkmale

4.3 Frageeffekte

4.4 Situationaler Befragungskontext

5. Vorgehen bei der empirischen Kurzstudie

6. Vorstellung und Interpretation der Ergebnisse der empirischen Kurzstudie

6.1 Halo-Effekt

6.2 Wahrnehmung der versuchten Meinungsmanipulation

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das manipulative Potenzial von Umfragen durch den gezielten Einsatz von Frageeffekten und Kontextmanipulation, um zu analysieren, ob die Einstellung von Studierenden zum kontroversen Thema Studiengebühren durch suggestiv gestaltete Fragebögen beeinflusst werden kann.

  • Psychologische Grundlagen der Überzeugung und Manipulation.
  • Kognitionspsychologische Theorie der Befragung und Fehlerquellen.
  • Methoden der suggestiven Fragebogenkonstruktion (z.B. Halo-Effekt).
  • Empirische Kurzstudie mit kognitiven Interviews zur Validierung.

Auszug aus dem Buch

4. Manipulationsmöglichkeiten bei der Fragebogenkonstruktion

Die Antwort eines Befragten auf eine bestimmte Frage muss nicht unbedingt dem zu messenden „wahren Wert“ entsprechen, sondern kann von diesem abweichen. Der Grund hierfür liegt darin, dass Antwortreaktionen durch bestimmte bei der Beantwortung der Fragen auftretende Effekte (Antworteffekte) verfälscht werden und auf diese Weise Antwortfehler auftreten können (vgl. Strack, 1994, S. 10). Diese können durch unterschiedliche Aspekte hervorgerufen werden: Durch verfälschende Merkmale der Befragten, durch Aspekte der Frage selbst und schließlich auch durch Einflüsse der Befragungssituation.

Es erscheint uns dabei durchaus möglich, einige dieser Antworteffekte zu missbrauchen, d.h. sie absichtlich zu fördern, um die Ergebnisse einer Studie zu verzerren. Im Folgenden werden einige dieser verschiedenen Antworteffekte näher erläutert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die bildungs- und sozialpolitische Brisanz von Studiengebühren und den Ausgangspunkt der Untersuchung, der in der Kritik an suggestiven Umfragen zur Befürwortung von Studiengebühren liegt.

2. Manipulation und die Psychologie des Überzeugens: Dieses Kapitel definiert Manipulation als Herrschaftstechnik und stellt Robert Cialdinis „Waffen der Einflussnahme“ vor, um deren Relevanz für die Umfrageforschung zu verdeutlichen.

3. Die kognitionspsychologische Theorie der Befragung: Hier werden die fünf psychologischen Teilaufgaben dargelegt, die ein Befragter bei der Beantwortung eines Fragebogens durchlaufen muss, von der Fragenverstehens- bis zur Antwortphase.

4. Manipulationsmöglichkeiten bei der Fragebogenkonstruktion: Das Kapitel analysiert systematisch, wie durch Befragtenmerkmale, spezifische Frageeffekte und den situationalen Befragungskontext Antwortfehler absichtlich provoziert werden können.

5. Vorgehen bei der empirischen Kurzstudie: Die Autoren beschreiben das Design ihrer experimentellen Studie, bei der mittels eines Fragebogens und kognitiver Interviews untersucht wurde, ob der Halo-Effekt die Einstellung zu Studiengebühren manipulativ beeinflussen kann.

6. Vorstellung und Interpretation der Ergebnisse der empirischen Kurzstudie: Die Ergebnisse zeigen, dass zwar keine großflächige Meinungsänderung erzielt wurde, jedoch bei einigen Probanden Einflüsse der Kontextargumente auf die Urteilsbildung nachweisbar waren.

7. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass eine Manipulation durch Fragebogenkonstruktion bei hochrelevanten Themen für die Zielgruppe schwierig ist, da diese oft bereits über gefestigte Meinungen verfügen und eine hohe Konsistenzbestrebung aufweisen.

Schlüsselwörter

Manipulation, Umfrageforschung, Studiengebühren, Fragebogenkonstruktion, Halo-Effekt, Kognitive Interviews, Antworteffekte, Soziale Erwünschtheit, Suggestivfragen, Konsistenzstreben, Einstellungsmessung, empirische Sozialforschung, Befragungssituation, Split-Ballot, Urteilsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das manipulative Potenzial von Umfragen, insbesondere die Möglichkeiten, durch die Gestaltung von Fragebögen gezielt Antwortverzerrungen und Einstellungsänderungen bei Befragten zu erzeugen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die psychologischen Aspekte der Überzeugung, die kognitiven Prozesse der Fragebeantwortung, verschiedene Formen von Antworteffekten (wie der Halo-Effekt) sowie die Auswirkungen von Befragungskontexten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, empirisch zu testen, ob sich die Meinung von Studierenden zum Thema Studiengebühren durch suggestiv formulierte Itembatterien im Fragebogen manipulativ beeinflussen lässt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wurde eine empirische Kurzstudie durchgeführt, die auf einem experimentellen Fragebogendesign basiert und durch kognitive Interviews (Probing) ergänzt wurde, um die Denkprozesse der Probanden zu erfassen.

Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt der Arbeit?

Im Zentrum steht die Analyse des "Halo-Effekts" und anderer Kontext- oder Reihenfolgeeffekte, durch die ein Forscher die Antwortverteilung in eine gewünschte Richtung steuern könnte.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Manipulation, Umfrageforschung, kognitive Theorie der Befragung, Halo-Effekt und Fragebogenkonstruktion charakterisieren.

Wie gehen die Probanden mit der versuchten Manipulation um?

Die meisten Probanden erkannten den Manipulationsversuch nicht. Dennoch zeigte sich bei den meisten ein "Konsistenzstreben", das eine leichte Meinungsänderung verhinderte.

Warum war das manipulative Potenzial bei dieser Studie begrenzt?

Die Autoren vermuten, dass bei hochrelevanten Themen wie Studiengebühren die Probanden bereits eine sehr gefestigte Meinung besitzen, was eine Manipulation durch kurzfristige Fragebogen-Suggestionen deutlich erschwert.

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Details

Title
Manipulationsmöglichkeiten bei Umfragen
Subtitle
Die Mehrheit der Studenten ist für Studiengebühren?
College
Dresden Technical University  (Institut für Soziologie)
Course
Erhebungsdesign und Fragebogenkonstruktion
Grade
1,0
Authors
Paul Thierbach (Author), Stephan Nickmann (Author)
Publication Year
2008
Pages
56
Catalog Number
V146746
ISBN (eBook)
9783640583904
ISBN (Book)
9783640584390
Language
German
Tags
Empirische Sozialforschung Meinungsforschung Manipulation Manipulationsmöglichkeiten Fragebogenkonstruktion Studiengebühren Kognitionspsychologie Überzeugung Waffen der Einflussnahme Robert Cialdini Theorie der Befragung Frageeffekte Frageformulierung Antwortverhalten Halo-Effekt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paul Thierbach (Author), Stephan Nickmann (Author), 2008, Manipulationsmöglichkeiten bei Umfragen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146746
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